Opel-Verhandlungen Opiat fürs Volk

Der Wirtschaftsminister sprach mit dem kanadischen Zulieferer Magna über einen Einstieg bei Opel, auch Fiat ist im Rennen. Es gibt viele Interessen und wenig Klarheit

Fopel? Oder Opiat? Würden der angeschlagene Autobauer Opel und der italienische Autokonzern Fiat zusammengehen, dann wären interessante Namenskombinationen denkbar. Und eigentlich sollte bis zum Abend ja auch schon alles unter Dach und Fach sein. Eine Absichtserklärung über eine Übernahme solle an diesem Dienstag unterzeichnet werden, hatte Klaus Franz, Gesamtbetriebsrats-Chef des deutschen Autobauers, vergangene Woche verkündet. Die Verhandlungen zwischen Opel und Fiat seien weit gediehen.

Inzwischen stellt sich die Lage jedoch weniger eindeutig dar: Mit dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna ist ein weiterer Bieter ins Rampenlicht gerückt. Auch was das Zeitfenster angeht, ist die Lage entspannter geworden: Mindestens noch bis in die erste Maihälfte hinein würden die Gespräche dauern, schätzt Fritz Henderson, Chef der Opel-Mutter General Motors.

Am Dienstag wurde klar, dass Magna die Mehrheit anstrebt: Wie der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, wolle Magna selbst etwa 20 Prozent übernehmen und über Tochterfirmen weitere Anteile. Magna hat ein "erstes interessantes Grobkonzept" für einen Einstieg bei Opel vorgelegt, wie Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte. Jetzt gehe es darum, dieses Konzept mit Fakten und Zahlen zu unterlegen, sagte der Minister nach einem Treffen mit Vertretern des Unternehmens in Berlin. Dies gelte auch für Fiat , der ebenfalls an Opel interessiert ist.

Die Konzepte seien jedoch so unterschiedlich, dass es nicht vorstellbar sei, dass sich beide Unternehmen gleichzeitig bei Opel engagierten, hieß es. Über die noch fehlenden Informationen würden die beiden Interessenten nun mit General Motors sprechen, sagte Guttenberg. Ob und wie sich die Bundesregierung bei der Rettung von Opel engagiere, entscheide sie dann.

Allerdings ist ziemlich klar, wen die Bundesregierung als möglichen Investor bei Opel bevorzugt: Als "potenziell interessanten Partner" bezeichnete Guttenberg den Magna-Konzern im Vorfeld der Verhandlungen. Von einer "interessanten Option für Opel" sprach auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der sich ebenfalls in die Verhandlungen eingeschaltet hat. Und auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äußerte sich ähnlich: "Magna wäre ein interessanter strategischer Investor." Auffällig wenig hört man dagegen zurzeit von Vertretern des CDU-Wirtschaftsflügels wie etwa Michael Fuchs, der am Donnerstag der Financial Times Deutschland zu einem denkbaren Fiat-Einstieg gesagt hatte, der Opel-Betriebsrats-Chef solle vor Dankbarkeit "auf Knien über die Alpen rutschen".

Die Vorbehalte gegen Fiat und die Vorliebe für Magna gründen sich dabei vor allem darauf, wie die Kombination in beiden Konstellationen aussehen würde: Hier die Ehe zwischen zwei klammen Autokonzernen, die sich in den Märkten und ihrer Produktpalette sehr ähneln. Und da der mögliche Deal mit Magna, dem Unternehmen, das der schillernde Austro-Kanadier Frank Stronach zum drittgrößten Autozulieferer der Welt gemacht hat. Magna, so die Hoffnungen der Befürworter, könnte bei Opel Know-how einbringen, als reiner Zulieferer und Lohnfertiger käme er der bisherigen GM-Tochter aber nicht in die Quere.

Allerdings gibt es ein Problem: Selten ist klar, auf welcher Faktenbasis die handelnden Personen ihre Aussagen treffen. Wer etwas weiß, etwa, weil er mit am Verhandlungstisch sitzt, der sagt es meist nicht. Und wer etwas sagt, bei dem weiß man oft nicht, ob er spekuliert oder Hintergründe kennt.

Zumal es einiges gibt, was niemand wissen kann. Denn immer noch wird im Hintergrund darüber verhandelt, wie sich eigentlich eine Herauslösung von Opel aus dem General-Motors-Verbund gestalten könnte. Vorgesehen ist in jedem Fall, dass GM eine Minderheitsbeteiligung behalten wird. Auch ist nicht klar, ob und in welcher Form ein von GM gelöstes Opel-Unternehmen auf seine eigenen Patente zugreifen kann. Denn die hat die Konzernmutter an die US-Regierung verpfändet. Vertreter der Bundesregierung waren in der vergangenen Woche in Washington, um über die Frage zu verhandeln. Eine Einigung steht aus.

Und nicht zuletzt gehört Opel bis auf Weiteres zu General Motors, wo man darum kämpft, die Insolvenz des gesamten Konzerns zu verhindern. Auf dem Tisch liegt der Vorschlag, Schulden – nicht zuletzt bei der US-Regierung und Gewerkschaften – in Unternehmensanteile umzuwandeln. Würde das vor einer Einigung über Opel geschehen, dann könnten neue Verhandlungspartner mit am Tisch sitzen - mit neuen Interessen.

Anderen Interessenten, die es für Opel neben Magna und Fiat auch noch gibt, werden von Experten wenige Chancen zugesprochen. Aber was ist schon sicher in diesen Zeiten. Unterdessen scheint Fiat bemüht, sein Image zu verbessern: Es gebe Garantien, alle deutschen Standorte zu erhalten, meldete Spiegel Online am Montag. Auch die Schulden des Fiat-Konzerns wolle man aus der Fusion heraushalten.

Offiziell wollte das bisher allerdings niemand bestätigen: "Ich bestätige erst etwas, wenn ich das Konzept zu Opel vorliegen habe, das ich dieser Tage erwarte", sagte Wirtschaftsminister Guttenberg zu dem Thema. Wahrscheinlich nicht das Schlechteste, was man in diesen Tagen sagen kann.

 
Leser-Kommentare
    • Seckel
    • 28.04.2009 um 17:55 Uhr

    In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begab sich Opel auf das Feld der Abhängigkeiten (Luxemburg, 1897); auf dem das Unternehmen selbst allerdings bis heute unabhängig blieb. Ahistorisch zu behaupten, Opel müsste nun alles daran setzen, künftig eigenständig zu werden, trägt also nie irgendetwas aus. Die momentane Debatte zu den Perspektiven von Opel lahmt daher insbesondere dadurch, dass sich potenzielle Investoren wie Magna oder auch Fiat beharrlich weigern, ihre eigenen Fälschungen von Wirklichkeit als solche sich als ahistorisch selbst einzugestehen.

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