Bund und Länder Mehrwertsteuerstreit gefährdet Zeitplan der Koalition
Viele Länder sind sauer über das von der Regierung geplante Steuergeschenk an die Hotelbranche. Ausweg aus dem Streit könnte eine Verschiebung sein.
© dpa - Bildfunk

Aktion für eine eine niedrigere Mehrwertsteuer auf der Zugspitze: Ob die Senkung tatsächlich zu Beginn des neuen Jahres kommt, ist noch ungewiss
Peter Altmaier wählt seine Worte mit Bedacht. Die geplante Mehrwertsteuerermäßigung für das Hotelgewerbe, sagt der neue Fraktionsgeschäftsführer der Union, habe ja in der Öffentlichkeit "nicht die überwältigende Aufnahme gefunden, die sich die Autoren versprochen haben". Das ist eine nette Umschreibung für einen ernsten Sachverhalt. Eine scheinbare Petitesse ist dabei, den Zeitplan für das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" durcheinander zu bringen und damit die Hoffnung der schwarz-gelben Koalitionäre, sich wenigstens zum Jahresanfang als entschlossene Regenten zu präsentieren.
Nicht nur aus den Ländern droht Widerstand. Auch in der CDU werden die Bedenken immer lauter. So laut, dass Altmaier sie am Dienstag quasi amtlich machte – und CSU-Chef Horst Seehofer sich genötigt sah, massiv zurückzuschießen: Ohne Gastro-Mehrwertsteuerbonus, drohte der bayerische Ministerpräsident via Handelsblatt, keine Zustimmung Bayerns zum Wachstumspaket.
Um was geht der Streit?
Den Widerständlern geht es ums Geld, und ums Prinzip. Die Mehrwertsteuer nur fürs Gastgewerbe zu ermäßigen, riecht nach Klientelpolitik. Dass der Plan Bund und Länder eine knappe Milliarde Euro an Steuerausfällen kosten soll, wirft zudem die Frage auf, ob dieses Geld in Zeiten knapper Kassen vernünftig angelegt ist. Die "Berechtigung dieser Maßnahme", sagt denn auch Altmaier, erschließe sich nicht "auf den ersten Blick". Weshalb diejenigen, die sich das gewünscht hätten, jetzt bitte die Begründung nachzuliefern hätten.
"Diejenigen" sind CSU und FDP. Bei den Liberalen gehört die Gastro-Branche zur Kernklientel, die Bayern haben vor allem ihre Grenzregionen zu Österreich und Tschechien im Auge. Denn jenseits der Grenze ist, auch dank dort niedrigerer Umsatzsteuer, oft billiger essen und wohnen. Den alten Wunsch des Branchenverbands Dehoga, den Mehrwertsteuersatz für das gesamte Gastgewerbe zu ermäßigen, konnte die CDU in den Koalitionsverhandlungen abschmettern.
Die Ermäßigung für Übernachtungen aber fand den Weg in den Koalitionsvertrag und von dort in das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz". Das muss der Bundestag nächste Woche und der Bundesrat spätestens am 18. Dezember passieren lassen, damit zum 1. Januar Wohltaten wie höheres Kindergeld oder die Veränderungen bei Vermögens- und Erbschaftsteuer in Kraft treten können.
Wird das Vorhaben so umgesetzt werden?
Bleibt auch nur das kleine Schleswig-Holstein bei seinem Nein, ist die schwarz- gelbe Mehrheit im Bundesrat dahin. Nun soll die Kieler Landeskasse nur mit 70 Millionen Euro zur Hotelier-Subventionierung beitragen. Trotzdem denkt in Berlin niemand daran, die Stimmen Schleswig- Holsteins im Bundesrat schlicht zu kaufen. Denn wer einmal zahlt, kann beim nächsten Mal schlecht Nein sagen.
Außerdem hätte, wer Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und dem FDP- Fraktionschef Wolfgang Kubicki Kompensation zusagte, sofort alle anderen Länder vor der Tür. Das reiche Baden-Württemberg hat schon mal vorsorglich Ansprüche angemeldet. Zumindest aber würden die Finanzminister aller anderen Länder die Hand aufhalten, die wie Kiel eine anerkannte Haushaltsnotlage haben.
Genau darauf zielen Überlegungen in der Koalition, wie man das Länderproblem ausräumen könnte. Im Rahmen der Föderalismusreform II hat der Bund fünf Ländern Zinshilfen zugebilligt, damit sie überhaupt eine Chance haben, die Schuldenbremse einzuhalten. Bremen bekommt 300 Millionen Euro, die Saar 260 Millionen, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein je 80 Millionen Euro.
Doch das war vor der Krise bei Durchschnitts-Wachstumsraten von drei Prozent. Heute sieht es nicht mehr so aus, als würde dies reichen, auch ohne die Zusatzbelastung durch Koalitionsbeschlüsse. Nicht nur der neue CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich denkt deshalb über einen "größeren Aufschlag" für die armen Länder nach. So wäre der Hotellerie-Ausfall dann elegant mit beglichen.
- Datum 25.11.2009 - 11:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Ein grosser Schritt fuer die neue Regierung. Nun da die Hotelbranche mehr Geld uebrig hat, wird uns das aus der Krise rausholen. Ist doch eine tolle Sache, dass ich jetzt fuer -salopp gesagt- 12% weniger in einem Hotel uebernachten kann, als vorher. Warum da eigentlich noch im eigenen Bett schlafen? An allen Ecken und Enden mangelt es an Geldern, tausende Studenten -die Zukunft der Wirtschaft- stehen auf den Barrikaden wegen schlechter Bildungskonditionen& -zuschuessen. Und was macht die Regierung? Hoteluebernachtungen "subventionieren".
Ich glaube mir fehlen definitiv wirtschaftswissenschaftliche Grundkentnisse, um diesen Schachzug voll zu verstehen.
In diesem Sinne: Hochlebe der deregulierte Kapitalfluss.
Dieses Gesetz könnte von den Schildbürgern sein:
- es werden die Hotelpreise nicht sinken
- es wird keine neuen Arbeitsplätze geben
- es wird ein Bürokratiemonster geschaffen, da niemand weiss wo es Abgrenzungen geben wird
- es wird die Reisebranche in Deutschland gespaltet in 7 % und 19 % MwSt.; das vernichtet Arbeitsplätze und gefährdet Auslastung der Hotels
- die "schönste Anekdote" dabei ist allerdings: die Regierung subventioniert das Rotlichgewerbe, denn Stundenhotels zählen auch zu den Beherbungsbetrieben
Zusammenfassung: großer Quatsch und kein Stück liberal bzw. ordnungspolitisch sinnvoll!
die Tigerentenkoalition aus dem triumpfierenden Guido W., dem politisch angeschossenen Politbär Horst S. und der moderierenden Angela M. schießt wie ein Luftheuler durch die politische Landschaft.
Wie lange hält das Pulver?
hier ist immerhin die rede von einem durchlaufenden posten.
"Nach einer Dehoga-Umfrage würden 21,1 Prozent der 5700 befragten Unternehmer damit Übernachtungskosten senken. Ob die eingesparten Steuergelder am Ende aber tatsächlich bei den Gästen ankommen, kann keiner sagen."
man koennte auch sagen: ca. 80% heben ihre preise fuer die uebernachtung an.
ohne die senkung wird es auch nicht mehr uebernachtungen geben...und selbst das ist nicht ausgemacht,
weil es vom umfeld abhaengt. wie bei jedem produkt.
die mehreinnahmen werden auch nicht automatisch investiert wenn die aussichten (umfeld) der hotelbranche schlecht bleiben.
Jezt ist mir klar warum die CSU und Seehofer für die Reduzierung sind: Bordelle gehören auch zum Beherbergungsgewerbe!!! "Ein Seehofer, wer Schlimmes dabei denkt!"
Das ist doch klassische schwarz-glebe Politik erster Güte, genau wie ich es erwartet habe:
wirtschaftsnah (also lobbygesteuert),
klientelorientiert (Klientel ungleich Wähler!),
kurzsichtig.
Wobei letzter Punkt nur bedingt zutrifft, denn sie wissen sehr wohl, daß das Gedächtnis der Wähler nicht bis zur nächsten Wahl reicht. Deshalb werden die Schweinereien möglichst schon am Anfang gemacht. Und natürlich auch, weil ab 2011 die Schuldenbremse angezogen wird. Bis dahin müssen die Geschenke verteilt sein. Mit Steuersenkungen für die Mittelschicht wirds dann überraschenderweise wohl doch nichts.
müssen genauso abgebaut werden, wie in den übrigen Branchen.
Im Übrigen: Es wurde bisher kaum erörtert und ist deshalb auch nicht bekannt, dass die Senkung des Umsatzsteuersatzes für alle vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmer zu einer eklatanten Erhöhung der Übernachtungskosten führen wird.
Für Vorsteuerabzugsberechtigte ist die Höhe des Umsatzsteuersatzes uninteressant, da sie die Umsatzsteuer vom Finanzamt vergütet bekommen. Sinkt also der Umsatzsteuersatz bei unveränderten Übernachtungspreisen, werden dienstliche Übernachtungen wesentlich teurer als bisher. Der Nettopreis, und nur dieser Preis ist für solche Unternehmer interessant, steigt gewaltig! Die Hoteliers haben aber bereits angekündigt, dass sie die Preise nicht senken, sondern investieren bzw. den Vorteil anderweitig verwenden wollen.
Das Gesetz heisst Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Welches Wachstum soll hier eigentlich beschleunigt werden?
Endlich mal jemand, der die eigentliche Katastrofe an diesem Gesetz sieht. Jedes Hotel, das nämlich die Mehrwertsteuersenkung nicht ein zu ein in seinen Bruttopreisen weitergibt, erhöht dramatisch die Nettopreise und belastet Unternehmen um einiges mehr.
Diese Mehrwertsteuerermäßigung ist Schwachsinn hoch drei!
Endlich mal jemand, der die eigentliche Katastrofe an diesem Gesetz sieht. Jedes Hotel, das nämlich die Mehrwertsteuersenkung nicht ein zu ein in seinen Bruttopreisen weitergibt, erhöht dramatisch die Nettopreise und belastet Unternehmen um einiges mehr.
Diese Mehrwertsteuerermäßigung ist Schwachsinn hoch drei!
Endlich mal jemand, der die eigentliche Katastrofe an diesem Gesetz sieht. Jedes Hotel, das nämlich die Mehrwertsteuersenkung nicht ein zu ein in seinen Bruttopreisen weitergibt, erhöht dramatisch die Nettopreise und belastet Unternehmen um einiges mehr.
Diese Mehrwertsteuerermäßigung ist Schwachsinn hoch drei!
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