Missbrauchsskandale "Eine Ohrfeige ist eine ganz andere Dimension"
Missbrauch, Misshandlung oder Erziehung: Der Berliner Erziehungswissenschaftler Heinz-Elmar Tenorth fordert mehr Differenzierung in der Debatte um sexuellen Missbrauch.
Frage: Herr Tenorth, wohin sollte die Debatte um sexuellen Missbrauch von Kindern gehen?
Heinz-Elmar Tenorth: Ich habe großen Respekt vor Pater Klaus Mertes (Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Anm. d. Red.), der öffentlich sagt, dass der Umgang seiner Kirche mit Sexualität anders werden muss. Andere Geistliche werden es schwer haben, wieder in alte Muster zurückzufallen.
Frage: Der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, hat sich dafür entschuldigt, als Leiter der Regensburger Domspatzen Kinder geohrfeigt zu haben.
Tenorth: Auch hier sollte man darauf achten, die Trennschärfe beizubehalten. Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche ist ein gänzlich anderes Thema als derartige Erziehungsformen. Sie sind zu missbilligen, aber nicht gleich.
Frage: Ist eine Ohrfeige kein Missbrauch?
Tenorth: Doch, aber das ist eine ganz andere Dimension. Missbrauch fängt schon moralisch an, wenn der Erzieher ein Kind beispielsweise vor einer Gruppe erniedrigt und sagt: „Du bist blöd!“ Eine ganz andere Qualität hat sexueller Missbrauch, der Kinder ein Leben lang traumatisiert.
Frage: Wie funktioniert gesunde Erziehung?
Tenorth: Das Verhältnis zwischen Kindern und Pädagogen muss stimmen, Selbstbestimmung, Anerkennung und Autorität ausbalanciert sein. Und ich glaube, dass dieses in Deutschland gar nicht so falsch ist. Wir haben eine Entwicklung durchgemacht, zum Teil zwischen Extremen: zuerst das tradierte Verständnis von Erziehung, sogar mit Lehrbüchern darüber, wie Kinder aus pädagogischer Sicht richtig zu verprügeln seien. Und dann kamen die ’68er, Kinder wurden für mündig erklärt, ohne eine Differenz zu Erwachsenen. Plötzlich sollte man seine Sexualität auch mit Kindern ausleben dürfen. Das war zu viel der Liberalität. Beide Extreme waren gefährlich, aber sie gelten aktuell nicht mehr.
Frage: Daniel Cohn-Bendit hat sich dafür entschuldigt, in seinem 1975 erschienen Buch sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen verharmlost zu haben.
Tenorth: Es ist natürlich gut, wenn sich jemand zu seiner Mitschuld bekennt, auch wenn das höchstens eine mittelbare ist. Aber es deutet an, was vielleicht noch zu kurz kommt: Es wäre wünschenswert, wenn auch Täter befragt und sich äußern würden; die alte Leitung der Odenwaldschule ist doch sehr stumm. Ein ehemaliger Lehrer einer anderen Schule hat vor kurzem die von ihm verübten Misshandlungen eingestanden. Natürlich empfinde ich deshalb kein Mitleid mit ihm, aber er sollte nicht allein stehen.
Heinz-Elmar Tenorth ist Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Fragen stellte Ingo Schmidt-Tychsen.
Erschienen im Tagesspiegel
- Datum 11.03.2010 - 12:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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"Daniel Cohn-Bendit hat sich dafür entschuldigt, in seinem 1975 erschienen Buch sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen verharmlost zu haben."
Wundert es da noch, dass der Mann von der Odenwaldschule kommt? Ob katholische Kirche oder linke Elite da wirken die gleichen, die Täter systematisch schützen. Warum sitzt einer, der so eine Geisteshaltung pflegt(e), im Europa-Parlament? Warum laufen in deutschen Kinos Filme von Polanski? Verdrängen, vergessen, abwinken, schweigen. Geld schützt Geld, egal wie intellektuell es daherkommt.
Dann benennen Sie doch mal „die gleichen“, die Ihrer Meinung nach katholische Kirche und linke Elite gleichermaßen schützen. Bin gespannt…
Cohn-Bendit hat damals sicher ziemlich übles Zeugs ziemlich unüberlegt von sich gegeben.
Das berechtigt Sie allerdings nicht, ihm etwas schwammig heute noch zu unterstellen, seine Geisteshaltung, wie Sie es nennen, nicht geändert zu haben: „pflegt(e)“.
So macht man das, is klar...
Solche Kommentare Wie Ihrer bringen gar nichts, schon gar nicht für die Opfer. Solche Kommentare instrumentalisieren das Leid der Opfer. Es geht nur darum, die eigene, oftmals krude, Weltanschauung unter die Leute zu bringen.
Und da können Sie von mir aus jetzt auch „eingeschnappt“ sein, so viel Sie wollen…
Dann benennen Sie doch mal „die gleichen“, die Ihrer Meinung nach katholische Kirche und linke Elite gleichermaßen schützen. Bin gespannt…
Cohn-Bendit hat damals sicher ziemlich übles Zeugs ziemlich unüberlegt von sich gegeben.
Das berechtigt Sie allerdings nicht, ihm etwas schwammig heute noch zu unterstellen, seine Geisteshaltung, wie Sie es nennen, nicht geändert zu haben: „pflegt(e)“.
So macht man das, is klar...
Solche Kommentare Wie Ihrer bringen gar nichts, schon gar nicht für die Opfer. Solche Kommentare instrumentalisieren das Leid der Opfer. Es geht nur darum, die eigene, oftmals krude, Weltanschauung unter die Leute zu bringen.
Und da können Sie von mir aus jetzt auch „eingeschnappt“ sein, so viel Sie wollen…
Dann benennen Sie doch mal „die gleichen“, die Ihrer Meinung nach katholische Kirche und linke Elite gleichermaßen schützen. Bin gespannt…
Cohn-Bendit hat damals sicher ziemlich übles Zeugs ziemlich unüberlegt von sich gegeben.
Das berechtigt Sie allerdings nicht, ihm etwas schwammig heute noch zu unterstellen, seine Geisteshaltung, wie Sie es nennen, nicht geändert zu haben: „pflegt(e)“.
So macht man das, is klar...
Solche Kommentare Wie Ihrer bringen gar nichts, schon gar nicht für die Opfer. Solche Kommentare instrumentalisieren das Leid der Opfer. Es geht nur darum, die eigene, oftmals krude, Weltanschauung unter die Leute zu bringen.
Und da können Sie von mir aus jetzt auch „eingeschnappt“ sein, so viel Sie wollen…
Hat mir Spass gemacht, dies zu lesen.
wäre die Bezeichnung Gewalt sehr viel trennschärfer. Sexualisierte, physische, psychische Gewalt. Alle drei Gewaltformen können zu lebenslangen Traumata führen, wenn sie nicht ernst genommen und behandelt werden, bedürfen auch unterschiedlicher Behandlungen, haben aber eins gemeinsam, nämlich Gewalt.
'Sexueller Mißbrauch' widerstrebt mir trotz allem Eingebürgertsein, er impliziert einen legitimen 'sexuellen Gebrauch' von Kindern durch Erwachsene und den gibt es nicht.
Als hätte dazu niemals ein Diskurs stattgefunden...
Ich verstehe nicht, wieso der Ausdruck „sexueller Mssbrauch“ einen legitimen sexuellen Gebrauch , wie Sie sich ausdrücken, implizieren soll. Missbrauch ist Missbrauch und daran ist nichts legitim. Punkt! Sie irren sich gewaltig, wenn Sie Missbrauch durch Gewalt ersetzen wollen und denken, das wäre die richtigere Bezeichnung. Es gibt auch sexuellen Missbrauch ohne Gewalteinwirkung, aber das verstehen viele nicht….
Ich verstehe nicht, wieso der Ausdruck „sexueller Mssbrauch“ einen legitimen sexuellen Gebrauch , wie Sie sich ausdrücken, implizieren soll. Missbrauch ist Missbrauch und daran ist nichts legitim. Punkt! Sie irren sich gewaltig, wenn Sie Missbrauch durch Gewalt ersetzen wollen und denken, das wäre die richtigere Bezeichnung. Es gibt auch sexuellen Missbrauch ohne Gewalteinwirkung, aber das verstehen viele nicht….
"Eine ganz andere Qualität hat sexueller Missbrauch, der Kinder ein Leben lang traumatisiert."
Mir scheint trotzdem, es gibt einen Zusammenhang - dieser ist die Ausübung von Macht, das Durchsetzen des Stärkeren, die Etablierung eines Systems, in dem sadistische körperliche Züchtigungen einher gehen können mit sexualisierten Übergriffen.
Wenn man so argumetiert wie der Interviewte, könnte man auch eine "Rangordnung" der Schädigungen aufstellen, die die Opfer erleiden, und denen die nach dieser Logik "nur betatscht" wurden, hätten dann weniger Recht, ihre Folgeschäden zu beklagen, als die, die vergewaltigt wurden.
Bis hin zu denen, die durch jahrelange, z.T. tägliche Vergewaltigungen schwerst traumatisiert sind.
Es geht gegenwärtig darum, die Ursachen und die Systematik von Gewalt und Machtmissbrauch aufzuzeigen.
Und vor allem: den Opfern zuzuhören. Egal, welche Art und Intensität von Gewalt sie erlebt haben.
Es sind zunächst ja gerade universitäre, schülerunerfahrene Pädagogen wie Prof. Tenorth gewesen, die ja dem von Gerold Becker (ehem. Schulleiter der Odenwaldschule), Hartmut von Hentig (Gerold Beckers Lebensgefährte) etc. lernabträglichen Erziehungs- und realitätskonträren Schülerbild massiv Schützenhilfe leisteten.
Gemeinsame ist diesen Pädagogen mit Vision das Einprügeln auf den fachlich-soliden Unterricht.
So spricht Hartmut von Hentig heabsetzend vom "streunenden Lehrer" (in: Was ist eine humane Schule, 1978 - S. 70)
Auch Professor Tenorth hatte 1997 nichts besseres zu tun, als die entsagungsvolle Tätigkeit der Lehrer, die anders als die genannten Götter der deutschen Pädagogig pflichtgetreu ihrem schweren Beruf nachgehen,verächtlich zu disqualifizieren:
"Ein Drittel aller Lehrer ist unqualifiziert und müßte eigentlich entlassen werden. Das meint der Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth von der Berliner Humboldt-Universität."
http://www.zeit.de/1997/0...
Ich verstehe nicht, wieso der Ausdruck „sexueller Mssbrauch“ einen legitimen sexuellen Gebrauch , wie Sie sich ausdrücken, implizieren soll. Missbrauch ist Missbrauch und daran ist nichts legitim. Punkt! Sie irren sich gewaltig, wenn Sie Missbrauch durch Gewalt ersetzen wollen und denken, das wäre die richtigere Bezeichnung. Es gibt auch sexuellen Missbrauch ohne Gewalteinwirkung, aber das verstehen viele nicht….
wie Ihrer Ansicht nach 'sexueller Mißbrauch' ohne Gewalteinwirkung vonstatten gehen soll. Das verstehe ich nämlich tatsächlich nicht. Gleich vorausgeschickt - ich bin mir völlig darüber im Klaren, daß Kinder eine Sexualität haben. Mischt sich in die aber eine erwachsene ein, so handelt es sich immer um Gewalt.
wie Ihrer Ansicht nach 'sexueller Mißbrauch' ohne Gewalteinwirkung vonstatten gehen soll. Das verstehe ich nämlich tatsächlich nicht. Gleich vorausgeschickt - ich bin mir völlig darüber im Klaren, daß Kinder eine Sexualität haben. Mischt sich in die aber eine erwachsene ein, so handelt es sich immer um Gewalt.
wie Ihrer Ansicht nach 'sexueller Mißbrauch' ohne Gewalteinwirkung vonstatten gehen soll. Das verstehe ich nämlich tatsächlich nicht. Gleich vorausgeschickt - ich bin mir völlig darüber im Klaren, daß Kinder eine Sexualität haben. Mischt sich in die aber eine erwachsene ein, so handelt es sich immer um Gewalt.
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