Krankenkassen und Pharmaindustrie

Streit um Rabatte für Billig-Medikamente

Die Pharmaindustrie wirft den Kassen Preisdrückerei bei Generika vor. Die Nachahmer-Präparate sollen neue Nebenwirkungen verursachen. Studien dazu sind widersprüchlich.

Viele Versicherte erhalten meist nur noch wirkstoffgleiche Arzneien des jeweils günstigsten Herstellers, auch Generika genannt. Die Krankenkassen sparen so dreistellige Millionenbeträge pro Jahr

Viele Versicherte erhalten meist nur noch wirkstoffgleiche Arzneien des jeweils günstigsten Herstellers, auch Generika genannt. Die Krankenkassen sparen so dreistellige Millionenbeträge pro Jahr

Noch bevor er überhaupt im Amt war, hatte der neue Patientenbeauftragte dem Bundestag schon eines seiner künftigen Kampffelder beschrieben. "Inzwischen bestimmen die Krankenkassen, wer welche Medikamente bekommt", wetterte der CSU-Politiker Wolfgang Zöller. Und er stellte klar: "Mit unseren Vorstellungen von Therapiefreiheit ist das nicht vereinbar."

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Zöller ärgert sich über ein Instrumentarium, mit dem die Krankenkassen inzwischen pro Jahr dreistellige Millionenbeträge sparen: Rabattverträge beim Einkauf von Medikamenten. Die 24,5 Millionen AOK-Versicherten etwa erhalten meist nur noch wirkstoffgleiche Arznei des jeweils günstigsten Herstellers. Damit drücken die Kassen auf breiter Front die Preise für sogenannte Generika – Pillen, Säfte und Salben, deren Patentschutz ausgelaufen ist und nun von anderen Firmen kopiert werden dürfen. Die Pharmaunternehmen haben sich heftig, aber erfolglos dagegen gewehrt – mit Zöller bekommen sie nun einen politischen Mitstreiter. Und ein aktuelles Gutachten scheint ihm diesbezüglich den Rücken zu stärken.

Nach der Umstellung auf Rabattarznei klagten 49 Prozent der Patienten über neue Nebenwirkungen, heißt es in der Studie der privaten Hochschule Fresenius in Idstein. Ein Viertel berichte über starke Nebenwirkungen, neun Prozent hätten gar im Zusammenhang mit der Umstellung ärztlich behandelt werden müssen. 63 Prozent hätten den Wunsch geäußert, wieder ihr gewohntes Mittel zu erhalten. Und 58 Prozent seien dafür sogar zu Zuzahlungen aus eigener Tasche bereit.

Dem Branchenverband "Pro Generika", der seine Mitglieder durch wenige, oft im asiatischen Raum ansässige Billiganbieter ausgebremst sieht, kommt die Studie der Gesundheitsökonomin Gudrun Neises gerade recht. Sie belege "massive Risiken und Nebenwirkungen von Rabattverträgen", sagt Geschäftsführer Peter Schmidt. Und sie habe gezeigt, dass die rabattbedingte Arzneiumstellung "der Gesundheit der Patienten schadet und ihre Lebensqualität spürbar herabsetzen kann". Die neue Regierung müsse die Verpflichtung für Apotheker wieder aufheben, alle ärztlich verordneten und nicht rabattierten Medikamente gegen Rabattarznei auszutauschen. Und die Rabattverträge müssten "so schnell wie möglich komplett abschafft werden".

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Leser-Kommentare

  1. Vorteilsnahme und Bestechung das sind die Mittel der Pharmaindustrie um ans große Geld zu kommen,dazu wird jeder benutzt der bestechlich ist,auch einige Politiker.

  2. die Originatorarznei käme nicht aus irgendwelchen billigen südostasiatischen Klitschen, sollte der Betreffende sich ganz dringend wg. Halluzinationen behandeln lassen.

  3. 3. Naiv

    Naiv, wer glaubt, dass das "Gutachten", mit der lächerlich geringen Teilnehmerzahl von 135 Personen, der privaten Hochschule Fresenius nicht von der Pharmalobby beeinflusst worden ist. Da ist mir die WIdO-Studie, in der 2025 AOK-Versicherte befragt wurden, doch wesentlich seriöser!

    Jedenfalls habe ich keine Lust, mit meinen Versicherungsbeiträgen überteuerte Generika zu bezahlen und somit Hexal oder andere Firmen zu sponsern, wenn es die gleichen Medikamente mit dem gleichen (!!!) Wirkstoff billiger gibt.

    • 23.11.2009 um 17:47 Uhr
    • Tröte
    4.

    fragen sie ihren ihren Buchhalter oder Patentrechtexperten. Also wollen 58% der Befragten auch gerne mehr für Medikamente ausgeben die sie kennen. Das nenn ich auf der sicheren Seite, wenn man es bezahlen kann.

    Ich persönlich glaube der Studie eines privaten Institutes, welches ausschließlich Studiengänge im medizinisch-pharmakologischen Bereich anbietet, nicht weiter als ich sie werfen kann.
    Ist die Fresenius Hochschule eigentlich mehr als nur dem Namen nach mit dem Unternehmen Fresenius verbandelt?

    Wie wärs stattdessen mit einer Abwrackprämie für angebrochene Pillenschachteln? Dann sichern wir heimische Arbeitsplätze gegenüber indischen Hinterzimmer-Alchiemisten die mit unwirksamen Panschereien unsere Gesundheit ruinieren.

    Oder wir gewöhnen uns an den Gedanken, dass wirklich keiner Interesse an günstigen Medikamenten hat. Bis auf Patienten natürlich.

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