Einwanderung Integration besser als ihr Ruf

Die Integration in Deutschland funktioniert besser als angenommen, ergab eine Studie. Denn heraus kam ein "Gegenbild zum deutschen Integrationsgejammer".

Muslimisches Mädchen mit Kopftuch im Schwimmbad

Muslimisches Mädchen mit Kopftuch im Schwimmbad

Die deutsche Einwanderungsgesellschaft funktioniert, Migranten und Alteingesessene kommen gut miteinander aus. Was die Alltagserfahrung schon lange lehrte, ist jetzt auch als Teil deutschen Bewusstseins ausgemacht: Man weiß, was man aneinander hat. Wie dem ersten Jahresbericht des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) zu entnehmen ist, sind Deutsche und Migranten einander in ihren Einstellungen sehr ähnlich, sie sorgen sich in praktisch gleichem Maße um dieselben Probleme – Arbeitslosigkeit und Bildungschancen etwa – und sie haben einen ähnlichen, optimistischen Blick auf Integration.

So meint die übergroße Mehrheit sowohl der Nichtmigranten wie der Migranten, dass erfolgreiche Integration in erster Linie Sache der Zuwanderer selbst sei. Dass auch oder nur die Mehrheitsbevölkerung in der Pflicht sei, meinen in beiden Gruppen nur ungefähr zehn Prozent. Auch Kuriosa enthält der Bericht: Während sich die befragten Deutschen zu 93 Prozent in Deutschland wohlfühlen, sind es bei den Migranten über 95 Prozent. Und das gegenseitige Vertrauen ist teils größer als das zur eigenen Herkunftsgruppe. Migranten vertrauen Deutschen stärker (62 Prozent) als die sich selbst (54 Prozent).

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Für seinen ersten Jahresbericht zum Stand der Integration ließ der SVR nach eigenen Angaben mehr als 5600 Menschen mit und ohne Migrationshintergrund befragen. Beide Gruppen antworteten auf dieselben Fragen. Das Ziel waren dabei nicht Strukturdaten. "Uns ging es um subjektive Einschätzungen“, sagt die Bremer Bildungsforscherin Yasemin Karakasoglu, eine der neun Sachverständigen des SVR. Und die ergäben, so der SVR-Vorsitzende, der Migrationshistoriker Klaus J. Bade, "ein klares Gegenbild zum deutschen Integrationsgejammer auf hohem Niveau“.

Multikulti-Enthusiasten wie -Pessimisten in Politik und Migrantenlobbys empfahl Bade angesichts dessen gleichermaßen Abrüstung: Das Bild von der angeblich "integrationsresistenten Mehrheitsgesellschaft“ sei genauso falsch wie die Behauptung, Integration scheitere an Abschottung und migrantischen Parallelgesellschaften. Dies könne sich die Politik zwar nicht gutschreiben, sie könne aber Gutes dafür tun.

SVR-Mitglied Heinz Faßmann, der auch Autor des österreichischen Integrationsberichts ist, nannte als Beispiel Positivwerbung fürs eigene Land: Sich für Einwanderer unattraktiv zu machen, habe Deutschland in einem Maße geschafft, "wie es keinem anderen Land gelungen ist“. Zudem kritisieren die Sachverständigen bleibende "Problemstaus“ in der Zuwanderungspolitik und im Bildungssystem, das auf die Höhe einer Gesellschaft gebracht werden müsse, "die einen "beschleunigten Wandel der Kulturen und Lebensformen“ (Bade) erlebe.

Dass sämtliche 5600 Befragten aus Westdeutschland kamen, hält der SVR zwar für eine Lücke, aber für kein strukturelles Problem. 91 Prozent der Migranten leben auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik. "Den Alltag der Einwanderungsgesellschaft“, sagte SVR-Geschäftsführerin Gunilla Fincke, "misst man am besten da, wo er auch stattfindet.“

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 20.05.2010 um 11:31 Uhr

    Mal abwarten, was die enttäuschten Profiteure und Instrumentalisierer (auch der politischen) der Konfliktbeschwörung dazu zu sagen haben.

    Es wird langsam Zeit, von der beliebig zu interpretierenden Gesamtschau auf die konkret bestehenden Konflikte und Probleme, und zwar da wo Menschen und nicht Verbände miteinander leben, einzugehen.

    Die Probleme in Berlin Neukölln sind sicher andere als die in anderen Städten. Als Beispiel seien mal die Jobchancen von Hauptschülern im Rheinland angesprochen. Haben wir nämlich halbwegs intakte soziale Verhältnisse, behaupte ich, dass türkische Schüler bessere Jobchancen haben könnten. Und zwar allein schon wegen des größeren Familienzusammenhalts und den damit verbundenen Netzwerken in dieser Gruppe der Bevölkerung.

  1. "Den Alltag der Einwanderungsgesellschaft“, sagte SVR-Geschäftsführerin Gunilla Fincke, "misst man am besten da, wo er auch stattfindet.“

    Traue nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast...oder wie??
    Man kann doch nicht Ergebnisse präsentieren die man in solch weise geschönt hat!
    Der Alltag der Einwanderungsgesellschaft findet überall statt.Wichtig wird es wenn man die "Grenzgebiete" im Auge behält...Vor allem Stadtstaaten mit ihren 14% und halt den ostteil von Deutschland mit rund 3% Anteil an ausländische Bevölkerung.

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    • Hainuo
    • 20.05.2010 um 11:37 Uhr

    ...scheint tief in den Gedanken verankert zu sein. Wenn der Deutsche im Garten Eden sitzt, dann beschwert er sich, dass er den Apfel nicht haben darf. Wenn er den Apfel bekommt, dann ist er zu sauer... Wenn 95% der Ausländer sich mit Deutschland identifizieren können, dann heisst das im Umkehrschluss, dass es immerhin 5% nicht können. Egal wie klitzeklein die Gelegenheit auf Gemecker ist, sie wird wahrgenommen. Wenn man nicht wüsste, dass es sich hierbei nur um heiße Luft handelt, welcher am Stammtisch und neuerdings in sämtlichen Internetforen freier Lauf gewährt wird, dann müsste man sich schon richtig ärgern. Erwartungsvoll schauen alle anderen Länder auf Deutschland, wie es die Finanzkrise alleine beseitigt. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr, aber was passiert? Alle haben einen neuen und dieses mal tatsächlich wichtigen Grund zum Jammern gefunden. "Schafft die Diktatur der Demokratie ab", "Ich werde unterdrückt" und "Steht endlich auf und wehrt euch gegen die Unterdrücker". Das prekäre an diesem Gelaber ist, dass es eine wichtige Diskussion nur unnötig auf eine ziemlich primitive Ebene herabzieht. Scheinbar maßen sich alle an, die derzeitige Situation komplett erfasst zu haben und sie besser zu verstehen, als Spezialisten. Dieser Blödsinn ist wahrlich zum Jammern, und da wären wir wieder.

  2. Da hat die Stiftung für Integration und Migration aber einen schweren Tunnelblick.
    Obwohl in den letzten zwanzig Jahren Migranten gefördert wurden und viel Geld investiert wurde, sind die Ergebnisse nicht berauschend. Hier wurden Einwanderern Ausbildungsgänge finanziert, in die Einheimische bei gleicher Eignung nie Zugang gefunden hätten.Während die Migrantenkinder vor 30 – 40 Jahren noch integriert werden konnten, weil damals der Anteil in den Schulen sehr klein war, haben wir heute Gruppenbildungen und Aufbau von Parallelgesellschaften. Auch in kleineren Städten gibt es mittlerweile bereits organisierte Gruppen, die äußerst gewaltbereit sind. Erst vor Kurzem wurde dies im Raum Stuttgart deutlich, wo bewaffnete Gruppen, von bis zu 30 Personen, Überfälle durchführten. Leider ignorieren die Politiker aller Parteien die akuten Probleme beharrlich. Aber auf der Grundlage von frisierten Studien zu behaupten, dass alles im Bereich Integration super laufen würde, ist grob fahrlässig.
    Außerdem möchte ich mich gegen das Wort Einwanderungsland wehren. Typische Einwanderungsländer haben ein ganz anderes Verhältnis Fläche pro Einwohner als Deutschland. Bei Millionen von Arbeitslosen, Millionen 400 Euro Arbeitern und Teilzeitkräften, ist eine weitere Zuwanderung purer Irrsinn. Die Solidargemeinschaft kann keine weiteren Menschen tragen und finanzieren.

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    Es ist unglaublich. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie die Studie nicht gelesen haben? Und nur weil sie nicht in Ihr Weltbild passt gehen Sie davon aus, dass sie "frisiert" ist? Ihnen ist schon klar, dass das ein sehr schwer wiegender Vorwurf ist?
    Es mag ja sein, dass die Studie mangelhaft ist, aber dann belegen Sie das bitte. Bis dahin halte ich eine Studie mit 5600 Teilnehmern fuer deutlich aussagekraeftiger als die (tatsaechlichen oder gelesenen) Erfahrungen einer Einzelperson.
    Diax's rake ("Never believe a thing simply because you want it to be true") gilt auch andersrum.

    Es ist unglaublich. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie die Studie nicht gelesen haben? Und nur weil sie nicht in Ihr Weltbild passt gehen Sie davon aus, dass sie "frisiert" ist? Ihnen ist schon klar, dass das ein sehr schwer wiegender Vorwurf ist?
    Es mag ja sein, dass die Studie mangelhaft ist, aber dann belegen Sie das bitte. Bis dahin halte ich eine Studie mit 5600 Teilnehmern fuer deutlich aussagekraeftiger als die (tatsaechlichen oder gelesenen) Erfahrungen einer Einzelperson.
    Diax's rake ("Never believe a thing simply because you want it to be true") gilt auch andersrum.

  3. Eigentlich ist es unfaßbar, daß eine Masseneinwanderung von Millionen Menschen islamischen Glaubens nach Europa nicht schon längst eine Grundsatzdiskussion in allen Ländern ausgelöst hat, ob diese Menschen zu uns, unserer europäischen Kultur und Tradition passen oder nicht!
    Es ist einfach eine Tatsache, daß sich durch diese riesigen Bevölkerungsanteile unser Leben verändert hat und noch mehr verändern wird. Soll uns das etwa nicht ineressieren, wie die Welt aussehen wird, in der unsere Kinder leben werden?
    Ich kann einfach nicht fassen, daß wir nicht das Recht haben sollen, darüber zu reden, zu diskutieren und zu entscheiden, ob wir das eigentlich wollen oder nicht!
    Wieso wird uns dieses Recht dauernd vorenthalten?

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    Absolut richtig. W.A.R.U.M. wird denn die Migration gefördert? Ich kenne absolut K.E.I.N.E.N. der noch mehr Migration möchte. Vielleicht aus dem Fernsehen, Leute wie C. Roth in ihrer TonSteineScherben-Welt.

    Also noch einmal: Kann mir irgendjemand erklären, warum Migration gefördert werden soll? Weil die hochqualifizierten Leute, die hier herkommen, gerne unsere Rente bezahlen wollen?

    Absolut richtig. W.A.R.U.M. wird denn die Migration gefördert? Ich kenne absolut K.E.I.N.E.N. der noch mehr Migration möchte. Vielleicht aus dem Fernsehen, Leute wie C. Roth in ihrer TonSteineScherben-Welt.

    Also noch einmal: Kann mir irgendjemand erklären, warum Migration gefördert werden soll? Weil die hochqualifizierten Leute, die hier herkommen, gerne unsere Rente bezahlen wollen?

  4. "Wenn die europäische Kultur nicht mehr die Kraft hat bzw. ihre Kulturträger nicht mehr den Willen haben, ihre Kultur zu behaupten, wird sie irgendwann genauso aus der Welt verschwinden wie die Kultur der Maya, der Indianer, der Zulus, Pharaonen oder alten Chinesen."

  5. Denn die öffentliche Diskussion hängt der realen Entwicklung leider immer hinterher, mit eime Timelag von mittlerweile mindestens 10 Jahren, in manchen Fragen sogar 30 Jahre.

    Das ist so, weil die Politik nur noch auf unmittelbar Bedrohliches reagiert. Erst als die Bürger ärgerlich wurden, Teile dem rechten Lager zu liefen, wurde reagiert.
    Da wir schon seit geraumer Zeit einen zumindest offiziellen Einwanderungsstopp und z.T. restriktivere Regeln haben, und zumindest überall dort, wo die Ghettoisierung noch nicht so weit fortgeschritten ist wie in Berlin, der Anpassungdruck, wie die Anpassungsangebote seit der Ära Kohl bestehen bzw. erweitert wurden, kann es nicht verwundern, das das Erfolge zeitigt.
    Angesichts der immer noch vorhandenen Probleme ist das aber kein Grund für eine Entwarnung, sondern Bestätigung der restriktiveren Politik.

    H.

  6. Dieser Hofberichterstattungs - Artikel flankiert die politische Faktenvertuschung, die uns die political correctness - Verfechter als Kontrapunkt zur Meinung "im Volk" aufzwingen.

    Die "Zeit" ist seit je ein Super-Hofberichterstatter. Schon vor der Euro-Einführung hagelte es Chefredakteur Theo-Sommer-Artikel zur tollen und zwingend notwendigen Einführung des Euro. Das ganze Blatt war voller Empfehlungen und Lobeshymnen. Warner wurden in die rechte Ecke gestellt und fertiggemacht. Heute sehen wir, wohin diese Faktenvertuschung geführt hat, auch wenn sie denkbar gutmenschlich daherkam.

    Mit der Migration und der Presselancierung genehmer, aber nicht zutreffender Perspektiven wird es genauso kommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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  • Schlagworte Integration | Einwanderung | Ausländer | Migrant
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