Koalitionsverhandlungen Schwarz-Gelb will Steuern auf Pump senken
In der Finanzgruppe haben Union und FDP sich mehrere Tricks ausgedacht, Steuersenkungen trotz enger Spielräume zu ermöglichen. Die Schulden würden gleichwohl steigen.
Das wichtigste Stichwort, das derzeit zu hören ist, wenn FDP und Union über ihren Finanzplan streiten, heißt "Wachstumsprogramm". Und es beschreibt treffend die Philosophie, mit der die Koalition den Bürgern eine auf Pump finanzierte schwarz-gelbe Steuersenkung verkaufen will. Wobei die FDP das Programm unter Verweis auf die Geldverschwendung von Union und SPD in den letzten vier Jahren allzu gern eine "schwarz-rote Abschlussbilanz" taufen würde, während in der Union der Begriff vom "Konjunkturprogramm" genannt wird. Es wäre das dritte seiner Art und damit ein Indikator dafür, wie nachhaltig und beherzt CDU und CSU die Wirtschaftskrise bekämpfen.
Hinter alldem verbirgt sich jedoch nur eines: Union und FDP wollen Ausgaben, die in den kommenden Jahren auf sie zukommen, in dieses Jahr vorziehen, über eine höhere Neuverschuldung 2009 finanzieren oder in Schattenhaushalten parken. Schulden blieben dann zwar immer noch Schulden. Allerdings würden sie auf diese Weise, zumindest auf dem Papier, zur Finanzierung der Krise und nicht zur Finanzierung von Steuersenkungen gemacht. Mehrere Wege sind im Gespräch. Zum einen geht es um einen Nachtragshaushalt 2009. Darin könnte unter anderem der Bundesagentur für Arbeit der jährlich fällige "Eingliederungsbeitrag" in den Bundeshaushalt, eine Summe von fünf Milliarden Euro, erlassen werden. Das würde in diesem Jahr die Schulden des Bundes zwar um diesen Betrag erhöhen. Im Gegenzug bekämen die Nürnberger im kommenden Jahr aber weniger von dem bereits zugesagten Zuschuss zur Deckung des zu erwartenden Defizits in ihrer Kasse. Schon gäbe es 2010 Raum für schwarz-gelbe Ideen, ohne die Verschuldung zu erhöhen.
Ähnliches hat man offenbar auch mit dem Investitions- und Tilgungsfonds (ITF) vor. Das ist der Schattenhaushalt, den Schwarz-Rot zur Ankurbelung der Wirtschaft aufgelegt hat und der ab 2011 mit Bundesbankgewinnen getilgt werden muss. Teile aus dem ITF in den laufenden Etat 2009 zu transferieren, hieße die Tilgungsraten ab 2011 zu verringern – und die frei werdenden Mittel für eigene Idee zu nutzen.
Und dann gibt es da noch einen besonders kühnen Plan: Schwarz-Gelb begründet einen neuen Schattenhaushalt. Nach ITF und dem Bankenrettungsfonds Soffin wird an einen Fonds gedacht, in dem alle krisenbedingten Mehrausgaben der Sozialversicherungen bis 2013 gebündelt werden. Rasch können da 30 bis 40 Milliarden Euro zusammenkommen. Zwei Fliegen wären mit einer Klappe geschlagen: Die Kranken- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge müssten nicht steigen und die Kassen müssten nicht mit den Milliarden, die bereits im Haushaltsplan bis 2013 stehen, gestützt werden. Wieder Luft für Steuersenkungen. Bleibt nur Frage offen: Wer soll für all die Schattenhaushalte zahlen? Diese Frage stellt sich aber offensichtlich nur Haushältern. Deren Stimmung war nach der letzten Runde der Verhandlungen in der Arbeitsgruppe Finanzen am Montagabend denn auch deutlich gedämpft.
- Datum 20.10.2009 - 10:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Genauso handhabe ich meine persönlichen Finanzen: Ich kaufe mir bei Saturn, Otto und Amazon auch immer alles auf Pump. Playstation, Waschmaschine, Notebook. Gut, dann bin ich am Ende natürlich völlig pleite und hochverschuldet. Aber zwischendrin hatte ich eine echt gute Zeit!
(Bei so viel Dummheit lohnt es nicht mal mehr den Kopf zu schütteln.)
Genau das passierte doch jetzt in den USA mit Privathaushalten...
Ja, und dann gibt es noch das Schlagwort "Schattenhaushalt", also die "Bad Bank" für Politiker. Ich bin offen für jeden Vorschlag, wie ich für mich eine "Bad Bank" bekommen kann.
Genau das passierte doch jetzt in den USA mit Privathaushalten...
Ja, und dann gibt es noch das Schlagwort "Schattenhaushalt", also die "Bad Bank" für Politiker. Ich bin offen für jeden Vorschlag, wie ich für mich eine "Bad Bank" bekommen kann.
...finanzierung auf Pump... wo hatten wir das schonmal...
(1. Hälfte 20. Jahruhundert)
... müssen Sie gar nicht zurückblicken. Das Verfahren wird seit nunmehr rund 40 Jahren praktiziert. Wie bei Suchtkrankheiten üblich in immer höheren Dosierungen...
... müssen Sie gar nicht zurückblicken. Das Verfahren wird seit nunmehr rund 40 Jahren praktiziert. Wie bei Suchtkrankheiten üblich in immer höheren Dosierungen...
Genau das passierte doch jetzt in den USA mit Privathaushalten...
Wo soll das ganze noch hinführen? Halten die Poltiker uns für so blöd, dass keiner diesen Betrug merkt? Nur um diese absurden Wahlversprechen einzuhalten muss man den Laden jetzt komplett gegen die Wand fahren? Ich fass es nicht. Und kein Aufschrei geht durch die Republik. Es wird wieder alles hingenommen.
War doch klar, dass es am Ende so kommt...
In 4 Jahren werden die beiden Partner als einzige Leistung vorzuweisen haben, dass sie es geschafft haben, den Karren noch weiter in den Dreck zu setzen als er ohnehin schon war.
Langsam aber sicher wird die Sache aussichtlos. Ich sehe eigentlich keinen Sinn mehr darin noch lange meine Steuern und Abgaben für einen Staat zu bezahlen, der sich noch nichtmal die Mühe macht zu verschleiern, wie er mein Geld verschleudert und in den Sand setzt.
Welchen Teil von "Konsolidierung durch Sparen" haben die möglichen Kolationspartner wieder nicht verstanden !?
Anstatt endlich zu handeln, werden hier nun Haushaltstrickserein hervorgekrammt. Kosten vorziehen, saubere Folgehaushalte, Finanzierung auf Pump... Das blöde Wahlvieh checkt es sowieso nicht... Guido W., lass Dich jetzt nicht hängen!
Ich gehe jede Wette ein, dass dieses Land mit der "alten" und anscheinend auch "neuen" Finanzpolitik an die Wand fährt... Zu Lasten der - na!? - heutigen und kommenden Steuerzahler.
"In 4 Jahren werden die beiden Partner als einzige Leistung vorzuweisen haben, dass sie es geschafft haben, den Karren noch weiter in den Dreck zu setzen als er ohnehin schon war."
Schlimmer noch: In vier Jahren wird uns die Steuersenkung selbst als eine der großen Leistungen verkauft werden! (Der Aspekt der Neuverschuldung bzw. der Nachhaltigkeit wird dann natürlich wieder konsequent ausgeblendet. Auch die Stammwähler werden sich von diesem Unsinn nicht irritieren lassen und beharrlich ihre Kreuzchen an der "richtigen" Stelle des Whalscheins setzen.)
"Langsam aber sicher wird die Sache aussichtlos. Ich sehe eigentlich keinen Sinn mehr darin noch lange meine Steuern und Abgaben für einen Staat zu bezahlen, der sich noch nichtmal die Mühe macht zu verschleiern, wie er mein Geld verschleudert und in den Sand setzt."
Das sehe ich auch so. Ein "Sinn" - zumindest einer, der statt dem Wohle der Machthaber, Industriellen und Lobbyisten dem Wohl der Allgemeinheit entspricht - ist darin nämlich weiß Gott nicht zu erkennen. Symbolpolitik gegen Mensch und Vernunft, die der Mensch mit seinen Abgaben auch noch selbst finanzieren soll: Willkommen in der BRD.
Aschermittwochsrede 2005 von Guido Westerwelle:
"Die Schulden von heute sind die Steuern von morgen. Deswegen hat Haushaltssanierung Priorität." (09.02.2005, gefunden auf http://www.guido-westerwe..., am 20.10.2009 um 12.00 Uhr)
Das Zitat stammt von 2005 und damit aus einer wirtschaftlich vøllig anderen Zeit.
Das dem Westerwelle heute vorzuwerfen finde ich nicht richtig, die Situation ist eine andere und genau so ein Vorgehen sorgt dafuer, dass Politiker am liebsten inhaltslose Statements von sich geben.
Das sagt natuerlich nichts darueber aus, ob das Verhalten von Schwarz/Gelb heute richtig ist. Ich denke, es war von anfang an falsch, bei Rekordverschuldung mit Steuersenkungen Wahlkampf zu machen und hoffe einfach, um mal etwas positiv zu sehen, dass dies erst mal der letzte Wahlkampf war, bei dem das geklappt hat.
Es wære gut, wenn dich in der Bevølkerung und in den Medien die Erkenntniss durchsetzt, dass wer "Ich will die Steuern senken!" sagt, "Ich will die Schulden erhøhen!" meint.
Das Zitat stammt von 2005 und damit aus einer wirtschaftlich vøllig anderen Zeit.
Das dem Westerwelle heute vorzuwerfen finde ich nicht richtig, die Situation ist eine andere und genau so ein Vorgehen sorgt dafuer, dass Politiker am liebsten inhaltslose Statements von sich geben.
Das sagt natuerlich nichts darueber aus, ob das Verhalten von Schwarz/Gelb heute richtig ist. Ich denke, es war von anfang an falsch, bei Rekordverschuldung mit Steuersenkungen Wahlkampf zu machen und hoffe einfach, um mal etwas positiv zu sehen, dass dies erst mal der letzte Wahlkampf war, bei dem das geklappt hat.
Es wære gut, wenn dich in der Bevølkerung und in den Medien die Erkenntniss durchsetzt, dass wer "Ich will die Steuern senken!" sagt, "Ich will die Schulden erhøhen!" meint.
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