Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärt die Angelegenheit zur Chefsache, die Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen – und Tausende Fluggäste blieben hängen: Ein Sprengstoffalarm im Münchner Terminal 2 am Mittwochnachmittag hat ein kleines politisches Beben ausgelöst, das bis ins spanische Toledo zu spüren war. Dort berieten am Donnerstag turnusgemäß die Innenminister der Europäischen Union über Flugsicherheit.

Was ist genau passiert?

Als ein Laptop eines Fluggastes den Gepäckscanner passierte, gab es Sprengstoffalarm. Noch ehe sich die Mitarbeiterin eines privaten Sicherheitsdienstes mit ihren Kollegen besprechen konnte, verschwand der Besitzer des Laptops mitsamt seinem Gerät im Gemenge. Die Kontrolleurin soll dem Passagier noch ein Stück verfolgt haben. Nachdem er ihr entwischt war, verständigte sie ihren Chef, der dann die Bundespolizei alarmierte. Diese sperrte Terminal 2, beendete die Abfertigung aller von dort abgehender Flüge und überprüfte sämtliche Personen, die sich dort aufhielten. Nach Angaben eines Flughafensprechers mussten 33 Flüge ausfallen, wovon 2000 Passagiere betroffen waren. Etwa hundert Flüge starteten verspätet, wovon bis zu 10 000 weitere Passagiere betroffen waren. Beamte der Bundespolizei mussten alle infrage kommenden Räume überprüfen, bevor sie Entwarnung geben konnten. Aufgetaucht ist der Mann noch nicht.

Gibt es generell Sicherheitslücken?

Schon kurz nach dem Vorfall hatte ein Sprecher der Bundespolizei beklagt, dass es bis zur Alarmierung der Beamten „etliche Minuten“ gedauert habe; der Fluggast sei in dieser Zeit möglicherweise schon abgeflogen, bevor das Terminal abgeriegelt wurde. Die Zuständigkeit für die Kontrolle liegt bei der Regierung von Oberbayern, die einen privaten Sicherheitsdienst damit beauftragt hat. Die Polizeigewerkschafter würden das gerne ändern. So beklagt der für die Bundespolizei zuständige Gewerkschaftsvorsitzende Josef Scheuring die niedrigen Löhne der Wachdienst-Beschäftigten. Das könne „nicht zu mehr Sicherheit führen“. Experten verweisen indes auf den „üblichen Machtkampf“ zwischen privaten Sicherheitsdiensten und der Polizei. Für eine tatsächliche Beeinträchtigung der Sicherheit gebe es keine Beweise.

Wie läuft die Kontrolle technisch ab?

Gepäckscanner reagieren auf organische, nichtorganische und metallische Gegenstände. Sprengstoff besteht in der Regel aus organischen Materialien; in diesem Fall verfärben sich die betroffenen Bereiche auf dem Monitor des Scanners orange – so auch am Mittwoch. Damit ist aber noch kein Beweis für Sprengstoff erbracht. Vor allem Parfum, gelegentlich auch Bestandteile von Festplatten oder Notebookkomponenten erscheinen auf dem Scanner-Bildschirm orange. In diesem Fall ist das Sicherheitspersonal angehalten, verdächtige Gegenständige mit einem „chemical sniffer“, einer Art Ministaubsauger mit hochsensiblem Sprengstoffsensoren, erneut zu untersuchen. Dazu kam es in München nicht mehr.