US-Finanzreform Das Obama-Paradox
Finanzreform, Konjunkturhilfen, Gesundheitsreform: Die Bilanz von Barack Obama kann sich sehen lassen, doch die Wähler würdigen das kaum.
Barack Obama hat in einer feierlichen Zeremonie das Gesetz zur Finanzreform unterschrieben. Die neuen Regeln sehen eine schärfere Aufsicht über Banken und Versicherungen vor und sollen eine Wiederholung der globalen Wirtschaftskrise verhindern.
18 Monate und einen Tag ist er nun im Amt. Die Bilanz kann sich sehen lassen. In den anderthalb Jahren hat er die Gefahr einer langen tiefen Depression abgewendet und die USA mit einem 800 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpaket zum Wachstum zurückgeführt. Er hat eine Gesundheitsreform durchgesetzt, die den explosionsartigen Kostenanstieg der letzten Jahre abbremst und den Großteil der rund 47 Millionen Unversicherten in das System integriert. 2009 hat er eine Vakanz am Supreme Court genutzt, um erstmals eine Latina, Sonia Sotomayor, zur Verfassungsrichterin zu machen. Noch vor der Sommerpause 2010 wird der Senat auch seine zweite Neuernennung für das oberste Gericht, Elena Kagan, bestätigen, die dritte Frau unter neun Richtern.
Drei große Gesetzgebungserfolge und zwei neue Verfassungsrichterinnen neben dem Management des Regierungsalltags, unzähligen Auslandsreisen und Gipfeln sowie der Bewältigung unerwarteter Krisen – nach 18 Monaten im Amt ist das respektabel. Viele Präsidenten hatten selbst nach vier Jahren weniger vorzuweisen. Die Wähler aber sind nicht sonderlich beeindruckt. Mit großem Rückhalt hatten sie Obama 2008 gewählt. Bei der Amtseinführung im Januar 2009 bekam er im Schnitt der Umfragen 67 Prozent Unterstützung. Heute halten sich Zustimmung und Ablehnung mit je 47 Prozent die Waage. Nur noch 32 Prozent sehen das Land auf dem richtigen Weg, 61 Prozent halten die Richtung für falsch.
Es ist ein geringer Trost, dass der Kongress noch weniger beliebt ist. Nur 22 Prozent beurteilen die Arbeit des Parlaments positiv, 71 Prozent negativ. Die Republikaner kommen da nicht besser weg als die Demokraten. Das ist freilich eine Regel von ewiger Gültigkeit. Als George W. Bushs Popularität unter die 30-Prozent-Marke sank, war die Anerkennung für den Kongress, in dem die Demokraten seit 2006 die Mehrheit hatten, noch geringer, nämlich rund halb so hoch.
Das Weiße Haus macht sich beim Blick auf die Kongresswahl in dreieinhalb Monaten keine Illusion. Die Demokraten, die bisher 257 der 435 Sitze im Abgeordnetenhaus innehaben und 59 der 100 Mandate im Senat, müssen am 2. November mit einer schmerzlichen Niederlage rechnen. Die Frage ist, ob sie eine knappe Mehrheit behalten oder sogar in die Minderheit geraten.
Warum kann Obama seine zählbaren Erfolge nur begrenzt in Zustimmung der Bürger verwandeln? Ein Teil der Erklärung ist, dass sie noch keine positiven Auswirkungen der Reformen spüren – und zudem zweifeln, ob die je kommen werden. Trotz des neuen Wirtschaftswachstums stagniert die Arbeitslosenrate bei 9,5 Prozent, ein ungewöhnlich hoher Wert für die USA. Die Gesundheitsreform macht sich – trotz Kostenbremse – in Form höherer Beiträge bemerkbar. Dass die ohne Reform noch schneller steigen würden, halten nur wenige Obama zugute. Die Finanzreform ändert nichts daran, dass "Average Joe", der Durchschnittsamerikaner, Ebbe beim Blick aufs Konto und ins Portemonnaie wahrnimmt. Die dramatisch steigende öffentliche Verschuldung löst Zukunftsängste aus. Die Ölpest am Golf und die Erfahrung, dass das Hightech-Land USA das Problem drei Monate lang nicht lösen konnte, drücken die Stimmung weiter.
Amerikas Ruf in der Welt mag heute besser sein als unter Bush. Das ist aber nicht wahlentscheidend. Das konservative Lager weigert sich rundheraus, die Veränderungen unter Obama als gesellschaftspolitische und internationale Erfolge zu betrachten. Und auch für seine Anhänger haben andere Themen Priorität: Jobs und ökonomische Sicherheit in ihrem Privatleben.
(Erschienen imTagesspiegel)
- Datum 22.07.2010 - 10:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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...im öffentlichen Dienst (und bei der Erziehung Jugendlicher): Keine Dankbarkeit erwarten!
Was mich allerdings überrascht... wo bleibt die phänomenale PR-Maschine die Obama ins Oval Office getragen hat? Müsste nicht schon längst der Wahlkampf eingeläutet sein? Wieso bleibt es so still?
Am fehlenden Eifer mangelt es Obama sicherlich nicht. Was viele Wähler (und Beobachter aus dem Ausland) ihm allerdings über nehmen ist, dass der erhoffte und versproche "Change" nicht eingetroffen ist.
* Guantanamo ist noch offen
* Afghanistan und Irak sind weitgehend ungeklärt
* die Verbrechen der Bush-Regierung bleiben ungesühnt (man soll in die Zukunft schauen? Das sollte jeder der eines Verbrechens angeklagt ist seinem Richter sagen)
* die Bürgerrechtsbeschränkungen werden nicht aufgehoben sondern weiter verschärft
* die aufwuchernden Geheimdienste und Privatgeheimdienst(leister) werden weiter aufgebläht
* Bestrebungen zur Erneuerung der freien Presse werden stärker bekämpft als unter Bush
und, und, und
Ich war zu Wahlkampfzeiten großer Obamafan, aber das ist durch seine Innen- und Außenpolitik leider längst verflogen...
wie viele Menschen setzten in Obama völlig überzogene Hoffnungen. Ich erinnere daran, dass im deutschen Blätterwald die Rede in Berlin als "Rede des Weltpräsidenten" eingestuft wurde.
Wie muss der Amerikaner erst in Obama Hoffnungen gesetzt haben?
Was die außenpolitische Bilanz angeht, ist Ihren Ausführen nichts hinzuzufügen. Vielleicht noch die jetzt beginnenden gemeinsamen "Manöver" von Süd-Korea und USA.
Und das er Bush und Co.nicht vor Gericht bringt, nicht einmal eine öffentliche Ausarbeitung stattfindet, ist ein Skandal - aber aus amerikanischer Sicht nachvollziehbar. Die haben noch nie Nabelschau betrieben. Das passt nicht in ihr Selbstbild.
Ich glaube nur eine absolute Minderheit stört sich an dem was sie aufzählen. Dann schon eher die Gründe welche im Artikel genannt werden. 'Freiheit' ist ja nun wirklich ein Luxusproblem... It's the economy, stupid!
Obama ist 18 Monate im Amt. Was Angela Merkel in den ersten 18 Monaten geschafft? Sind die Verursacher der Finanzkrise in Deutschland zur Rechenschaft gezogen worden? Wenn die "Verantwortlichen" der Bush-Regierung nicht zur Verantwortung gezogen wurden, was ist mit den "Verantwortlichen" der Stasi?
wie viele Menschen setzten in Obama völlig überzogene Hoffnungen. Ich erinnere daran, dass im deutschen Blätterwald die Rede in Berlin als "Rede des Weltpräsidenten" eingestuft wurde.
Wie muss der Amerikaner erst in Obama Hoffnungen gesetzt haben?
Was die außenpolitische Bilanz angeht, ist Ihren Ausführen nichts hinzuzufügen. Vielleicht noch die jetzt beginnenden gemeinsamen "Manöver" von Süd-Korea und USA.
Und das er Bush und Co.nicht vor Gericht bringt, nicht einmal eine öffentliche Ausarbeitung stattfindet, ist ein Skandal - aber aus amerikanischer Sicht nachvollziehbar. Die haben noch nie Nabelschau betrieben. Das passt nicht in ihr Selbstbild.
Ich glaube nur eine absolute Minderheit stört sich an dem was sie aufzählen. Dann schon eher die Gründe welche im Artikel genannt werden. 'Freiheit' ist ja nun wirklich ein Luxusproblem... It's the economy, stupid!
Obama ist 18 Monate im Amt. Was Angela Merkel in den ersten 18 Monaten geschafft? Sind die Verursacher der Finanzkrise in Deutschland zur Rechenschaft gezogen worden? Wenn die "Verantwortlichen" der Bush-Regierung nicht zur Verantwortung gezogen wurden, was ist mit den "Verantwortlichen" der Stasi?
wie viele Menschen setzten in Obama völlig überzogene Hoffnungen. Ich erinnere daran, dass im deutschen Blätterwald die Rede in Berlin als "Rede des Weltpräsidenten" eingestuft wurde.
Wie muss der Amerikaner erst in Obama Hoffnungen gesetzt haben?
Was die außenpolitische Bilanz angeht, ist Ihren Ausführen nichts hinzuzufügen. Vielleicht noch die jetzt beginnenden gemeinsamen "Manöver" von Süd-Korea und USA.
Und das er Bush und Co.nicht vor Gericht bringt, nicht einmal eine öffentliche Ausarbeitung stattfindet, ist ein Skandal - aber aus amerikanischer Sicht nachvollziehbar. Die haben noch nie Nabelschau betrieben. Das passt nicht in ihr Selbstbild.
[...]
"(...)hat er die Gefahr einer langen tiefen Depression abgewandt (...)"
Es besteht keine Depressionsgefahr mehr???
Noch nie waren die Schulden so hoch. Noch nie waren die Arbeitslosenzahlen so hoch.(http://www.shadowstats.com/)
Der Leitzins ist fast bei 0. Trotzdem geht der Hausbau zurück. Die US Großbanken waren noch nie so groß und machtvoll wie jetzt.
Wie können Sie da sagen, dass keine Depressionsgefahr besteht. Die nächste Krise steht doch schon um der Ecke!
" mit einem 800 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpaket zum Wachstum zurückgeführt"
Wenn Sie unter einem Banken Bail Out Wirtschaftswachstum verstehen haben Sie Recht.
" Er hat eine Gesundheitsreform durchgesetzt, die den explosionsartigen Kostenanstieg der letzten Jahre abbremst"
Die Gesundheitsreform ( geschrieben von den Versicherungslobbyisten ) ist ein Verischerungsbailout. Die Gesundheitsreform kostet den US Steuerzahler fast eine Billion über die nächsten 10 Jahre.( http://www.huffingtonpost...)
"sowie der Bewältigung unerwarteter Krisen"
Zum Beispiel die BP Ölleck Krise....:D
Bitte tragen Sie Ihre Kritik sachlich vor. Danke. Die Rdaktion/is
"...der Autor scheint keinerlei Hintergrundsinformationen zu haben".
Der Autor lebt seit 2005 in Washington D.C., d.h. vor Ort, ist promovierter Historiker und Träger des deutsch-amerikanischen Kommentatoren-Preises. Er hat im übrigen Obamas Einzug ins Weiße Haus begleitet.
Ferner ist der Autor ausgesprochener Realist - bereits im Januar 2009 schrieb er:
"Eine Phase der Enttäuschung in einem halben Jahr kann man schon heute vorhersagen".
Sein 2009 im orell füssli - Verlag erschienenes Buch:
"Barack Obama - der schwarze Kennedy", das Obamas politischen Werdegang beschreibt, ist nicht nur äusserst gut recherchiert, sondern auch schriftstellerisch gut geschrieben.
Soviel dazu (= meine Meinung). Falls es irgendjmd. der hier Anwesenden interessieren sollte.
[...]
Bitte schreiben Sie Ihre Kritik an: community@zeit.de. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass die Forum der Diskussion vorbehalten ist. Die Redaktion/is
"...der Autor scheint keinerlei Hintergrundsinformationen zu haben".
Der Autor lebt seit 2005 in Washington D.C., d.h. vor Ort, ist promovierter Historiker und Träger des deutsch-amerikanischen Kommentatoren-Preises. Er hat im übrigen Obamas Einzug ins Weiße Haus begleitet.
Ferner ist der Autor ausgesprochener Realist - bereits im Januar 2009 schrieb er:
"Eine Phase der Enttäuschung in einem halben Jahr kann man schon heute vorhersagen".
Sein 2009 im orell füssli - Verlag erschienenes Buch:
"Barack Obama - der schwarze Kennedy", das Obamas politischen Werdegang beschreibt, ist nicht nur äusserst gut recherchiert, sondern auch schriftstellerisch gut geschrieben.
Soviel dazu (= meine Meinung). Falls es irgendjmd. der hier Anwesenden interessieren sollte.
[...]
Bitte schreiben Sie Ihre Kritik an: community@zeit.de. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass die Forum der Diskussion vorbehalten ist. Die Redaktion/is
Ich glaube nur eine absolute Minderheit stört sich an dem was sie aufzählen. Dann schon eher die Gründe welche im Artikel genannt werden. 'Freiheit' ist ja nun wirklich ein Luxusproblem... It's the economy, stupid!
Auch wenn ich nicht glaube, dass es nur "eine absolute Minderheit" (was ist das eigentlich? 49,9% :D ) ist, die sich an den aufgezählten Punkten stört, gebe ich Ihnen Recht, dass die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen vom Wähler stärker belohnt/bestraft wird.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass trotz ungewöhnlich hoher Arbeitslosenzahlen und den Zeltstädten etc. es immer noch der Mehrheit gut genug geht, dass auch andere Themen sie beschäftigen. Und gerade Themen wie Freiheit, Bürgerrechte und gerechte Aussenpolitik waren die Themen, die Obama von seinen Konkurenten angesetzt haben. Sie erinnern sich vielleicht, dass er trotz einiger Bedenken seitens des durchschnittlichen US-Wählers was seine wirtschaftliche Kompetenz angeht ins Amt gewählt wurde.
Er hat "Change" versprochen und (bisher) nicht abgeliefert.
Auch wenn ich nicht glaube, dass es nur "eine absolute Minderheit" (was ist das eigentlich? 49,9% :D ) ist, die sich an den aufgezählten Punkten stört, gebe ich Ihnen Recht, dass die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen vom Wähler stärker belohnt/bestraft wird.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass trotz ungewöhnlich hoher Arbeitslosenzahlen und den Zeltstädten etc. es immer noch der Mehrheit gut genug geht, dass auch andere Themen sie beschäftigen. Und gerade Themen wie Freiheit, Bürgerrechte und gerechte Aussenpolitik waren die Themen, die Obama von seinen Konkurenten angesetzt haben. Sie erinnern sich vielleicht, dass er trotz einiger Bedenken seitens des durchschnittlichen US-Wählers was seine wirtschaftliche Kompetenz angeht ins Amt gewählt wurde.
Er hat "Change" versprochen und (bisher) nicht abgeliefert.
Obama muss ja nur die Suppe auslöffeln, die ihm sein Vorgänger eingeschenkt hat. Dass das nicht von heute auf morgen spürbar ist, sollte jedem klar sein.
Letztlich will der überwiegende Teil der Bevölkerung gar keine Veränderung haben. Alle schreien danach, aber wenn die Reformen dann kommen, ist es auch nicht recht. Ohne jetzt in eine Diskussion über die Hamburger Schulreform zu geraten, hier haben die Grünen und auch die CDU einfach zu viel auf einmal gewollt und das wird selten belohnt. Letztlich werden bestenfalls Trippelschritte akzeptiert, die aber auch mit viel Diskussionen.
Wer Wunder von Obama erwartet hat, hat selber schuld. Obendrein wären diese Wunder auch nicht honoriert worden. Weil es ja in der Tat Veränderungen bedeudet hätte. Und das wollen die wenigsten. Und sei die Lage auch noch so schlecht, man weiß wenigstens, woran man ist.
Immerhin hat man in den USA noch die Wahl zwischen Demokraten und Republikanern, die jeweils eine anderen Gesellschaftspolitik verfolgen, was man von Deutschland ja nicht sagen kann.
Hier heißt es ohne Hinterfragung: Kinderkrippenplätze seien wichtig, Kosten, die heute nicht getragen würden, würden in 30 Jahren umso höher zurückkommen usw. usf.
Grundsätzliches kann und darf man in D schon lange nicht mehr diskutieren.Wer den Konsens in Freage stellt, gilt als Fascho, Neoliberaler oder Kommunist.
Irgendwie erinnert mich das an die SPD. Aufrichtige und zukunftsorientierte Politik hat mal wieder das Nachsehen...
Dennoch, Obama hat in der letzten 18 Monaten mehr gutes getan als Merkel in fünf Jahren.
Während Merkel abwartet oder nur Schönwetterpolitik betreibt ( Klimagipfel, Fussball-Weltmeisterschaft, Finanzkrise, EU/Griechenlandkrise, Steuersenkungen, Gesundheits&Bundeswehrreform...) handelt Obama.
Nicht impulsiv, nein, er sucht den Konsens und erreicht das mögliche in "no time".
Wem das noch nicht genug ist, sollte nicht vergessen das er eine Demokratie regiert. Er muss Verbündete suchen und Kompromisse machen.
Das ist im bisher ohne Zweifel auf historische Weise gelungen.
Aber würden wir Ihn in Deutschland wählen? Ohne blühende Landschaften und Steuersenkungen zu versprechen?
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