FlughafensicherheitFür laufende Kontrollen

Ein Passagier löst mit seinem Laptop am Münchner Flughafen Sprengstoffalarm aus und kann daraufhin flüchten. Sind die deutschen Airports überhaupt sicher? von Sebastian Bickerich, Rainer W. During und Albrecht Meier

Flughafen München

Flughafen München, nach dem Laptop-Sprengstoffalarm  |  © Alexander Hassenstein/Getty Images

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärt die Angelegenheit zur Chefsache, die Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen – und Tausende Fluggäste blieben hängen: Ein Sprengstoffalarm im Münchner Terminal 2 am Mittwochnachmittag hat ein kleines politisches Beben ausgelöst, das bis ins spanische Toledo zu spüren war. Dort berieten am Donnerstag turnusgemäß die Innenminister der Europäischen Union über Flugsicherheit.

Was ist genau passiert?

Als ein Laptop eines Fluggastes den Gepäckscanner passierte, gab es Sprengstoffalarm. Noch ehe sich die Mitarbeiterin eines privaten Sicherheitsdienstes mit ihren Kollegen besprechen konnte, verschwand der Besitzer des Laptops mitsamt seinem Gerät im Gemenge. Die Kontrolleurin soll dem Passagier noch ein Stück verfolgt haben. Nachdem er ihr entwischt war, verständigte sie ihren Chef, der dann die Bundespolizei alarmierte. Diese sperrte Terminal 2, beendete die Abfertigung aller von dort abgehender Flüge und überprüfte sämtliche Personen, die sich dort aufhielten. Nach Angaben eines Flughafensprechers mussten 33 Flüge ausfallen, wovon 2000 Passagiere betroffen waren. Etwa hundert Flüge starteten verspätet, wovon bis zu 10 000 weitere Passagiere betroffen waren. Beamte der Bundespolizei mussten alle infrage kommenden Räume überprüfen, bevor sie Entwarnung geben konnten. Aufgetaucht ist der Mann noch nicht.

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Gibt es generell Sicherheitslücken?

Schon kurz nach dem Vorfall hatte ein Sprecher der Bundespolizei beklagt, dass es bis zur Alarmierung der Beamten „etliche Minuten“ gedauert habe; der Fluggast sei in dieser Zeit möglicherweise schon abgeflogen, bevor das Terminal abgeriegelt wurde. Die Zuständigkeit für die Kontrolle liegt bei der Regierung von Oberbayern, die einen privaten Sicherheitsdienst damit beauftragt hat. Die Polizeigewerkschafter würden das gerne ändern. So beklagt der für die Bundespolizei zuständige Gewerkschaftsvorsitzende Josef Scheuring die niedrigen Löhne der Wachdienst-Beschäftigten. Das könne „nicht zu mehr Sicherheit führen“. Experten verweisen indes auf den „üblichen Machtkampf“ zwischen privaten Sicherheitsdiensten und der Polizei. Für eine tatsächliche Beeinträchtigung der Sicherheit gebe es keine Beweise.

Wie läuft die Kontrolle technisch ab?

Gepäckscanner reagieren auf organische, nichtorganische und metallische Gegenstände. Sprengstoff besteht in der Regel aus organischen Materialien; in diesem Fall verfärben sich die betroffenen Bereiche auf dem Monitor des Scanners orange – so auch am Mittwoch. Damit ist aber noch kein Beweis für Sprengstoff erbracht. Vor allem Parfum, gelegentlich auch Bestandteile von Festplatten oder Notebookkomponenten erscheinen auf dem Scanner-Bildschirm orange. In diesem Fall ist das Sicherheitspersonal angehalten, verdächtige Gegenständige mit einem „chemical sniffer“, einer Art Ministaubsauger mit hochsensiblem Sprengstoffsensoren, erneut zu untersuchen. Dazu kam es in München nicht mehr.

Leserkommentare
  1. Wie wärs mal mit Fachkräften für die Sicherheitskontrollen? Stattdessen werden unterbezahlte und unqualifizierte Niedriglöhner für diese brisanten Tätigkeiten eingesetzt. Aber nein, eine Maschine ist billiger! Und obendrein kann man noch ein paar dicke Parteispenden von Hersteller einstreichen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Der Vorfall illustriert doch, dass das ganze Sicherheitsgebaren im Flughafen eine gewaltige Show zur Vorspiegelung einer nicht vorhandenen Sicherheit des teuren Fluggastes darstellt. .... "Brisante Tätigkeit" der Sicherheitskontrolle: lächerliches Gehabe, ausser gelegentlichen Nagelfeilen, Taschenmessern und Kinderscheren findet man doch nichts.

    Ein Terrorakt in einem vollen Bahnhof, Kaufhaus, einer vollbesetzten Kirche an einem Hochfest, in einem ICE ist wahrscheinlicher als eine Flugzeugentführung und viel weniger riskant durchzuführen für einen Terroristen. Das geschah in Dt. seit vielen Jahren nicht mehr - zum Glück, aber warum wohl?
    Das Sicherheitsbedürfnis der Flugpassagiere und die alltägliche Selbstberuhigung im ICE oder auf der Autobahn z.B. ist doch völlig schizophren.

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    Wir leben in einer hochverdichteten Gesellschaft die höchst anfällig ist und schon auf kleinste Unregelmäßigkeiten nervös reagiert. Es reicht am Morgen im Berufsverkehr ein Stromausfall im U-Bahn-Tunnel und die halbe Stadt spielt verrückt. Wer ernsthaft an diesem komplexen Zusammenspiel Schaden ausrichten will hat derart viele Möglichkeiten, das es hoffnungslos ist diese alle überwachen zu wollen. Man denke daran was im Emsland ein paar beschädigte Hochspannungsleitungen angerichtet haben...

  3. Meine lieben Freunde :D und Mitbürger der EU (juhu) und der Bundesrepublik Deutschlands, was haben diese Begriffe: "Politik, Augenwischerei und globales Marketing" wohl gemeinsam? Würde ein Ökonom dies vielleicht als einen lebensbereichübergreifenden Geschäftsprozess bezeichnen?
    Politik ist zum Großteil Augenwischerei, und erhöht meistens am Ende des Tages, den Anfrageeingang von Unternehmen. Hier z.B. für Ideen sicherheitswahnsinniger Menschen. Also ist Politik, nach einer simplen Gleichung, Marketing. Dass Unternehmen Outsourcing (und aktive Geschäftsbeziehungen) in jegliche Lebensbereiche (Politik, Privates usw.) betreiten ist eingetlich normal - eigentlich sollten wir das Kartellamt darüber informieren und die Finanzbehörden. Es liegen, laut HGB, beeinflussungen höchsten Grades vor. blabla...

  4. Wir leben in einer hochverdichteten Gesellschaft die höchst anfällig ist und schon auf kleinste Unregelmäßigkeiten nervös reagiert. Es reicht am Morgen im Berufsverkehr ein Stromausfall im U-Bahn-Tunnel und die halbe Stadt spielt verrückt. Wer ernsthaft an diesem komplexen Zusammenspiel Schaden ausrichten will hat derart viele Möglichkeiten, das es hoffnungslos ist diese alle überwachen zu wollen. Man denke daran was im Emsland ein paar beschädigte Hochspannungsleitungen angerichtet haben...

    Antwort auf "Teure Show"
    • Petra_H
    • 22. Januar 2010 13:43 Uhr

    Die Sicherheit unserer Flughäfen lässt sich nicht daran festmachen, ob ein Geschäftsreisender mit parfümierten Laptop nicht festgehalten wird. Die Diskussion ist so lächerlich wie die verschärfte Sicherheitskontrolle der nach Mallorca fliegenden Omi. Zahnpasta-Verbot stoppt kein einziges Selbstmordattentat!

    Samt und sonders alle Attentäter der letzten Jahre waren Muslime, die dem Koran folgend für Allah zur Bombe griffen, daher muss die Methode sein: Muslime erkennen und scharf kontrollieren!

    Und die unsägliche Schikane für normale Fluggäste wie Mallorca-Urlaubs-Omis und Geschäftsreisende kann endlich wieder eingestellt werden. Frag mich eh, ob ein Verantwortlicher ernsthaft glaubt, beim Kontrollieren von nicht-islamischen Deutschen islamische Bomben zu finden...

  5. 6. Unsinn

    @5: Fremdenfeindlicher Unsinn! Die Muslime werden jetzt seit mehr als 8 Jahren diskreditiert weil einige von ihnen zu Sündenböcken gemacht wurden. Die Anschläge vom 11. September wurden von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten inszeniert um Vorwände für Kriege und Überwachung der eigenen Bevölkerung zu liefern.

    Eine Terrorgefahr besteht überhaupt nicht - auch bei uns ist diese behauptete Gefahr von außen nur ein Mittel um dem Staat widerstandslos immer mehr Befugnisse geben zu können.

  6. >>> Samt und sonders alle Attentäter der letzten Jahre waren Muslime, die dem Koran folgend für Allah zur Bombe griffen, daher muss die Methode sein: Muslime erkennen und scharf kontrollieren!

    Solange es weltweit mehr Muslime als Flugpassagiere gibt (und es werden ja immer mehr), erscheint gegen Ihren Vorschlag wiederum die jetzige Methode effizienter, *alle* Flugpassagiere aufs Schärfste zu kontrollieren.
    Noch effizienter wäre dagegen, alle *muslimische Flugpassagiere* aufs Schärfste zu kontrollieren. Das würde auch das Sicherheitsbedürfnis der nicht muslimischen Passagiere bedienen, die an den zu kontrollierenden Muselmanen einfach vorbeigehen könnten.
    Man könnte auch durch die Gründung exklusiv muslimischer Fluggesellschaften einen florierenden Markt aus der Problematik der muslimischen Bomben machen und sich das Geld für den Sicherheitsapparat ganz sparen. Flüge würden zudem billiger.
    -Satire-Ende-

    • remail
    • 22. Januar 2010 14:56 Uhr
    8. bitte

    Wenn das alles Augenwischerei wäre und wir keine Sicherheitskontrollen bräuchten, wären viele Menschen sicher sehr froh. Falls es jedoch so sein sollte, dass man wachsam und gebildet besser durch das Leben kommt. So what? Es gibt wirklich schlimmeres.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte CDU | Airport | Bundespolizei | Flugsicherheit | Janet Napolitano | Sky
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