Familienministerium

Wer ist Kristina Köhler?

Die neue Familienministerin kommt aus Hessen. Sie ist evangelisch, aufgeklärt konservativ und ledig. Kristina Köhler ist die CDU-Antwort auf Philipp Rösler - nur noch jünger

Warum rückt sie ins Kabinett auf?

Knapp fünf Kilometer waren entscheidend. Wäre Kristina Köhler auf der anderen Rheinseite, in Mainz, geboren, würde sie jetzt garantiert nicht Familienministerin werden. Denn Rheinland-Pfälzer braucht Angela Merkel derzeit nicht im Kabinett. Hessen aber schon. Köhler ist Hessin, Wiesbadenerin.

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Diese landsmannschaftliche Zugehörigkeit war mindestens wichtig für die Entscheidung von Angela Merkel, wie das Kabinett nach dem Rücktritt des Hessen Franz Josef Jung aussehen würde. Wahrscheinlich war sie sogar entscheidend. Die Bundeskanzlerin muss einen Vertreter aus einem der mächtigsten CDU-Landesverbände im Kabinett haben – sie musste also nicht nur einen Ersatz für das Arbeitsministerium finden, sondern der sollte auch noch hessisch sein. Roland Koch selbst hatte wohl keine Ambitionen, schon gar nicht für ein Ressort der Kategorie B. Und sein gerade erst mühsam zusammengezimmertes Kabinett in Hessen wollte er auch nicht wieder auseinanderreißen. Also musste eine Alternative her.

Und Köhler passte da gut in Merkels Konzept. Sie brauchte eine personelle Antwort auf die beiden Jungstars der schwarz-gelben Koalition: Gesundheitsminister Philipp Rösler und Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg. Beide kommen nicht aus der Partei der Kanzlerin. Der eine, Rösler, ist Liberaler, der andere, Guttenberg, Christsozialer. Mit Köhler hat sie ihre Antwort.

Kristina Köhler

Kristina Köhler wurde am 3. August 1977 in Wiesbaden geboren. Sozialwissenschaften sind ihr Thema. Von 1997 bis 2002 hat sie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Soziologie und Politikwissenschaften studiert und anschließend promoviert. Parallel hat sie ihre politische Karriere aufgebaut.

Seit 2002 sitzt sie für die CDU im Deutschen Bundestag und ist Mitglied im hessischen CDU-Landesvorstand. Ihren Wahlkreis in Wiesbaden hat sie direkt gewonnen – gegen das SPD-Urgestein Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Köhler ist ledig und hat keine Kinder.

Was für ein Typ ist sie?

Vielleicht ist es Guy de Maupassant, der Auskunft gibt. Sein Buch Stark wie der Tod ist eines ihrer Lieblingsbücher. Obwohl Köhler recht zierlich ist, gilt sie als robust. Sie strahlt eine gewisse Härte aus und achtet genau auf ihre Außendarstellung. Selbst zu Uni-Zeiten verzichtete sie selten auf Perlenkette, Make-up und Kostüm. Viermal pro Woche geht sie joggen. Es ist am Ende aber wohl eher das Politische, das sie hart erscheinen lässt. Mit Extremismus und Integration hat sie sich auseinandergesetzt. Seitdem haftet ihr das Image einer Konservativen an. Auch ihre Mitgliedschaft in der selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche trägt dazu bei. Diese vertritt eine konservative Richtung lutherischer Theologie, die liberale und feministische Deutungen der Bibel eher ablehnt. Dass sie auch Fan der Lindenstraße und der Band Rosenstolz ist, mag auch ein Zeichen sein – für eine Art Wertkonservatismus.

Und doch trügt der Eindruck. Vom "Wertkonservativen" etwa einer CSU sei Köhler meilenweit entfernt, sagt ihr Doktorvater Jürgen Falter von der Universität Mainz. Außerdem zählt sie sich zur sogenannten Pizza-Connection, einem losen Bund von Christdemokraten und Grünen, die sich für eine Zusammenarbeit der beiden Parteien stark machen. Wohl auch ein Grund, warum Falter sie als "liberal-konservativ" bezeichnet. Intellektuell, analytisch sei sie, und "ihr Zeitmanagement ist sehr gut", sagt Parteienforscher Falter.

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Leser-Kommentare

    • 28.11.2009 um 21:16 Uhr
    • TDU

    Zynischerweise könnte man ja sagen: Mal abwarten, was sie bei "Wetten Dass" oder ähnlichem für eine Figur macht.

    Dass sie ausgewählt wurde, wegen ihrer Landsmannschaft mag ja sein. Man hat sich an diese und andere Kategorien in der Personalauswahl der Parteien gewöhnt. Das wäre m. E. nur verwerflich, falls jemand anders besser gewesen und wegen solcher Kriterien nicht berücksichtigt worden wäre.

    Neben den politischen Entwürfen hat sie auch ein Ministerium mit Angestellten zu führen. Da wird ihr die im Artikel nachgesagte Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit sicher zum Vorteil gereichen. Auch die Klaviatur des sich "Beliebt machen Könnens" scheint sie zu beherrschen. Ob ohne Opportunismus wird sich zeigen.

    Das Thema Extremismus ist jetzt nicht mehr das ihrige und wer hält Extremismus insgesamt nicht für eine Gefahr. Die Wahlergebnisse für die NPD und andere extreme Gruppen sprechen eine deutliche Sprache.

    Allerdings sollte sie dann auch von der extremen Linie der Umerziehung der Jungs = "Gender Mainsteaming" Abschied nehmen. Aber Vorsicht: Lobby droht. Zum Komplex "zu Hause oder Kita von Geburt an", Nichts Neues.

    Und noch eins an sie, falls Sie die Kommentare
    mal liest: Kinder nur nach reiflicher Planung. (Viele Eltern an ihre Kinder ab 1950). Aber wichtiger: Kinder sind keine Automaten in die man oben was reinwirft und das Gewünschte rauskommt. Und ich denke, wir wollen alle nicht, dass erst recht letzteres so gewünscht sein sollte - oder Vater/Mutter Staat?.

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    Business as usual...   thissenblog.blogspot.com

    ich kannte sie bisher nicht; sie wirkt wie die übliche CDU-Fönfrisur unter 40 à la Missfelder und wird mitsamt dieser Regierung weit vor den nächsten ordentlichen Wahlen untergehen.

  1. Schade, wieder eine vertane Chance für Deutschland. Frau Köhler ist der lebende Beweis, dass man auch mit 32 Jahren politische Ansichten haben kann, die jedem Politgreis zur Ehre gereichen. Sie hält Kohl für in Vorbild, und sie ist der Meinung, dass Überwachung und Zensur geeignete Mittel des Staates gegen seine Bürger sind. Nur twittern macht eben keinen modernen Menschen.
    Und eine junge, unverheiratete und kinderlose Frau als Familienministerin zu bestellen entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie. Da war sogar Zensurulla besser geeignet, die wusste wenigsten noch halbwegs, was "Familie" heißt.

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    schön:   Klearchos

    viereinhalb Sterne!

  2. Wie treu Frau Köhler Ihrem Mentor Koch und seinem Fraktionsvorsitzenden Christean Wagner in Sachen populistischer Ausländerfeindlichkeit folgt und diese durch manipulierende, verzerrte Auslegung und Mißbrauch von Informationen untermauert, können Sie in einem Beitrag der ARD-Sendung Panorama ansehen:

    http://www.youtube.com/wa...

    In Sachen Desinformation, Täuschung und Lüge dürfte sich Frau Köhler damit reibungslos in das Regierungsteam einfügen.

  3. viereinhalb Sterne!

    • 28.11.2009 um 22:26 Uhr
    • Nimzo

    So:

    1. Warum hat Frau Merkel im Zuge der Emanzipation nicht Michael Glos zum Familienminister gekürt? Sympathisch wirkt er doch und Geschichten kann er auch erzählen?

    2. Wieso hat Frau Merkel Kristina Köhlers Guru nicht zum Verteidigungsminister ernannt? Roland Koch wäre wie kein ein anderer Politiker dazu prädestiniert, in Uniform Deutschland zu vertreten. Ausserdem müssten dann im Zuge der Seilschaften Gesinnungstests keine Sozialpädagogikstudentinnen dort eingesetzt werden, wo sprichwörtlich der "Bock zum Gärtner" gemacht wird.

    3. Wieso werde ich nicht das Gefühl los, das die apokalyptischen Reiter 2009 - längst im Bundestag angekommen sind.

    Ich meine: Hallo?! Die werden sich das ja nicht extra auf ihre T-Shirts drucken oder einen Erkennungs-Sticker an ihre Anzüge anbringen!

    Ein wenig Transferwissen hätte ich jetzt wohl doch schon erwartet.

    Andererseits: Über 50% der Bevölkerung haben Schwarz-Gelb gewählt. OK, das relativiert meinen Anspruch wieder...

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    CDU/CSU: 33,4%, FDP 14,6%, Wahlbeteiligung 72,5%. Daraus folgt real CDU 24.1%, FDP 10,6%, zusammen 34,7% der wahlberechtigten Bürger.
    Eine klare Mehrheit sieht für mich anders aus.

  4. ich kannte sie bisher nicht; sie wirkt wie die übliche CDU-Fönfrisur unter 40 à la Missfelder und wird mitsamt dieser Regierung weit vor den nächsten ordentlichen Wahlen untergehen.

    Antwort auf "Macherin?"
  5. Wer ist Kristina Köhler?
    Sie soll das feminine Pendant zu zu Guttenberg sein.
    Da versucht jemand, das gleiche Erfolgsschema anzuwenden.
    Leider kann das nicht funktionieren.

    Wer jetzt fragen tun tut, warum?.. hat keine Ahnung.
    Konzepte kopieren ist armselig.
    Eine einfach zu durchschauende Strategie wirkt billig.

    Trotzdem alles Gute.

    • 29.11.2009 um 6:46 Uhr
    • WeLi

    Ich habe ja wirklich nichts dagegen, wenn man junge Menschen von der Straße holt. Aber muss man sie deswegen gleich zu Ministern machen....?

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    Klasse!   gkrannich

    Sie scheinen diese aalglatten Polit-Puppen, die irgendwie mit BWL-Absolventen zu verwechseln sind, nicht uebermaessig zu schaetzen. so do I

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  • Von Von Frank Jansen und Christian Tretbar
  • Datum 28.11.2009 - 19:47 Uhr
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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Kommentare 22
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  • Schlagworte Politiker | Familienpolitik | CDU
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