Regierung Merkel steht ein heißer Herbst bevor

Die Kanzlerin kehrt heute aus dem Urlaub zurück. Es erwarten sie miese Umfragewerte und schwierige politische Themen. Von Antje Sirleschtov

Der Spiegel weiß es mal wieder ganz genau: Angela Merkel sei im Urlaub zu der Einsicht gelangt, dass sie ihren Regierungsstil grundlegend ändern müsse, schreibt das Hamburger Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. In Zukunft werde geführt statt abgewartet, das sei der neue Stil der Kanzlerin.

Sicher ist: Ab heute wird man beobachten können, ob diese Vorhersage aufgeht oder nicht. Denn tatsächlich stehen Angela Merkel gleich zu Beginn ihrer Rückkehr zahlreiche Herausforderungen bevor, die ihre Erholung rasch wieder gefährden könnten.

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Denn trotz brummender Konjunktur ähnelt das Stimmungsbild, das sie zu Hause erwartet, in seiner Tristesse dem aus dem Frühsommer. Schwarz-Gelb genießt nach wie vor wenig Vertrauen in der Bevölkerung. Die Umfragewerte für die CDU liegen bei 30 Prozent, zuweilen sogar niedriger. In der Partei herrscht tiefe Verunsicherung über den eigenen Kurs.

Und das umfangreiche Aufgabenpaket des Herbstes lässt neuen Zwist in der schwarz-gelben Koalition erahnen.

Am Montag unterrichtet CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Fachleute im Bundestag über seine Pläne zum Umbau der Bundeswehr. Sein Ziel, das Heer nicht nur drastisch zu reduzieren, sondern den Wehrdienst auszusetzen (und damit faktisch abzuschaffen), trifft zwar auf Zustimmung beim liberalen Koalitionspartner.

In der Union allerdings ist das Meinungsbild angesichts der drastischen Pläne des jungen Ministers noch unübersichtlich. Zwar befürwortet der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Stefan Müller (CSU), Guttenbergs Pläne im Prinzip.

Sie seien „eine Alternative, wenn man Dienstgerechtigkeit nicht gewährleisten kann und die Wehrpflicht deshalb ausgesetzt würde“, sagte Müller dem Tagesspiegel und fügte an, es komme darauf an, „dass ein freiwilliger Wehrdienst attraktiv ausgestaltet“ würde. Allerdings gibt es insbesondere im konservativen Lager von CSU und CDU ernst zu nehmenden Widerstand.

Ganz ähnlich sieht es bei den Plänen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aus, die bis zum Jahresende die Hartz-IV-Sätze für Kinder neu zu regeln hat. Die Ministerin will den Familien nur einen Teil des zu erwartenden Zuschlages bar überweisen. Den anderen Teil will sie auf Chipkarten laden, mit denen die Kinder dann unterschiedliche Bildungsangebote oder ein Schulmittagessen bezahlen können.

Was insbesondere für CSU-Politiker nach Entmündigung von Familien aussieht, will die Ministerin strategisch zur Ausweitung der Bildungsfinanzierung durch den Bund nutzen. Denn wo kurzfristig nur Kinder von Hartz-IV-Empfängern Guthaben auf Chipkarten erhalten sollen, kann der Bund in Zukunft viel weiter gehen. Sprachkurse für Migrantenkinder, kostenfreie Schulbücher für Kleinverdiener – alles ist vorstellbar, ohne die Bildungskompetenz der Bundesländer formal infrage zu stellen.

Mit den Bundesländern und den Koalitionären will Leyen in der kommenden Woche darüber sprechen. Setzt sie sich durch (was die Unterstützung der Kanzlerin voraussetzt), könnte ihr ein wesentlicher Schritt zur Modernisierung von Sozial-, Bildungs- und auch Integrationspolitik gelingen. Allerdings hängt viel davon ab, wie sich konservative Kreise der Union verhalten.

Leser-Kommentare
  1. Also ich für meinen Teil habe erhebliche Zweifel ob die Kanzlerin ihren sogenannten Regierungsstil noch ändern wird/will/kann.

  2. Ich muss ja zugeben, dass folgendes Kommentar im Zusammenhang mit einem Artikel über die gegenwärtige Koalition mich doch sehr verwirrt:

    "Denn eines gilt auch in der Politik: Du kannst noch so viel richtig machen. Wenn es niemand erfährt, bleibt es dennoch falsch."

    Abgesehen davon, dass das Verb 'machen' im Zusammenhang mit dieser Regierung wohl ohnehin deplaziert ist, so ist es doch sehr abstrus es auch noch mit dem Adverb 'richtig' in Verbindung zu setzen.
    Was sollte denn damit gemeint sein? Das 'Ausruhen-auf-der-Arbeit-voriger-Koalitionen', die Hotelsteueraktion, das Sparen-für-Reiche, das ewige Gezanke, das Entsorgen von Ministerpräsidenten, das 'Nichts-machen'?
    Bitte klären Sie uns auf.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So können wir also erwarten, künftig von Steffen Seibert die ganzen guten Sachen über die Regierungsarbeit zu hören. Ich bin schon sehr gespannt.

    So können wir also erwarten, künftig von Steffen Seibert die ganzen guten Sachen über die Regierungsarbeit zu hören. Ich bin schon sehr gespannt.

  3. So können wir also erwarten, künftig von Steffen Seibert die ganzen guten Sachen über die Regierungsarbeit zu hören. Ich bin schon sehr gespannt.

    Antwort auf "Verwirrung"
    • WHF
    • 16.08.2010 um 11:26 Uhr

    Ich denke alles was meine Vorkommentatoren schrieben, kann richtig oder falsch sein. Ich für meinen Teil, glaube an Frau Merkel schon lange nicht mehr, zu oft wurden Ankündigungen nur für den Papierkorb gesprochen. Wer ein immer größeres Problem bekommt, ist die CDU als Partei, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit, sowie ihr Programm nicht an die jetzt Zeit anpasst, ist sie über kurz oder lang, in der Versenkung verschwunden. Ich persönlich bin für eine Neugründung einer Konservativen Partei, die die Menschen und das Land in den Mittelpunkt wider stellt. Wann kommt sie?
    Danke

  4. Die Frau sitzt doch seit Beginn dieser Koalition unter dieser Schrift an dr Wand - nicht immer brennt sie lichterloh - manchmal kokelt sie nur so vor sich hin, wie die Moorbrände in Russland - löschen wird sie es nicht können. Das wird die faktisch nicht mehr vorhandene Partei mit sizidalem Eifer verhindern. Denn nicht die Kanzlerin ist das Problem, sondern die gründlich abgewirtschaftete Partei!! Meint mit einer Trähne im Knoploch

    Wendelstein

  5. Warum so pessimistisch? Menschen sind veränderbar! Siehe NT: Gelähmte können wieder gehn, der Zöllner Zachäus will sein Unrecht vielfach wieder gut machen, der gekreuzigte Jesus hat die Welt weitgehend verändert. Angela Merkel muss nicht im alten Trott weitermachen.

  6. Frau Merkel kann keines der anstehenden Probleme (die natürlich nicht die Problemchen sind, die hier angeschnitten wurden) lösen, denn sie ist selbst das Problem der Union und dieses Landes.

    Unter ihrer Führung wurde die CDU zu einer entchristianisierten zweiten SPD, die niemand mehr benötigt, wenn nman einmal von ihrer Entourage absieht.
    Zerstörung des Primats der klassischenr Familie, Gendermainstreaming, außenpolitische Unterwürftigkeit gegenüber jederman, Verlust jeder Glaubwürdigkeit, das sind die Leistungen von Frau Merkel und ihrem Anhang. Millionen ehemaliger Stammwähler wurden so vergrault und der verbliebene Rest wählt die CDU nur noch, weil keine konservative Alternative zu erkennen ist.

  7. Die Frage "welche Zugeständnisse wird Schwarz-Gelb den Stromversorgern abringen?" stellt sich doch überhaupt nicht! Der Vertrag über den Atomkonsens (unterzeichnet am 11.06.2001) ist meines Wissens immer noch gültig.
    Die richtige Frage wäre also, ob die Atomlobby den Bruch dieses Vertrags durchsetzen kann, und auch diese Frage ist inzwischen gegenstandslos, weil im Koalitionsvertrag längst beantwortet. Welcher Vertrag da die Priorität hat, ist in einem Land, wo Ehrenwort über Amtseid steht, ja wohl auch nicht wirklich eine Frage. Es gibt also in Wirklichkeit nicht Fragen über Fragen, sondern nur Antworten über Antworten, und Journalisten, die die nicht wahrhaben wollen (oder dürfen).

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