Konzernstruktur Volkswagen übernimmt Porsche stückweise

Der Kampf ist beendet, die Aufsichtsräte sind sich einig: Porsche wird die zehnte Automarke der Wolfsburger. Qatar ist künftig drittgrößter Teilhaber von VW

Der monatelange Kampf um die Vorherrschaft hat ein Ende: Volkswagen wird Porsche übernehmen – das gaben die Aufsichtsräte beider Konzerne offiziell bekannt.

Details der künftigen Konzernstruktur sind noch nicht benannt. Klar ist aber, dass Volkswagen und Porsche sich bis 2011 schrittweise zu einem gemeinsamen Konzern entwickeln sollen. In mehreren Abschnitten will sich VW am Sportwagengeschäft von Porsche beteiligen.

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"Der integrierte Automobilkonzern soll durch die schrittweise Beteiligung von Volkswagen an der Porsche AG und die abschließende Verschmelzung der Porsche Automobil Holding SE entstehen", teilte Volkswagen nach der Sitzung des Aufsichtsrats mit. Das endgültige Konzept der Fusion werde so ausgestaltet, "dass die finanzielle Solidität und nachhaltige Handlungsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns sowie die Eigenständigkeit von Porsche gesichert bleiben."

Nach den Worten Martin Winterkorns, VW-Vorstandschef und nach Wendelin Wiedekings Rücktritt neuer starker Mann im VW/Porsche-Konzern, soll das Unternehmen zu einem "Kraftfeld" in der weltweiten Automobilindustrie werden. Porsche soll in jedem Fall ein "eigenständiges Label" bleiben.

Qatar steigt bei VW ein

Unterstützt wird der neue Autokonzern durch das Emirat Qatar, welches nach Angaben von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff zum drittgrößten Aktionär von Volkswagen werden wird. "Wir gehen davon aus, dass Qatar 17 Prozent der Aktien von Volkswagen übernehmen wird", sagte der CDU-Politiker.

Das Emirat werde in diesem Umfang die Optionen auf VW-Aktien übernehmen, die derzeit noch in Porsche-Besitz sind. Damit bliebe Qatar hinter der Beteiligung des Landes, das 20 Prozent an VW und damit eine Sperrminorität hält. Zudem räumt das Emirat Porsche einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro ein, damit der Stuttgarter Sportwagenbauer einen VW-Kredit in gleicher Höhe zurückzahlen kann, hieß es aus Aufsichtsrat-Kreisen.

Eigentümerfamilien sind bei Kapitalerhöhung in der Pflicht

Die künftige Beteiligung der Eigentümerfamilien Porsche und Piech an Volkswagen müsse noch errechnet werden, sagte Winterkorn. Insider hingegen berichten Konkreteres: Die Porsche-Eigentümerfamilien müssen bei der geplanten Kapitalerhöhung zur Entschuldung des Unternehmens tief in die eigene Tasche greifen. Das Emirat Qatar werde sich im Rahmen der Kapitalmaßnahmen nur mit einem kleinen Anteil von rund fünf Prozent an der Porsche SE beteiligen. Dieser Anteil entspräche – auf Basis des Kurses der börsennotierten Vorzugsaktien – derzeit rund 450 Millionen Euro.

Das Gros der Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro müssten die Familien Porsche und Piech schultern, hieß es. Statt Bargeld könnten die Eigner auch die Salzburger Vertriebsholding als Sachkapital einbringen, deren Wert Analysten auf drei Milliarden Euro schätzen.

Eine Grundlagenvereinbarung mit Porsche soll der VW-Aufsichtsrat am 13. August behandeln.

Mutmachen bei Porsche-Belegschaft

"Machen Sie sich keine Sorgen", tröstete Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung kurz nach Bekanntgabe der Übernahme durch VW – und fügte hinzu: "Verlassen Sie sich auf mich. Der Mythos Porsche lebt und wird nie untergehen." 

Nicht zuletzt der Rücktritt von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Vormittag hatte der Belegschaft zu schaffen gemacht. "Der König ist tot. Das Volk ist in Trauer", ironisierte einer der Beschäftigten. Ursprünglich hätte alles genau anders kommen sollen: Noch im vergangenen Jahr hatte Wiedeking an einer Übernahme VWs durch seinen Sportwagen-Konzern gearbeitet. 

 
Leser-Kommentare
    • wowman
    • 23.07.2009 um 19:33 Uhr

    Die Behörde Volkswagen übernimmt das Unternehmen Porsche. Interessantes Experiment.

    • ankman
    • 24.07.2009 um 21:08 Uhr

    Porsche ist, bzw. dann, war, ein Unternehmen, was hoch profitabel wirtschaftet. Volkswagen ein Groß-Serienhersteller, der da nicht heran kommt, und auch bei der Qualität an Porsche lange nicht heran reicht.

    Die beiden sollen nun verschmolzen werden...

    Wenn ich viel Geld in einen Sportwagen oder Luxuslimousine, und mich z.B. für BMW oder Mercedes entscheide (Audi ist ja auch nur Volkswagen), wollte ich auch nicht, dass die bei Opel gebaut werden.

    Ich habe schon leichte Bedenken bei Lexus, weclhe zu Toyota gehören. Allerdings steht vor allem Toyota, trotz dass sie Groß-Serienhersteller sind, für Qualität und Innovation, ist nicht um sonst "Branchen-Primus". So dass ich Lexus als Luxus Fahrzeug akzeptieren würde, und auch dafür zahlen.

    Nun gibt Porsche die Zügel aber nach Wolfsburg ab, trotz aller Beteuerungen, eigenständig bleiben zu werden. Wo eines der obersten Ziele die Kosteneinsparung ist. So soll der Porsche Panamera bereist bei Volkswagen gepresst, geschweißt und wohl lackiert werden, dann nach Porsche verschickt, wo der Rest gebaut wird. Vielleicht ist es irgendwann so, dass das zu teuer wird, und man sich entscheidet, den komplett bei Volkswagen zu bauen. Eventuell leistet man sich aber den Luxus, einen Mitarbeiter mit schwäbischen Akzent zu holen, der noch die Porsche-Embleme aufklebt.

    Es würde also ein, mehr oder weniger (je nachdem wie groß der Anteil ist, der bei VW gefertigt wird), Volks-Wagen mit Porsche-Namen und Emblem, zu überteuertem Preis, sein, wenn vielleicht auch - zugegeben - recht schick.

    Nichts für mich mehr, auch wenn es angeblich ein Porsche ist: wenn ich viel Geld ausgebe, dann soll er auch "echt" sein.

    Man darf gespannt sein, was Image für andere Käufer teurer Karossen in Zukunft bedeutet. Sollten die das auch so sehen (auch andere Mütter haben schöne Töchter), hat Porsche ein großes Problem, und wird VW gar mit sich reißen.

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