CDUWer ist Ursula von der Leyen?

Sie ist Tochter eines berühmten Vaters. Und Familienministerin. Noch. Um Gesundheit würde sie sich gern kümmern. Ein schwieriger Job – und ein riskanter. von Hans Monath

Klare Argumente zählen zu den Stärken von Ursula von der Leyen

Klare Argumente zählen zu den Stärken von Ursula von der Leyen  |  © John MacDougall/AFP

 

Welche Rolle spielt sie im neuen schwarz-gelben Kabinett?

Eines stand schon vor Beginn der Koalitionsverhandlungen fest, nachdem Union und FDP die Wahl gewonnen hatten: Was auch immer die Partner vereinbaren, Ursula von der Leyen wird in der neuen Bundesregierung eine wichtige Funktion übernehmen. Dafür gibt es mindestens vier Gründe: Die CDU-Politikerin hat in ihren vier Jahren als Familienministerin der großen Koalition gute Arbeit geleistet und das Land vorangebracht. Sie gehörte schon nach kurzer Zeit zu den populärsten und beliebtesten Politikern der Bundesregierung, obwohl sie vor ihrem Wechsel ins Kabinett Merkel im Jahr 2005 bundesweit kaum bekannt war. Die Kanzlerin schätzt die Leistungen der 51-Jährigen und vertraut ihr. Die CDU-Vorsitzende honoriert auch, dass von der Leyen neue Wählerschichten für ihre Partei erschlossen hat, indem sie das verstaubte Familienbild der CDU modernisierte.

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Welcher Minister und welche Ministerin der Union im neuen Kabinett als starke Figur oder sympathischer Politiker gelten wird, hängt auch davon ab, wen die FDP neben Guido Westerwelle mit einem Ministeramt betraut. Sofern die Liberalen neben ihrem Parteichef nur Vertreter der Generation Solms und Brüderle aufbieten, strahlen die Sterne von Ursula von der Leyen und ihrem Jung-Kollegen Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) noch heller. Aber auch neben einem jüngeren Kabinettskollegen von der FDP müsste sich die Noch- Familienministerin nicht verstecken.

Nur in welchem Ministerium von der Leyen demnächst agieren wird, ist noch nicht ganz klar. Auch wenn sie eine klare Vorstellung hat. Schon lange vor der Bundestagswahl gab es deutliche Hinweise, dass von der Leyen gerne ins Gesundheitsressort wechseln wollte. Die Ministerin selbst ging so offen damit um, dass sie entsprechende Behauptungen zeitweise nicht einmal mehr in Interviews dementierte.

Geboren

Ursula von der Leyen wurde am 8. Oktober 1958 in Brüssel geboren, wo sie mehrere Jahre lang zur Schule ging. Ihr Vater Ernst Albrecht arbeitete bei den EU-Vorgängerorganisationen EWG und EG und machte später als CDU-Politiker Karriere. In Brüssel empfing die wertkonservative Familie neue Anregungen und verlor etwa ihre Abneigung gegen Ganztagsschulen.

Ausbildung

Als junge Frau studierte Ursula von der Leyen zunächst Volkswirtschaft und später Medizin. Sie  arbeitete als Assistenzärztin und promovierte. In den USA und in Deutschland ließ sie sich zum "Master of Public Health" ausbilden.

Familie

Die CDU-Politikerin ist mit dem Mediziner und Unternehmer Heiko von der Leyen verheiratet. Sie haben sieben Kinder im Alter von sieben bis 18 Jahren.

Was befähigt sie, Gesundheitsministerin zu werden?

Zwei Dinge: ihre fundierte Fachkenntnis und ihre Bilanz als Familienministerin. Die potenzielle Gesundheitsministerin ist promovierte Ärztin und hat daneben als „Master of Public Health“ auch über Sozialmedizin und Gesundheitssysteme geforscht. Sie kann mit statistischem Material und Zahlenkolonnen souverän umgehen und war einer der treibenden Köpfe hinter der Forderung nach einer Umstellung der Gesundheitsfinanzierung auf eine einkommensunabhängige Kopfpauschale, die der CDU-Parteitag im Dezember 2003 beschloss. Von der Leyen war damals eine entschiedene Unterstützerin von Merkels grundlegenden Reformvorschlägen. Nachdem das öffentliche Bekenntnis zu den Zumutungen die Union bei der Bundestagswahl 2005 viele Stimmen gekostet hatte, verabschiedete sich Merkel weitgehend von diesem Kurs. In den Koalitionsverhandlungen leitet die Medizinerin nun für die Union die Arbeitsgruppe Gesundheit/Pflege.

Wichtige Ministerialerfahrungen hat von der Leyen als Familienministerin gesammelt. Zwar waren der Ausbau der Kleinkinderbetreuung und die Gestaltung des Elterngeldes längst von ihrer Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) konzipiert worden, als sie das Amt übernahm. Doch die Mutter von sieben Kindern musste sich trotzdem durchsetzen. Sie musste in Zeiten knapper Kassen Geld für neue Familienleistungen erstreiten und zudem den Widerstand in CDU und CSU gegen eine modernere Familienpolitik überwinden. Kanzlerin Merkel hielt sich zu Beginn dieses Kampfes bedeckt und ergriff öffentlich nicht Partei für von der Leyens Position, solange ihr noch ein Scheitern drohte.

Leserkommentare
  1. ... wird sie von den Menschen genannt, die man "das Volk" nennt. Ich hoffe, dass sie keine Funktion in der neuen Regierung bekommt.

    • blurred
    • 11. Oktober 2009 13:22 Uhr

    Der politische Werdegang dieser Frau ist gekennzeichnet von Manipulation und Rücksichtslosigkeit.

    http://tinyurl.com/2av4ja

    http://tinyurl.com/yh5hlh2

    Soviel zum Thema Aufstieg durch Kompetenz und persönliche Leistung.

    Statt dessen Lug und Trug.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bin den Links gefolgt und habe nun folgendes erfahren: Ursula v d Leyen ist eine promovierte Ärztin und siebenfache Mutter mit einem Universitätsabschluss in Public Health, welche in ihrer zweiten Lebenshälfte Berufspolitikerin geworden ist. Als solche weiß sie sich anscheinend medienwirksam zu vermarkten und gegen innerparteiliche Konkurrenten durchzusetzen. Es gibt verschiedene Ansichten darüber, was sie zu ihren Karriereentscheidungen motiviert hat.

    Soll das alles sein, was man der Frau vorwerfen kann? Ein "schmutziger Weg" soll das sein, eventuell sogar ein Skandälchen? Mit der Lebensgeschichte könnte sie Papst werden! Verglichen mit den Karrierewegen und deren Begleitumständen diverser überwiegend männlicher Politiker sind das Histörchen, die an Belanglosigkeit fast nicht zu überbieten sind. Mit fundierter Kritik an der Politik dieser Frau oder ihrer Eignung für irgendwelche Ämter hat das jedenfalls nicht viel zu tun, obwohl die sicher eine Debatte wert wären.

  2. wer koennte es denn machen, das gesundheitsministerium ? bei dem filz
    und lobbyvertraegen sehe ich keine moeglichkeit wenn es nach wie vor
    so viele gesetzliche kassen gibt. deren vertreter werden ihren gutbezahlten job wohl kaum aufgeben wollen, leider !

    • Der Bob
    • 11. Oktober 2009 13:40 Uhr

    dass auch dieser Artikel nur eine FamilienministerIN vorstellen kann! Wenn schon die CDU ihr Familienbild modernisiert hat (wie im Artikel beschrieben) frage ich mich wie lange es noch dauert bis auch der Autor dies tut!

    • Flinker
    • 11. Oktober 2009 13:49 Uhr

    'Klare Argumente zählen zu den Stärken von Ursula von der Leyen'

  3. Wir sollten lieber keine Parteien Wählen. Besser gleich die richtigen Personen auf den Posten und die Parteien weg lassen. Ein anderes Wahlsystem muß her !

    • Buttle
    • 11. Oktober 2009 15:02 Uhr

    [...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
    Und dieser Satz verdient es natürlich, zwei Mal zitiert zu werden:
    Klare Argumente zählen zu den Stärken usw...
    Oh ZEITen, oh Sitten!

    • Zeitist
    • 11. Oktober 2009 15:10 Uhr

    Laut forsa ergibt sich bzgl. Familienpolitik der vdL folgendes Bild:
    "Von ihrer Betreuungsinitiative haben nur 6 Prozent der 1.000 Befragten "viel" gemerkt, 20 Prozent wenigstens "etwas", 72 Prozent der Befragten geben an, so gut wie nichts sei von der Initiative zu bemerken gewesen."

    Die Geburtenrate stagniert auch unter vdL. Trotzdem lässt sie verlauten: „Ich freue mich sehr über den Anstieg der Geburten und vor allem darüber, dass die jungen Eltern allmählich wieder die Kinder bekommen, die sie sich wünschen.“ Dass es sich dabei um nicht mehr als um die üblichen statistischen Schwankungen handelte, konnte die Familienministerin nicht beirren: „Die Eltern geben uns einen Vertrauensvorschuss.“ Die Presse, welche eigentlich die Politik kritisch zu begleiten hat, stimmte hier im übrigen mit ein.
    Deutschland ist mit seiner Kinderquote im Eurostat-Vergleich auf dem letzten Platz gelandet, wie schon in den Jahren davor.

    Zudem, die Petition mit ihren über 134.000 Unterzeichnern gegen das von vdL eingebrachte Internet-Zensurprojekt interessiert die "Volksvertreterin" nicht im geringsten.

    Beim Erstellen des Entwurfs ein neues Kinderschutzgesetz ignoriert sie die Argumente der Fachwelt völlig. Sie habe es im Bundestag noch nie erlebt, dass ein Gesetz in einer Anhörung „so fundamentaler Kritik“ ausgesetzt gewesen sei, erklärt die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Marks.

    Darüberhinaus ist es an der Zeit für einen Mann an der Spitze des Bundesfamilienministeriums.

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