"Auch ich dachte irgendwann: So, das ist jetzt vorbei."
Dann haben die Vertrauensleute noch einen offenen Brief an Helmut Kohl geschrieben. Sie baten den Kanzler, die DDR-Bürger ihre Sache allein machen zu lassen. Neumann bekam dafür Ärger am Deutschen Theater. Wenn ihr mir euer Vertrauen gebt, müsst ihr mich auch machen lassen, sagte er. 1993 hat er gegen die Schließung des Schillertheaters protestiert. Er stand vorm Roten Rathaus zusammen mit Theaterleuten aus West-Berlin. Auf deren Transparent stand: Warum schließt ihr uns und nicht die Staatstheater im Osten?
Das Papier für den Gedenk-Schaukasten zum 4. November hat Hans Rübesame schnell zusammen. Es ist ja kein Riesenkasten, den er füllen darf, die Maße mussten stimmen, damit er mit dem Mobiliar harmoniert. Es ist ein Informationskasten geworden, ohne Wut und Hektik, ohne Durcheinander, ohne Seele. Er ist abschließbar, damit keiner ran kann. Möglicherweise bekommt Simone von Zglinicki vor der Glasscheibe wieder glasige Augen. Sie ist eine von wenigen Schauspielern, die 1989 am Haus waren und immer noch da sind. Sie sagt: "Es ist schön, wenn man das Privileg hat zu bleiben."
Hans Rübesame hatte noch einen zweiten 4. November. Im Januar 1990 besetzte er zusammen mit Bürgerrechtlern die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße. Rübesame bewachte eine Treppe, wieder mit der gelben Schärpe: Keine Gewalt! Von der Schärpe besitzt er nur noch ein kleines Stück. Er hat sie zerschnitten. "Ich weiß, es war ein Fehler", sagt er. Die Dinge sind nicht, wie sie sind, man kann sie ändern. Vergangenheit vergeht nicht. "Aber auch ich dachte irgendwann: So, das ist jetzt vorbei."
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
Ein rbb-Hörspiel über den 4. November 1989 ("Bleibt auf der Straße, beruhigt Euch nicht") läuft am Mittwoch, den 04.1 um 22 Uhr im rbb-kulturradio. Vorab wird es um 19 Uhr im ARD-Hauptstadtstudio, Wilhelmstraße 67a, im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgestellt. Eintritt frei, Anmeldung telefonisch unter 030-22 88 11 01.
- Datum 04.11.2009 - 11:10 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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spielt gerade dieser Tag und dieses Ereignis im medialen Erinnerungsbrei eine so kleine, ja dürftige Rolle? Kann es an den Losungen und Träumen liegen, die damals so selbstbewußt und freimütig vorgezeigt und vorgetragen wurden? Da waren wir noch ganz wir.
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