Wahlhelfer bei der Stimmenauszählung in München © Alexandra Beier/Getty Images

Nur noch 56,8 Prozent der Wähler bringen die beiden noch immer so genannten Volksparteien hinter sich. 37,2 Prozent entfielen bei der Bundestagswahl 2009 auf die drei kleinen, die allesamt zweistellig wurden. Neben dem historischen Debakel der SPD prägt diese Diversifizierung der Wahlbevölkerung die Bundestagswahl. Nach Ansicht der Wahlforscher wird sich mit der stärkeren Ausdifferenzierung der Parteienwettbewerb auf nationaler Ebene neu justieren – und damit nachvollziehen, was in den Bundesländern längst Realität ist.

SPD-Debakel

An der Bewertung durch die Wähler allein kann es nicht gelegen haben: Im Kabinett wie als Partei schnitten die Sozialdemokraten in der Sicht der Befragten besser ab als noch bei der Bundestagswahl 2005, wie die Forschungsgruppe Wahlen in der Nachwahlanalyse schreibt. Dennoch verliert die SPD in alle Richtungen Wähler. Vor allem an die, die gar nicht wählten: 1.640.000 bisherige Anhänger verlor die SPD an dieses Lager. In einem themenarmen, nicht polarisierenden Wahlkampf sank die Wahlbeteiligung um 6,8 Prozent auf 70,8 Prozent. Insbesondere potenzielle SPD-Wähler blieben offenbar den Urnen fern. Nur 60 Prozent der Wähler von 2005 wählten „ihre“ SPD wieder, wie es das Meinungsforschungsinstitut Emnid formuliert. Laut Emnid fehlte es der SPD an klaren Positionen, einem markanten Kandidaten und an Glaubwürdigkeit. Zudem glaubten selbst SPD-Anhänger nicht an eine reale Machtperspektive.

Wählerwanderung

Nicht nur die SPD musste an die Nichtwähler abgeben. Der drittgrößte Treck wanderte laut Infratest dimap von den Unionsparteien in dieses Lager: insgesamt 920.000 bisherige Unionswähler. Noch mehr verlor die Union mit 1.111.000 bisherigen Wählern an die FDP. Allerdings sind es einzig die Sozialdemokraten, die nur Abgänge und keine Zuwanderungen von anderen Parteien verbuchen konnten. Die SPD legte damit einen Grundstein für den Erfolg der Linken. Allein von der SPD wanderten 780.000 zur Linken ab. Deren Zuwächse durch bisherige Unterstützer anderer Parteien sind ansonsten nicht weiter relevant, etwa 110.000 Wähler der Grünen und 70.000 Unterstützer aus dem Unionslager. Neben Nichtwählern und Linken gibt die SPD außerdem 710.000 Wähler an die Grünen ab, 620.000 an die Union und 430.000 an die FDP.