Mauerfall-Jubiläum
Die Welt schaut auf Berlin
Ein wichtiger Tag für Deutschland: Zeitzeugen, Staatsgäste und Hunderttausende Menschen aus aller Welt feiern in Berlin den 20. Jahrestag des Mauerfalls.
© Thomas Peter/Reuters

Dort, wo einst die Mauer Berlin teilte, stehen am Montag farbenfrohe Dominosteine. Sie sollen am Abend fallen und so den Mauerfall vor 20 Jahren symbolisieren
Deutschlandweit wird am Montag mit zahlreichen Veranstaltungen, Aktionen und Gedenkstunden der 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Mittelpunkt der Feierlichkeiten ist Berlin, wo zahlreiche Gäste aus aller Welt erwartet werden. Doch auch im Ausland findet die Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den historischen Tag, der die Beendigung des Kalten Krieges und der Blockkonfrontation in der Welt einleitete, große Aufmerksamkeit.
Also sind Gorbatschow und ich hingeflogen, wir haben persönlich dafür gesorgt, dass keine Panzer rollen.
Der frühere sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse über die Ereignisse des 9. November 1989
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundespräsident Horst Köhler treffen mit Staatsgästen und Zeitzeugen aus aller Welt zusammen – darunter US-Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premier Gordon Brown, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow und der frühere Solidarnosc-Vorsitzende und spätere polnische Staatspräsident Lech Walesa.
Am Nachmittag wird Merkel gemeinsam mit Zeitzeugen und Politikern dort entlanggehen, wo sich einst der Grenzübergang Bornholmer Straße befand, der unter dem Druck der dort versammelten DDR-Bürger als erster in der Nacht des 9. November 1989 geöffnet wurde. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist am Abend das "Fest der Freiheit" am Brandenburger Tor.
Merkel: "Glücklichster Tag der jüngeren deutschen Geschichte"
Merkel sagte in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, der 9. November 1989 sei "der glücklichste Tag der jüngeren deutschen Geschichte". Die Kanzlerin forderte alle Deutschen auf, auch in Zukunft mutig zu sein. "Mut haben die Bürger gehabt, als sie gegen die kommunistische Diktatur aufbegehrt haben", sagte sie am Sonntagabend bei der Eröffnung das deutsch-deutschen Museums Villa Schöningen an der Glienicker Brücke. "Das was wir erlebt haben, sollte Grund für uns sein, weiter mutig zu sein." Die Brücke zwischen Berlin und Potsdam war zu Zeiten des Kalten Krieges Schauplatz für den Austausch von Ost- und West-Agenten. "Die Brücke trennte, sie einte, sie ist ein Symbol deutsch-deutscher Geschichte", sagte Merkel.
Bei einem Auftritt am Montagmorgen in der ARD rief Merkel zu weiteren Anstrengungen für eine Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West auf. "Die Deutsche Einheit ist noch nicht vollendet". Es gebe viele "blühende Landschaften", aber in Ostdeutschland sei die Arbeitslosigkeit immer noch doppelt so hoch wie im Westen. Deshalb sei der bis 2019 laufende Solidarpakt auch richtig.
Merkel warnte davor, wegen der Finanztransfers neue Konfrontationen zwischen Ost und West aufzubauen. Es seien zwar Investitionen in allen Bereichen Deutschlands nötig. "Dennoch bleiben strukturelle Unterschiede zwischen Ost und West bestehen, und an denen müssen wir ansetzen, wenn wir die Angleichung oder die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse hinbekommen wollen", sagte die Kanzlerin. Dabei dürften aber die Bedürfnisse in den alten Ländern nicht gegen die der neuen Länder ausgespielt werden.
3000 Journalisten aus aller Welt berichten
US-Außenministerin Hillary Clinton würdigte den Fall der Mauer als eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Die Ereignisse vom 9. November 1989 hätten "die Landschaft eines Kontinents verändert", sagte Clinton bei ihrem ersten Deutschland-Besuch als Ministerin am Sonntagabend in Berlin. Dort sprach sie vor dem Atlantic Council, der sich die Förderung der Beziehungen zwischen Europa und den USA zum Ziel gesetzt hat. Die deutsche Hauptstadt sei heute die Verkörperung dessen, "was wir gemeinsam erreicht haben", so Clinton.
Zehntausende Menschen aus der ganzen Welt strömten bereits am Wochenende an die einstige Trennlinie zwischen Ost und West. Am Montag werden hunderttausende Gäste erwartet. Etwa 3000 Journalisten aus aller Welt wollen berichten. Am 9. November erinnert Deutschland aber auch an die Pogromnacht von 1938 und die Verfolgung jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten.
Am Sonntag waren die rund 1000 überdimensionalen Dominosteine, die an die Teilung der Stadt erinnern und am Montagabend auf einem 1,5 Kilometer langen Abschnitt entlang der ehemaligen Mauer symbolisch zu Fall gebracht werden sollen, ein Anziehungspunkt für tausende Berliner und Gäste der Stadt.
Günter Schabowski schaut "mit gewissem Stolz zurück"
Der ehemalige SED-Politiker Günter Schabowski, der am Abend des 9. November 1989 mit der Verkündung einer neuen Reiseregelung den Mauerfall ausgelöst hatte, sagte dem Tagesspiegel, dass er auf diesen Tag "mit Genugtuung und auch mit einem gewissen Stolz" zurückschaue. Die historische Dimension des Augenblick sei ihm allerdings erst viel später bewusst geworden.
Zwar sei ihm klar gewesen, "dass das ein relativ einschneidender Schritt war", der die Konfrontation zwischen Ost und West beendete. "Und wir waren uns im Klaren, dass daraus eine Entwicklung wird, bei der wir uns mit dem Westen arrangieren müssen. Allerdings noch unter den Bedingungen einer deutschen Teilung mit einer souveränen DDR." Unterdessen hat Schabowski mit der DDR und dem Sozialismus abgeschlossen. Der Versuch, ein solches Gesellschaftskonstrukt zu schaffen, sei "von vornherein zum Scheitern verurteilt".
Der frühere sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse sagte, der Mauerfall sei für einen denkenden Menschen damals absehbar gewesen. Dennoch hätten Gorbatschow und er "die Ereignisse permanent und ganz genau verfolgt". Denn unter den 500.000 in der DDR stationierten Soldaten der Sowjetarmee habe es auch "Hitzköpfe" gegeben. Die Lage sei explosiv gewesen. "Also sind Gorbatschow und ich hingeflogen, wir haben persönlich dafür gesorgt, dass keine Panzer rollen."
- Datum 9.11.2009 - 11:16 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 14
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....ENDLICH kann man dazu nur sagen - wie lange ist es schon her dass ein Berliner Bürgermeister das von der Welt gefordert hat ???? ... Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt...
Gottes Mühlen mahlen bekanntlich langsam, auch wenn´s oft echt nervt, man manchmal die Geduld verliert, die Hoffnung, den Glauben...
aber dieser Lahmarsch hat nun mal das Sagen...
für unsere Journalisten sich auch mit der DDR-Vergangenheit von Frau Merkel zu befassen. Warum war sie mit 30 Jahren noch Vorsitzende der Jugendorganisation FDJ? Was hat sie da genau gemacht? In welchem Umfeld ist sie aufgewachsen? Wieso durfte sie zu Spielen der Fußballnationalmannschaft? Warum durfte gerade sie als Pfarrerstochter promovieren? Warum durfte sie 1986 nach Hamburg reisen?
Warum ist sie in die DDR zurückgekehrt, wo ihr "größter Lebenstraum" doch die USA war? Wieso saß Angela Merkel als die Mauer fiel, lieber in der Sauna, anstatt wie Tausende andere auf die Straße zu gehen?
All dies wäre doch nach 20 Jahren eine "Geschichte" wert.
weil über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos ist - das hat selbst Reinhard May schon vor Jahren gemerkt....
dass man nichts aber auch wirklich nichts über Frau Merkels Vergangenheit weiss, liegt sicher an der STASI, dem KGB und dem Verein der Kaninchenzüchter, die weiterhin aktiv sind
weil über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos ist - das hat selbst Reinhard May schon vor Jahren gemerkt....
aber wen interessiert das schon...
"Dennoch bleiben strukturelle Unterschiede zwischen Ost und West bestehen, und an denen müssen wir ansetzen, wenn wir die Angleichung oder die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse hinbekommen wollen."
Wir hatten in Deutschland immer strukturelle Unterschiede - das ist keon Ost-/West sondern eine elementares Problem.
München, Hamburg, Köln, Frankfurt und zum Teil auch Berlin werden in ihren Ballungräumen den Menschen immer mehr bieten als ländliche Regionen.
Deshalb brauchen wir ein Projekt Deutschland 2015, das alle Bundesländer berücksichtigt.
begrüße ich, muss ich ganz ehrlich sagen...
ich fände es langweilig, egal wohin ich hinfahre, überall das Gleiche vorzufinden - dann brauche ich auch nicht in Urlaub zu fahren um mir andere Länder und Kulturen anzuschauen wenn letztendlich doch alles nur noch so ist wie hier...
das hat man doch in Deutschland schon überall, die Gleichmacherei, in den Einkaufszentren überall die gleichen Geschäftsketten ... die hohen Mieten die kein Mensch oder Individualist mit Geschäftsidee ( sondern nur noch "globale" Firmen) mittlerweile noch bezahlen können machen es möglich...
ich habe gehört man nennt das soziale Marktwirtschaft wo die überteuerte Langeweile und Gleichmacherei verordnet wird...
hört sich vielleicht stilistisch etwas besser an... bleibt aber dennoch wie es ist...
sind nicht das Problem - sondern Ausgaben und politische Maßnahmen am Bedarf der Bevölkerung und der entsprechenden Region vorbei...
ich brauche keine Kläranlage wo es nichts zu klären gibt - kein Erlebnisbad im America-Style was einen ganzen Monatslohn für Familien auffrisst, nur um EINMAL glücklich zu sein...
allerdings auch kein unfähiges Parlament was gerade mal die Einwohnerzahl eines kleinen deutschen Dorfes überschreitet mit fixen Kosten einer Weltstadt
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