Sozialsysteme Was Schwarz-Gelb bei der Pflege plant

Dass die Bürger für die Pflegeversicherung künftig mehr bezahlen müssen, steht schon fest. Wie viel das sein könnte, erklärt Cordula Eubel.

Die Bürger müssen sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren mehr Geld für die Pflege auszugeben. Union und FDP planen, einen verpflichtenden Zusatzbeitrag einzuführen, der am Kapitalmarkt angelegt wird und den Arbeitnehmer und womöglich auch Rentner zahlen müssen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Riester-Rente: Jeder Versicherte betreibt zusätzlich zur umlagefinanzierten Pflegeversicherung Vorsorge, um für die Pflegebedürftigkeit im Alter gerüstet zu sein.

Mit einem Unterschied: Die Riester-Rente ist freiwillig, der Zusatzbeitrag für die Pflege soll obligatorisch sein. Unionsfraktionschef Volker Kauder bestätigte, dass die diskutierte Lösung für Arbeitnehmer vermutlich nicht billiger werde. „Wenn eine Kapitaldeckung überlegt wird, dann kann der Beitrag dazu ja nicht vom Himmel fallen“, sagte er.

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Die Einführung der Kapitaldeckung in der Pflege ist bislang lediglich von den Fachpolitikern beschlossen, offiziell haben die schwarz-gelben Koalitionäre das Thema noch nicht abgehakt. Allerdings dürfte es im Grundsatz keinen Streit geben. In den Vorschlägen der Arbeitsgruppe Pflege für den Koalitionsvertrag heißt es, man benötige „neben dem bestehenden Umlageverfahren eine Ergänzung durch Kapitaldeckung, die verpflichtend, individualisiert und generationengerecht ausgestaltet sein muss“.

Damit wollen Union und FDP eine Reserve für die nächsten Jahrzehnte aufbauen. Denn es ist absehbar, dass die Kosten für die Pflege steigen werden. Zum einen wächst der Anteil der Senioren in der Gesellschaft. Außerdem werden die Menschen immer älter. Und je älter jemand wird, desto höher ist auch sein Risiko, auf Pflege angewiesen zu sein. Besonders spürbar wird diese demografische Entwicklung ab dem Jahr 2030. Dann kommen die geburtenstarken Jahrgänge in das Alter, in dem sie gebrechlich und auf pflegerische Unterstützung angewiesen sein könnten.

An der umlagefinanzierten Pflegeversicherung, die 1995 vom damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) eingeführt worden war, wollen Union und FDP nach Angaben aus beiden Parteien vorerst festhalten. Derzeit ist der Pflegebeitrag auf 1,95 Prozent des Bruttolohns festgesetzt und wird von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam getragen. Kinderlose zahlen etwas mehr (2,2 Prozent).

Bei der Einführung der Pflegeversicherung wurde allerdings ein Feiertag gestrichen – mit Ausnahme Sachsens –, so dass die Arbeitnehmer faktisch alleine für die Versicherung aufkommen. Nach bisherigen Berechnungen müsste der aktuelle Beitrag reichen, um die Ausgaben der Pflegeversicherung mindestens bis zum Ende der Wahlperiode zu zahlen.

Die FDP würde die umlagefinanzierte Pflegeversicherung gerne auf Dauer abschaffen. In ihrem Wahlprogramm propagieren die Liberalen einen „gleitenden Übergang in ein kapitalgedecktes und prämienfinanziertes System“. Über den Aufbau von eigentumsrechtlich geschützten Altersrückstellungen solle Vorsorge für Zeiten mit höheren Pflegeausgaben getroffen werden. Wer von einer einkommensunabhängigen Prämie finanziell überfordert sei, müsse aus Steuermitteln einen sozialen Ausgleich erhalten, heißt es weiter in dem Programm.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 22.10.2009 um 11:45 Uhr

    Also es soll Kapital gesammelt werden. Na gut, Jäger und Sammler, kennt man.

    Wann soll das angesammelt Kapital denn wieder ausgegeben werden? (Oder auch: An wen?) Wenn ich in 20 Jahren Pflegefall werde, habe ich ausgesorgt - prima!

    Aber wer anders - meine Tochter zum Beispiel - muss doch genau in diesem Zeitraum einzahlen - für sich einzahlen, nicht für mich?

    Nun müssen wir uns sicher nicht ängstigen, dass das Kapital ins Unermessliche wächst - Boni und Dividenden der der Versicherungen werden das verhindern ....

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    ...dass entgegen den Darstellungen der Koalition, die eingezahlten Beiträge zur Pflegeversicherung KEINESFALLS angespart, sondern jeweils wieder für die derzeitigen Pflegefälle ausgegeben werden.

    Auch die Deutsche Rentenversicherung legt selbstverständlich nicht die jeweils eingezahlten Beiträge auf ein Sperrkonto, sondern gibt die Einnahmen sofort wieder für die laufenden Renten- und Pensionszahlungen aus.

    ...dass entgegen den Darstellungen der Koalition, die eingezahlten Beiträge zur Pflegeversicherung KEINESFALLS angespart, sondern jeweils wieder für die derzeitigen Pflegefälle ausgegeben werden.

    Auch die Deutsche Rentenversicherung legt selbstverständlich nicht die jeweils eingezahlten Beiträge auf ein Sperrkonto, sondern gibt die Einnahmen sofort wieder für die laufenden Renten- und Pensionszahlungen aus.

  1. Ich denke die Regierung verfolgt einen ganz anderen Plan. Die Demografie-Reserve dient nur dazu, die Leute zu ermuntern eine Großfamilie zu gründen, da ja bekanntlich die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls der Kapitalmarktanlagen wesendlich höher ist, als nur egoistische, Ellenbogen-A****löcher großzuziehen. Müsste dann wohle abgekürzt SAUEREI heisen ( Sonder Abgabe {zur} Umstellung {auf} Entwicklungslandartiges Rentensystem {eines} Europäischen Industrielands ) :-)

  2. NUR DIE ARBEITNEHMER (zur Zeit bei Arbeitnehmer auch noch anteilig Arbeitgeber) ? In meiner Unwissenheit frage ich mich wie es mit den anderen Personengruppen aussieht.

    Zahlen
    - Selbstständige Unternehmer
    - Beamte
    - Freiberufler (Rechtsanwälte, Ärzte, etc.)
    - Politiker (Staatssekretäre, Abgeordnete, Minister, etc.)
    - Rentner und Pensionäre, etc.
    dann auch anteilig nach Einkommen in die Pflegeversicherung ein ?

    Oder sollen nur die Arbeiter und Angestellten alles bezahlen und deren Lebensabend finanzieren

  3. ...dass entgegen den Darstellungen der Koalition, die eingezahlten Beiträge zur Pflegeversicherung KEINESFALLS angespart, sondern jeweils wieder für die derzeitigen Pflegefälle ausgegeben werden.

    Auch die Deutsche Rentenversicherung legt selbstverständlich nicht die jeweils eingezahlten Beiträge auf ein Sperrkonto, sondern gibt die Einnahmen sofort wieder für die laufenden Renten- und Pensionszahlungen aus.

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    ... ist das Riestern doch privat, oder? Das Geld geht also gar nicht mehr an die Rentenversicherung. Und dass diese die eingezahlten Beträge gleich wieder ausgibt, ist ja gerade der Sinn eines Umlageverfahrens.

    Umlagesystem. Die SonderPflegeVersicherung, wie sie die neue Regierung will, wird das Geld an die Börse leiten, Wohl und Weh ist dann von der Weltwritschaftslage abhängig.

    ... ist das Riestern doch privat, oder? Das Geld geht also gar nicht mehr an die Rentenversicherung. Und dass diese die eingezahlten Beträge gleich wieder ausgibt, ist ja gerade der Sinn eines Umlageverfahrens.

    Umlagesystem. Die SonderPflegeVersicherung, wie sie die neue Regierung will, wird das Geld an die Börse leiten, Wohl und Weh ist dann von der Weltwritschaftslage abhängig.

  4. ... der Kapitaldeckungsfetischismus ist doch der Beweis dafür, dass unsere Politiker keine Ahnung haben. Noch nie was von der http://de.wikipedia.org/w... gehört haben oder sich einfach von den Versicherungen und Banken schmieren lassen. Denn die wollen natürlich immer schön mitverdienen. Schon deshalb wird das am Ende wohl teurer für uns werden.

    Wer inmitten der größten Krise auf Kapitalanlagen setzt, hat an sich schon einen Schatten. Umlageverfahren sind viel krisensicherer. Dazu wirkt ein Kapitaldeckungsverfahren in der Ansparzeit rezessionverstärkend, da die Nachfrage durch die Sparerei entsprechend geschwächt wird.

    Das Ganze ist eigentlich nur ein perfider Trick. Während Umlageverfahren sich an gewissen Standards orintieren und die Beiträge bei ungünstiger demographischer/Einkommensentwicklung immer wieder erhöht werden um diesen Standard zu halten. Wird es bei der kapitalgedeckten Vorsorge einfach heißen: Geld alle, Pech gehabt. Damit ist der Weg fürs "sozialverträgliche Frühableben" dann endlich genauso frei, wie für hemmungslose Lohndrückerei in der Pflege.

  5. ... ist das Riestern doch privat, oder? Das Geld geht also gar nicht mehr an die Rentenversicherung. Und dass diese die eingezahlten Beträge gleich wieder ausgibt, ist ja gerade der Sinn eines Umlageverfahrens.

  6. Umlagesystem. Die SonderPflegeVersicherung, wie sie die neue Regierung will, wird das Geld an die Börse leiten, Wohl und Weh ist dann von der Weltwritschaftslage abhängig.

  7. Wann wird endlich kapiert, dass Kapitaldeckung im Sozialsystem NICHTS bringt. Die immer weitere Fixierung auf dieses Instrument bringt zwar jede Menge Kapital ins marodierende Finanzsystem, aber keinen Mehrwert für die Sozialsystem. Bevor dieses Kapital abgerufen werden kann, sind die Finanzinstitute pleite!
    Den demographischen Faktor, also fehlende REALE Menschen, kann man nicht durch VIRTUELLES KAPITAL ersetzen. Kapital ist flüchtig, wie uns die Finanzkrise gelehrt hat.

    Den einzigen Nutzen von diesem System haben die Banden des Finanzsektors, die Klientel der FDP. Wer Sozialrassismus wählt, wird Sozialrassismus bekommen... Wir haben sie gewählt!! That's a matter of Fact!

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    • Logeg
    • 22.10.2009 um 19:41 Uhr

    Ich wars nicht. Darauf lege ich schon Wert.

    • Logeg
    • 22.10.2009 um 19:41 Uhr

    Ich wars nicht. Darauf lege ich schon Wert.

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