Flutkatastrophe Pakistan beziffert Hilfsbedarf auf zwölf Milliarden Euro

40 Millionen Euro stellte die Bundesregierung bisher zur Verfügung – gebraucht wird viel mehr. Außenminister Westerwelle ruft deshalb zu weiteren Spenden auf.

Pakistan: Flutopfer in Muzaffargarh warten auf eine medizinische Behandlung

Pakistan: Flutopfer in Muzaffargarh warten auf eine medizinische Behandlung

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hat die pakistanische Regierung gegen den Vorwurf des Versagens im Zusammenhang mit der Fluthilfe in Schutz genommen. "Die pakistanische Verwaltung ist auf dem richtigen Weg", sagte Löning nach seiner Rückkehr aus Pakistan dem Tagesspiegel. Zwar habe die Regierung anfangs das Ausmaß der Katastrophe unterschätzt, inzwischen hätten sich die staatlichen Stellen aber organisiert und Programme für Flutopfer aufgelegt. "Die Armee funktioniert als Krisenhelfer sehr gut", sagte er.

Wie auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief Löning erneut zu Spenden auf. Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von 40 Millionen Euro würden "sicher nicht reichen", meinte er. Die pakistanische Regierung beziffert die Aufbaukosten nach einem Bericht der BBC auf zwölf Milliarden Euro. Die Katastrophe betrifft ein Fünftel des Staatsgebietes. Rund 20 Millionen Menschen sind direkt oder indirekt von den Wassermassen betroffen, die von Norden nach Süden strömen.

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Löning sagte, wer bei bewährten Hilfsorganisationen für Flutopfer spende, könne "sicher sein, dass sein Geld direkt bei den Menschen ankommt, die es am bittersten nötig haben". Sorgen vor einem Versickern der Beiträge in dunklen Kanälen seien unbegründet. Nach Lönings Meinung soll der Wunsch, das Land gegen radikale Kräfte zu stärken, beim Spenden keine Rolle spielen. "Wir sollten nicht in irgendwelche gedanklichen Wettbewerbe mit den Taliban eintreten", sagte Löning. "Die Menschen hier in Pakistan mögen die Extremisten genauso wenig wie wir."

Außenminister Westerwelle rechnet damit, dass sich die Lage in Pakistan noch weiter zuspitzt. "Die eigentlichen Probleme für die Menschen stehen noch bevor", sagte er. Die Notleidenden hätten Hilfe verdient. "Deutschland sollte zeigen, dass es in solchen Stunden der Not ein wirklich offenes Herz hat." Die anfänglich sehr zögerliche Spendenbereitschaft der Deutschen war wegen der umfassenden Berichterstattung und auch aufgrund von dramatischen Spendenappellen in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Westerwelle traf am Sonntag im Auswärtigen Amt Vertreter deutscher Nichtregierungsorganisationen, die in Pakistan tätig sind. Den Opfern der Flut in Pakistan müsse dringend geholfen werden, sagte der Minister. Die Überflutung habe ein unvorstellbares, geradezu biblisches Ausmaß. Westerwelle wies auch auf Probleme mit der Trinkwasserversorgung hin.

Die Nato hat inzwischen eine Versorgungs-Luftbrücke für die Flutopfer in Pakistan eingerichtet. Eine erste Frachtmaschine startete in Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Das Flugzeug bringt vor allem Pumpen, Zelte und Stromgeneratoren in die Katastrophengebiete.

Unterdessen ist die Not in den pakistanischen Katastrophengebieten so groß, dass hungernde Überlebende unter dem Aufgebot aller Kräfte um Lebensmittel kämpfen. So kamen bei einer privaten Lebensmittelverteilung in einem Warenhaus in Korangi zwei Frauen bei einem Massengedränge ums Leben, als sich Hungernde um Mehlsäcke rissen. Nach einem Bericht der Pakistanischen Zeitung The Dawn hatten Hunderte Frauen schon am frühen Morgen verzweifelt angestanden.

Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
  1. .
    sollte aber auch einen Masterplan vorlegen, wie man den Menschen im Detail helfen will.

    Selbst wenn das Geld zur Verfügung stehen würde, könnte man Vielen im Moment nicht helfen, sondern nur längerfristig.

    Wer koordiniert die Logistik? Oder hilft jede Organisation hier und da ein bisschen? Hier eine THW-Trinkwasseraufbereitung, dort ein Flugzeug mit Zelten.

    Das sind doch Tropfen unf den heißen Stein!

    • joG
    • 23.08.2010 um 10:08 Uhr

    ....ein Unbehagen, denkt man an Pakistan. Dort wurden und werden Camps unterhalten, in denen Terroristen ausgebildet werden. Es wohnen Terroristen im Land und organisieren von dort Anschläge. Dies ist so zum Teil, weil die Regierungen und die Bevölkerung nichts dagegen tat und zum Teil werden die Aktivitäten sogar von Gruppen innerhalb der Regierung gefördert.

    Hinzu kommt die massive Bereicherung dortiger Machtbroker an früheren Transfers nach Pakistan. Offenbar werden internationale Hilfzahlungen und -Lieferungen als legitime Quelle des Reichtums der dortigen Oberschicht von eben dieser betrachtet. Es kam immer recht wenig an, wo es hin sollte.

    Da entwickelt sich keine Geberlaune.

  2. Ich bin der Meinung, man sollte dort keinen Cent hinschicken. Nicht nur, dass man nicht sicher sein kann, dass das nicht auf dunklen Kanälen in die Hände von Terroristen gelangt, [...]
    Verzichten Sie auf geschmacklose Aussagen. Die Redaktion / mh

  3. Also früher, da wurde mal um Spenden gebeten. Heute wird zum Spenden aufgefordert! Nach dem Motto "wenn wir's nicht tun, sind wir böse". Aber man wird doch mal so frei sein dürfen zu fragen, was uns eine Flut in Pakistan angeht. Das mag eine humanitäre Katastrophe sein, keiner bestreitet das, am wenigsten ich, aber wenn wir mal ganz ehrlich sind: wer geht abends ins Bett und denkt: "Oh, die armen Pakistanis, ich muss ihnen helfen!"? Diese Leute mag es geben, und dann sollen sie gerne auch spenden und möglichst so, dass es richtig ankommt. Aber alles andere ist doch scheinheiliges Gutmenschentum, auch diese ewigen Artikel hier und in anderen Zeitungen und Internetportalen. Bisschen Katastrophe ("biblische Ausmaße" bla bla) und natürlich: Islamisten!! Jetzt werden uns mit dieser Panikmache nicht nur Nacktscanner um die Ohren gehauen und anderer "sicherheitsrelevanter" Müll untergejubelt, jetzt wird mit diesem Totschlagargument auch schon um Spendengelder gebuhlt. Es ist, entschuldigung bitte, zum "dem Brechreiz nachgeben" (ich will ja keine Zensur).

    Mir ist bewusst, dass man sich mit der Meinung "was hab ich mit Pakistan am Hut" durchaus keine Freunde macht, weil heute sind ja alle ach so aufgeklärt und human und solidarisch und und...und genauso können sie an der Nase herumgeführt werden, weil sie effektiv naiv sind. Gerade dann, wenn einem etwas so schön vorgekaut wird wie diese "biblische Katastrophe", ist das einzig Aufgeklärte in meinen Augen Ignorieren, so inhuman es ist

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    Also ich bin wirklich entsetzt über das was ich hier lesen muss. Da fehlen mir die Worte.
    Eine Fläche so groß wie halb Deutschland steht unter Wasser. Ein Land was gut genug ist unsere Kleidung und unseren Reis, ect preiswert zu produzieren(Armut und Instabilität Globalisierung machens möglich) ist wenn es um Mio. Kinder und Erwachsene geht die nun den Überlebenskapf gegen Hunger und Krankheit führen müssen, wertlos.Keine Frage stehen wir in Deutschland vor großen noch kommenden Problemen und verlust unserer privatsfähre. aber wenn wir unser mitgefühl und unsere liebe verlieren, dann spielt das eine schwindend geringe rolle.
    gute nacht

    Also ich bin wirklich entsetzt über das was ich hier lesen muss. Da fehlen mir die Worte.
    Eine Fläche so groß wie halb Deutschland steht unter Wasser. Ein Land was gut genug ist unsere Kleidung und unseren Reis, ect preiswert zu produzieren(Armut und Instabilität Globalisierung machens möglich) ist wenn es um Mio. Kinder und Erwachsene geht die nun den Überlebenskapf gegen Hunger und Krankheit führen müssen, wertlos.Keine Frage stehen wir in Deutschland vor großen noch kommenden Problemen und verlust unserer privatsfähre. aber wenn wir unser mitgefühl und unsere liebe verlieren, dann spielt das eine schwindend geringe rolle.
    gute nacht

  4. Ich kann all denen die ernsthaft über Spenden für Pakistan nachdenken, nur empfehlen sich zum Lynchmord in der pakistanischen Stadt Sialkot vom 15. August zu informieren, zum Beispiel auf Spiegel.de, wenn dieser Hinweis erlaubt ist ... Und wer dann immer noch spenden will, kann anschließend auf Youtube das entsprechende Video suchen. Ich empfehle es allen anderen nicht zu sehen. Es sind Bilder, die man nicht mehr vergessen wird. Und wer anschließend meint, er müsse gerade deswegen spenden, der sollte bitte bedenken, das es die pakistanische Polizei sein wird, die seine Spenden begleiten und koordinieren wird und letztlich bestimmen wird, wer, was, wo erhält. Und wem dieser Gedanke immer noch nicht gruselig genug ist, darf sich vorstellen, wie die Männer mit den Knuppeln in der Hand seine Spenden als erste erhalten.
    Ich vermisse in unseren Medien eine Berichterstattung darüber, wie der von der Flut nicht betroffene, industrialisierte, wirtschaftlich entwickelte Teil Pakistans seinen Landsleute hilft mit privat organisierten Hilfslieferungen, Spendengalas und -aufrufen. Und ich vermisse einen Masterplan, wie einem sich auflösenden Pakistan die Atomwaffen entzogen werden können, begleitet von IAEA und Uno.
    Vielleicht disqualifiziere ich mich als Mensch mit dieser Aussage. Aber ich kann nicht anders. Ich werde nicht spenden! Keinen Cent!

  5. ist nun wirklich kein Argument den Bedürftigen zu helfen.

    Überhaupt: ich darf die allzu Selbstgerechten hier daran erinnern, dass Deutschland selbst einmal in der Situation war, bitter Not zu leiden. Damals gab es ganz sicher noch weniger Gründe ein Volk durchzufüttern, dass gerade 20 Mio. Menschen umgebracht, sowie halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat. Sind die Opfer Schuld an diesem unglaublich ehrlosen Lynchmord in Silakot oder warum werden hier Verbindungen konstruiert, die nicht existieren. Wer derart pauschalisierend dazu aufruft, ein ganzes Volk zu strafen möchte sich doch zuerst bitte für fünf Euro Gedanken machen und diese dann spenden. Vielen Dank.

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    Oh doch, es gab gute Gründe, sowohl von westlicher als auch von sowjetischer Seite, Deutschland stark zu machen. Deutschland liegt genau in der Mitte Europas, für die Sowjets wäre ein kommunistisches Deutschland ideal gewesen, um sich weiter in eigener Sache zu betätigen, und die Westmächte, allen voran die USA, wollten genau diese Ausdehnung des Kommunismus verhindern. Wären Sowjets und Amerikaner dicke Kumpels gewesen, glaube ich nicht, dass Deutschland durchgefüttert worden wäre.

    Oh doch, es gab gute Gründe, sowohl von westlicher als auch von sowjetischer Seite, Deutschland stark zu machen. Deutschland liegt genau in der Mitte Europas, für die Sowjets wäre ein kommunistisches Deutschland ideal gewesen, um sich weiter in eigener Sache zu betätigen, und die Westmächte, allen voran die USA, wollten genau diese Ausdehnung des Kommunismus verhindern. Wären Sowjets und Amerikaner dicke Kumpels gewesen, glaube ich nicht, dass Deutschland durchgefüttert worden wäre.

  6. Entfernt. Verzichten Sie auf geschmacklose Kommentare. Die Redaktion/sh

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