Gesellschaft Müssen psychisch Kranke Ausgrenzung fürchten?
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Können Depressive Kinder adoptieren?

Gibt es bei der Akzeptanz der Krankheit Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Nach der Erfahrung von Janssen ist die Bereitschaft, eine psychische Erkrankung zu akzeptieren und sich behandeln zu lassen, bei Frauen größer. "In der Männerwelt sind Depressionen noch stärker tabuisiert", sagt die Oberärztin. Das bestätigt auch der Fehlzeitenbericht der AOK. Während unter AOK-Versicherten rund elf Prozent der Fehlzeiten von Frauen auf psychische Erkrankungen zurückgehen, sind es bei Männern nur rund sechs Prozent.

Männer haben hingegen statistisch gesehen ein höheres Risiko für Suchtprobleme. Wissenschaftler würden hier einen Zusammenhang sehen, sagt Janssen. "Man geht davon aus, dass ein Teil der Suchtprobleme von Männern auf unterdrückte psychische Probleme zurückgehen", erklärt Janssen. Der Alkohol- und Drogenkonsum könnte eine Form verfehlter "Selbsttherapie" darstellen.

Können Depressive Kinder adoptieren?

Nach Auskunft seiner Ehefrau hatte Robert Enke Angst, das Jugendamt könne ihm seine Tochter wieder wegnehmen, die er und seine Frau im Mai adoptiert hatten. Das ist nach Auskunft des zuständigen Jugendamtes ausgeschlossen. Auch Experten sehen das so. "Eine Adoption wieder rückgängig zu machen, ist sehr, sehr schwierig", erklärt Michael Wuppermann, ehemaliger Amtsrichter in Siegen und Autor eines Handbuches zum Adoptionsrecht.

Auch seien Krankheiten potenzieller Adoptiveltern kein grundsätzlicher Hinderungsgrund für eine Adoption. Bei bekannten Erkrankungen würden die Jugendämter allerdings genau hinschauen, um das Wohl des Kindes zu gewährleisten. "Es wird ganz grundsätzlich geprüft, ob das Kind in einem stabilen Umfeld aufwächst, auch in einem gesundheitlich stabilen Umfeld", bestätige auch eine Sprecherin des Landschaftsverbands Rheinland, der zuständig für die Jugendämter in Nordrhein-Westfalen ist. "Schwere Depressionen mit erkennbaren suizidalen Absichten können durchaus ein Ausschlussgrund sein", sagt die Sprecherin.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.11.2009)

 
Leser-Kommentare
  1. und dennoch sind in einigen Nationen wie der unseren die Patienten stigmatisiert. Dieses verlogene Schauspiel grenzt auch Körperbehinderte aus, weil es die Schickeria stört, dass jemand im Rolli vorbeifährt oder jemand beim Arbeiten humpelt. Igitt, wie behindert... Vermittlung Glückssache! Es gibt viele Ansatzpunkte für humane Politik... http://viereggtext.blogsp...

    • SJH
    • 13.11.2009 um 23:46 Uhr

    Diese Krankheit ist nicht stigmatisiert. Keinesfalls in den sog. . Da ist sie Normalfall. Sie firmiert unter den alten Bezeichnungen oder >Apathie> und feiert fröhlichen Urstand.

    "Gesellschaftlich" bedeutet die Meinung von höchstens 2 % der Bevölkerung,die ihre eigenen Kinder durch falsche Konditionierung ruiniert, seelisch und wirtschaftlich.

    Die (bessere) veröffentlichte Soziologie fehlt. Und die (bessere) Politologie.

    Das ist alles, was dazu bemerkenswert wäre.

    • SJH
    • 13.11.2009 um 23:49 Uhr
    3.

    Hier das Verschluckte:

    - Normalbevölkerung

    - Hysterie

  2. Selbst meine Hausärztin hat sich geweigert mich wegen Depressionen krankzuschreiben, obwohl ich das wollte. Stattdessen hat sie sich irgendeine Magen-Darm-Erkrankung ausgedacht.

    Ich denke, dass sie mich dadurch vor weiteren Problemen/Ausgrenzung schützen wollte. Meiner Meinung nach ist jedoch auch dies schon ein klares Zeichen dafür, dass sie selber psychische Krankheiten nicht als etwas "normales" bewertet.
    Ganz davon abgesehen, dass sie auch nicht auf die Idee gekommen ist bei den klassischen Symptomen (Schlafstörung etc.) überhaupt eine Depression zu diagnostizieren (auch keine genaue Anamnese, da die ja leider heutzutage wohl viel zu schlecht bazahlt wird).

  3. Natürlich ist es nicht einfach, über Depression zu sprechen. Wir sollen ja schliesslich funktionieren in einer "Kultur der Höchstleistungen", in der der durchschnittliche oder "Schreck lass nach" weniger Begabte sich ganz schön strecken muss, um noch mitzukommen. Wir brauchen wieder eine Kultur, in der Menschlichkeit vor Profit geht. In der es wichtiger ist, wie sich die Menschen fühlen, als wo der aktuelle Xetra Dax Index steht. In der es nicht mehr um Humankapital oder Kostenfaktoren geht, sondern um Menschen und deren Arbeit aber auch deren Gefühle. Klar sind Gefühle in der Wirtschaft nicht gewollt. Aber wohin uns dieses krankhafte Leistungsdenken führt haben uns ja gerade unsere Topmanager alle zusammen eindrucksvoll vor Augen geführt.

  4. Geld. Herr Enke konnte sich einen guten, sehr guten Anwalt leisten.
    Er brauchte nicht in unwissender Angst ... wie viele geschädigte
    Mindestlöhner, Hartzer und gemoppte ... ausharren. Psychische Er-
    krankungen ? Wozu gibt es Wikipedia? Räumt auf mit dem katholischen
    Aberglauben ... wendet Euch der aufgeklärten Biologie zu. Keine Angst vor nix ... außer ... ich könnte als Volltrottel in der Gegend stehen.
    Ihr wollt ja auch nicht glauben .. wenns im Bauch schmerzt ... sei das
    die Strafe Gottes.

  5. Die Antistigmakampagne ist eine Werbekampagne der Psychiater für mehr "Patienten"!

    "Antistigmakampagne: ein Folter-Werbefeldzug der WPA"
    http://www.die-bpe.de/fil...

    Desweiteren findet die Diskriminierung (Stigmatisierung) oft aufgrund der Angst vor dem Willkürsystem der Zwangspsychiatrie statt:

    "Der ist psychisch krank!
    Ich bin aber gesund!
    (Hauptsache nicht.)"

    Verschon' mein Haus!
    Zünde andere an!

    oder:

    Verschon' mein Haus!
    Lieber zünde ich andere an!

    So läuft das oft mit der Zwangspsychiatrie.
    (Und in Familien.)
    Wer zuerst die Psychiater, die Polizei oder den sozialpsychiatrischen Dienst (SPD) anruft oder holt, der ist der "Gesunde".
    Der andere wird eingewiesen.

    Zum Glück gibt's heute die PatVerfü:

    Geisteskrank? Ihre eigene Entscheidung!
    www.patverfue.de
    PatVerfü - die schlaue Patientenverfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    L. B.

    P.S.:
    Falls jemand meint, mann müsse denen, die sich umbringen wollen doch unbedingt mit Gewalt "helfen", dem sei gesagt, dass es in diesem Staate kein Gesetz gibt, dass den Freitod unter Strafe stellt.

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