Streit Fluglotsen wehren sich gegen Sichtflüge
Der Luftraum über Deutschland ist gesperrt, doch die Fluggesellschaften fliegen mit Sondergenehmigungen. Die Lotsen wollen dafür keine Verantwortung tragen.
© Michaela Rehle/Reuters

Zwei Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung kontrollieren den Betrieb auf dem Münchner Flughafen
Der Luftverkehr in Europa ist nach dem Stillstand wegen der Vulkanasche aus Island langsam wieder in Bewegung. Im deutschen Luftraum herrscht jedoch ein einmaliger Ausnahmezustand: Die Deutsche Flugsicherung will weiterhin nicht die Verantwortung für Flüge durch möglicherweise gefährliche Vulkanasche übernehmen – die Fluggesellschaften haben aber Sondergenehmigungen des Luftfahrtbundesamtes für Sichtflüge und können wieder starten.
"Die Verantwortung können wir nicht übernehmen", sagte Flugsicherungs-Sprecher Axel Raab. Daran sei die Flugsicherung schon durch internationale Vorschriften gehindert. Da die Flugsicherung wegen der vom Deutschen Wetterdienst veröffentlichten Daten die Luftraumsperrungen bis zunächst 20.00 Uhr verlängert hatte, trage kein Lotse die Verantwortung für die Führung von Flugzeugen, die sich im unteren Luftraum befinden. Dennoch unterstützen die Lotsen die Piloten, sichern sich aber so ab, falls etwas schief geht.
Am Abend wurde die Sperrung auf 2 Uhr früh ausgedehnt. Sichtflüge sind allerdings weiterhin möglich. Zudem wird der Luftraum an den Flughäfen Hamburg und Bremen zwischen 23.00 und 2.00 Uhr komplett freigegeben, so dass dort auch wieder normale Flüge stattfinden.
Fluggesellschaften wie die Deutsche Lufthansa sehen trotz Sperrung keine Gefahr. Sie ließen die Jets wieder starten. "Schon bei den Überführungsflügen am Samstag sind die Maschinen zum Teil bis 8000 Meter aufgestiegen und in Bereiche geflogen, in denen die Aschewolke nach den Simulationsberechnungen vermutet wurde", sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Dabei seien keinerlei Schäden an den Triebwerken festgestellt worden, ebenso wenig nach den jüngsten Flügen am Montag und Dienstag.
Für die Flüge nutzen die deutschen Airlines die Sonderregelung für Sichtflüge, die nicht auf Unterstützung durch die Lotsen angewiesen sind. Zusätzlich holten sie sich noch eine Sondergenehmigung des Luftfahrtbundesamtes, weil in normalen Zeiten gewerbliche Passagierflüge mit Maschinen von mehr als 14 Tonnen Gewicht überhaupt nicht nach Sichtflugregeln starten dürfen. Allein die Lufthansa wollte so am Dienstag 200 Flüge absolvieren – was aber weiterhin nur einen Bruchteil der üblicherweise 1800 Flüge ausmachen würde.
Konkret ändert sich durch die Sichtflugregeln für die Piloten nicht viel. Sie starten wie gewohnt an den großen Verkehrsflughäfen. Bis in einer Höhe von rund 6000 Metern, die in etwa zehn Minuten erreicht werden, achten sie selbst auf den Verkehr und umfliegen alle Wolken, sagt Flugsicherungs-Sprecher Raab. Da derzeit ohnehin nicht viele Maschinen unterwegs sind, gilt das auch als sicher – solange die Aschepartikel nicht stören. Ab einer Flughöhe von rund 6000 Metern, wo keine Asche mehr vermutet wird, übernehmen dann wieder wie gewohnt die Fluglotsen die Führung der Maschinen und legen die genauen Routen fest.
Doch nicht nur bei den Lotsen, sondern auch bei den Piloten regt sich Widerstand. "Man hat nur eine juristische Winkelkonstruktion gesucht, um die Flugzeuge in die Luft zu bringen", sagt der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg. An der wissenschaftlichen Einschätzung der Gefährlichkeit der Aschewolken habe sich nichts geändert, kritisiert er im Deutschlandfunk. Die Flugsicherung zeigt Verständnis für die Piloten. "Im Grunde will keiner die Verantwortung übernehmen", sagt Raab, der früher selbst als Lotse gearbeitet hat.
- Datum 20.04.2010 - 18:51 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 18
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Nix Neues also. Profit geht vor.
Na, da können wir uns ja beruhigt in den Flieger setzen:
- Die Piloten nennen die Sichtflüge unverantwortlich.
- Die Fluglotsen halten es für Irrsinn.
Aber wenn wir runterkommen wird der Fluggesellschaft die Maschine ersetzt.
Dann ist ja alles gut!
Die Lufthansa-Lobbyisten haben gewonnen und sich über die Sicherheit der Passagiere hinweggesetzt. Im Zweifel für die Kohle und gegen die Sicherheit. Das werde ich mir gut merken, eine solche Fluglinie hat mein Vertrauen nicht mehr.
Warum ist die Mehrheit der europäischen Flughäfen bereits wieder geöffnet, nicht die in Deutschland?
Warum kommt erst 3 Tage nachdem ja schon zu erahnen war, dass die Aschewolke den Luftverkehr beeinträchtigen können, ein Krisenstab zusammen, der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit einem Messungsflug beauftragt?
DAS ist deutsche Politik. Wahrscheinlich würden die auch erst ne Krisensitzung einberufen und Maßnahmen diskutieren, nachdem die Welt vor 1 Woche untergegangen ist. Bravo!
Betreff: Aktuelle infos bezueglich eines Triebwerkschadens der Air France Machine Paris-San Francisco, 10:40, 20.4.
Wie ich gerade von einem Passagierer am Air France Flug Paris-San Francisco (Abflug 10:40) erfahren habe, musste die Machine uber dem Altantik wegen eines Triebwerschadens (angeblich ein Leck) umkehren und ist am Nachmittag in Paris wieder gelandet.
"Betreff: Aktuelle infos bezueglich eines Triebwerkschadens der Air France Machine Paris-San Francisco, 10:40, 20.4.
Wie ich gerade von einem Passagierer am Air France Flug Paris-San Francisco (Abflug 10:40) erfahren habe, musste die Machine uber dem Altantik wegen eines Triebwerschadens (angeblich ein Leck) umkehren und ist am Nachmittag in Paris wieder gelandet."
Haben Sie dazu eine weitere Quelle? Habe bis jetzt nichts dazu gefunden.
"Betreff: Aktuelle infos bezueglich eines Triebwerkschadens der Air France Machine Paris-San Francisco, 10:40, 20.4.
Wie ich gerade von einem Passagierer am Air France Flug Paris-San Francisco (Abflug 10:40) erfahren habe, musste die Machine uber dem Altantik wegen eines Triebwerschadens (angeblich ein Leck) umkehren und ist am Nachmittag in Paris wieder gelandet."
Haben Sie dazu eine weitere Quelle? Habe bis jetzt nichts dazu gefunden.
Auch falls zehntausend Flüge glimpflich abliefen,bleibet doch das Schreckens-Szenario,falls nur eine Maschine in einen dichteren Asche-Wolken-Bereich geraten wäre und abstürzte.Dies Risiko darf keiner eingehen,-das wäre zu viel.
Ich kann nicht beurteilen, wie existent und gefährlich die Aschewolke wirklich ist. Mir fällt nur auf, dass die Lufthansa mal wieder vorn dabei ist, wenn es darum geht, potentielle Flugrisiken einzugehen. Dabei wird die Lufthansa zumindest in Deutschland immer als besonders solide, sicher und verantwortungsvoll dargestellt.
Ich erinnere an die spektakuläre Landung während eines Orkans in Hamburg, bei der das Flugzeug mit einem Flügel schon den Boden berührte und nur um Haaresbreite einer Katastrophe entkam. Der Pilot einer Emirates-Maschine, die zur selben Zeit in Hamburg hätte landen sollen, hat aus Sicherheitsgründen entschieden, in Bremen zu landen. Die Lufthansa hat auch da erhebliche Risiken in Kauf genommen.
unbedingt fliegen wollen, dann sollen sie es doch, einfach unterhalb der Wolkengrenze bleiben.
Quax der Bruchpilot
sollten alle Flüge nur unterhalb der Wolkendecke stattfinden.
Tante Ju´s gibt es noch, damit kann man auf Sicht fliegen, wie einst Quax der Bruchpilot.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren