Aussteigerprogramme für Taliban Versöhnung gegen Bares?

Deutschland will sich an einem Re-Integrationsfonds für Taliban-Kämpfer beteiligen. Doch das Geld dafür könnte Korruption und Misswirtschaft fördern, warnen Experten.

Festnahme in Afghanistan: Ein der Kooperation mit den Taliban Verdächtiger könnte von dem Aussteigerprogramm profitieren (Archivbild).

Festnahme in Afghanistan: Ein der Kooperation mit den Taliban Verdächtiger könnte von dem Aussteigerprogramm profitieren (Archivbild).

Ein Aussteigerprogramm für Taliban – das ist keine ureigene Idee des liberalen Politikers, vielmehr greift Außenminister Guido Westerwelle (FDP) damit auf, was die afghanische Regierung auf der Konferenz am Donnerstag in London der internationalen Gemeinschaft vorschlagen wird. Ganz im Sinne dessen, was Präsident Hamid Karsai nach seiner umstrittenen Wiederwahl in seiner Antrittsrede bereits verkündete: "Wir heißen all jene Landsleute willkommen, die keine Verbindungen zu internationalen Terror-Netzwerken haben, die ein friedliches Leben im Licht unserer Verfassung führen wollen und die in ihr Zuhause zurückkehren wollen. Wir werden ihnen die notwendige Unterstützung bieten."

Seither ist viel von Versöhnung und Integration die Rede, von Verhandlungen mit gemäßigten Taliban und anderen Aufständischen. Nun sind die UN-Resolutionen, die der internationalen Mission am Hindukusch zugrunde liegen, bisher immer so verstanden worden, dass die Bekämpfung des Terrorismus Verhandlungen mit Taliban oder gar Geldzahlungen an Aufständische ausschließe. Darum wird es wohl auch dabei bleiben, dass nicht Vertreter des Westens das Gespräch mit den Kämpfern suchen werden, sondern das Sache der Afghanen selbst sein wird.

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Nach der Konferenz in London soll ein Fonds aufgelegt werden, in den der Westen einzahlt – verteilt wird das Geld aber von den Afghanen. Es wird somit keine direkten Zahlungen an ehemalige Kämpfer geben, sondern Finanztransfers in einen Topf der afghanischen Regierung, die das Geld dann für ihre Zwecke nutzen kann. Deutschland will sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag daran beteiligen. Der genaue Betrag soll am Montagabend bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt beschlossen werden, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Allerdings warnen Experten vor den Gefahren solcher Zahlungen. Die Verteilung der Fondsgelder könnte die Korruption in Afghanistan noch verstärken oder in den Augen von Afghanen, die keine Sympathien für die Taliban haben, wie eine Belohnung der islamistischen Kämpfer wirken. Citha Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin rät der Bundesregierung daher, kein Geld in den Fonds einzuzahlen, sondern das Kabuler Versöhnungsprogramm durch konkrete Projekte im deutschen Verantwortungsbereich zu unterstützen.

Indem man jenen, die dem Kampf abschwören, eine Ausbildung zukommen lässt, ihnen einen Arbeitsplatz verschafft und ihre Familien wirksam vor Racheakten schützt.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.Januar 2010

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 25.01.2010 um 9:08 Uhr

    ...hiesige Politik von ihren Wählern hält. Da sind Programme in Saudi Arabien und anderen Ländern gemacht worden. Man hat Erfahrung darin und die ist nicht eindeutig gut. Jetzt kommt man daher und erzählt seiner Bevölkerung man wolle solche Programme machen? Hoffen die Politiker, dass die Wähler sich im Internet nicht schlau machen und daher anerkennend das dilettantischen Tun abnicken?

    Ich denke man sollte sich damit lieber auseinandersetzen, dass Deutschland sich ein schlaues Leben zu machen versuchte und man seine Alliierten sehr verärgert hat. Man wird nicht mehr lächerliche Truppenzahlen in geschützten Bunkern verstecken können weit weniger zahlen als seiner Größe angebracht wäre. Ist es denn keinem aufgefallen, dass man da draußen auf Deutschland deutet und "Feigheit!" und "Free Rider!" zischt?

    Man wird diese halbseidene Strategie nicht mehr lange verfolgen können. Das ist wie bei dem Ponziplan den man Generationenvertrag nannte. Man kann den realen Kosten nicht ewig ausweichen, wenn man die Güter will. Der Punkt scheint erreicht, wo man bezahlen wird müssen. Nun kann man versuchen es intransparent zu machen mit Programmen für Taliban und für Kindergärten und Polizeilandschulheimaufenthalte in der Heimat. Ich glaube aber nicht, dass das so erfolgreich sein wird mit den Alliierten, als es gegen die Rentner und eigenen Wähler war. Die da draußen glauben einem nicht mehr und sind ungeduldig. Die Beamtokratie kann sie nicht kontrollieren, wie die eigene Bevölkerung.

  1. Jetzt gibst auch schon für das töten von Menschen eine Abfertigung.

    • Yadgar
    • 25.01.2010 um 9:56 Uhr

    ...ist je ein Soldat und Entwicklungshelfer pro Afghane! Darunter ist es, fürchte ich, nicht zu machen... und dann auch nur, wenn die Ausländer sich nicht mehrheitlich ín der Kabuler Neustadt verschanzen, sondern in die Provinzen, in die Dörfer gehen und dort auf gleichem materiellen Niveau leben wie die Afghanen! Keine schicken SUVs, sondern Fahrräder und Esel, kein Deutscher Hof oder L'Atmosphère, sondern Reis und Fladenbrot! Und eigentlich sollte kein Westler, weder zivil noch militärisch, in Afghanistan arbeiten dürfen, der nicht wenigstens Grundkenntnisse der dortigen Sprachen hat - Dari und Paschtu sollten Pflichtfächer an den Schulen aller in Afghanistan engagierten Länder werden!

  2. Mir erscheint das Ganze wie die Anti-Rechts Kampagnen in Deutschland. Hier wird ja auch versucht, den verirrten Rechten des Ausstieg aus den schlechten Kreisen zu erleichtern.
    Ob dieses mehr oder weniger erfolgreiche Rezept jetzt in Afghanistan wirkt? Oder ob auch staatliche Finanzierungshilfe bei religiösen Fundamentalisten auf Desinteresse stößt? Letzteres scheint mir wahrscheinlicher, an das Gute im Menschen appelieren und dafür noch zahlen, hat sich der Guido ja wieder fein überlegt. Ist doch so viel einfacher, nachher können wir behaupten, alles getan zu haben (viel Geld haben wir nämlich gezahlt), ohne uns mit den wirklichen Problemen auseinandersetzen zu müssen.
    Ach die Taliban, nur so eine verrückte ideologische Masse wie die Nazis... solange man sie nicht als wirkliche Bedrohung mit extrem fanatischen (und daher so unkalkulierbaren) Denkweisen ernst nimmt, können wir doch nur verlieren.
    Der Nationalsozialismus ist vom Menschen gemacht und daher fehlbar, dies anderen beizubringen wäre möglich. Aber die Taliban streben nach einem Gottesstaat. Und Gott macht bekanntlich keine Fehler.

  3. Ist ist bereits jetz enorm was an "Entwicklungshilfe" in Afghanistan einfach so verschwindet ohne etwas zu bewirken.
    Westliche Firmen übernehmen Engagements für Afhansitan, aber das Geld vom Staat versickert dann auf schwarzen Konten, oder in Sinnlosen Projekten.
    Strom Bekommt man in Kabul nur gegen Bestechung, obwohl Deutschland Millionen für dne Ausbau des E-Netzes zahlt.

    Der Wiederaufbau und Strukturausbau sollte vollständig in die Hände ISAF gegeben werden. Notwenidge Kapazitäten in der Truppe können mit den Mitteln der Entwicklungshilfe geschaffen werden, und aus dem Geld was man für dieses Ministerium einsparrt.

  4. http://www.daserste.de/We...

    Und jetz auch noch Geld den Taliban direkt geben?

    • TBF
    • 25.01.2010 um 10:50 Uhr

    hm. interessant. Wenn die Bundesregierung das beschließt, gibt sie damit indirekt zu, dass der Terror hauptsächlich nicht etwa im religiösen Fanatismus, sondern in der wirtschaftlichen Lage der Terroristen begründet ist.

  5. eine Weisheit der Cree-Indianer ein.

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet,
    der letzte Fluß vergiftet,
    der letzte Fisch gefangen ist,
    werdet ihr feststellen,
    daß man Geld nicht essen kann.‘‘

    Meint den die westliche Politik, sie könne alles mit Geld regeln? Mann bezahlt ein paar ausstiegswillige Terroristen und schon ist das Problem gelöst. Auf die Idee zu kommen, dass die dieses Geld gar nicht wollen, sondern das eher sehen wie die Blackfoot-Indianer:

    „Unser Land ist wertvoller als euer Geld. Es wird immer da sein. Nicht einmal Feuer kann es zerstören. Solange die Sonne scheint und Wasser fließt, wird dieses Land bestehen und Menschen und Tieren Leben spenden. Wir können das Leben von Menschen und Tieren nicht verkaufen, daher können wir auch das Land nicht verkaufen. Der Große Geist hat es für uns erschaffen, und wir dürfen es nicht verkaufen,denn es gehört uns nicht. Ihr könnt euer Geld zählen und es verbrennen, und ihr braucht dazu nicht länger als ein Büffel, der mit dem Kopf nickt, aber nur der Große Geist kanndie Sandkörner und Grashalme dieser Ebenen zählen. Als Geschenk werden wir euch alles geben, was wir haben - alles, was ihr forttragen könnt; aber unser Land - niemals.“

    Dies ist vielleicht eine Sichtweise, die einzunehmen vielleicht den eigenen eingeschränkten Wahrnehmungs-Horizont erweitern würde?!

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