Frage: Herr Niebel, Sie waren acht Jahre lang Berufssoldat. Was haben sie bei der Bundeswehr für das Amt des Entwicklungsministers gelernt?

Dirk Niebel: Ich habe dort meine psychischen und physischen Grenzen kennen gelernt. Das kommt mir bei jeder neuen Aufgabe zugute.

Frage: Und was haben Sie für Ihr neues Amt in dem einen Jahr gelernt, in dem Sie in Israel in einem Kibbuz gelebt haben?

Niebel: Ich arbeitete in der Landwirtschaft und in der Fischzucht. Seither weiß ich, wie Nahrungsmittel produziert werden. In dem Kibbuz lebten viele Jugendliche aus allen möglichen Ländern. Das hat damals meinen Horizont sehr erweitert. 

Frage: In der entwicklungspolitischen Szene ist die Sympathie für Ihre Partei, die FDP, begrenzt. Begegnen Ihnen Misstrauen oder Skepsis?

Niebel:Ich teile Ihre These nicht. Viele in der entwicklungspolitischen Szene stehen doch für ein urliberales Konzept. Es heißt Hilfe zur Selbsthilfe.

Frage: Dieses Prinzip vertreten doch auch andere Parteien – etwa auch Ihre Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD.

Niebel: Das ist richtig. Aber Hilfe zur Selbsthilfe ist ein urliberales Prinzip. Es gibt auch in anderen Parteien Liberale. Aber wenn es zum Schwur kommt, werden die Liberalen immer zugunsten der Freiheit votieren, wenn Werte gegen einander stehen. Diese Freiheit wollen wir auch den Partnerländern ermöglichen. Aber zu Ihrer Frage: Die Vertreter der nichtsstaatlichen Entwicklungshilfe sind neugierig auf das, was der Neue nach elf Jahren vorhat. Ich habe den Eindruck, dass wir sehr gut zusammenarbeiten werden.

Frage: Was sind Ihre neuen Schwerpunkte?

Niebel: Wir wollen eine werteorientierte Entwicklungszusammenarbeit machen, die aber auch deutsche Interessen vertritt. Wir wollen unser Geld möglichst wirksam einsetzen, wir wollen effizienter und schlagkräftiger werden. Deswegen werden wir die Durchführungsorganisationen neu strukturieren.

Frage: Was tun Sie denn, wenn Ihre Ziele – Werteorientierung und Förderung der deutschen Wirtschaft – in Konflikt geraten?

Niebel: Das müssen wir in jedem Einzelfall abwägen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Uganda ist Homosexualität jetzt schon strafbar, im Parlament in Kampala gibt es nun eine Initiative, das zu verschärfen und sogar mit der Todesstrafe zu bedrohen. Wir erwarten, dass sich die Regierung von Uganda gegen dieses Vorhaben stellt. Wenn das nicht geschieht, werden wir bestimmte Finanzhilfen einstellen. Die Werte überwiegen deutlich. Das hat Staatssekretär Jürgen Beerfeltz dem neuen ugandischen Botschafter in Berlin bei seinem Antrittsbesuch vor kurzem deutlich gesagt.