Podolski und Schweinsteiger Getrennte Wege, gemeinsames Ziel
2006 waren sie das Traumpaar des deutschen Fußballs. Seitdem ging es für Bastian Schweinsteiger aufwärts, für Lukas Podolski abwärts. Joachim Löw zählt auf beide.
© John Mac Dougall/AFP/Getty Images

Nehmen verschiedene Entwicklungen: Lukas Podolski (links) und Bastian Schweinsteiger
Durban – Die Sonne steht hoch, nicht viel los auf dem Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft. Mal abgesehen von Joachim Löw – und Lukas Podolski. Der Bundestrainer ruft wild: "Durchlaufen Lukas, bis auf den ersten Pfosten, und ab!" Und dann gehen sie ab, wild entschlossen, die knallroten Fußballschuhe, in denen Lukas Podolski steckt. Der Kölner Stürmer rennt wie aufgezogen, einen flachen Querpass nagelt er ins Tornetz. "Gut so, Lukas!", brüllt Löw und dreht sich ab. Kann sich eben doch verlassen auf den Poldi, der Bundestrainer.
Und das soll der faule Lukas sein? Uli Stein, der frühere Nationaltorwart, hat das böse Wort neulich in die Welt gesetzt. Er hatte sich auf ehemalige Trainer Podolskis berufen, die behaupteten, dass der Nationalstürmer der faulste Spieler sei, den sie jemals gehabt hätten.
Die Szene mit den roten Schuhen hat sich in Sizilien zugetragen, wo sich das deutsche Team auf die WM vorbereitete. Vielleicht war das der Moment, in dem Joachim Löw genug hatte von dem ganzen Gerede. Dem Bundestrainer ist ja nicht entgangen, dass Podolski beim 1. FC Köln eine schwache Saison gespielt hat. Zwei Tore in 27 Spielen hat er geschossen, der einstige Kanonier vom Rhein. Eins im vorigen September, eins im März.
Löw kann es überhaupt nicht gebrauchen, dass sein Torgarant mit der unverschämt guten Trefferquote in der Nationalelf von 38 Toren in 73 Ländereinsätzen Hemmungen hat, jetzt, wo schon Michael Ballack ausgefallen ist. Und genau damit hat sich eine andere Debatte aufgetan. Die um Bastian Schweinsteiger, den neuen Genius des FC Bayern, der Ballack zu ersetzen hat. Schweinsteiger hat die Münchner zum nationalen Double geführt. Was für eine Entwicklung! Vom Traktor, der über den Platz tuckert, hin zum Strategen, dem zugetraut wird, das Ballack-Loch zu füllen.
Hinter den Geschichten vom faulen Lukas und dem genialen Schweinsteiger steckt in Wirklichkeit die vom Wendepunkt des einstigen Gute-Laune-Paars des deutschen Fußballs. Während Podolski, gerade 25 geworden, um seinen guten Ruf fürchten muss, hat der andere, noch nicht ganz 26, gerade seine Mannschaft ins wichtigste Finale Europas geführt. Und mehr noch: Von diesen beiden könnte abhängen, ob Deutschland ein erfolgreiches WM-Turnier spielt oder nicht.
Beide gehören zu einer Generation, die dem deutschen Team bei der WM in Südafrika als Achse dient. Es ist das jüngste deutsche WM-Team seit 1934, es ist ein Gebilde, das in Ballack seinen charismatischen Anführer, seinen fußballerischen Kopf verloren hat und daher eine gehörige Unwucht besitzt. Löw hat Philipp Lahm zum Kapitän bestimmt, aber Schweinsteiger ist zum "emotionalen Leader" auf dem Platz ernannt worden. Er könnte das Herz der neuen Mannschaft werden, wenn, ja wenn er so spielt, wie er sich in seiner neuen Rolle fühlt. "Prächtig", wie er sagt.
Es ist noch gar nicht so lange her, da waren "Poldi & Schweini" das jüngste und beliebteste Paar des deutschen Fußballs. Während der Heim-WM 2006 waren sie die Strahlemänner des Sommermärchens, die heimlichen Helden in Sönke Wortmanns WM-Film. Es schien, als verkörperte niemand so gut wie die beiden diese junge, unfertige, aber sympathische Mannschaft, die als ein Versprechen auf die Zukunft galt. Der Höhepunkt war erreicht, als Schweinsteiger auf der Premierenfeier des Films zur Kanzlerin Merkel sagte: "Sie können mich immer duzen."
Und nun das. Die Hymnen auf den einen, die üblen Nachreden für den anderen. Der Kölner Express , der für gewöhnlich wenig Gnade kennt, stellte sich schützend vor seinen Fußballprinzen. Wolfgang Overath, Kölner Weltmeister von 1974 und Präsident des FC, bezeichnete Steins Aussagen als "Unverschämtheit und Blödsinn". Der Aufschrei war riesengroß. Was wäre der FC ohne Poldi?
- Datum 13.06.2010 - 11:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Sehr guter Artikel. Ich hoffe wirklich Poldi explodiert heute gegen Australien.
Es war schon schlimm genug mit ansehen zu müssen wie ein Favorit nach dem anderen ein miserables Spiel ablieferte.
Hoffentlich ist es heute Abend nicht so. Aber bei dem jungen ehrgeizigen Kader bin ich doch recht zuversichtlich.
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