Hells AngelsManche Brüder sitzen eben im Knast – na und?

Es geht um Revierkämpfe, es geht um Macht, zuletzt gab es Tote im Rockerkrieg. Die Innenminister beraten diese Woche über ein Verbot der Hells Angels und Bandidos. von Von Friedhard Teuffel

Diesmal stellt sich den Hells Angels niemand in den Weg, und deshalb wundert sich Wanne, als er auf seiner Harley Davidson vor dem Clubhaus auf den Bürgersteig gleitet. Sonst ist das nämlich anders. Überhaupt ist sonst vieles anders in seiner Welt, der Welt eines Hells Angels. Die ist ziemlich durcheinandergeraten in letzter Zeit. „Die Regel ist eine Stunde anstehen, Personalien angeben, abfummeln lassen,“ brummt Wanne durch seinen Vollbart. Heute dreht nur ein VW Touareg, getönte Scheiben, eine Runde um den Klausener Platz in Berlin-Charlottenburg, wo die Rocker ihren Treffpunkt haben. „Zivilbullen“, knurrt Wanne.

Die Hells Angels Berlin feiern die Eröffnung der Motorradsaison. Das hätte nach all den Vorkommnissen auch mehr staatliche Aufmerksamkeit erregen können, findet Wanne. Der 50-Jährige ist Gründungsmitglied der Berliner Hells Angels und ihr Mann für Öffentlichkeitsarbeit. Drei Kamerateams haben sich an diesem Abend bei ihm vorgestellt, und als er sie fragte, was ihr Thema sei, bekam er jeweils die Antwort: „Rockerkrieg“.

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Er spricht das Wort noch abfälliger aus als Zivilbulle. „Wer hier von Krieg redet, hat das Wort nicht kapiert. Im Irak ist Krieg. Was hier passiert, ist nicht so eine Weltsensation“, sagt er.

Doch manchem Politiker reicht, was passiert ist, um die Hells Angels, den bekanntesten Motorradclub der Welt, aus Deutschland verbannen zu wollen. Am Donnerstag treffen sich die Innenminister in Hamburg, um über ein Verbot der Hells Angels und anderer Rockervereine zu diskutieren. Schleswig-Holsteins Minister wollte nicht so lange warten: Er hat schon zwei Clubs verboten, Straftaten seien nicht nur von einzelnen Mitgliedern ausgegangen, die ganze Organisation habe dahintergesteckt. Der Vorwurf lautet: Brutale Rocker, die sich mal mit dem Staat, mal mit anderen Rockern anlegen, um ihren kriminellen Geschäften nachzugehen, Prostitution und Drogenhandel.

Nicht, dass Wanne und seine Kollegen Angst vor einem Verbot hätten – Angst und Hells Angels, das passt auch gar nicht zusammen. Aber im Clubhaus am Spandauer Damm sitzen dann doch Männer, die sich ernsthaft Sorgen machen. Die nachfragen, ob es etwas Neues gebe.

Vier wollen reden, Wanne, Kay, Al und Schulle, so stellen sie sich vor, im Hinterzimmer sitzen sie auf Drehstühlen, auf der weißen Tischdecke stehen Schalen mit Obst und Süßigkeiten und ein Käsekuchen, ein Büfett wie beim Kindergeburtstag.

Das Erdgeschoss ihres Hauses haben sie an einen Dönerimbiss verpachtet, im ersten Stock vorne ist ihre Kneipe, aus Luftballons an der Wand entweicht langsam die Luft, künstliche Palmen begrünen eine Ecke. Einige Wände und Böden warten noch auf Putz und Belag. „Das soll gemütlich werden bei uns“, sagt Wanne über ihre Pläne, „ein Wohnzimmer mit guten Möbeln und Riesenfernseher.“ Seit drei Jahren sind sie hier, „mit großer Terrasse, Blick auf das Schloss Charlottenburg“, wie auf ihrer Internetseite zu lesen ist.

Leserkommentare
    • mamor
    • 25. Mai 2010 13:28 Uhr

    Sicherlich ist Einiges Richtig was in dem Artikel steht- aber lange nicht Alles!
    Warum verbietet man dann aber nicht die ganzen Cliquen von Türken, Russen und sonstigen Zugewanderten? Hier ist das Aggressionspotential um vieles höher!
    Dann heißt es aber gleich, die Deutschen seien ausländerfeindlich, am Besten gleich antisemitisch!
    Wer hat denn im Milieu das Zepter in der Hand? Das sind lang nicht mehr die Deutschen!
    Oft genug werden Clubs von den Anwohnern gerufen um wieder Ruhe zu schaffen.
    Wieso berichtet man denn nicht mal darüber?
    Oder über die vielen Charity - Veranstaltungen der Clubs? Wie oft haben sich schon Kids in Heimen und Horte über die neuen Spielsachen zu Weihnachten gefreut, wie oft gemeinnützige soziale Organisationen über einen schönen Scheck?
    Die meisten der Clubmitglieder sind Geschäftsleute oder in guten Positionen, bringen dem Staat dementsprechend Steuern.
    Kann man das von den zugewanderten Mitbürgern auch so sagen?
    Ich bin der Meinung, man sollte da erst mal das Geld investieren, in eine gute Integration, scharfe Bestrafung der Ehrenmorde, Verbesserung der Situation der zugewanderten Frauen, die in ihrer „Tradition“ oft genug zu ersticken drohen.

    Aber letztendlich wollen sie alle nur spielen! ;)

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    Ich kenne keine Organisation die jedes Jahr so viele Spenden wie die Biker, ebenso wird jedes Jahr für verunglückte Hinterbliebene gesammelt.
    Du fragst warum nicht mal Andere aufs Korn genommen werden? Ganz einfach, der extreme Zusammenhalt macht Angst!

  1. Entfernt. Bitte vermeiden Sie unnötige Polemik und bemühen Sie sich um eine sachliche Ausdrucksweise. Die Redaktion/sh

  2. Die von Ihnen benannten Cliquen sind eben keine Vereine. Und was ist noch der Unterschied: Richtig, die Hell Angels und Bandidos sind EINDEUTIG kriminelle Vereine, die ebenso unstrittig der Organisierten Kriminalität zuzurechnen sind. Damit will ich - insbesondere - Gewaltkriminalität durch Ausländer überhaupt nicht schönreden. Sie ist auch zu verurteilen und zwar auf das Schärfste.

    Allerdings "Rockern" eine Ordnungsfunktion im Rotlichtmilieu zuzusprechen oder "Charity" lobzuhudeln, ist naiv und mehr als blauäugig: Im Milieu haben die Herren ausschließlich ihre "Geschäftsinteressen" im Sinne und vermeintliche "Charity-Aktionen" dienen ausschließlich der Propaganda! Ich kenne nur kriminelle "Geschäftsleute" unter den "Rockern" und Leute in "guten Positionen" (im allgemeinen gesellschaftlichen Sinne) schon mal gar nicht.

    Ob ein Verbot - analog zur NPD - sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings schadet auch hier eine Signalwirkung sicher nicht.

  3. ich halte die rocker für weit weniger gefährlich als manch andere dinge in diesem land.

    • mamor
    • 25. Mai 2010 15:40 Uhr

    Ich sagte mit keinem Wort, dass ich das Rockermilieu für gut heiße!
    Ich hatte einiges mit den Jungs zu tun und konnte die andere Seite auch kennen lernen. Vielleicht sehe ich sie deswegen nicht so sehr kriminalisiert, mag sein!
    Kaum einer dieser mir bekannten Leute war arbeitslos, keiner, der mir bekannt ist, ist oder war kriminell. Ich finde die schon genannte Gruppierungen, die sehr wohl in Gruppen zusammengeschlossen sind, sehr viel gefährlicher.
    Als Frau, fühle ich mich von einer Kultur, die keinerlei Respekt den Frauen gegenüber hat, weit bedrohter als von großen Jungs mit diskutierbarem Fähnchen auf dem Buckel!
    Ich finde, es gibt wichtigere Projekte wie die Regierung unser Geld verschwenden kann!

  4. Ich kenne keine Organisation die jedes Jahr so viele Spenden wie die Biker, ebenso wird jedes Jahr für verunglückte Hinterbliebene gesammelt.
    Du fragst warum nicht mal Andere aufs Korn genommen werden? Ganz einfach, der extreme Zusammenhalt macht Angst!

  5. also ich finde ja "ausländerkriminalität" wird ja mittlerweile zu so ziemlich allem als massstab genommen. in dem fall ists wohl kaum vergleichstauglich. wo ist die parallele zu einem frustrierten sechzehnjährigen zugewanderten pseudomacho und einer rockerorganisation. manchmal werden beide kriminell, aber das isses schon. ich als frau fühl mich weder von einer kultur noch von einem rockerverband bedroht. höchstens im ausnahmefall von einem seiner angehörigen.

    • mamor
    • 26. Mai 2010 9:29 Uhr

    Ich überlege gerade, inwieweit ein Angehöriger eines „Rocker“-Clubs Interesse haben könnte Sie zu bedrohen? Das war dann wohl eher etwas polemisch, oder?
    Hand auf`s Herz: leben Sie in einer größeren Stadt mit einem hohen Migrationshintergrund? Arbeiten Sie oder Ihre Angehörigen mit Menschen zusammen, die kein Interesse haben sich einzubürgern?
    Leben Sie in einer Stadt, in der Sie Ihre Jungs nicht einmal in einen Fußballverein gehen lassen können, da der Aggressionsfaktor aufgrund des hohen Migrantenanteil enorm hoch ist? Hat das immer etwas mit hohem Frustrationsniveau zu tun?

    In wie weit hatten Sie denn Kontakt zu Angehörigen oder Mitgliedern eines „Rocker“-Clubs? Haben Sie sich bisher wirklich persönlich mit dem Leben dieser Menschen auseinander gesetzt oder entstammt Ihr „Wissen“ aus Artikeln wie dem vorliegenden?

    Nochmals; ich fühle mich auch nicht pudelwohl wenn ich Mitglieder eines Clubs in Rudeln sehe die auf mich zukommen, ich kann aber gut damit umgehen und empfinde sie als weit weniger gewalttätig, als sie in der Presse dargestellt werden. Käme mein Mann jetzt auf die Idee einem solchen Club beizutreten, würde ich aber auch nicht in Jubelstürme ausbrechen! Das liegt in meinem Fall aber eher an der Eigendynamik die jedes Clubleben inne hat.

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