Reiseziel Vancouver Herrin der RingeSeite 3/3
Wer es sich leisten kann, wohnt in gläsernen Innenstadt-Hochhäusern und hat sein glänzend poliertes Motorboot direkt vor dem Haus vertäut. Wer außergewöhnliches Glück hatte, wohnt in einem der Hausboote, bunten Luxus-Holzhütten auf schwimmenden Docks. Besonders beliebt als Andockstelle ist die malerische Halbinsel Granville-Island, halb alternative Künstlerkolonie mit bunten Galerien, halb Luxusviertel mit angeschlossenem Jachthafen.
Jeder zweite Bewohner der Stadt hat eine andere Muttersprache als Englisch, rund ein Drittel hat chinesische Vorfahren. Von oben, aus den höchsten Etagen der Wolkenkratzer in der City, zu denen ständig neue hinzukommen, sieht sie aus wie eine Patchwork-Decke. Bei gutem Wetter erkennt man leicht, dass Vancouver einst aus verschiedenen Dörfchen langsam zusammengewachsen ist, von denen jedes ein paar Eigenheiten mit in die Fusion zur Großstadt mitgebracht hat, in deren Kern rund eine halbe Million Menschen leben, inklusive Außenbezirke sind es rund zwei Millionen. Aber es ist selten gutes Wetter, meist regnet es. Oder die Stadt ist in tiefen Nebel gehüllt.
Auch der Snowboarder Rebagliati verdient sein Geld inzwischen mit Immobilienvermittlung. Nicht direkt in Vancouver, sondern in einer kleinen Stadt mit Wald und See in der Nähe, wie fast alle Städte in Kanada Wald und See in der Nähe haben, er lebt dort mit Frau, Kind und Hund. Das Geschäft läuft. Aber manchmal fährt Rebagliati auch noch den Truck, mit dem ein Freund von ihm Hausboote ausliefert, und ein Buch hat er auch geschrieben, über die Geschichte des Snowboardens. Er wisse, sagt er, wie es sei, kein Geld zu haben, was das für Familien und kleine Kinder bedeute, und sein Sport damals sei ein Anker gewesen, aus den beengten Familienverhältnissen herauszufinden.
Auch das ist typisch für die Stadt. Dass Sport Freiheit und Alltag ist. Überall laufen, radeln, skaten athletische Menschen über die glatt betonierten Straßen, man sieht sie in den Ozean springen mit dem Wellenbrett oder mit den Skiern auf dem Autodach zu den nächsten Liften fahren. In den nationalen Übergewichtsstatistiken landet die Stadt regelmäßig auf den letzten Plätzen.
Proteste hat es natürlich auch gegeben gegen die Spiele. Dass die alles in der Stadt nur noch teurer machen würden, war der Vorwurf, dass das Leben in der Innenstadt nach dem Durchzug des Spektakels mit hunderttausenden erwarteten Besuchern unbezahlbar werde.
Ross Rebagliati hat keine Eintrittskarte für die Olympischen Spiele. Er wolle aber die Stimmung in der Stadt genießen und ein bisschen mit seiner Medaille von 1998 herumwedeln. Über seinen Marihuana-Konsum und seine Forderung, die Droge zu legalisieren, spricht er derzeit nicht gerne, er wolle nicht als Ein-Thema-Hansel in die Politik ziehen, sagt er. Aber einen Kampagnensong für den Wahlkampf habe er schon: Bob Marleys Get Up, Stand Up.
- Datum 10.02.2010 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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