Unions-Ministerpräsidenten Das Fähnlein der schwarzen Ritter
Bei den Koalitionsverhandlungen mit der FDP werden auch die Ministerpräsidenten eine wichtige Rolle spielen. Doch wohin steuern sie?
Zu den Standardfloskeln der Ministerpräsidenten gehört der Satz, erst komme das Land, dann die Partei. Das stimmt zwar oft nicht, vor allem, wenn die eigene Partei im Bund das Sagen hat. Aber er nutzt, wenn man sich der Dominanz der Bundesparteiführung entziehen möchte. Und im Land kommt das meist ganz gut an. Vor allem Ministerpräsidenten der großen Länder reisen mit großem Selbstbewusstsein in die Bundeshauptstadt, vor allem, wenn sie zu den C-Parteien gehören.
Sie sind ja auch wichtig, von der „Republik der Landesfürsten“ sprach einst der Politologe Winfried Steffani, weil denen die deutsche Variante des Föderalismus das Mitregieren im Bund beschert hat. Und die aktuelle Riege der Unions-Ländergranden, die fast alle mit der FDP koalieren, ist selbstbewusst und will mitregieren. Angela Merkel und Guido Westerwelle müssen sie auf der Rechnung haben. Doch wie geschlossen ist die Phalanx der schwarzen Ritter aus den deutschen Landen eigentlich?
Wirklich wichtig sind Ministerpräsidenten immer dann, wenn in ihrem Land die Wahl ansteht und der eigene Verein im Bund regiert. Und daher ist Jürgen Rüttgers derzeit der wichtigste in der CDU. Denn in Nordrhein-Westfalen wird schon im Mai 2010 gewählt. Verliert Schwarz- Gelb dort, ist die gerade in Schleswig-Holstein erkämpfte Bundesratsmehrheit von Union und FDP schon wieder futsch. So wird Rüttgers in der Verhandlungsrunde, die den Koalitionsvertrag mit der FDP zimmert, zu einer zentralen Figur.
Und der NRW-Ministerpräsident, der popularitätshalber gern in den Fußstapfen von Johannes Rau wandelt, wird streng darauf achten, dass ihm die Vereinbarungen nicht die Tour im Land vermasseln. Angela Merkel kommt er da wie gerufen. Denn mit dem Argument, NRW dürfe nicht verloren gehen, wird sie im Verein mit Rüttgers sozialpolitische Forderungen der Freidemokraten, etwa beim Kündigungsschutz oder beim Mindestlohn, abbügeln und damit ihr weichgespültes Image aus Zeiten der großen Koalition in die neuen Verhältnisse hinüberretten.
Mindestens zwei machen da wohl auch mit. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ist der Kanzlerin verpflichtet, weil sie ihm das VW-Gesetz gerettet hat. Das passt zwar nicht in das Konzept einer Partei, die sich der Marktwirtschaft verschrieben hat, nutzt aber Wulff, um weiter seine präsidiale Rolle als oberster Landesschützer in Hannover zu spielen.
Auch Peter Harry Carstensen in Kiel wird brav sein, denn Schleswig-Holstein ist so hoch verschuldet und nach dem Landesbankdebakel finanziell so stark vom Bund abhängig, dass jedes Löcken wider den Merkel’schen Stachel sinnlos wäre. Ole von Beust wiederum spielt vorerst keine Rolle, weil er in Hamburg mit den Grünen regiert und für die Bundesratsmehrheit daher unwichtig ist. Seine Stunde schlägt, wenn Rüttgers in NRW verliert. Wolfgang Böhmer in Sachsen- Anhalt ist in seiner schwarz-roten Koalition neutralisiert und damit out.
- Datum 01.10.2009 - 10:28 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Solange ein Fähnlein wie das der schwarzen Ritter sich darin übt, sich wie gegenwärtig geschehen Reime auf wirkliches politisches Handeln in einer multipolaren Welt (Prodi, R. laut NZZ) zu machen und deshalb sich darin ergeht, sich letztlich mit Fürsten wie Goethe zu messen anstatt ihren Ämtern zu walten, sabotieren sie die Föderation und es mangelt ihnen an Ernstlichkeit.
kosten nichts als einen Haufen Steuergeld. Dass man gelegentlich immer noch von "Landesfürsten", oder sogar "Landesvätern" spricht, ist grotesk, und nur mit einer versteckten Sehnsucht nach vergangenen Jahrhunderten zu erklären.
Da man aber mit Recht (!) vor einem großen Umbau des politischen Systems zurückschrickt, ein bescheidener Vorschlag: laßt uns den Bundesrat in eine echte zweite Kammer umwandeln, einen "Senat" nach amerikanischem Vorbild, und laßt die Senatoren vom Volke in geheimer Wahl bestimmen. Damit der Kuddelmuddel aus Exekutive (der Länder) und Legislative (des Bundes) ein Ende hat, und auch bei uns echte Gewaltenteilung einzieht, in der sich Exekutive und Legislative gegenüberstehen.
Und laßt uns aufhören, aus falschem Lokalpatriotismus ("mir san mir") den Provinzregierungen eine übertriebene Ehre zu erweisen, die sie in der Mehrheit gar nicht verdient haben.
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