Sietas Hamburgs älteste Werft erfindet sich neu
Seit 1635 existiert die Sietas-Werft. Die Krise traf sie hart, ein neues Produktionsverfahren soll der Werft helfen, sie zu bewältigen. Wiebke Baden hat es sich angesehen
© Marita Theiling für ZEIT ONLINE

Der Schiffsbug wirkt wie präzise abgeschnitten. Über Gerüste klettern die Arbeiter in seine Innenräume, um ihn komplett auszufertigen.
Im Schiffbau ist alles riesig. Das Gelände der Sietas-Werft in Hamburg ist 16.000 Quadratmeter groß, dennoch reicht der Blick hier nur ein paar Schritte weit. Er wird verstellt durch einen mehrere Meter hohen rostigen Schiffsbug gleich hinter dem Eingangstor. Später einmal soll aus dem Bug ein ganzes Schiff werden, im Moment aber ist er aufgeschnitten wie ein Tortenstück, mit zu den Seiten hin offenen Stockwerken. In den Etagen sind, in Blaumännern und geschützt durch gelbe Helme, die Schiffsbauer hämmernd und schweißend zugange.
Die anderen Teile des Schiffes, Sektionen genannt, liegen über das gesamte Werftgelände verstreut. Zwischen ihnen begegnen einem ständig Arbeiter auf alten, quietschenden Hollandrädern. Sie haben Fragen, die sie anderswo auf dem Gelände klären wollen. Um zu Fuß von einem Ende des Grundstücks zum anderen zu gelangen, vergeht schnell eine halbe Stunde. Die Zeit haben die Arbeiter aber nicht, wenn die Schiffe in Zukunft nicht mehr in 13, sondern bereits in 10 Monaten fertig sein sollen - das ist das Ziel der Geschäftsführung.

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Sietas muss schneller werden. Die älteste Werft Hamburgs, 1635 gegründet und seither in Familienbesitz, steckt in der Krise, wie so viele Unternehmen der Branche. In der Rezession haben die Reeder viele Aufträge storniert. "Sietas geriet unter Druck", sagt Gerhard Carlsson vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik, in dem sich die deutschen Werften zusammengeschlossen haben. Der Kreditgeber, die HSH Nordbank, drängte auf eine neue, externe Geschäftsführung. Jetzt leiten Rüdiger Fuchs, ehemaliger Airbus-Manager, und Rüdiger Wolf, der vorher Unternehmensberater bei Roland Berger war, das Unternehmen.
Sie wollen die Krise durch ein neues Fertigungsverfahren bewältigen. Das Besondere daran: Sietas setzt die einzelnen Bauteile erst zusammen, wenn sie komplett fertig sind. "Wie Legosteine", sagt Werftkapitän Heino Rudolph. Das ist neu, ebenso wie die Tatsache, dass die Schiffsbauer in gemischten Teams arbeiten, zusammengesetzt aus Elektrikern, Schlossern, Schweißern und Lackierern.
Früher bauten die Arbeiter zuerst den Schiffsrumpf und statteten ihn dann im Dock mit Elektrik, Rohren und Farbe aus. Der Innenausbau war kompliziert, weil die Schiffsräume teilweise nur schwer zugänglich waren. Alles kostete viel Zeit. "Wenn die Arbeitsschritte parallel laufen, ist das Schiff sehr viel schneller fertig. Das erhöht unsere Produktivität", sagt Sietas-Geschäftsführer Fuchs. "Das ist eine neue Welt", sagt Werftkapitän Rudolph.
- Datum 11.09.2009 - 13:22 Uhr
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Ein guter Artikel, der auch eine sinnvolle Ergänzung durch eine Fotoserie (siehe dort) findet.
Neben der neuen Fertigungstechnik ist auch die Neuausrichtung auf Spezialbauten ein vielversprechender Ansatz. Die Meyer Werft in Papenburg zeigte bereits, daß man mit Spezialisierung im Wettbewerb bestehen kann.
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