Piratenpartei Piraten segeln nach Brüssel

Der Frust über das harte Urteil gegen die Betreiber von Pirate Bay treibt der schwedischen Piratenpartei Wähler zu. Der Einzug in das EU-Parlament ist ihr sicher

Vom Beginn einer neuen linksliberalen Volksbewegung sprach ein Kommentator im Schwedischen Radio. Denn die schwedischen Internetpiraten (Piratpartiet) haben es laut den Zahlen des Europäischen Parlaments nach Brüssel geschafft. Von Null auf 7,1 Prozent in wenigen Monaten. Das genügt, um einen der insgesamt 18 schwedischen Abgeordneten des Parlaments zu stellen.

Dementsprechend groß war der Jubel bei der selbstverständlich live im Internet übertragenen Wahlwache der schwedischen Piratenpartei (PP) im Stockholmer Restaurant Nymble an der Königlichen Technischen Hochschule.

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Computerliebhaber jeglicher Art, rund 50 Journalisten, bekannte schwedische Schriftsteller und Musiker die aus Protest gegen die Gefängnisstrafen für die Pirate-Bay-Betreiber, ganze Werke digital und umsonst auf die Seite stellten, feierten am späten Sonntagabend zusammen.

Noch vor ein paar Wochen lagen die Umfragewerte nur bei vier Prozent. Gerade das umstrittene Gerichtsurteil und der darauf folgende Skandal über einen vermutlich der Unterhaltungsindustrie beruflich sehr nahe stehenden Richter sollen für den Erfolg verantwortlich gewesen sein.

Den verdankt die Partei vor allem auch den jungen Schweden. Bei der Altersgruppe der bis 30-Jährigen erreichte die PP 19 Prozent und damit viele derer, die sonst nicht zur Wahl gehen. Dieses Mal taten sie es, aus Protest und weil sie auch in Zukunft Filme, Musik und andere Kulturgüter umsonst im Internet sehen wollen. Zusätzlich sollen Wähler der Linken und Grünen zur PP gewechselt sein.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit im Urheberrecht und die Legalisierung von solidarischem Filesharing, so lauten die Ziele der 2006 gegründeten Partei. Vor allem tritt sie dafür ein, dass der nicht-kommerzielle Gratistausch von Musik, Filmen und anderen Dateien legalisiert und das Urheberrecht stark eingeschränkt wird. Letzteres dürfe maximal fünf Jahre laufen, statt der bisherigen Lebenszeit plus 70 Jahre, fordert das Parteiprogramm.

Darüber hinaus aber hat man nicht sehr viele Ziele. Welchen Block die PP im EU-Parlament unterstützen wird, ließen die beiden Parteivorsitzenden Rick Falkvinge und Christian Engström bislang offen. Vor der Wahl hatte Spitzenkandidat Christian Engström erklärt, man wolle sich ausschließlich für "eigene Fragen" einsetzen. Zu anderen Themen werde man keine Stellung beziehen.

Leser-Kommentare
  1. ... als der Deutsche Michel.

  2. Erstens ist das aktuelle Ergebnis der Piraten in Deutschland nicht 0,8% sondern 0,9% (was für eine erstmals angetretene Partei ein anständiges Ergebnis ist) und zweitens ist die Einschätzung, dass sie ausschließlich aus Wut und Protest gewählt worden sind, eine ziemlich verkürzte Sichtweise. Das Urheberrecht ist da nur eine Facette eines viel größeren Problems.

    Glücklicherweise reicht es offenbar völlig, nur an dieser Stelle ein bißchen zu ziehen und schon bringt der ganze verknotete Filz der "Informationsgesellschaft" plötzlich noch ganz andere Dinge ins Blickfeld. Das Piraten-Motto "Gläserner Staat anstatt gläserne Bürger" drückt einen anderen Teil des Problems sehr schön aus und auch das ist noch lange nicht alles.

    "First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win."
    (Mahatma Gandhi)

    Als nächstes steht die Bundestagswahl an und inzwischen stehen die Aussichten, dass es für die Teilnahme reicht, gar nicht mehr so schlecht aus. Dank der Überschreitung der 0,5%-Hürde bei der Europawahl gibt es jetzt auch Staatsknete, womit ein wenig mehr Wahlkampf drin ist.

    Ignorieren geht nicht mehr so gut und das Lachen bleibt manchem auch schon im Halse stecken.

    (Anmerkung: Wir haben das Wahlergebnis aktualisiert. Die Redaktion/jk)

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    Danke für diesen aufschlussreichen Kommentar. Also mich haben die Piraten überzeugt und meine Stimme und Unterstützung zur Bundestagswahl hat die PP seit heute. Schade das ich nicht mehr Kenntnis v o r der Europawahl über diese Partei hatte.
    Endlich mal ein frischer Wind in der deutschen Parteienkloake und ich hoffe das die Piraten Partei durch diesen Wind in den Bundestag segeln wird.
    So wie es sich eben für Piraten gehört.

    Danke für diesen aufschlussreichen Kommentar. Also mich haben die Piraten überzeugt und meine Stimme und Unterstützung zur Bundestagswahl hat die PP seit heute. Schade das ich nicht mehr Kenntnis v o r der Europawahl über diese Partei hatte.
    Endlich mal ein frischer Wind in der deutschen Parteienkloake und ich hoffe das die Piraten Partei durch diesen Wind in den Bundestag segeln wird.
    So wie es sich eben für Piraten gehört.

  3. Ich gebe zu, dass ich heute in der Wahlkabine geschwankt habe --- ich wusste zu wenig über die Piratenpartei und ihre Anliegen. Aber jetzt weiss ich schon mehr, und mir erscheinen ihre Anliegen gut und gerecht.

    Bei der nächsten Wahl werde ich dieser jungen, modernen Partei nicht nur meine Stimme geben, sondern auch für sie werben.

    Und das dann solange, bis die Ideen und Anliegen der "Piraten" umgesetzt sind. Für uns alle.

    aj

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    ...sähe aktuell übrigens so aus, dass man bei der Zulassung zur Bundestagswahl mithilft. Formulare gibt es zum Download bei http://ich.waehlepiraten.de/

    ...sähe aktuell übrigens so aus, dass man bei der Zulassung zur Bundestagswahl mithilft. Formulare gibt es zum Download bei http://ich.waehlepiraten.de/

  4. Vom Beginn einer neuen linksliberalen Volksbewegung sprach ein Kommentator im Schwedischen Radio. Eine neue Partei wächst schnell zur drittgrößten des Landes an und erreicht auf Anhieb den Einzug ins Europaparlament

    Und Die Zeit legt den Artikel ab in Politik? Nein, in Digital

    In guter Gesellschaft also, dort befinden sich auch die gut recherchierten und kritischen Artikel zu den Internet-Zensur-Plänen der Regierung und ähnliches.

    Warum eigentlich? Wird in den entsprechenden Kategorien jeweils eine eigene Klientel bedient, die nicht über den Tellerrand schauen will und die nicht durch bestimmte Artikel verwirrt werden soll?

  5. ...sähe aktuell übrigens so aus, dass man bei der Zulassung zur Bundestagswahl mithilft. Formulare gibt es zum Download bei http://ich.waehlepiraten.de/

    • h.
    • 08.06.2009 um 2:16 Uhr

    Liebe Medien,
    ich bitte höflichst darum, diese Partei so ernst zu nehmen, wie sie es selbst meint und dann auch adäquat ihre Ziele zu vermitteln. Die Piratenpartei Deutschland setzt sich für deutlich mehr als nur freie Downloads ein, es geht dort z.B. auch darum, auf mehreren Ebenen die Dekokratie zu stärken und den politischen Prozess transparenter zu gestalten.
    Obwohl ich über jede Berichterstattung froh bin, möchte ich darum bitten, eine Stigmatisierung der Piratenpartei in der öffentlichen Wahrnehmung durch dass Vermitteln eines Spaßpartei-angehauchten Images zu vermeinden. Die Piratenpartei Deutschland ist mit der Formulierung ihrer politischen Ziele weiter, als viele denken.

    ~ augenzeuge.

    • Manu84
    • 08.06.2009 um 3:42 Uhr

    Leider mal wieder ein typischer Artikel in einer deutschen Tageszeitung: Man macht sich über eine neue Entwicklung lustig! Andererseits hat man sich über die grünen in den 80ern auch lustig gemacht...

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