Aminatou Haidar im Flughafen auf Lanzarote: Die Frau ist seit 19 Tagen im Hungerstreik © Desiree Martin/AFP/Getty Images

Eine Frau, die sich nicht verbiegen lässt. Sie ist bereit zu sterben, wenn man ihre Forderung nicht erfüllt: sie in ihre Wüstenheimat, in die von Marokko seit 1976 besetzte Westsahara, zurückkehren zu lassen.

Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Aminatou Haidar

Am 14. November begann Aminatou Haidar auf dem Flughafen der spanischen Urlaubsinsel Lanzarote einen Hungerstreik. Seitdem nimmt die 42-Jährige nur Wasser zu sich und kann sich inzwischen kaum noch auf den Beinen halten. Die Mutter zweier Kinder ist so geschwächt, dass die Ärzte um ihr Leben fürchten. "Ich habe keine Angst vor dem Tod", krächzt sie mit kaum hörbarer Stimme. Das spanische Außenministerium hat nun UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gebeten, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Denn Haidars Leidensweg steht für die Geschichte ihres ganzen Volkes, der Saharauis, stolzer Wüstenbewohner der Westsahara im nördlichen Afrika. Zunächst geknechtet durch die spanischen Kolonialherren, dann durch Marokko, kämpfen sie seit Jahrzehnten um internationale Anerkennung, um ihre Unabhängigkeit und Freiheit.

Haidar ist die bekannteste Menschenrechtsaktivistin ihres Volkes, saß jahrelang in marokkanischen Kerkern. Sie wurde mit internationalen Preisen für ihren friedlichen Widerstand gewürdigt und war für den Friedensnobelpreis nominiert. Die "Ghandi der Westsahara" wird sie ehrfurchtsvoll genannt – in Anlehnung an den historischen Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung.

Die marokkanische Regierung, die in der Westsahara seit mehr als drei Jahrzehnten regiert und Saharauis planmäßig verfolgt, schikaniert und verhaftet, hat Haidar ihren Pass weggenommen und sie Mitte November auf die benachbarte, vor der afrikanischen Atlantikküste liegende Kanareninsel Lanzarote abgeschoben. Marokkos König Mohammed VI. will den Widerstand gegen die Einverleibung der Westsahara endgültig brechen: "Entweder man ist Marokkaner", predigte der 46-jährige Monarch kurz vor Haidars Ausweisung, "oder man ist Verräter." Und "Feinde des Vaterlandes" verdienten die Staatsbürgerschaft nicht. Haidar gehört in seinen Augen zweifellos dazu.

Nun hungert Haidar im Flughafen Lanzarotes, um ihren marokkanischen Pass wiederzubekommen und wieder in die Westsahara-Hauptstadt Al Aaiun fliegen zu dürfen, ihre Familie und ihr Volk wiederzusehen. Sie lehnt alle Hilfen der spanischen Regierung ab, die ihr Asyl und sogar die Staatsbürgerschaft anbot. Sie will nur eins: "Zurückkehren, auch wenn ich in meiner Heimat ins Gefängnis muss."

(erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.12.2009)