Was genau am Mittwoch in der westiranischen Stadt Hamedan passierte, wissen bisher nur wenige mit Sicherheit. Die Öffentlichkeit ist nicht informiert. War die Explosion, die sich in der Nähe des Konvois des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad ereignet haben soll, nun ein Anschlagsversuch, ein fehlgeleiteter Feuerwerkskörper oder gab es den Vorfall gar nicht? Alle drei Versionen waren von iranischer Seite zu vernehmen. Doch gerade diese Widersprüchlichkeit deutet darauf hin, dass irgend etwas wohl in der Tat passiert sein wird.

Während einige offizielle Stellen ein totales Dementi ausgaben, ließ das Präsidialbüro gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters verlauten, es habe einen Anschlag mit einem selbst gebastelten Sprengsatz gegeben. Später gab die regierungsnahe Agentur Fars News die Variante mit dem selbstgebastelten Feuerwerkskörper heraus, den ein Anhänger des Präsidenten aus Freude über dessen Besuch gezündet habe. Er sei in der Nähe eines Minibusses explodiert, in dem Ahmadineschad begleitende Journalisten saßen.

Die iranische Agentur Mehr sprach dagegen von einer „selbst gebastelten Lärmbombe“, die Rauch entwickelt habe. In einigen Berichten war auch von Festnahmen die Rede. Ahmadineschad setzte seine Reise durch die Provinz anschließend nach außen hin unbeeindruckt fort. Seine Rede in Hamedan wurde im Fernsehen live übertragen, ohne dass ein möglicher Zwischenfall dabei erwähnt wurde.

Der Iran-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin, Walter Posch, findet es zumindest „irritierend“, dass es zwei verschiedene Arten des Dementis gab. Laut Posch ist es in Iran keineswegs üblich, aus Freude über einen Besucher Feuerwerkskörper zu zünden. Auch das seriöse Blatt der „grünen“ Opposition, die Parlament News, hat laut Posch auf die Widersprüchlichkeit des Dementis aufmerksam gemacht und dokumentierte mit Ausrufezeichen die Verwunderung über die offizielle Erklärung, wonach die Explosion durch einen Feuerwerkskörper verursacht wurde.

Unklar ist aber auch, wer im Falle eines Anschlags dafür verantwortlich sein könnte. Im Gegensatz zur grünen Opposition setzen die antiklerikalen Volksmudschaheddin und ethnische Widerstandsgruppen zwar durchaus auch Gewalt in ihrem Kampf gegen das Regime ein. „Aber in der Region von Hamedan gibt es keine ethnischen Spannungen“, sagt Posch und schließt damit diese Hypothese eher aus. Es sei eine mehrheitlich von Persern bewohnte Gegend, in der es nicht rumore – im Gegensatz zu den Kurdenregionen oder der südöstlichen Provinz Balutschistan.

Die Volksmudschaheddin, eine stalinistisch geführte Organisation mit Sitz in Paris, die sich zurzeit in Europa einen demokratischen Anstrich geben will, sind verantwortlich für zahlreiche Anschläge in Iran. 1981 starben 70 hochrangige Vertreter der Islamischen Republik, darunter der oberste Richter Mohamed Beheshti, die Nummer zwei nach Revolutionsführer Ajatollah Chomeini. Auch die Ermordung des Direktors des Teheraner Evin-Gefängnisses 1998 wird ihnen zur Last gelegt. 1999 bekannten sie sich zur Ermordung eines Brigadegenerals und Beraters des obersten Religionsführers. 2001 verübten sie einen Anschlag auf eine Sicherheitsbehörde in Teheran. Die Organisation behauptet, Gewalt mittlerweile abzulehnen, kann aber keine Schriften oder Entscheidungen vorweisen, aus denen das hervorgeht.

Die grüne Opposition dagegen lehnt Gewalt entschieden ab. Die blutigen Erfahrungen der Islamischen Revolution sind noch immer präsent und solches Blutvergießen wollen die Reformer um jeden Preis verhindern. Aus diesem Grund haben sie mehrfach Aufmärsche und Demonstrationen abgesagt, wenn blutige Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften zu erwarten waren.