Afghanistan-Konferenz London Mehr Soldaten, mehr Aufbau, weniger Korruption
Die Afghanistan-Konferenz könnte die letzte Chance der Verbündeten sein, eine Niederlage abzuwenden. Was tun Deutschlands Partner?
© Christophe Simon/AFP/Getty Images

Ohne den Schutz der internationalen Truppen wären viele Afghanen von der Rückkehr der Taliban bedroht
Seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 ist die internationale Gemeinschaft auf vielfältige Weise in Afghanistan präsent. Die UN koordinieren die internationale Hilfe und beraten beim Staatsaufbau, die Nato führt einen Militäreinsatz, an dem sich derzeit 43 Staaten beteiligen. Einzelne Staaten haben eine Art Patenschaft für besonders wichtige Projekte wie Drogenbekämpfung oder den Aufbau der Armee übernommen. Besonders die größten Truppensteller, die USA, Großbritannien und Kanada nehmen – mehr oder weniger offen – direkt Einfluss auf die Politik der Regierung in Kabul. In London kommen all diese Akteure und auch die Nachbarstaaten Afghanistans zusammen, um mit der Regierung von Präsident Hamid Karsai über die künftige Strategie des internationalen Engagements zu sprechen.
Washington will dem zivilen Wiederaufbau mehr Gewicht geben, hat aber auch beschlossen, 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden, um das Land endlich zu befrieden. Präsident Barack Obama erwartet von seinen Verbündeten nun ebenfalls neue Zusagen. Da in den meisten westlichen Staaten die Zustimmung zum Afghanistaneinsatz schwindet, soll in London aber auch eine langfristige Ausstiegsperspektive mit den Afghanen vereinbart werden. Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta brachte vor der Konferenz das Datum 2015 ins Spiel. Die Truppensteller sind sich mit Kabul einig, dass dazu die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte in den kommenden Jahren massiv vorangetrieben werden muss. Am Donnerstag werden sie beraten, wie sie die Sache angehen wollen.
Da Termin und Ort der Konferenz erst Ende November 2009 feststanden, blieb den Briten als Ausrichter nicht viel Zeit, eine konkrete Agenda für die Konferenz auszuarbeiten. Letztlich konnten zwei konkrete Initiativen auf den Weg gebracht werden, die die afghanische Eigenverantwortung in den Mittelpunkt rücken und der internationalen Gemeinschaft als Grundlage für die weitere Hilfe dienen kann: Afghanistans Präsident Hamid Karsai kündigte an, eine Antikorruptionsbehörde einzurichten und schlug unmittelbar vor dem Zusammentreffen in London auch noch ein Reintegrationsprogramm für ausstiegswillige Taliban vor.
Druck aus dem Westen, namentlich den USA und Großbritannien, dürften seine Marschrichtung nachhaltig befördert haben. Denn nachdem Karsai Ende vergangenen Jahres trotz massiver Wahlmanipulationen im Amt bestätigt worden war, stand fest: Ohne ein klares Bekenntnis Karsais, mit dem Kampf gegen die weit verbreitete Korruption endlich Ernst zu machen, hätten die westlichen Regierungen ihren Steuerzahlern eine weitere Unterstützung kaum vermitteln können. Denn ohne einen effektiven und handlungsfähigen Staat kann der Wiederaufbau Afghanistans nicht gelingen – egal, wie viel Geld hineingepumpt wird.
Ohne Verhandlungen mit den Taliban und eine Reintegration ihrer Kämpfer, auch diese Erkenntnis hat sich im Westen durchgesetzt, werden die Afghanen allerdings keinen Frieden und der internationale Truppeneinsatz kein Ende finden. Deshalb soll in London ein Fonds beschlossen werden, in den in den kommenden fünf Jahren rund 500 Millionen Dollar für Reintegrationsprogramme fließen sollen. Die afghanische Regierung, die unter saudischer Vermittlung längst einen Gesprächsfaden zu Talibanführern geknüpft hat, wird den Fonds verwalten. Das Geld solle aber nicht dazu dienen, „Zusatzeinkommen für ausgediente Taliban zu schaffen“, wie Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte. Vielmehr gehe es darum, ehemaligen Kämpfern eine Berufsausbildung zu finanzieren und ihre Heimatdörfer insgesamt zu fördern. Kritiker warnen dennoch vor einer neuen Korruptionsfalle, zumal noch völlig ungeklärt ist, ob und wie Kabul Rechenschaft über die Verwendung der Mittel ablegen muss.
Einiges bleibt also noch zu klären, wenn am Donnerstag insgesamt 68 Delegationen in Lancaster House in London zusammenkommen. Die meisten Staaten werden durch ihre Außenminister vertreten, Afghanistan von Präsident Karsai. Doch nicht erst seit den Betrugsvorwürfen bei der Präsidentenwahl hat sein Ansehen gelitten. Künftig werde es eine härtere Gangart gegenüber Kabul geben, hieß es am Dienstag aus Kreisen der schwarz-gelben Regierungskoalition.
Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27. Januar 2010
- Datum 27.01.2010 - 11:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Die Debatte über das Afghanistan-Mandat ist eine Posse:
Nach 9 Jahren Krieg, denn von Aufbau kann ja wohl keine Rede sein, meint man jetzt die Lösung plötzlich gefunden zu haben.Die US-Adminstration wird in London ihren "Partnern"schon den Marsch blasen. 30 000 US-soldaten mehr, dann sind über 100 000 US-Soldaten und Söldner von privaten Securityfirmen wie Blackwater in Afghanistan.Vielleicht planen die USA ja auch, nach Pakistan rein zu gehen, wo US-Drohnen mehr Zivilisten töten als Terroristen gegen den Willen der pakistanischen Regierung.Begründung: Sicherung der Atomwaffen Pakistans.
Und unsere Jungens mittenmang, obwohl im Grundgesetz die Beteiligung und Führung eines Angriffskrieges verboten ist.
Das die Mehrheit aus Afghanistan raus will, brauchen Volksvertreter ja nicht zu beachten. Sie sind ja nur ihrem Gewissen (=Fraktionszwang) verantwortlich.
Im Mai sind in NRW Wahlen, es ist Zeit für einen deftigen Denkzettel!!
.........dass dazu die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte in den kommenden Jahren massiv vorangetrieben werden muss....
Bisher dachte man, man werde das Land ewig besetzen. Jetzt kam man aufgrund steigender Verluste drauf, dass das doch nicht so angenehm sei, und man besser jemand anderen für sich sterben lassen sollte. Blöd nur, dass die ausgebildeten Soldaten dann den Taliban zur Seite stehen werden. Deshalb hat man die Afghanen ja in den vergangenen neun Jahren von allen gefährlichen Waffen fern gehalten und absichtlich nicht ausgebildet. Weil die werden in diesem Leben garantiert keine Freunde des Westens mehr werden. Aber was kann man da machen. Wenn man in 9 Jahren nicht gescheiter geworden ist, wird man in den nächsten fünf Jahren garantiert genauso schlau handeln wie bisher. Die Afghanen sind nämlich genauso unzuverlässige "Freunde" wie eh und je. Besetzte haßerfüllte Afghanen, die man bestenfalls bezahlen kann, damit sie einem nicht umbringen. Pech ohne Ende.
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