Der Plan Währungsfonds als Rettungsanker

Bundeskanzlerin Merkel will dem bankrotten Griechenland durch den Internationalen Währungsfonds helfen lassen. Ob sich der EU-Gipfel darauf einlässt, ist offen.

Bekannt nicht nur durch die Akropolis: das überschuldete Griechenland

Bekannt nicht nur durch die Akropolis: das überschuldete Griechenland

Eine Entscheidung, wie man Griechenland aus seiner Notlage heraushelfen will, soll es beim Treffen der EU-Regierungschefs nicht geben, zumindest Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht dafür keinen Anlass. Der Moment einer "Ultima Ratio" – der Augenblick, an dem nichts anderes mehr hilft – sei für die Griechen noch nicht gekommen. Dass allerdings über das "Wie" einer Hilfe gesprochen wird schließt die deutsche Seite nicht aus. Zumal sich in den Stunden vor dem Gipfel herauskristallisiert hat, dass Europa auf Merkels Linie des "Wie" einschwenkt. Im Zentrum steht der Internationale Währungsfonds (IWF).

Wie arbeitet der IWF und was könnte er bewirken?

Die Kernaufgabe des Fonds ist die Bereitstellung von Krediten für Staaten, die Finanzkrisen nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen können. Dafür stellen die Zentralbanken der 185 Mitgliedsländer entsprechend ihren jeweiligen Anteilen am Fonds die Mittel zur Verfügung. Sobald die griechische Regierung in Washington solche Darlehen beantragt, wird der IWF eine "Mission" von Fachleuten nach Athen entsenden, um dort mit der Regierung ein entsprechendes Abkommen auszuhandeln. Käme es dazu, könnte Griechenland schon im April mit einem IWF-Notkredit auslaufende Schuldtitel zu einem voraussichtlich um zwei Prozent günstigeren Zinssatz ablösen, als auf dem Kapitalmarkt gefordert wird.

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Im Gegenzug werden die Fonds-Experten die griechische Regierung auf ein radikales Sparprogramm verpflichten. Zahlreiche Maßnahmen wie die Kürzung der Gehälter im öffentlichen Dienst um bis zu zehn Prozent und drastische Steuererhöhungen hat das griechische Parlament allerdings bereits beschlossen. Viel mehr werden auch die Krisenmanager des Fonds nicht fordern können.

Der IWF allein wird Griechenlands Finanznot nicht auffangen können. Nach den geltenden IWF-Regeln kann ein Staat nur das Dreifache seiner eigenen Quote beim Fonds leihen, für Griechenland wären das nur rund drei Milliarden Euro. Mit viel gutem Willen wäre das auf zehn Milliarden auszudehnen, kalkuliert Heribert Dieter, Finanzmarktexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Allein in diesem Jahr wird Griechenland jedoch noch mindestens 36 Milliarden Euro neuer Kredite benötigen, davon 16 Milliarden bereits in den kommenden zwei Monaten. Wie schon bei den Hilfsprogrammen für Ungarn und die baltischen Staaten, werde sich die EU daran auch beteiligen müssen, erwartet Dieter.

Warum wird nicht über Konsequenzen für die Gläubiger nachgedacht?

Ob eine Rettung der griechischen Staatskasse mit zinsgünstigen IWF- und EU-Krediten der Eurozone nutzt, ist unter Fachleuten höchst umstritten. Damit würden nur einmal mehr all jene freigekauft, die einem zweifelhaften Schuldner zu viel Kredit gegeben hätten, meint etwa der frühere Weltbank-Mitarbeiter und Finanzsektorexperte Achim Dübel, der dahinter den Druck der Bankenlobby vermutet. Bei einer Überschuldungskrise "haben immer beide Seiten Fehler gemacht", mahnt auch SWP-Fachmann Dieter. Beide plädieren darum dafür, auch den Gläubigern einen Teilerlass der Schulden abzuhandeln. Der Markt habe den Griechen "hohe Risikoprämien" in Form hoher Zinsen abverlangt. Nun sei das Risiko eben eingetreten, darum sollten die Akteure auch die Verluste tragen, fordert Dübel. Andernfalls werde signalisiert, "ihr könnt so viele Kredite geben wie ihr wollt, am Ende haut euch der IWF raus". Den Einwand, nach einer solchen Staatsinsolvenz würden andere hoch verschuldete Eurostaaten wie Portugal oder Italien mit schlechteren Bonitätsnoten und höheren Zinsen bestraft und so die ganze Eurozone gefährdet, lässt der SWP-Experte Dieter nicht gelten. Zu befürchten sei viel mehr, dass nach einem Freikauf der Griechenland-Gläubiger andere Eurostaaten auch auf Rettungskredite setzen, anstatt rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 25.03.2010 um 8:44 Uhr

    ..... dass die Stabilitätsvereinbarungen des Lissabonner Vertrags nicht berührt werden."

    Der Stabilitätspakt? Den brauchte man doch nur als schöne Geschichte für Klein Fritz, damit er nicht zu aufgeregt würde, durch den Verlust der DM. Aber sonst?
    Was hat sich Deutschland um die Beachtung des Stabilitätspakts je geschert? Waigel, Eisener Hans? Das waren bekannte Hüter des Paktes und haben ihn auch nur verbal wichtig genommen. Für ihre Fiskalpolitik und ihre Defizite hatte er keine Bedeutung.
    Es wäre also schon schön jetzt, nachdem er öffentlich gescheitert ist, seine Kraft nicht zu loben.

  1. Jetzt zeigt sich wie wichtig die deutsche Exportstärke ist, nur dadurch kann Deutschland die EU als größter Nettozahler finanzieren, was ja ständig praktiziert wird. Selbst ein Raushauen anderer Staaten wie Griechenland, die leider keine Exportüberschüsse erwirtschaftet haben, wäre möglich, aber schmerhaft. Der IWF ist da eine sinnvollere Lösung.

  2. ... ich frage mich, warum man eigentlcih einem Staat helfen soll, der nichts anderes ist als ein Korruptionssumpf sondergleichen. Ich würde die rausschmeissen. Das tut mir natürlich leid für die Griechen, aber wo gehobelt wird fallen Spaene. Das ist nun mal so im Kapitalismus. So gehts uns Bürgern ja auch. Mir ist das Hemd persönlich naeher als der Rock.
    Wenn ich meine Firma an die Wand fahre, wird das Finanzamt wenig Mitleid mit mir haben-so als Beispiel im Kleinen.
    Ich raffs einfach nicht. M.E. sollte wirklich die EU nochmal überdacht werden. EIn bürokratischer Apparat sondergleichen. Sieht überhaupt noch jemand durch? Gibt es eigentlich ein Land auf der Welt, was nicht hoch verschuldet ist? Und hat das irgendeine Bedeutung? Ich finde das alles so verfahren. Ich würde eher alles abreissen und nochmal bauen. EU Nr.zwo.
    Welt No.2.. alles andere ist doch reine Flickschusterei und führt zu nix. Ich blick da jedenfalls nicht durch.

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    • joG
    • 25.03.2010 um 11:04 Uhr

    .....in letzter Zeit sind zwar die Länder da draußen korrupt, aber es sind Deutsche, die sie bestechen.

    • joG
    • 25.03.2010 um 11:04 Uhr

    .....in letzter Zeit sind zwar die Länder da draußen korrupt, aber es sind Deutsche, die sie bestechen.

  3. kein Nettozahler. Das müssten erst einmal Madame Lagarde und die Anhänger der These - Deutschland muss seine Exporte begrenzen - begreifen.

    Vergleiche mit dem Länderfinanzausgleich hinken: Griechenland ist eben kein Teil eines Bundesstaats, sondern eines Staatenbundes. Vor dem Offenbarungseid hätte es sich jegliche Einmischung in seine inneren Angelegenheiten verbeten und wenn sie von Deutschland gekommen wäre, mit der Nazikeule beantwortet.

    Länder die sich die Mitgliedschaft in der Eurozone erschlichen haben, sollte man ausschliessen.

  4. viereggtext - Griechenland soll den Antrag bei der IWF stellen (kein EWF !). Sagen die nein, bleibt der Weg der Entkopplung aus der EU-Gemeinschaft, bis die Regierungstauglichkeit und Misswirtschaft gelöst sind. Ein Anhängen im sozialstaatlichen Sinn an reiche Staaten führt zu Hartz IV-Leistungen auf internationalem Niveau. Nein danke! EU-Beratung dagegen ja.

  5. Die EU aus den Nordstaaten mit Skandinavien mit Norwegen,
    Niederlande,Österreich,Schweiz,Luxemburg,vielleicht Belgien
    hätte diese Probleme nicht und nach Einwohnerzahl zahlen
    die Niederlande am meisten.Die Wirtschaft der heutigen EU-
    Staaten ist zu verschieden und auch deren Arbeitsmoral,das
    haben leider die Gründer der EU nicht erkannt,der reiche
    Norden kann nicht immer für den armen Süden bezahlen,die
    eine andere Mentalität und Einstellung zur Arbeit und
    anderen Sachen haben.Deutschland sollte sich mehr nach
    Skandinavien als sozialer Staat orientieren,die haben
    nicht soviel Probleme wie wir.In Wirklichkeit hat wie z.b.
    in Spanien die EU alle Autobahnen und autobahnähnliche
    Nationalstrassen finanziert,die in den letzten zehn Jahren
    gebaut wurden.

    • joG
    • 25.03.2010 um 11:04 Uhr

    .....in letzter Zeit sind zwar die Länder da draußen korrupt, aber es sind Deutsche, die sie bestechen.

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