Koalitionsvertrag unterzeichnet Stichelei auf der schwarz-gelben FeierstundeSeite 2/2

Seehofer ist dieser Punkt wichtig. In seiner Ansprache bezeichnet er deshalb seine CSU wenige Minuten später als "Stabilitätsanker" dieser Koalition. Danach sagt er noch ein paar nette Worte, indem er den "kollegialen Geist" lobt. Außerdem, so sagt er, könne er sich auch gut vorstellen, auch nach 2013 mit der FDP weiter zu regieren. Manche Beobachter deuten das schon als Eingeständnis, dass die absolute Mehrheit in Bayern künftig unerreichbar bleibt. Andere sagen, er weise damit dezent darauf hin, dass man sich in Bayern den Koalitionspartner frei aussuchen könne. Seehofer gibt eben gern die Sphinx.

Zwischen Merkel und Seehofer spricht Westerwelle, von Seehofer konsequent "Quido" genannt, was auf der feierlichen Veranstaltung bei manchen Zusehern ein unschickliches Kichern auslöst. Er ist etwas weniger aufgekratzt als auf dem Parteitag am Vortag, dafür etwas pathetischer. Westerwelle dankt dem deutschen Volke für den Regierungsauftrag. Er sagt, das Bündnis sei "getragen von gemeinsamen Werten" und "gemeinsamen Zukunftsvorstellungen". Und dass die Arbeit mit der Unterschrift nun erst richtig losgehe. "Wir kennen unsere Verantwortung."

Es folgt die Unterschrift ins schwarze, mit gelber Schrift versehene Buch. Als die anderen schon fast wieder sitzen, hält Westerwelle es immer noch in den Händen, triumphierend wie einen Fußballpokal. Danach: ein kleiner Empfang, um "uns ein bisschen besser kennenzulernen", wie Merkel in einer unprätentiösen Buffeteröffnung sagt.

Wein- und Biergläser werden verteilt. Merkel stößt mit Westerwelle und Seehofer an. Sie trinkt Weißwein, die Herren Pils. Westerwelle will schon alleine lostrinken, wird aber gerade noch von Merkel mit einem lauten "Prost" gestoppt. Fotografen drängen sich um die drei Parteichefs. Womöglich wird das ein berühmtes Foto: der Tag, an dem Schwarz-Gelb besiegelt wurde.

Verglichen mit dem legendären Bild von Schröder, Fischer und Lafontaine nach dem Wahlsieg 1998 ist das eine traurigere, aber vielleicht auch ehrlichere Momentaufnahme. Die rot-grünen Heroen prusteten und kringelten sich damals vor Lachen. Westerwelle strahlt, ein bisschen Maskenhaft. Seehofer grinst verbissen. Und Merkel schaut ins nirgendwo.

 
Leser-Kommentare
  1. ...denn die nächsten Wahlen stehen in unserer 'Rien ne vas plus' Demokratie ja schon wieder im Mai in NRW an und die Herrschaften sind sich anscheinend ihrer Sache nicht mehr so sicher, nach den Reaktionen auf ihre Koalitionsverhandlungen.

    Offensive hat Herr Westerwelle ja recht gut gekonnt die letzten Jahre in der Opposition. Mal sehen ob er auch Defensive kann.

  2. Auf seinem Jubelparteitag, als sich alle vor lauter Glück und Glückseeligkeit in den betuchten Armen lagen, rief, nein schrie Westerwelle:
    "Wir haben uns in allen, aber auch in allen Punkten durchgesetzt. Und wer der das nicht begreift, dem ist in seiner Gehirnverbranntheit nicht zu helfen". Nun gehöre ich zu den einigermaßen Gesunden und dennoch hätte ich in meiner Gehirnverbranntheit Schaden erlitten. Ich hätte mich, weil ich durch eine private Zusatzversicherung bei der stationären Versorgung erster Klasse fahren darf, von meinem GKV-Hausarzt ins Krankenhaus, Abt. Psychiatrie einweisen lassen, die Schlange der GKV-Versicherten überholt und der Chefpsychiater hätte mir erklärt, doch mir wäre zu helfen. Der Herr mit diesen Aussagen bedürfe möglicherweise einer psychiatrischen Behandlung wegen des Verdachts des Größenwahnsinns. Er wäre bereit sofort Hilfe anzubieten, wobei er davon ausgehe, auch dieser sei im Besitz einer privaten Zusatzversicherung. Dies alles ist natürlich eine Erfindung mit Ausnahme der Siegesschreie des Herrn Wetsterwelle.

    • keox
    • 28.10.2009 um 0:31 Uhr
    3. Stimmt

    Schreien kann er.

    Immerhin

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