Zusatzbeiträge der Krankenkassen Abschied von der Solidarität

Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Kassen bedeuten einen Systemwechsel im Gesundheitswesen. Doch die Aufregung darüber kommt zu spät.

Besonders spektakulär scheint die Sache ja auf den ersten Blick nicht zu sein. Beitragserhöhung bei den gesetzlichen Krankenkassen? Hatten wir doch früher alle paar Jahre mal. Die Preise steigen eben. Benzin kostet inzwischen auch mehr. Und, mal Hand aufs Herz: Acht Euro im Monat, 96 im Jahr. Kommen wir damit nicht noch ganz günstig davon, vergleichsweise? Warum plötzlich diese Verschämtheit der Kassenfunktionäre, wieso jetzt das politische Gezeter um Schuld und Verantwortlichkeit, weshalb die ganze Aufregung?

Aus zwei Gründen. Erstens: Die Krankenkassen verlangen die acht Euro, bei denen es natürlich nicht bleiben wird, pauschal. Die alleinstehende Friseurin, die finanziell kaum über die Runden kommt, muss sie genauso berappen wie der üppig verdienende Abteilungsleiter für sich, seine Frau und seine vier Kinder. Bislang richteten sich die Kassenbeiträge, zumindest bis zu einer Obergrenze, immer nach dem Einkommen. Und zweitens: Die Arbeitgeber sind raus. Sie müssen nicht paritätisch mitbezahlen, sie werden noch nicht mal mit dem Abbuchen der sogenannten Zusatzbeiträge behelligt. 

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Beides ist, um das klar zu sagen, ein Systemwechsel. Was wir gerade erleben, ist nichts weniger als der noch ein wenig schüchtern daherkommende Abschied vom solidarischen Prinzip. Eine Weichenstellung, die den Zug in Regionen leitet, die sich merklich frostiger anfühlen werden. Und die, auch das ist interessant, nicht etwa von den neoliberalen Gesellen einer Klientelpartei ersonnen wurde, sondern von einer Koalition der Volksparteien, mit tatkräftiger Hilfe der SPD. Die aufgesprungene FDP kann sich jetzt sogar den Luxus gönnen, die Zusatzbeiträge als Zumutung für Geringverdiener zu bezeichnen – obwohl sie selber ein Pauschalsystem ansteuert, das viel weiter will und die Hälfte der Bürger zu Sozialausgleichsbedürftigen machen würde.

Die Aufregung ist also berechtigt, auch wenn sie ein bisschen spät kommt und – weil die vergangene Wahl eben auch eine gesundheits- und sozialpolitische Richtungswahl war – im Nachhinein wohl nicht mehr viel hilft. Politisch besehen sind die acht Euro Zusatzbeitrag ja ein ganz anderes Kaliber als die zehn Euro Praxisgebühr, die seinerzeit ein ganzes Patientenvolk auf die Barrikaden brachten. Um bei den Arbeitgebern zu bleiben: Ist es wirklich sinnvoll, ausgerechnet diejenigen aus der Kostenverantwortung zu lassen, die mitverantwortlich sind für die wachsende Zahl ausgebrannter Arbeitnehmer und die gesundheitspolitisch so dringend gebraucht würden für kostensparende Prävention? Wenn die Wirtschaft das Interesse an niedrigen Beiträgen verliert, haben die Versicherten den Begehrlichkeiten der Gesundheitsindustrie noch weniger entgegenzusetzen.

Über eines freilich muss sich jeder verärgerte Kassenkunde im Klaren sein: Gesundheit kostet. Und zwar immer mehr. Ob OP-Saal, neue Arzneitherapie oder Pflegeheim: Wer mit modernster Medizin versorgt sein will, kann dies nicht zum eingefrorenen Billigtarif erwarten. Es ist wie beim Lebensmittelkauf. Wer immer nur Dumpingpreise fordert, erhält irgendwann Dumping-Qualität. Womöglich gilt das auch für die Krankenkassen: Unternehmen, die Zusatzbeiträge einfordern, müssen nicht die schlechteren sein. Vielleicht haben sie ja mehr zu bieten. Wer jetzt flott und allein aus Kostengründen seine Kasse wechseln will, sollte dies zumindest bedenken. Und natürlich, dass ihn die gleiche Zumutung über kurz oder lang wohl auch bei der momentan günstigeren Konkurrenz ereilen wird.

(zuerst erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.1.2010)

 
Leser-Kommentare
    • mexi42
    • 26.01.2010 um 10:29 Uhr

    bei der SPD für diese Zuzahlung. Dennoch:
    Die letzte diesbezügliche Gesetzesänderung
    erfolgte am 30.Juli 2009.
    Ach, ja: einfach nicht bezahlen. Einen Rausschmiss
    aus der Kasse ist- dank Ulla- nicht möglich.

  1. 2. Falsch

    Ganz extrem falsch. Dies ist nicht der Abschied von der Solidarität. Dies ist nur dessen Vollendung. Der Abschied von der Solidarität wurde schon viel früher eingeleitet, mit der Einführung der Privaten Krankenkassen, die sich ihre Patienten aussuchen konnten und natürlich nur die gutverdienenden, gesunden nahmen.
    Spätestens auch zu dem Zeitpunkt, als dem Verschreibungswahn mancher Ärzte, die sich mit diesem bereicherten, mit einer Kürzung der Leistungen allgemein geantwortet wurde ohne Kontrollen zu verstärken. Dies führte dazu, dass ich als Insulinpflichtiger Diabetiker für jedes Medikament 7 Euro zuzahlen musste obwohl ich gerne darauf verzichtet hätte. Ich zahlte genauso wie die Patienten, die wegen einem Furz, der nicht ging, gleich zum Doktor rannten.
    Inzwischen bin ich nach Italien ausgewandert, wo ich nichts zuzahlen muss, weil dort Diabetes als chronische Krnakheit anerkannt wird und man dort für solche Mediamente von Beiträgen befreit wird. Durch Kontrolle. Nicht durch alle über den gleichen Kamm scheren.
    In Deutschland ist die Solidarität nicht erst heute verabschiedet worden. Sie ist schon lange dem Lobbyismus geopfert worden. Nur hat es noch keiner gemerkt weil wir Deutschen unseren sauberen Politikern alles glauben und lieber über jene in den Nachbarländern herziehen, auch wenn wir nicht einmal ihre Sprache verstehen.

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    • joG
    • 26.01.2010 um 14:25 Uhr

    "Beides ist, um das klar zu sagen, ein Systemwechsel. Was wir gerade erleben, ist nichts weniger als der noch ein wenig schüchtern daherkommende Abschied vom solidarischen Prinzip."

    Die Verabschiedung des Systems erzwungener Solidarität ist an sich gut. Die Idee entsprang der Unterordnung der Wissenschaft und klaren Menschenverstands einer Ideologie und Wunschdenken. Effektiv war es die Institution eines Schneeballprinzips, von der die Politiker und Beamtenschaft die deutsche Gesellschaft lebten und auf die sie ihre politische Macht gründeten. Das das System scheitern würde ist seit den 70ern klar. Also ist seine Abschaffung richtig.

    Schlimm ist die Art. Der Staat hatte die Bürger gezwungen ihr Geld darin zu investieren. Die Regierung versprach Leistungen und der Bürger verließ sich auf Erfüllung. Dieser plante und richtete sein Leben, seine Vermögensbildung und seine Versicherungen darauf ein. Nun bricht der Staat die Zusagen und der Bürger, so dass der Bürger völlig falsch vorsorgte. Das ist die Essenz der Rechtsunsicherheit und ein grundsätzlicher Bruch des Vertrauens in den Staat und dessen Verfassung.

    Es ist nicht also die Verabschiedung des Solidarpakts, das so entsetzlich ist. Es ist der Vertragsbruch und die Delegitimation der Staates, das erschrecken muss. Das geht an die Substanz des Rechtsstaates und stellt ihn in Frage.

    • TDU
    • 26.01.2010 um 15:15 Uhr

    Aber nicht vergessen, dass die Liquiditätsresere, die mal bestand für die deutsche Einheit aufgewendet wurde, bzw. werden musste, da nicht alle Steuerzahler beteiligt sein sollten.

    Und es hat ein Paradigmenwechsel statt gefunden. Vom Patienten oder chronisch Kranken zum Anspruchs- bzw. Bittsteller. Der Gesunde ist schließlich ein Beitragszahler.

    • clarin
    • 26.01.2010 um 22:51 Uhr

    Zu dem Artikel kann man sagen "Thema verfehlt"! Es wurd nur das System der gesetzlichen Versicherer und ihrer Mitglieder betrachtet. Bei dieser gleichermaßen isolierten wie falschen Annäherung an das Thema kann man zu dem Schluss kommen, dass genau jetzt die Solidarität aufgegeben wird. Aber auch da Einschränkungen: es gibt schon längst Beträge, die von Arbeitgebern nicht mit getragen werden: Praxisgebühr, Zuzahlung bei Medikamenten, Zusatzversicherung Zahnmedizin usw.

    Aber mal ehrlich, von einem echten Solidaritätsprinzip kann man doch nur dann reden, wenn die große Mehrheit der Bevölkerung in dem System organisiert ist. Und genau das ist immer weniger der Fall. Es gibt immer weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Immer mehr sind Mini-Jobber, selbständige Subunternehmer, Freiberufler usw. Und bestimmte Berufsgruppen fallen da gleich ganz raus.

    • clarin
    • 26.01.2010 um 22:51 Uhr

    ...
    Zu Zeiten der Industrialisierung, als Bismarck das System in seinen Grundzügen ersann, war es ein Privileg in der gesetzlichen KV organisiert sein zu DÜRFEN. Es war ein besonderer Schutz, auf den nicht jeder Anspruch haben sollte. Durch diese Sichtweise und die deutsche Gründlichkeit, mit der diese durchgesetzt wurde, habe wir das System mit den priaten Krankenversicherungen bekommen.

    Wir müssen zurück zu einem echten solidarischen Prinzip, das auch einen genügend großen Anteil der Bevölkerung - und zwar aus allen gesellschaftlichen Gruppen - erfasst.

    Dann ist die Chance auf ein bezahlbares System auch wesentlich größer!

    Trotz ihrer weißen Kittel haben viele Ärzte noch lange keine weiße Weste. Die Ärzte haben genügend Einfluss auf die Politik und gehören in Deutschland nachwievor zu den Topverdienern.
    Die hätten meiner Meinung nach die 8 Euro als letzte verdient. Vielmehr sollten Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen vom Zusatzbeitrag profitieren, denn die leiden wirklich unter den Gesetzesänderungen. Während zum Beispiel im Krankenhaus Stellen für Pflegekräfte abgebaut werden, mit der Begründung, dass die durchsschnittliche Verweildauer von Patienten sinkt, bekommen Ärzte zusätzliche Stellen, mit der Begründung, dass die Fallzahlen steigen! Das ist ein Widerspruch in sich und eine Ohrfeige für alle Pflegekräfte.

    • joG
    • 26.01.2010 um 14:25 Uhr

    "Beides ist, um das klar zu sagen, ein Systemwechsel. Was wir gerade erleben, ist nichts weniger als der noch ein wenig schüchtern daherkommende Abschied vom solidarischen Prinzip."

    Die Verabschiedung des Systems erzwungener Solidarität ist an sich gut. Die Idee entsprang der Unterordnung der Wissenschaft und klaren Menschenverstands einer Ideologie und Wunschdenken. Effektiv war es die Institution eines Schneeballprinzips, von der die Politiker und Beamtenschaft die deutsche Gesellschaft lebten und auf die sie ihre politische Macht gründeten. Das das System scheitern würde ist seit den 70ern klar. Also ist seine Abschaffung richtig.

    Schlimm ist die Art. Der Staat hatte die Bürger gezwungen ihr Geld darin zu investieren. Die Regierung versprach Leistungen und der Bürger verließ sich auf Erfüllung. Dieser plante und richtete sein Leben, seine Vermögensbildung und seine Versicherungen darauf ein. Nun bricht der Staat die Zusagen und der Bürger, so dass der Bürger völlig falsch vorsorgte. Das ist die Essenz der Rechtsunsicherheit und ein grundsätzlicher Bruch des Vertrauens in den Staat und dessen Verfassung.

    Es ist nicht also die Verabschiedung des Solidarpakts, das so entsetzlich ist. Es ist der Vertragsbruch und die Delegitimation der Staates, das erschrecken muss. Das geht an die Substanz des Rechtsstaates und stellt ihn in Frage.

    • TDU
    • 26.01.2010 um 15:15 Uhr

    Aber nicht vergessen, dass die Liquiditätsresere, die mal bestand für die deutsche Einheit aufgewendet wurde, bzw. werden musste, da nicht alle Steuerzahler beteiligt sein sollten.

    Und es hat ein Paradigmenwechsel statt gefunden. Vom Patienten oder chronisch Kranken zum Anspruchs- bzw. Bittsteller. Der Gesunde ist schließlich ein Beitragszahler.

    • clarin
    • 26.01.2010 um 22:51 Uhr

    Zu dem Artikel kann man sagen "Thema verfehlt"! Es wurd nur das System der gesetzlichen Versicherer und ihrer Mitglieder betrachtet. Bei dieser gleichermaßen isolierten wie falschen Annäherung an das Thema kann man zu dem Schluss kommen, dass genau jetzt die Solidarität aufgegeben wird. Aber auch da Einschränkungen: es gibt schon längst Beträge, die von Arbeitgebern nicht mit getragen werden: Praxisgebühr, Zuzahlung bei Medikamenten, Zusatzversicherung Zahnmedizin usw.

    Aber mal ehrlich, von einem echten Solidaritätsprinzip kann man doch nur dann reden, wenn die große Mehrheit der Bevölkerung in dem System organisiert ist. Und genau das ist immer weniger der Fall. Es gibt immer weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Immer mehr sind Mini-Jobber, selbständige Subunternehmer, Freiberufler usw. Und bestimmte Berufsgruppen fallen da gleich ganz raus.

    • clarin
    • 26.01.2010 um 22:51 Uhr

    ...
    Zu Zeiten der Industrialisierung, als Bismarck das System in seinen Grundzügen ersann, war es ein Privileg in der gesetzlichen KV organisiert sein zu DÜRFEN. Es war ein besonderer Schutz, auf den nicht jeder Anspruch haben sollte. Durch diese Sichtweise und die deutsche Gründlichkeit, mit der diese durchgesetzt wurde, habe wir das System mit den priaten Krankenversicherungen bekommen.

    Wir müssen zurück zu einem echten solidarischen Prinzip, das auch einen genügend großen Anteil der Bevölkerung - und zwar aus allen gesellschaftlichen Gruppen - erfasst.

    Dann ist die Chance auf ein bezahlbares System auch wesentlich größer!

    Trotz ihrer weißen Kittel haben viele Ärzte noch lange keine weiße Weste. Die Ärzte haben genügend Einfluss auf die Politik und gehören in Deutschland nachwievor zu den Topverdienern.
    Die hätten meiner Meinung nach die 8 Euro als letzte verdient. Vielmehr sollten Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen vom Zusatzbeitrag profitieren, denn die leiden wirklich unter den Gesetzesänderungen. Während zum Beispiel im Krankenhaus Stellen für Pflegekräfte abgebaut werden, mit der Begründung, dass die durchsschnittliche Verweildauer von Patienten sinkt, bekommen Ärzte zusätzliche Stellen, mit der Begründung, dass die Fallzahlen steigen! Das ist ein Widerspruch in sich und eine Ohrfeige für alle Pflegekräfte.

  2. Die guten Wirtschafter bleiben günstig, die anderen fordern und fordern. Wenn man heute gute Qualität in der Behandlung von Höherzahlungen abhängig macht, dann bedeutet das eine Neuverteilung der Leistungen nach dem Geldbeutelprinzip. Unser hoher Standard wird nicht mehr verteilt. (viereggtext)

    • Glawen
    • 26.01.2010 um 10:59 Uhr

    Ich will ja nicht unken aber Beschwerden über die Abkehr vom paritätischen System gab es schon. Ihnen wurde halt einfach keine Beachtung geschenkt.
    Dieser Systemwechsel war genug Leuten klar. Es wurde oft genug moniert, dass es mit Einführung des Gesundheitsfonds und damit verbundener Absenkung des Krankenkassenbeitrags zu einer späteren exklusiven Erhöhung der Beiträge auf Kosten der Arbeitnehmer kommen wird.

    PS Absolut werden die Gesundheitskosten natürlich höher. Das beruht aber nicht nur auf den Kosten für höhere Medizin, sondern auch auf der Inflation. Wenn man sich das ganze mal relativ anschaut, in Bezug auf das BIP, kann man nicht nur von gestiegenen Gesundheitskosten reden.
    http://www.destatis.de/je...

  3. Bei allem Aufruhr über die Zusatzkosten, wir sind alle selber schuld.

    Die Patienten: wenn es stimmt dass jeder Deutsche durchschnittlich 18x im Jahr zum Arzt geht, dann wundert mich gar nichts mehr. Und weil es die Kasse zahlt wird alles in Anspruch genommen, auch wenn es unnötig ist. Wir Patienten haben kein Kostenbewußtsein.

    Das System: von 82 Mio Deutschen sind in etwa 35-40 Mio in einen Arbeitsverhältnis. Von wegen solidarisch: eine Minderheit finanziert die Mehrheit, egal wie sich darin die Kostenteilung (AG/AN) darstellt. Solange immer weniger in das System einzahlen und eine Mehrheit es ausplündert kann nichts zusammenpassen, es muss immer unterfinanziert sein.

    Die Industrie: warum kostet das gleiche Medikament im Ausland deutlich weniger? Da wird Gewinnmaximierung auf Kosten der Verbraucher betrieben.

    Der Handel: die Apotheker sind das geringste Problem. Mit einem Rohertrag von gerade mal 15-20% kommen die so über die Runden. Dabei stellen sie eine Infrastruktur, zahlen Steuern und bieten einen Arbeitsmarkt. Allerdings muss es mehr Wettbewerb geben. Die Beschränkungen heute - sowohl was den Versandhandel als auch die "Ketten" betrifft sind, sind reine Pfründesicherung.

    Die Krankenkassen: es gibt zu viele davon, die Verwaltung ist ineffizient und die Gehälter in den Führungsetagen sind inakzeptabel gemessen an der Aufgabe. Der Leistungskatolag ist falsch zusammengesetzt, das Einsparpotential wird nicht annähernd ausgeschöpft.

    Es gäbe viel zu tun.

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    • Mjardn
    • 26.01.2010 um 14:12 Uhr

    Sehr gut zusammengefasst. Der Fehler liegt zum einen in den unkontrollierten Ausgaben (zu viele vermeidbare Arztbesuche, zu hohe Medikamentenkosten, Behandlungen werden immer teurer) wie auch auf der Einnahmeseite, denn die Zahl der Beitragszahler nimmt seit Jahren ab. Deshalb geht es nicht darum, ob Zusatzbeiträge sozial/unsozial sind, sondern dass sie einfach notwendig sind und der Krankenversicherungsbeitrag nicht ins unermessliche steigen kann, weil das dann wieder eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schon geschröpften Arbeitnehmer ist.
    Zum anderen ist das Apothekensystem sehr bedenkenswert. Die Anzahl der verschreibungspflichtigen Medikamente - auf die die Apotheken ja quasi ein Monopol im Vertrieb haben- ist immer noch zu hoch. Mehr Wettbewerb im Apothekenwesen erreicht man, indem man den normalen Handel stärker mit in den Medikamentenvertrieb mit einbezieht.

    Ihnen ist aber schon klar, was ein Durchschnittswert ist, oder? In die Berechnung des Durchschnitts fließen eben alle mit ein, sowohl die relativ jungen und gesunden Menschen, die sagen wir mal im Jahr 1-2 mal zum Hausarzt gehen, plus 1-2 zum Zahnarzt, plus das ein oder andere mal noch zu einem Spezialisten (Gynäkologen, etc.), als auch jene, die chronisch krank sind und eben alle paar wochen zum Arzt müssen, um sich ihre Medikamente neu verschreiben zulassen oder ähnliches. Die Summe all dieser Einzelwerte wird lediglich durch die Anzahl der Personen geteilt und ergibt so einen Durchschnittswert. Mehr nicht. Sprich: So ein Durchschnittswert sagt nahezu gar nichts darüber aus, ob die Deutschen wirklich zu häufig zum Arzt gehen oder nicht.

    @6
    Ich stimme Ihnen zu. Es sollte nicht die Aufgabe der Arbeitnehmer sein, die Krankenversicherung von Ehegatten und Kinder zu finanzieren. Da wäre eine Kopfpauschale besser, bei der der Staat (= der Steuerzahler) für die Kinder und mitversicherten Ehegatten aufkommt. Bei den Privaten Krankenversicherungen erhalten nur die Personen auch Leistungen, die eingezahlt haben.
    @8
    Nicht nur die moderne Medizin ist teuer, auch die zahlreichen Krankenhäuser. Ich wohen in einer Kreisstadt, die nahtlos in eine andere übergeht. Beide leisten sich ein eigenes Krankenhaus (Luftlinie < 2000 Meter). Da wäre Sparpotential vorhanden (genau wie bei Arzeimittel).

    • Mjardn
    • 26.01.2010 um 14:12 Uhr

    Sehr gut zusammengefasst. Der Fehler liegt zum einen in den unkontrollierten Ausgaben (zu viele vermeidbare Arztbesuche, zu hohe Medikamentenkosten, Behandlungen werden immer teurer) wie auch auf der Einnahmeseite, denn die Zahl der Beitragszahler nimmt seit Jahren ab. Deshalb geht es nicht darum, ob Zusatzbeiträge sozial/unsozial sind, sondern dass sie einfach notwendig sind und der Krankenversicherungsbeitrag nicht ins unermessliche steigen kann, weil das dann wieder eine zusätzliche Belastung für die ohnehin schon geschröpften Arbeitnehmer ist.
    Zum anderen ist das Apothekensystem sehr bedenkenswert. Die Anzahl der verschreibungspflichtigen Medikamente - auf die die Apotheken ja quasi ein Monopol im Vertrieb haben- ist immer noch zu hoch. Mehr Wettbewerb im Apothekenwesen erreicht man, indem man den normalen Handel stärker mit in den Medikamentenvertrieb mit einbezieht.

    Ihnen ist aber schon klar, was ein Durchschnittswert ist, oder? In die Berechnung des Durchschnitts fließen eben alle mit ein, sowohl die relativ jungen und gesunden Menschen, die sagen wir mal im Jahr 1-2 mal zum Hausarzt gehen, plus 1-2 zum Zahnarzt, plus das ein oder andere mal noch zu einem Spezialisten (Gynäkologen, etc.), als auch jene, die chronisch krank sind und eben alle paar wochen zum Arzt müssen, um sich ihre Medikamente neu verschreiben zulassen oder ähnliches. Die Summe all dieser Einzelwerte wird lediglich durch die Anzahl der Personen geteilt und ergibt so einen Durchschnittswert. Mehr nicht. Sprich: So ein Durchschnittswert sagt nahezu gar nichts darüber aus, ob die Deutschen wirklich zu häufig zum Arzt gehen oder nicht.

    @6
    Ich stimme Ihnen zu. Es sollte nicht die Aufgabe der Arbeitnehmer sein, die Krankenversicherung von Ehegatten und Kinder zu finanzieren. Da wäre eine Kopfpauschale besser, bei der der Staat (= der Steuerzahler) für die Kinder und mitversicherten Ehegatten aufkommt. Bei den Privaten Krankenversicherungen erhalten nur die Personen auch Leistungen, die eingezahlt haben.
    @8
    Nicht nur die moderne Medizin ist teuer, auch die zahlreichen Krankenhäuser. Ich wohen in einer Kreisstadt, die nahtlos in eine andere übergeht. Beide leisten sich ein eigenes Krankenhaus (Luftlinie < 2000 Meter). Da wäre Sparpotential vorhanden (genau wie bei Arzeimittel).

    • sudek
    • 26.01.2010 um 11:08 Uhr

    und wenn alle auch noch so brav erzählen, dozieren und belehren:

    alles , was jetzt teurer wird, wird der schwarz/geld - Koalition zugerechnet. Die könnten es ja verhindern, reduzieren etc. etc.

    In NRW wird abgerechnet und zwar so, dass schwarz/gelb keine Mehrheit im Bundestag mehr hat!! Keine Laufzeitverlängerung für schwarz/geld!!

  4. >Über eines freilich muss sich jeder verärgerte Kassenkunde im Klaren sein: Gesundheit kostet. Und zwar immer mehr. Ob OP-Saal, neue Arzneitherapie oder Pflegeheim: Wer mit modernster Medizin versorgt sein will,<

    Das will aber nicht jeder. Es will ja auch nicht jeder einen Neuwagen fahren, wenn er sich dafür verschulden müßte. Und bei den Pharmapräparaten und anderen Therapien ist modern oft - aber längst nicht immer - besser.

    Und die Heterogenität der Inanspruchnahme. Es gibt nun mal die Leute, meist Frauen, für die Arztbesuche - auch abseits
    frauenspezifischer Anläße - eine Art Hobby darstellen.
    Irgendwie müßte es eine Zahl geben, die die Dringlichkeit
    von Aztbesuchen bewertet (Krebs 10 Punkte Befindlichkeitsstörung ohne fachspezifische Diagnose 1 Punkt)

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