Verkehr Umweltbundesamt provoziert mit Pkw-Maut
Das Umweltbundesamt plädiert zur Finanzierung der Straßen für eine Pkw-Maut. Automobilverbände und Politiker von SPD, Grünen und der FDP kritisieren die Forderung.
Autofahrer in Deutschland müssen vorerst keine Pkw-Maut befürchten. "Der Koalitionsvertrag gibt dazu keinen Auftrag", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Donnerstag bei der Konferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern in Bremen. Auch die FDP lehnte den jüngsten Vorstoß des Umweltbundesamtes für eine streckenbezogene Pkw-Maut strikt ab. Ein Nein kam auch von SPD, Grünen und Linken.
Zur Entlastung der Umwelt und zur besseren Steuerung des Straßenverkehrs hatte das Umweltbundesamt (UBA) eine Pkw-Maut auf allen deutschen Straßen vorgeschlagen. Die Abgabe sollte von den gefahrenen Kilometern abhängig sein, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Behörde. Autofahrer müssten im Schnitt drei bis vier Euro pro 100 Kilometer zahlen. Damit könnten die ungedeckten Kosten des Autoverkehrs abgefangen werden.
Derzeit kostet der Pkw-Verkehr in Deutschland den Staat laut der Studie der Dessauer Behörde im Jahr 47 Milliarden Euro mehr, als er über Kfz- und Mineralölsteuern sowie Parkgebühren einnimmt. "Das Umweltbundesamt hält vor diesem Hintergrund die Einführung einer fahrleistungsbezogenen Pkw-Maut auf dem gesamten deutschen Straßennetz für das zielführendste der diskutierten Maut-Modelle."
Trotz des großen Widerstands hält Bundesamtspräsident Jochen Flasbarth die Abgabe für unvermeidlich: "Ich glaube, dass sei über kurz oder lang kommen wird", sagte er dem Hessischen Rundfunk. Die Maut werde auf Dauer ein Modell für ganz Europa sein. Das Umweltbundesamt hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt für eine Maut ausgesprochen.
Die Grünen lehnten das Modell des Amtes ab. "Das ist nicht gerecht", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast dem Mitteldeutschen Rundfunk. Der Opel-Corsa-Fahrer dürfe nicht genauso viel zahlen wie der eines Porsche. Sie sprach sich für eine Steuerung über die Kfz-Steuer aus. Der Verband Allianz pro Schiene lobte, dass das Umweltbundesamt gegen die pauschale Vignette sei. "Wer viel fährt, zahlt wenig. Das überzeugt weder die Umweltverbände noch die Autoclubs in unserem Bündnis", sagte Geschäftsführer Dirk Flege.
Auch der verkehrspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, lehnte die Vorschläge des Umweltbundesamtes ab. "Mehrbelastungen für Autofahrer kommen für die FDP nicht infrage, das haben wir vor der Wahl gesagt und dabei bleiben wir." Eine Maut bedeute eine "unverantwortliche Mehrbelastung von Millionen Pendlern und Familien. Die deutschen Autofahrer zahlen heute bereits 53 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben – jeder Euro mehr wäre einer zu viel."
Der verkehrspolitische Sprecher des SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sagte, der Verdacht, dass die Bundesregierung heimlich an einer Pkw-Maut arbeite, werde durch Äußerungen von UBA-Präsident Jochen Flasbarth bestätigt. "Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen soll zunächst eine Pkw-Vignette eingeführt werden, um dann im nächsten Schritt eine elektronische streckenbezogene Pkw-Maut einzuführen." Die halbherzigen ablehnenden Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ramsauer seien reine Lippenbekenntnisse.
Die Vignette war wiederholt von Unionspolitikern vor allem aus Baden-Württemberg aber auch aus Bayern ins Gespräch gebracht worden. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sich zunächst offen für die Maut gezeigt, diese Äußerungen aber später eingeschränkt. Verkehrspolitiker drängen seit Längerem darauf, die Finanzierung von Straßen unabhängiger von der Haushaltslage des Bundes zu machen. Die Pkw-Maut gilt aber politisch als nur schwer durchsetzbar.
Technisch solle das System an die bereits eingeführte Lkw-Maut andocken, die satellitengestützt über einen Bordcomputer abgerechnet wird. Damit können Strecken auch unterschiedlich nach Uhrzeiten und Strecken bemautet werden. Das Bundesamt räumt allerdings ein, dass die Umsetzung bei 45 Millionen Autos gegenüber rund einer Million Lastwagen deutlich aufwendiger sei. Diese gelte auch für die Kontrollen.
Alternativ zur Maut bringt das Amt auch eine Anhebung der Mineralölsteuer ins Gespräch: Damit könnte ebenfalls entfernungsabhängig, gerecht und effektiv die Nutzung der Straßen bezahlt werden. Allerdings müsste dies möglich europaweit vereinheitlicht werden, um Tanktourismus zu vermeiden.
- Datum 15.04.2010 - 15:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
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Eine solche Maut wird alle belasten - nicht nur die bösen Autofahrer. Alles was wir verbrauchen wird dann wieder einmal mit einem kräftigen Preisaufschlag versehen, den letztlich alle zu tragen haben.
Und wenn schon: Wenn man mal von den wenigen Besucherkurzreisen absieht wäre es das Einfachste, einen Aufschlag auf den Benzinpreis vorzunehmen, damit wäre die ach so gefährliche CO2-Emission exakt berücksichtigt.
Dieser so einfache Vorschlag wird aber nicht realisiert werden, da ja damit durch die Anlagenfirmen für die Mauterfassung nichts verdient werden könnte(Die Lobyisten stehen bestgimmt schon in den Startlöchern) Irgendwie müssen ja die Steuermittel ausgegeben werden - wir habn's ja.
Da wird die 3. Reihe vorgeschickt um das Terrain fuer eine "Steuererhoehung" zu sondieren. Gar nicht so ungeschickt, eine Maut einzufuehren, denn da kann keiner durch Tanktourismus Steuervermeidung betreiben (eine verbrauchsabhaengige Steuer waere "gerechter"). Das Ganze wird mit einer dubiosen Deckungsluecke von 47000000000 garniert (der ADAC rechnet immer was anderes, aber der ist ja parteiisch)
Erst die "Wieder"vereinigung, dann der Euro, dann Hypo Real Estate (und alle anderen aehnlichen Katastrophen), und jetzt auch noch Griechenland. Es ist kein Wunder, das die Regierung(en) desperat nach neuen Geldquellen sucht - es sind ja auch keine Steuern, es ist eine Maut (purer Euphemismus). Wann sagen die endlich mal: NJET ! Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben. Eher schon einen Staatsbankrott a'la Argentinien.
Dann vielleicht nicht mehr.
>>hält Bundesamtspräsident Jochen Flasbarth die Abgabe für unvermeidlich
Wenn Beamte oder Politiker was wollen ist immer TINA unterwegs.
Ich halte es eher für unvermeidlich verbeamtete Ideologen auf andere Posten zu versetzen, wo sie noch von Nutzen sein könnten, aber keinen Schaden anrichten vermögen.
Moin,
dann kann man für TINA nur hoffen, dass sie nicht ganz aus Versehen TATA über den Weg läuft.
Für alle, die hier nur Bahnhof verstehen, TINA steht für "There Is No Alternative" und TATA für "There Are Thousands of Alternatives!"
Es versteht sich fast von selbst, dass ich nicht so ein großer Fan von TINA bin, ich stehe mehr auf TATA.
Am meisten stört mich daran, dass der Aufwand in keiner Relation zum Effekt steht, außer man liebt Datenmengen (Bewegungsprofile) in der Hand eines Autobahnbewirtschaftungsunternehmens, an dem per Zufall auch noch die Deutsche Telekom AG zu 45% beteiligt ist, weitere 45% gehören Daimler und 10% einem frz. Unternehmen. Nun ist ja gerade die Telekom hier interessant, zum einen wegen der Datenübertragung und zum anderen wegen ihres bisherigen Umgangs mit Kundendaten.
Ein Verfahren wie die jetzige Toll-Collect-Erhebung mit OBU für Vielfahrer und Kassenautomaten für Wenigfahrer halte ich übrigens für nicht praktikabel.
Mal sehen, was da als nächstes aufgetischt wird.
Beste Grüße
Grabert
Moin,
dann kann man für TINA nur hoffen, dass sie nicht ganz aus Versehen TATA über den Weg läuft.
Für alle, die hier nur Bahnhof verstehen, TINA steht für "There Is No Alternative" und TATA für "There Are Thousands of Alternatives!"
Es versteht sich fast von selbst, dass ich nicht so ein großer Fan von TINA bin, ich stehe mehr auf TATA.
Am meisten stört mich daran, dass der Aufwand in keiner Relation zum Effekt steht, außer man liebt Datenmengen (Bewegungsprofile) in der Hand eines Autobahnbewirtschaftungsunternehmens, an dem per Zufall auch noch die Deutsche Telekom AG zu 45% beteiligt ist, weitere 45% gehören Daimler und 10% einem frz. Unternehmen. Nun ist ja gerade die Telekom hier interessant, zum einen wegen der Datenübertragung und zum anderen wegen ihres bisherigen Umgangs mit Kundendaten.
Ein Verfahren wie die jetzige Toll-Collect-Erhebung mit OBU für Vielfahrer und Kassenautomaten für Wenigfahrer halte ich übrigens für nicht praktikabel.
Mal sehen, was da als nächstes aufgetischt wird.
Beste Grüße
Grabert
...und wo endet das Geld?
Wieder scheinheilige Argumente? Ökosteuer... bloß hat die Umwelt nichts von der Ökosteuer - kein Wunder, deutsche Finanzpolitiker sind inkompetent oder haben inkompetentes Personal... die Ökosteuer kommt nicht der Umwelt zugute sondern der Rentenkasse.
Oder das "Umweltgeld" - was wird damit finanziert? Eine Erhöhung der Diäten von Politikern?
Was ich sagen will - ich finde es nicht unbedingt falsch wenn zum Beispiel Autofahrer Renten per Steuer finanzieren - aber dann soll dies im Namen der Steuer erkennbar sein.
Darum sollte die Ökosteuer nicht Ökosteuer sondern Rentensteuer heißen.
Und mit dieser "Maut Idee" - der deutsche Autofahrer zahlt schon für Straßen und sonstigen Kram ohne Ende - warum soll er - grundlos! - noch mehr zahlen?
Mit einer Maut könnte man Geld von ausländischen Besuchern bekommen - aber dann zahlen wir nicht für die Straßen die wir unseren Nachbarn kaputtmachen...
Und noch zu mir - als Student habe ich immer noch keinen Führerschein - bei so etwas wird der bei einer Attraktivität von null nur noch unattraktiver... (negativ,geht das? jetzt nicht mathematisch gesehen)
Und ja - ich komme mit dem ÖPNV klar - oder kann auch mal zu Fuß gehen.
Zu #1: Ich kann nicht nachvollziehen, warum dann alles teurer werden soll? Können Sie das mal darlegen? Ich würde ja eher sagen, alles wird billiger, da die Leute weniger Geld in der Tasche haben und damit die Nachfrage sinkt.
Aber zum Thema:
Im Moment ist es so, das Autofahren wahnsinnig billig ist, weshalb die meisten Leute gedankenlos jeden km damit fahren.
Das geht zulasten der Umwelt und damit späteren Generationen. Die Generation die jetzt um die 20 ist (so wie ich) wird die Folgen wohl auch noch zu spüren bekommen.
Alle Nicht-Klimaleugner die dennoch dagegen sind frage ich also:
Wie können Sie ernsthaft wollen, dass das so bleibt?
Klar, das in diesen Staat zu pumpen, damit die Politiker ihrerseits ihre Bequemlichkeit ausleben können und der Staatskasse weiterhin nichts als Verluste bescheren können ist genauso falsch, daher muss das Geld dann auch zweckbestimmt für den Schaden eingesetzt werden, den die Autofahrer anrichten.
Und außerdem müsste man in der Tat mal gucken, wie man dann Familien und Einzelpersonen unterstützt, die dann nicht mehr mobil wären.
Aber das ist ja generell ein Problem, das auch mal gelöst werden muss (eigentlich hängt beides zusammen aber das wissen nur die gaaaanz Schlauen ;) ).
...was die Kraftstoffsteuer nicht besser kann (ausser die Last von bestimmten Streckenabschnitten zu mindern)
Die Kraftstoffsteuer belastest
- viel fahren
- schwere Autos fahren
- schnell fahren
- ineffizente Autos fahren
- Sie benötig keine gigantische Bürokratie
- Sie ist anonym
- Sie verführt nicht dazu, die erhobenen Daten zu missbrauchen, um jede motorisierte Bewegung in Deutschland zu überwachen
- Sie kann nur eingeschränkt benutzt werden, um bestimmte Zielgruppen zu bevorteilen oder zu benachteiligen (Agrarsprit ist so ungefähr das äusserste)
- Die Kosten sind unmittelbar sichtbar und transparent
Ganz klar, der PKW-Maut gehört die Zukunft, kein einziger der von mir genannten Punkte ist für unsere Führungskaste von Vorteil.
Zu #6:Es wird wohl dem Dümmsten klar sein, dass die zusätzlichen Ausgaben der Firmen für Ihre Dienst- und Lieferwagenflotte dann wieder beim Kunden landen (oder zumindest wieder einmal als ein Preiserhöhungsargument dienen)! Und das trifft eben nicht nur die bösen Autofahrer.
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