Mit seiner Krankheit hat er Unfassbares geleistet
Totgesagte leben länger. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht streicht man diesen Unsinn aus dem Sprachgebrauch.
Er hat mit seiner Krankheit Unfassbares geleistet. Bei der Ruhr-Triennale 2008 zelebrierte er in einer stillgelegten Zeche in Duisburg die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir. Ein Gospelchor schreitet zum Altar – und marschiert rückwärts wieder heraus. Als könne man die Zeit zurückdrehen. Einige quälend schöne Minuten lang scheint es möglich. Überblendet das Leben den Tod.
Christoph Schlingensief ist am Samstag in Berlin gestorben. Seine Frau Aino war bei ihm und seine engsten Freunde.
Einige Wochen ist es her, da schrieb er eine SMS: "Ganz schöne Horrorzeit gerade. Diese verdammte Sache hat sich jetzt schon wieder woanders reingefressen ... Muss jeden Tag zur Bestrahlung. Das in dem dunklen Raum mit dem zirpenden Fotoarm erinnert einen an vieles: an Zikaden und an die Mahnung: esse keine Pfifferlinge aus Polen. Und nun leuchte ich schon nachts ohne Einsatz von Licht ..."
Warum nur hat er diese Bühne verlassen, die ihm immer zu klein gewesen ist?
- Datum 23.08.2010 - 13:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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im deutschen Sprachraum, die leider viel zu früh verstummt ist und deren Echo hoffentlich noch lange zu hören sein wird.
'Ausländer raus!' von ihm in Köln auf die Lese-Bühne gebracht, ist mir unvergesslich geblieben.
Christoph Schlingensief ist tot.
Gestern sah ich eine Wolke, die sich in der Sphäre schneller auflöste, als die anderen.
Manchmal gibt es Ereignisse, nach denen ich mehr als sonst das Bedürfnis habe, alltäglichen Dingen zusätzliche Bedeutung zu geben.
Hier in Pakistan gerade helfend unterwegs, erreichte uns die Nachricht. Wir mussten in fester Trauer viel mieses trinken danach, die Gedanken bei Dir.
Unser tief empfundenes Beileid aus der Ferne, in dessen Himmel wir schauen, Sterne sehen, Dich in Gedanken begleiten auf Deiner neuen Reise:
"Es war ein Stück vom Himmel, dass es Dich gibt. Das Leben ist nicht fair."
Wir tragen Dich weiter, bis auch unser Vorhang fällt.
Der Unersetzliche...besser hätte man es nicht ausdrücken können...Danke....
"Warum nur hat er diese Bühne verlassen, die ihm immer ZU KLEIN gewesen ist?"
Vielleicht eben gerade DRUM ...
Vielleicht weil seine Seele in die WEITE wollte, in die Unendlichkeit, in's ALL - ohne irgendwelche Beschränkungen, Einschränkungen und "Sich-Abkämpfen-müssen-an-den-Halbheiten-inmitten-unserer-Gesellschaft"!
"DIREKT-Flug" in die Freiheit!??
Warum freuen wir uns also nicht für ihn ??? Für seine Seele, - da, wo sie jetzt ist ?
Danke für diesen wunderschönen Nachruf!
Es ist so traurig, dass Christoph Schlingensief uns und diese Welt, die ihn so brauchte, so früh verlassen musste.
müssen die Besten immer zu früh gehen?
das ist hier die Frage ...
(siehe Kommentar 5)
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