Foltervorwürfe gegen CIA Die Vergangenheit wird noch lange nicht ruhen
Die Entscheidung des Justizministers dürfte im Weißen Haus für gemischte Gefühle sorgen: Die Foltervorwürfe gegen CIA-Agenten werden nun doch genau untersucht
Präsident Obama hat es nicht anders gewollt. Jedenfalls eigentlich nicht. Als er Eric Holder zu seinem Justizminister machte, verkündete er, dieser möge fortan unabhängig und allein nach Recht und Gesetz entscheiden. Sollte heißen: Anders als zu Zeiten von George W. Bush solle der neue Justizminister nicht mehr danach schielen, was der Herr im Weißen Haus in politisch wie juristisch delikaten Angelegenheiten für richtig, angemessen und opportun halte.
Eric Holder folgte in dieser Woche aufs Wort – auch wenn Barack Obama sicherlich eine andere Entscheidung lieber gewesen wäre. Der Justizminister ordnete an, ein knappes Dutzend Foltervorwürfe aus der Verhörpraxis der CIA neu aufzurollen. Und er setzte einen Sonderstaatsanwalt ein, der nun prüfen wird, ob gegen einige Geheimdienstagenten oder deren Verhörbeauftragte Anklage vor einem Strafgericht wegen schwerer Körperverletzung und Verstoß gegen das Folterverbot erhoben werden muss.
Hätte Obama allein zu entscheiden, hätte er aus politischen Gründen die Einsetzung eines Sonderermittlers und den möglichen Gang zum Gericht lieber vermieden. Denn seine Devise lautet: Lasst die Vergangenheit ruhen und stattdessen Vorkehrungen für die Zukunft treffen, damit sich Folter nicht wiederholt! Deshalb verbot er zum Beispiel gleich nach seinem Amtsantritt die Verhörmethode des simulierten Ertränkens, kurz Waterboarding genannt.
Doch der Justizminister entschied sich gegen die Lösung "Deckel drauf". Nicht nur, weil die grausame Wahrheit sowieso ans Licht gekommen wäre, denn ein Gericht hatte angeordnet, den 109-Seiten-langen Bericht des Generalinspekteurs der CIA aus dem Jahre 2004 in wesentlichen Teilen zu veröffentlichen. Auch nicht allein, weil die Ethikkommission des Justizministeriums, das Büro für berufliche Verantwortung, dem Minister eine Wiederaufnahme der Ermittlungen dringend empfiehlt.
Eric Holder hatte nach Lektüre von mehr als zwei Dutzend Verhörakten und dem Bericht des CIA-Generalinspekteurs das Grausen gepackt. Terrorverdächtige seien gewürgt und geschlagen worden, stand dort. Im Falle weiterer Geständnisverweigerung sei einigen mit Erschießung gedroht worden, mit der Ermordung ihrer Kinder oder dem Missbrauch der Mutter. Zur Einschüchterung hätte man ihnen eine Bohrmaschine und eine geladene Pistole vors Gesicht gehalten. Einige starben in der Haft, andere trugen schwere körperliche und seelische Verletzungen davon. Diese Grausamkeiten gingen weit über das hinaus, was den Verhöragenten selbst nach den zweifelhaften Schriftsätzen des damaligen Justizministeriums erlaubt war.
Eric Holder weiß, dass er den hässlichen alten politischen Streit über die Folterpraxis der Bush-Ära neu belebt. Schon dröhnt es von rechts, Obama und sein Justizminister verrieten Amerikas Sicherheit und fielen dem Geheimdienst und dem Antiterrorkampf in den Rücken. Zudem sei das Ganze bloß ein ziemlich offensichtliches Ablenkungsmanöver, um die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Regierung bei der Gesundheitsreform vergessen zu machen.
Noch am Montagabend veröffentlichte die CIA flugs Akten, aus denen hervorgeht, dass die Verhörten am Ende geständig waren und dem amerikanischen Geheimdienst tiefen Einblick in das terroristische Netzwerk der al-Qaida boten.
- Datum 26.08.2009 - 07:57 Uhr
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- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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... Licht in die Sache kommt. Das CIA ist eine Verbrecherorganisation, eine Organisation, die mit staatlicher Rückendeckung Menschen ermordet, foltert, Meinungsmanipulation betreibt und systematisch Recht bricht. Das hat sie immer wieder bewiesen, Skandale gibt es seit Jahrzehnten und unter Obama wird sich da nichts grundlegendes ändern, leider. Dazu müsste er den ganzen Laden schleifen und mit neuen Prämissen aufbauen. Aber dazu fehlt ihm die Macht, eher endet er ebenfalls mit einer Kugel im Kopf...
Geheimdienste sind immer ein blinder Fleck im Rechtsstaat, einen den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Man toleriert sie in Hinsicht auf die Gefahrenabwehr, nur ist "Gefahrenabwehr" bei einem paranoiden imperialistischem Staat wie den USA halt eine weltweite Sache und alle Nichtamerikaner sind sowieso nur halbe Menschen, deswegen kann man da auch mit parlamentarischer Rückendeckung sämtliche Richtlinien sehr locker auslegen.
...die Sachverhalte zu untersuchen und wo illegale Übertretungen stattfanden zu ahnden. Vor allem ist es gut, weil man die Zusammenhänge um den Begriff der Folter prüfen wird müssen. Schließlich ist eine "Grausamkeit" oft nicht Folter. Von den in dem Artikel benannten Handlungen scheinen die Meisten grausam, während keine Einzige seriös gesprochen "Folter" ist. Ist das schlimmer als gefangene Piraten in Gefängnisse der Dritten Welt abzuschieben, wo sie an Tuberkulose, Hunger und HIV ohne medizinische Versorgung langsam siechend zu Tode gehen? Foltern wir da nicht? Den gefangenen Piraten wird da nicht nur mit der Hinrichtung gedroht. Sie sterben unter grossen Qualen. Ist das nicht "Folter", wenn wir ihnen das antun?
Man wird die Chance also bekommen sich zu überlegen, wie die Abstufungen der Unannehmlichkeiten bei Verhören sei dürfen. Man wird sich die Frage stellen müssen, wie lange ein Verhör, wie kalt es im Raum oder wie laut es sein darf. Ist ein Verhör "Folter", wenn man 2, 6 oder 64 Stunden verhört? Wie lang darf oder muss eine Kette sein, die den Gefangenen festsetzt? Welche körperlichen Einwirkungen dürfen unter welchen Umständen eingesetzt werden? Darf man den Gefangenen anketten oder muss man das sogar? Wie oft muss Nahrung gereicht werden?
Ja, ja. Die grausamen Memoranden. Ich finde gut, dass man sich überlegte, welche Methoden "Folter" sind, und welche es nicht sind. Man hätte wie hier die Diskussion abwürgen können, stellte sich aber der harten Frage. Man mag nicht die Antwort mögen. Aber wenigstens war man bereit sich dem Thema ernsthaft zu stellen. Es ist schon abzuwägen, ob es "Folter" ist, gegen eine weiche Wand geschleudert zu werden. Schließlich war früher "Folter" nicht eine Handlung, die man im Training über sich ergehen lies. Es war Finger abzwicken und Augen stechen gemeint. Wer einen mickrigen Wortschatz hat, dem kann man nachsehen, dass er nur ein Wort für beide Dinge hat. Wer aber so nicht behindert ist, dem muss man Anderes unterstellen.
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