Die Kanzlerin in Washington Merkel auf Adenauers SpurenSeite 2/2

So bekam die Bundesrepublik 1954 ihre Souveränität, im Gegenzug für die Wiederbewaffnung. Hinter der Frage der Truppenstärken verbarg sich der Konflikt um den potenziellen Einsatz taktischer Atomwaffen. Je größer die konventionelle Unterlegenheit der Nato, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Amerikaner einen Angriff der Sowjets nur mit dem Einsatz von Atomwaffen würden stoppen können. Ein Horrorszenario für Adenauer. Auch deshalb drängte er die USA, keinesfalls abzurüsten.

Es war ein Bündnis aus Notwendigkeit, nicht aus Sympathie, sagt Smyser. Anders als heute war Deutschland damals nicht beliebt in den USA. "In den fünfziger Jahren kam das ganze Ausmaß der Judenverfolgung ans Licht. Amerika suchte verzweifelt nach guten Deutschen. Adenauer war so ein guter Deutscher." Auch Angela Merkel gelte heute als „gute Deutsche“ und verlässliche Bündnispartnerin, sagt Smyser; das sei eine der wenigen Parallelen.Bei seiner Rede im Kongress betonte Adenauer, die Deutschen hätten der Freiheit den Vorzug vor der Einheit gegeben – die Einheit aber nicht aufgegeben. "Wir vertrauen ihnen. Erhalten Sie unser Vertrauen!" Gemeint war der Hilferuf: Lassen Sie uns nicht im Stich!

Merkel spricht heute als Kanzlerin eines Deutschland in Freiheit und Einheit. Es ist das Ergebnis einer Kombination aus militärischer Stärke des Westens und Verhandlungsbereitschaft nach Osten. Dafür wird sie Amerika danken – und kann dann zu den Bedrohungen von heute kommen, wie Terrorismus und Klimawandel. Bei der Frage von militärischer Stärke oder Abrüstung haben sich die Rollen vertauscht. Doch auch sie wird die USA bitten, Deutschlands Prioritäten zu verstehen und mehr für diese Ziele zu tun, vor allem für den Klimaschutz.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.11.2009

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist seit einigen Monaten eine deutlich überhöhte Repräsenation der Bundeskanzlerin in den "Leitartikeln" von zeitonline zu erkennen. Ich habe keine Zählung vorgenommen, doch gehe davon aus, dass weit mehr als 50 Prozent der großen Bilder auf der Startseite die Kanzlerin wiedergeben. Wo sind die anderen Aufhänger geblieben? Ist das "journalistische Sommerloch" noch nicht vorbei? Sind die Leistungen unserer "ersten Dame im Land" von so herausragender Bedeutung? Oder gerät zeitonline gar zum Tagesblatt der Kanzlerin?

  2. Wir die Deutschen, sind Europa und wenn wir nicht Europa sind, dann sind wir Amerika - und Merkel spricht für sich selbst - so wie einst Adenauer!

    • joG
    • 03.11.2009 um 7:31 Uhr

    ...kein Englisch oder will sie den Amerikanern nationale Polarität zu den USA und ihrem Volk hin signalisieren. Es können zwar sehr viele Amerikaner Deutsch, aber höfflich ist es nicht und wo man Sympathie oder überhaupt etwas Gutes erreichen will spricht man, wenn man es kann, die Sprache der Eingeborenen. Westerwelle sagte dem englischen Reporter ja auch in Deutschland spricht man Deutsch!
    Oder ist ihre Intention lediglich dem eigenen Publikum nationale Unabhängigkeit zu demonstrieren ohne Rücksicht auf Etiket? Das wäre bedenklich, versäumt sie da doch die Möglichkeit sehr viel zu erreichen.

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    Gebe dir Recht bis auf das kleine Detail, dass meiner MEinung nach nicht behauptet werden kann "sehr viele Amerikaner " spraechen Deutsch. DAs haelt sich doch in Grenzen.

    ICh frage mich auch, warum sie dort auf Deutsch sprechen muss. Sie kann doch Englisch sicher sehr gut. DA inhaltlich wahrscheinlich eh nicht sehr viel Neues/Interessantes dabei herauskommt, ist es noch viel wichtiger, dass man symbolische Signale sendet. Die Kanzlerin verpasst das. In Amerika ist es wichtig, dass die Kanzlerin Englisch spricht. Die Deutschen duerfte das nicht so sehr interessieren und die Demonstration nationaler Unabhaengigkeit ist doch dabei zu vernachlaessigen. Schade. Moechte wissen, wer sie dabei beraten hat.

    Naja, wenn bei uns Regierungschefs zu Besuch sind, spricht auch niemand deutsch...

    Gebe dir Recht bis auf das kleine Detail, dass meiner MEinung nach nicht behauptet werden kann "sehr viele Amerikaner " spraechen Deutsch. DAs haelt sich doch in Grenzen.

    ICh frage mich auch, warum sie dort auf Deutsch sprechen muss. Sie kann doch Englisch sicher sehr gut. DA inhaltlich wahrscheinlich eh nicht sehr viel Neues/Interessantes dabei herauskommt, ist es noch viel wichtiger, dass man symbolische Signale sendet. Die Kanzlerin verpasst das. In Amerika ist es wichtig, dass die Kanzlerin Englisch spricht. Die Deutschen duerfte das nicht so sehr interessieren und die Demonstration nationaler Unabhaengigkeit ist doch dabei zu vernachlaessigen. Schade. Moechte wissen, wer sie dabei beraten hat.

    Naja, wenn bei uns Regierungschefs zu Besuch sind, spricht auch niemand deutsch...

  3. 4.

    Gebe dir Recht bis auf das kleine Detail, dass meiner MEinung nach nicht behauptet werden kann "sehr viele Amerikaner " spraechen Deutsch. DAs haelt sich doch in Grenzen.

    ICh frage mich auch, warum sie dort auf Deutsch sprechen muss. Sie kann doch Englisch sicher sehr gut. DA inhaltlich wahrscheinlich eh nicht sehr viel Neues/Interessantes dabei herauskommt, ist es noch viel wichtiger, dass man symbolische Signale sendet. Die Kanzlerin verpasst das. In Amerika ist es wichtig, dass die Kanzlerin Englisch spricht. Die Deutschen duerfte das nicht so sehr interessieren und die Demonstration nationaler Unabhaengigkeit ist doch dabei zu vernachlaessigen. Schade. Moechte wissen, wer sie dabei beraten hat.

    Antwort auf "Kann die Kanzlerin ..."
  4. dass sie auch dann noch hinter einem amerikanischen Präsidenten steht, wenn er mit einer Lüge in den Irak-Krieg gezogen ist und Folter wie in Guantanamo als legal erklärt.
    Ob Deutschland sich darüber freuen sollte?

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    • joG
    • 03.11.2009 um 9:00 Uhr

    ...wieso die Amerikaner einem Land so freundlich begegnen, dessen damaliger Kanzler Saddam dazu verführen half zu glauben, dass er seinen Job behalten könnte ohne nachweisen müssen, dass er keine WMD habe, hatte er sie doch gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt.

    • joG
    • 03.11.2009 um 9:00 Uhr

    ...wieso die Amerikaner einem Land so freundlich begegnen, dessen damaliger Kanzler Saddam dazu verführen half zu glauben, dass er seinen Job behalten könnte ohne nachweisen müssen, dass er keine WMD habe, hatte er sie doch gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt.

    • joG
    • 03.11.2009 um 9:00 Uhr

    ...wieso die Amerikaner einem Land so freundlich begegnen, dessen damaliger Kanzler Saddam dazu verführen half zu glauben, dass er seinen Job behalten könnte ohne nachweisen müssen, dass er keine WMD habe, hatte er sie doch gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt.

  5. es wird sich bald niemand mehr daran erinnern. Merkel wird eine Wischi-Waschi-Rede halten über Wischi-Waschi-Themen wie Terrorismus und Klimawandel.

  6. 8.

    Naja, wenn bei uns Regierungschefs zu Besuch sind, spricht auch niemand deutsch...

    Antwort auf "Kann die Kanzlerin ..."
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    Siehe Putin 2001

    Ansonsten liegt es wohl daran, dass keiner so gut Deutsch kann um eine Rede zu halten.

    Siehe Putin 2001

    Ansonsten liegt es wohl daran, dass keiner so gut Deutsch kann um eine Rede zu halten.

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