Kabuler Sicherheitskonferenz Teile oder herrsche
In Kabul wurde für 2014 die Übergabe an die Sicherheitskräfte Afghanistans beschlossen. US-Experten haben radikalere Pläne. Sogar eine Teilung des Landes ist im Gespräch.
© Miguel Villagran/Getty Images

Ein afghanischer Polizist in Chahar Darreh
Auf der internationalen Sicherheitskonferenz in Kabul wurde es so beschlossen: Bis 2014 sollen die afghanischen Soldaten und Sicherheitskräfte die Verantwortung vollständig von den ausländischen Soldaten übernommen haben. Dafür soll das Land bis dahin durch die Isaf-Truppen stabilisiert werden. Die Grundidee, wie das geschehen kann, klingt erst einmal sehr einfach: Mehr Soldaten und mehr militärische Mittel.
Der Einsatz folgt weiterhin dem Beispiel Irak. Dort konnte unter US-General David Petraeus das Programm "Surge" mit einer erheblichen Aufstockung der Truppe und gleichzeitiger – auch durch finanzielle Anreize erkaufter – Einbindung ehemaliger Widerstandsgruppen als Milizen dem alltäglichen Terror einigermaßen Einhalt geboten werden. Dieser Weg der Aufstandsbekämpfung soll in Afghanistan ähnlich vonstatten gehen. Die Politik hat dafür gleichzeitig eine Frist gesetzt: Bis eben 2014 werden die internationalen Kampftruppen abgezogen, rund 150.000 Mann sind es bald. Nur noch Spezialkommandos, Nachrichtendienste und Ausbilder sollen im Land bleiben.
Allerdings sind Irak und Afghanistan schwer zu vergleichen. Irak verfügte stets über eine staatliche Infrastruktur, trotz Saddam Husseins Schreckensherrschaft, den amerikanischen Bombardements und dem Chaos nach dem Einmarsch der US-Truppen. Afghanistans Vielvölkerstaat hingegen hatte nur wenig Gelegenheit Derartiges auszubilden. Das Clan-Wesen dominiert den Hindukusch bis heute. Zudem litt das Land unter den Zerstörungen eines Bürgerkrieges, der bereits Anfang der achtziger Jahre nach dem Einmarsch der Sowjettruppen einsetzte.
Ein wichtiger Teil des heutigen Plans ist, lokale Stämme in die Sicherheitsverantwortung einzubeziehen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai will dabei auch Taliban-Kämpfer integrieren – zumindest diejenigen, die nicht ideologisch zum harten Kern der Taliban um Mullah Omar zählen. Für die Wiedereingliederung der Islamisten will die Regierung einen größeren Zugriff auf die ausländische Entwicklungshilfe von mehr als 13 Milliarden Dollar bekommen.
Nach Absprachen auf einer Konferenz der Regierung mit Stammesältesten und Würdenträgern im Juni in Kabul soll die Wiedereingliederung wie folgt geschehen: Zunächst wollen Älteste und Geistliche das Vertrauen enttäuschter Taliban-Kämpfer gewinnen. Die Aufständischen sollen dann die Waffen abgeben. Im Gegenzug wird ihre Sicherheit und eine würdevolle Rückkehr in ihre Heimat gewährleistet. Danach will der Staat die ehemaligen Aufständischen mit Arbeitsplätzen und Eingliederungsprogrammen auf Gemeindeebene locken.
Zumindest offiziell hat der Plan inzwischen die Unterstützung bei den ausländischen Truppenstellern. Inoffiziell werden allerdings Zweifel geäußert. So gibt es Forderungen, das Programm erst nach militärischen Erfolgen über die Taliban anzugehen. Warnende Stimmen haben auch Menschenrechtsorganisationen erhoben. Sie befürchten, dass im Gegenzug für die Integration der Extremisten die Bürger- und vor allem die Frauenrechte auf der Strecke bleiben.
Karsai setzt trotzdem seine Hoffnung auf das Extremisten-Aussteigerprogramm: Überläufer sollen zwingend verpflichtet werden, der Gewalt und der Verbindung zu al-Qaida abzuschwören und die afghanische Verfassung anzuerkennen. Die Hoffnung ist, bis Ende 2015 rund 36.000 Aufständische wieder in die afghanische Gesellschaft einzugliedern. Doch viele Aufständische sind einfach nur enttäuscht von der weit verbreiteten Korruption in Politik und Verwaltung sowie vom schleppenden Wiederaufbau. Kritiker sagen daher auch, dass sich erst die politischen Bedingungen verbessern müssten, um Kämpfer zu überzeugen.
Fest steht, dass die Taliban aus vielen unterschiedlichen Gruppierungen bestehen, die zum Teil nur aus ökonomischen Interessen den Aufstand unterstützen. Diese Söldner – oft Feierabendkrieger – lassen sich wohl durch Geld und Arbeitsplätze überzeugen. Allerdings trauen sie weder der Regierung noch den Sicherheitskräften.
Präsident Karsai hat lange gegen die verstärkte Einbindung lokaler Gruppierungen und Clans votiert, schwächen sie doch weiter die Macht der Zentralregierung. Diese Einbindung geht inzwischen soweit, dass von Seiten der US-Truppen in den Dörfern zum Schutz der Bevölkerung lokale Bürgerwehren aufgebaut werden. Nach dem Einmarsch der internationalen Truppen 2002 entwaffnete man zunächst die Afghanen und baute eine zentrale afghanische Armee auf. Als Talibankämpfer dann aus dem Süden in weitere Landesteile einsickerten, konnten sich die Dörfer nicht verteidigen. Nun geht man wieder zurück in die Dörfer und bildet Milizen aus, die gegen Aufständische eingesetzt werden sollen. Das bedeutet eine Dezentralisierung des Hindukusch-Einsatzes.
- Datum 20.07.2010 - 20:36 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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ich gleich los werden: "Zudem litt das Land unter den Zerstörungen eines Bürgerkrieges, der bereits Anfang der achtziger Jahre nach dem Einmarsch der Sowjettruppen einsetzte." - ist Unbildung.
Die damalige regierende Sozialistische Partei hatte die Sovjets um Hilfe gebeten, in der Hoffnung, sie könne die militärischen oder besser quasi-militärischen Konflikte mit den Islamischen mit deren Hilfe unterdrücken.
Das klappte nicht, vor allem, weil die USA die islamischen Bewegungen militärisch, logistisch, geheimdienstlich und mit Know How zu einer Armee formten, die, wie wir alle wissen, zuletzt in der Talibanherrschaft ihren Höhepunkt erreichte.
Es ist doch egal, wer wen unterstützt hat... das Land litt unter diesem Krieg, der am Ende 1.2 Mio. Menschenleben gekostet hat, was mit den Opferzahlen dieses Krieges nicht zu vergleichen ist. Ich würde sagen, dass das durchaus Leiden ist. Die Sowiets haben genauso Flächenbombardements durchgeführt, wie Amerikaner in Vietnam. Und Vietnam wäre sicher auch weniger blutig gewesen, wenn die Sowiets Nordvietnam nicht unterstützt hätten. Also, wenn man hier versucht ein Regim dem anderen vorzuziehen, wird das nicht gelingen und es bringt auch die Diskussion nicht weiter.
Darüber hinaus haben sich die Sowiets nicht gerade wie Gäste benommen. Enteignung und Willkür brach nach 1989 nicht ab, sondern wurde von den Warlords und lokalen Regenten weiter betrieben. Darauf hin haben sich die Taliban 1993 um Mullah Omar versammelt um diesem Treiben einhalt zu gebieten. Sie haben für ihre Hilfe nichts verlangt nur, dass man künftig streng nach dem Koran (Scharia) lebt.
Das Land leidet seit nun über 30 Jahren an Kriegen. Einmal von der Sowietunion, anschließend Clankriege um die lokalen Machstellungen, jetzt durch die ISAF.
Es ist also absolut korrekt, was hier geschrieben wurde...
...und man sollte auch nicht vergessen, dass Russland/UDSSR und der Iran stets ein Interesse an Afghanistan hatten. Gerade nach 1989 waren Russland und der Iran an einer Destabilisierung interessiert, da man somit den Pipelinebau von Turkmenistan nach Pakistan über Afghanistan verhindern wollte. Viel lieber wollte man das Gas und Öl dieser Regionen durch russische Pipelines leiten und selbst verkaufen.
Als interessante Quelle sei das Buch von Ahmed Rashid "taliban - afghanistans gotteskrieger und der dschihad" zu nennen, in dem gerade auf die wirtschaftlichen Interessen der unterschiedlichen Mächte bereits vor dem jetzigen Krieg und vor 09/11 eingegangen wird.
Es ist doch egal, wer wen unterstützt hat... das Land litt unter diesem Krieg, der am Ende 1.2 Mio. Menschenleben gekostet hat, was mit den Opferzahlen dieses Krieges nicht zu vergleichen ist. Ich würde sagen, dass das durchaus Leiden ist. Die Sowiets haben genauso Flächenbombardements durchgeführt, wie Amerikaner in Vietnam. Und Vietnam wäre sicher auch weniger blutig gewesen, wenn die Sowiets Nordvietnam nicht unterstützt hätten. Also, wenn man hier versucht ein Regim dem anderen vorzuziehen, wird das nicht gelingen und es bringt auch die Diskussion nicht weiter.
Darüber hinaus haben sich die Sowiets nicht gerade wie Gäste benommen. Enteignung und Willkür brach nach 1989 nicht ab, sondern wurde von den Warlords und lokalen Regenten weiter betrieben. Darauf hin haben sich die Taliban 1993 um Mullah Omar versammelt um diesem Treiben einhalt zu gebieten. Sie haben für ihre Hilfe nichts verlangt nur, dass man künftig streng nach dem Koran (Scharia) lebt.
Das Land leidet seit nun über 30 Jahren an Kriegen. Einmal von der Sowietunion, anschließend Clankriege um die lokalen Machstellungen, jetzt durch die ISAF.
Es ist also absolut korrekt, was hier geschrieben wurde...
...und man sollte auch nicht vergessen, dass Russland/UDSSR und der Iran stets ein Interesse an Afghanistan hatten. Gerade nach 1989 waren Russland und der Iran an einer Destabilisierung interessiert, da man somit den Pipelinebau von Turkmenistan nach Pakistan über Afghanistan verhindern wollte. Viel lieber wollte man das Gas und Öl dieser Regionen durch russische Pipelines leiten und selbst verkaufen.
Als interessante Quelle sei das Buch von Ahmed Rashid "taliban - afghanistans gotteskrieger und der dschihad" zu nennen, in dem gerade auf die wirtschaftlichen Interessen der unterschiedlichen Mächte bereits vor dem jetzigen Krieg und vor 09/11 eingegangen wird.
"Danach will der Staat die ehemaligen Aufständischen mit Arbeitsplätzen und Eingliederungsprogrammen auf Gemeindeebene locken."
Hat nur die Krux, dass bereits heute ein ordentlicher Professor an einer medizinischen Fakultät in A., der ein Spitzenverdiener dort ist, gerade mal 97$US verdient.
Welche Arbeitsplätze sollen dann verlocken können - -
Oups - Drogenmafia fällt einem ein...
Verzichten Sie auf geschmacklose Kommentare. Die Redaktion / mh
Hier steht: "Bis eben 2014 werden die internationalen Kampftruppen abgezogen"
In dem Zeit-Artikel
http://www.zeit.de/politi...
steht: "Rasmussen sagte, die Isaf-Truppen würden auch nach der Übergabe der Verantwortung das Land nicht sofort verlassen".
Könnte uns vielleicht der tatsächliche Sachverhalt nahe gebracht werden oder ist dieser bzw. das Ergebnis der Konferenz so verworren wie die ganze Lage in Afghanistan, die nach dem Zeitplan jedenfalls in den nächsten vier Jahren auch nicht entwirrt werden soll?
Verzichten Sie auf polemische Kommentare. Die Redaktion / mh
... werden sich die Taliban schon teilen und neue Waffen kaufen. Die Chinesen, die Iraner, die Russen - niemand will das sich der Westen dort fest setzt und kaufen kann man die Paschtunen schon gar nicht. Ob man das Land teilt ist denen egal, es gibt kein Land - außer den Kasper in der Stadt und die Fremden, die ihre Kultur zerstören, äh` verbessern wollen, nichts neues in der Kolonialgeschichte.
Ich unterstütze die Vorschläge von Mr. Blackwill. Das Land ist ohnehin ein Konstrukt aus der Kolonialzeit, damals von den Briten errichtet, um eine Pufferzone zwischen (Britisch-) Indien und (Russisch-) Zentralasien zu schaffen. Die Geschichte Afghanistans ist ihrer Gründung als Paschtunenkönigreich 1747 und ihrer Neugründung durch die Briten 1919 voll von ethnischen Konflikten, ethnischen Säuberungen, Zwangsumsiedlungen, etc. Man beachte nur diesen Artikel hier: http://www.isn.ethz.ch/is...
Anschein haben Sie in den Geschichtsbüchern paar Blätter zu schnell geblättert ,
denn das Land ist kein Konstrukt der Kolonialzeit, sondern die erste Nation, die den größten Kolonialmacht - GB - drei bittere Niederlage zugefügt hatte. Im Jahr 1919 hat König Amanullah nach einer militärischen Auseinandersetzung die Britten gezwungen auf dem Verhandlungstisch die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen. Übrigens, fängt die Geschichte dieses Landes nicht erst mit Jahr 1747- es hieß dieses Gebiet einfach anderes.
Im Gegenteil zu ihrer Schilderung lebten die verschiedenen Ethnien, vor dem kommunistischen Putsch in 1978, die für vierzig Jahren im relativen Frieden. Ihr Artikel zeigt auf Auseinandersetzung der Ethnien nach der Einmischung von Außen: Pakistan, Iran, Russland und …
Die Vorschläge von Blackwill sind fern der Realität. Glauben Sie tatsächlich, dass die Nachbarstaaten, die zwei neu entstandene Staaten unterstützen werden?
Anschein haben Sie in den Geschichtsbüchern paar Blätter zu schnell geblättert ,
denn das Land ist kein Konstrukt der Kolonialzeit, sondern die erste Nation, die den größten Kolonialmacht - GB - drei bittere Niederlage zugefügt hatte. Im Jahr 1919 hat König Amanullah nach einer militärischen Auseinandersetzung die Britten gezwungen auf dem Verhandlungstisch die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen. Übrigens, fängt die Geschichte dieses Landes nicht erst mit Jahr 1747- es hieß dieses Gebiet einfach anderes.
Im Gegenteil zu ihrer Schilderung lebten die verschiedenen Ethnien, vor dem kommunistischen Putsch in 1978, die für vierzig Jahren im relativen Frieden. Ihr Artikel zeigt auf Auseinandersetzung der Ethnien nach der Einmischung von Außen: Pakistan, Iran, Russland und …
Die Vorschläge von Blackwill sind fern der Realität. Glauben Sie tatsächlich, dass die Nachbarstaaten, die zwei neu entstandene Staaten unterstützen werden?
Eine Nord-Süd-Teilung des Landes ist absolut logisch und die beste Strategie. Die Paschtunen wollen keine ausländischen Truppen und dafür lieber die Taliban?! Dann lasst sie doch! Die Nicht-Paschtunen - immerhin 60% der Bevölkerung - haben anscheinend keine Probleme mit den ISAF-Truppen, sind friedvoll. In Hazarajaat gibt es sogar eine weibliche Provinzführerin. Wieso sollte man das alles opfern, nur um das Land vereint zu halten?! Diese Idee wurde vom afghanischen Politiker Dr. Latif Pedram schon vor Monaten proklamiert, u.a. auf BBC Persian, man hat ihn aber einfach ignoriert. Man sollte jetzt Blackwill nicht ignorieren. Ein positiver Nebeneffekt: durch eine Stabilisierung des Nordens und eine strenge Grenzkontrolle könnte man den Drogenschmuggel besser kontrollieren. 90% des Drogens wird im unruhigen Süden hergestellt, im Norden ist der Anbau fast ganz weg. Man siehe:
http://upload.wikimedia.o...
Leider ist das Gebiet, wie Sie es schildern, nicht einfach besiedelt - im Norden andere, im Süden die Paschtunen - sondern sind die Menschen miteinander durch den Beziehungen vermischt. Die Nicht-Paschtunen werden durch Warlords beherrscht, und haben im Bürgerkrieg gezeigt, dass sie keine große Einheit haben. Lesen Sie doch den Bericht von Ladurner auf diesem Portal aus Hazarajat, um zu wissen, dass die Menschen keine große Abneigung gegenüber Taliban haben.
Pedram ist ein Populist, der sich mit dem Kriegsverbrecher wie Dostum zusammengetan hat. Wenn Sie eine Strafkolonie bilden wollen, wird dadurch Drogenhandel und Gewalt nicht eindämmen.
Leider ist das Gebiet, wie Sie es schildern, nicht einfach besiedelt - im Norden andere, im Süden die Paschtunen - sondern sind die Menschen miteinander durch den Beziehungen vermischt. Die Nicht-Paschtunen werden durch Warlords beherrscht, und haben im Bürgerkrieg gezeigt, dass sie keine große Einheit haben. Lesen Sie doch den Bericht von Ladurner auf diesem Portal aus Hazarajat, um zu wissen, dass die Menschen keine große Abneigung gegenüber Taliban haben.
Pedram ist ein Populist, der sich mit dem Kriegsverbrecher wie Dostum zusammengetan hat. Wenn Sie eine Strafkolonie bilden wollen, wird dadurch Drogenhandel und Gewalt nicht eindämmen.
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