Interview "Das ist Krieg, und unsere Soldaten töten"
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"Krieg zieht immer Gewalt nach sich"


Käßmann: Krieg zieht immer Unrecht und Gewalt nach sich. Es ist nicht überraschend, dass im Krieg Zivilisten getötet werden. Wir müssen offen mit der Wahrheit umgehen. Die lautet: Das ist Krieg, und unsere Soldaten töten auch Zivilisten.

Frage: Der Friedensnobelpreisträger Barack Obama will 2011 mit dem Rückzug aus Afghanistan beginnen. Hat er recht?

Käßmann: Einfach nur abzuziehen, kann nicht die Alternative sein. Die Menschen dort müssen dabei unterstützt werden, zivile Strukturen aufzubauen. Das geht aber nicht mit einem Konzept von außen, das muss sich in der afghanischen Gesellschaft entwickeln. Nehmen Sie die Frauen, denen man im Namen der Freiheit sagte: Legt den Schleier ab, dann wird alles gut. Die Realität vor Ort ist anders, das kann gar keine Frau wagen.

Frage: Der Umgang mit dem Islam gestaltet sich oft schwierig. Das hat auch die Abstimmung in der Schweiz über Minarette gezeigt. Hat Sie der Ausgang schockiert?

Käßmann: Nein. Wer so eine populistische Abstimmung zulässt, braucht sich über das Ergebnis nicht zu wundern. Die Angst vor dem Islamismus ist bei vielen sehr groß.

Frage: Woran liegt das?

Käßmann: Es dominiert ein Bild vom Islam, bei dem in seinem Namen Gottesstaaten errichtet werden und Frauen nur noch verschleiert herumlaufen dürfen. Dass das Angst macht, kann ich nachvollziehen. Aber der Großteil der Muslime in Deutschland ist sehr froh, in einem freien Land zu leben. Die Besonnenen im Land sollten differenzieren zwischen Islam und islamistischem Fundamentalismus.

Frage: Begrüßen Sie, dass Muslime hier repräsentative Moscheen bauen wollen?

Käßmann: Es ist gut, wenn Religionsausübung in der Öffentlichkeit stattfindet und nicht im Hinterhof, wo nicht transparent ist, was da vor sich geht. Ich wünsche mir, dass in Moscheen auch deutsch gesprochen wird und alle Freiheitsrechte unserer Verfassung bejaht werden.

Frage: Was meinen Sie damit?

Käßmann: Mir wurde gerade ein Kinderbuch aus einer Moschee zugeschickt, das Mädchen erklärt, was sie nicht dürfen und dass sie unrein sind. In unserer Verfassung steht, Mann und Frau sind gleichberechtigt. Wer Religionsfreiheit beansprucht, muss auch dieses Freiheitsrecht bejahen.

Frage: Gerade das Rigorose des Islam ist für manche aber offenbar auch attraktiv.

Käßmann: Manchen Menschen macht die Freiheit offenbar Angst. Sie suchen autoritäre Strukturen. Doch an der Freiheit müssen wir unbedingt festhalten. Frauen etwa haben hier so viele Rechte wie nie zuvor, das stört patriarchalische Strukturen.

Frage: Die orthodoxen Christen haben damit wohl auch ihre Probleme und wollen sogar die EKD-Chefin ignorieren.

Käßmann: Wenn die russisch-orthodoxe Kirche auf Leitungsebene mit der EKD sprechen will, kommt sie nicht an Frauen vorbei.

Das Gespräch führten Claudia Keller und Juliane Schäuble. Erschienen in Der Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
    • kajaal
    • 27.12.2009 um 11:15 Uhr

    mal sagt ein EKD Vorstand, um was es geht. Ohne Schnörkel und ohne politische Überkorrektheit. Super, Frau Käßmann!

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    • ilot
    • 27.12.2009 um 15:08 Uhr

    Christoph Hörstel - langjähriger Afghanistan-, bzw. Asienkorrespondent, Sprecher des Friedenskreises Deutschland e.V. und Kenner des Pressealltags - hat diesen Dezember in Leipzig für die Position der deutschen Kirchen zum Einsatz der Bundeswehr harte Worte gefunden.

    Margot Käßmann bricht nun mit dem Schweigen.

    • ilot
    • 27.12.2009 um 15:08 Uhr

    Christoph Hörstel - langjähriger Afghanistan-, bzw. Asienkorrespondent, Sprecher des Friedenskreises Deutschland e.V. und Kenner des Pressealltags - hat diesen Dezember in Leipzig für die Position der deutschen Kirchen zum Einsatz der Bundeswehr harte Worte gefunden.

    Margot Käßmann bricht nun mit dem Schweigen.

    • delsa
    • 27.12.2009 um 11:19 Uhr

    Ich würde gerne wissen, ob die Dame den Krieg der Alliierten
    im 2. WK gegen Hitler-Deutrschland für legitim hält, oder sie hätten's sein lassen ???

  1. bzw. die Gesundheitskasse, hätten wir einen erneuten Ansturm auf des Bürgers Geldbeutel. Entweder es werden Milliarden beim Geldverschenken und -verplempern eingespart und die Menschen leben lebenswürdig oder wir müssen mit Missständen leben, denn noch mehr Kohle vom Bürger geht nicht! Schöne Worte und Appelle ändern auch nichts. Es gibt schon unzählige Frauen, die sich im privaten Kreis engagieren und wirken, selten mal für ein buntes Bändchen, darauf zu bauen ist jedoch äußerst materialistisch. http://viereggtext.blogsp...

  2. Hat Afghanistan denn Polen und den Rest der Welt angegriffen
    und Menschen in's KZ geschickt zum millionenfachen morden ?
    Oh, da habe ich wohl was nicht mitbekommen.

    Eigentlich will ich zu Redaktionsartikeln nicht mehr kommen-
    tieren. Ich habe den Eindruck, sie sind oft deshalb so ge-
    wöhnlich, damit viel kommentiert wird ( berichtigend ) was dann beim " klicken " aber nicht zählt. Vielleicht sollte es unter " Meistkommentiert " eher " meistkorregiert " heißen ?

    Käßman kommt erstmal auf die knappen Kassen der Kirchen.

  3. Buchstabenmangel nennt das ein Nutzer, wenn die Kommentar- funktion klemmt.

    Käßman beklagt also erst die fehlenden Gelder für die Kirchen in Deutschland und kommt dann auch auf Afghanistan und die ewig einzige Wahrheit des Krieges. Krieg ist, wenn
    Menschen Menschen töten ... ohne Notwehr und geziehlt nennt
    der Staatsanwalt das zu gesunden, zivilen Zeiten MORD.

    Nur im Verlauf der Massenpsychose KRIEG wird dann daraus Kolateralschaden, Tod auf dem Feld der Ehre, Helden-
    tum. Na, wir haben eben wieder so einen Anfall und sollten eigentlich alle zum Doktor gehen.

    • otto_B
    • 27.12.2009 um 12:14 Uhr

    Frau Käßmann spricht wie eine Politikerin der SPD, oder gar der der Grünen. Ob das der Körperschaft, die sie zu vertreten vorgibt, auch hilft, bleibt abzuwarten.
    Kirche ist ein Geselligkeitsverein für mehr oder minder mittelständische Kreise. Kein Wort von "Gemeinde" und "Familie" bei ihr. Wenn man diese Netze nach innen stabilisiert, ist schon viel gewonnen.
    Das Verhältnis zu den Kreisen, die in Plattenbauten wohnen, und für die von Harald Schmidt das unschöne U-Wort eingeführt wurde, wird vom Kirchenpersonal an der Basis (hinter vorgehaltener Hand) als "problematisch" bezeichnet. Die Gesellschaft ist gespalten, die Millieus haben miteinander im Grunde garnichts zu tun. Das Evangelium wird dort von Pro7 und RTL verbreitet. Und auf der urbanen Beziehungslosigkeit gedeiht eine ausufernde Sozialindustrie. Und ob für deren Buisness die Statements von Frau Käßmann wirklich notwendig sind, wag ich zu bezweifeln.
    Das was man früher mal als familienbezogene Gemendearbeit bezeichnete, ist also offensichtlich Schnee von gestern? Dem Herrgott im Himmel wäre es gedankt, wenn die von Frau Käßmann beschworene Pfarrerschaft diesen Kurs nicht kritiklos mitmachte. Und Gemendevertretungen gibt es ja auch noch.

  4. Ganztagsschule, vorgebliche Armut, Krieg in Afghanistan.
    Als Vorsitzende eines mit staatlichen Zwangsgeldern gefütterten Vereins, dem trotzdem (oder gearde deswegen) die Mitglieder in Scharen davonlaufen, sollte sich Frau Käßmann fragen, ob die Kirche nicht mal wieder das Heil verkünden sollte, anstatt irgendwo zwischen der SPD und de Linken herumzuschwadronieren.

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    • ribera
    • 27.12.2009 um 17:24 Uhr

    Danke für diesen Kommentar!
    Ergänzend kommt hinzu, dass solche Leute manchmal dazu neigen, unter dem Deckmantel der Religion sich auch noch ihr eigenes Rechtsverständnis zu stricken.
    Siehe "Kirchenasyl."

    • ribera
    • 27.12.2009 um 17:24 Uhr

    Danke für diesen Kommentar!
    Ergänzend kommt hinzu, dass solche Leute manchmal dazu neigen, unter dem Deckmantel der Religion sich auch noch ihr eigenes Rechtsverständnis zu stricken.
    Siehe "Kirchenasyl."

  5. Warum interessiert es mich nicht, was Großayatollah Käßmann zu sagen hat?

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