Enthüllung US-Geheimdienste arbeiten ineffektiv
Zwei Jahre lang hat die "Washington Post" die Arbeit der US-Geheimdienste untersucht. Ihr Fazit: ein unökonomischer, aufgeblähter, zweckferner Bürokratieapparat.
© Jason Reed/Reuters

In der Lobby des CIA Hauptquartiers in Langley, Virginia
Die Washington Post wirft den US-Geheimdiensten vor, sie hätten sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu einem unübersichtlichen und aufgeblähten Bürokratieapparat entwickelt. Die Zeitung startete am Montag eine dreiteilige Serie über den Zustand der Geheimdienste , an der rund 20 Journalisten des Hauses zwei Jahre lang recherchiert hatten.
Der Bericht beklagt massive Defizite in der Organisation der Geheimdienste und stellt infrage, ob die Bürger angemessen vor Terrorgefahren geschützt würden. Vielfach würden sich die Aufgabenbereiche und Aktivitäten überschneiden und somit Steuergelder verschwendet. Laut Washington Post sind in den USA mehr als 1200 Regierungsbehörden und knapp 2000 private Unternehmen mit Geheimdienstaufgaben betraut. Die dazugehörigen Einrichtungen seien auf rund 10.000 Standorte verteilt. Alleine im Großraum Washington seien 33 Gebäude für die Geheimdienste errichtet worden oder befänden sich noch im Bau.
Die Zeitung berichtete, dass zudem mehr als 850.000 Mitarbeiter Zugang zu Dokumenten der höchsten Sicherheitsstufe hätten. "Das sind eineinhalb mal soviel Menschen, wie in Washington leben", schreiben die Reporter. Jedes Jahr würden 50.000 Berichte verfasst, von denen viele erst gar nicht gelesen würden.
Laien im Ausland ist meist nur die Central Intelligence Agency (CIA) als amerikanischer Geheimdienst bekannt. Tatsächlich aber gibt es in den USA allein 16 Spionagebehörden, die nach Schätzungen über einen Jahresetat von mindestens 40 Milliarden Dollar verfügen. Zwei Drittel des Geheimmaterials fließe im Pentagon zusammen – doch da gebe es lediglich eine Handvoll Mitarbeiter, denen der Einblick gestattet ist, schreibt die Zeitung. Diese sogenannten Super Users seien mit der Sichtung der Datenmassen schlichtweg überfordert.
Die US-Geheimdienste haben sich gegen die Vorwürfe der Washington Post gewehrt. "Das ist nicht das Geheimdienstwesen, das wir kennen", sagte der übergangsweise amtierende Nationale Geheimdienstdirektor David Gompert in Washington. Die US-Agenten "erzielen jeden Tag Erfolge, von denen sie nicht erzählen dürfen". Das US-Verteidigungsministerium räumte ein, dass es möglicherweise "Redundanzen" bei der Organisation der Geheimdienste gebe. Allerdings habe es seit dem 11. September auch keinen großen Anschlag mehr in den USA gegeben. Die Geheimdienste verwiesen darauf, dass die Doppelstrukturen vielfach beabsichtigt seien. Nach dem 11. September habe sich die Regierung über einen Mangel an "konkurrierenden Analysen" beklagt – und die gebe es nun.
Entgegen der Rechtfertigungen des Verteidigungsministeriums hat es in der jüngeren Vergangenheit zwei Anschlagversuche in den USA gegeben, auf die die Geheimdienste nicht vorbereitet waren. Es heißt, sie seien von dem
Bombenanschlag auf dem New Yorker Times Square am 1. Ma
i diesen Jahres völlig überrascht worden. Auch nach dem missglückten
Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über Detroit
an Weihnachten wurden große Sicherheitslücken sichtbar. Präsident Barack Obama verlangte damals
drastische Reformen.
- Datum 20.07.2010 - 08:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP
- Kommentare 8
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Bürokratie ist der ultimative Alptraum
Was ist schlimmer ?
Militär und Geheimdienste. Denn sie sind Bürokratie mit Waffen.
In gewisser Hinsicht bin ich ganz froh, daß die USA dahingehend so schlecht arbeiten. Immerhin verhindert das den totalen Überwachungsstaat....
Es verhindert nicht den Überwachungsstaat sondern sorgt dafür, dass alles und jeder mehrfach überwacht wird, niemand weiß, wohin diese Informationen genau fließen und es am Ende noch nicht einmal einen Sicherheitsgewinn gibt... ;)
Es verhindert nicht den Überwachungsstaat sondern sorgt dafür, dass alles und jeder mehrfach überwacht wird, niemand weiß, wohin diese Informationen genau fließen und es am Ende noch nicht einmal einen Sicherheitsgewinn gibt... ;)
"Zwei Jahre lang hat die "Washington Post" die Arbeit der US-Geheimdienste untersucht."
Ja klar die haben die Redakteure überall suchen lassen und ihnen ihre Strukturen offengelegt. Für wie blöd hält der Autor dieses Artikels (ich meine jetzt nicht unbedingt den Autor der Zeit, sondern den des amerikanischen Pendants von dem er copy-translate-paste gemacht hat) uns eigentlich?
Genau so wie China seine Rüstung unter dem Mantel von Scheinfirmen handhabt, damit die Höhe verborgen bleibt, genau so täuschen die Geheimdienste diese Ineffizienz nur vor, da viele geheime Tätigkeiten finanziert werden müssen.
Es verhindert nicht den Überwachungsstaat sondern sorgt dafür, dass alles und jeder mehrfach überwacht wird, niemand weiß, wohin diese Informationen genau fließen und es am Ende noch nicht einmal einen Sicherheitsgewinn gibt... ;)
Das ist unser aller Problem: Wir wollen die Bösen fangen ( nachdem wir hoffentlich öffentlich ausdiskutiert haben, was genau "böse" ist ), und die Guten laufen lassen. Leider geht das nicht so einfach, genau wie in der Fischerei nimmt man halt ein riesiges Schleppnetz, fängt einfach alles, und sortiert dann hinter und schmeißt den "Beifang" über Bord, ein paar Kollateralschäden zum Wohle des Volkes eingerechnet.
Da nun mal die Algorithmen im Computer noch nicht wissen, was "gut" oder "böse" ist ( der Computer kann halt den Apfel der Erkenntnis nicht verspeisen, noch nicht ), müssen Menschen 'ran und dann ergibt sich sowas wie die Bürokratie, die Geheimdienste, etc, menschliche Unzulänglichkeit vorne und hinten. Könnten wir es besser machen? Nur, wenn sich jeder Bürger ( "soziale Kontrolle" ) auch für das Ganze verantwortlich fühlen würde. Sonst müssen wir eben das Schleppnetz immer größer machen und die Maschen kleiner, bis der Schaden für den Beifang den Nutzen des Fangs übersteigt ....
Wer Tim Weiners Buch "CIA - Die ganze Geschichte" aus 2009 und James Bamfords "NSA - Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt" aus 2000 gelesen hätte, wüsste woher die Probleme kommen und auch, dass das nicht erst seit gestern so ist.
"knapp 2000 private Unternehmen mit Geheimdienstaufgaben"
Diesen Teilsatz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Man muss glaube ich kein Genie sein um zu ahnen welche Aufgaben an die privaten "Dienstleister" outgesourced werden...
Folter, Ausspionierung von Journalisten, Erpressung etc.
So kann sich der Staat rühmen seine Gesetze einzuhalten ohne auf die Praktiken die dagegen verstoßen verzichten zu müssen...
der in diesem Geheimnisdienstsumpf weiß, was er tut und vor allem, warum er es tut und am Feierabend ein Erfolgserlebnis als Ergebnis hat.
Schöne Grüße vom Swift-Abkommen, Echelon, Guantanamo und der Drogenmafia.
Ansonsten mag ich meinen Mitkommentatoren von #1 bis #7 nur freundlich zustimmen.
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