Memoiren Blair rechnet mit Brown ab
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Zündstoff am Schluss

Der Zündstoff ist in einem abschließenden, "Postscript" überschriebenen Kapitel enthalten, in dem Blair seinen Nachfolger für Labours Wahlniederlage im Mai verantwortlich macht. Mit seiner Kombination von schuldenfinanzierten Konjunkturpaketen, starker Regulierung und der Verteufelung der Banken habe Brown die falschen Signale gegeben. Statt Reformen zu beschleunigen, statt die Regierung zu reformieren, habe er "das Regieren rehabilitiert" und signalisiert, dass "der Staat wieder da ist".

Stattdessen hätte Brown den "New Labour"-Weg aus der Wirtschaftskrise nehmen müssen: Sparen, wettbewerbsfähige direkte Steuern, eine allmähliche Steigerung der Mehrwertsteuer und eine Beschleunigung der Reformen. Blair unterstützt damit nicht nur massiv die Kandidatur seines Zöglings David Miliband als neuer Labourführer gegen seinen Bruder und aussichtsreichen Rivalen Ed Miliband.

Er bescheinigt auch der konservativ-liberalen Koalition von David Cameron, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Viele Leser – und Gegner des Irakkriegs, die sich vor Buchhandlungen positionierten – stürzten sich auf Blairs Äußerungen über den umstrittenen Militäreinsatz. Blair schreibt, wie er Tränen um die Opfer vergoss, aber "Worte des Beileids und des Mitleids sind unzureichend. Sie sind tot, und ich, der Entscheider, bin am Leben."

Blair weigert sich, den Krieg als einen Fehler zu bezeichnen. Stattdessen ruft er den Westen dazu auf, das zerbrochene Selbstbewusstsein zu reparieren. Der Westen müsse begreifen, dass der Kampf gegen den islamischen Extremismus ein langer Kampf sei, vor dem es, wie beim Kampf gegen Faschismus oder Kommunismus, kein Ausweichen gebe. "Wir brauchen die Argumentationskraft eines Obama (oder Clinton) und die Einfachheit eines Bush (oder Reagan). Wir brauchen die intellektuellen Argumente, brillant formuliert, und die dickschädlige Fähigkeit zur Konfrontation."

Blair spendet den Vorschuss für das Buch in Höhe von 4,6 Millionen Pfund sowie alle weiteren Tantiemen an eine britische Reha-Klinik, in der im Irak und in Afghanistan schwer verwundete Soldaten behandelt werden.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Es scheint schon ziemlich grotesk, wenn der Verantwortliche für Kriegsverbrechen und Bush-Pudel glaubt, es gäbe irgendetwas, wozu er noch das Recht hätte, sich zu Äussern.
    Wenn er etwas zu sagen hätte, wäre das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag der geeignete Ort (oder gilt das nur für Länder der dritten Welt?)

  2. Vielleicht kann mir mal jemand erklären, was ich überhaupt nicht verstehe. Warum stellen Schweizer Unternehmen Politiker wie Blair (Zürich Versicherungen) Schröder(Ringier Mediengruppe) usw. noch als Berater an. Natürlich wird das nicht offen und ehrlich kommuniziert.

    Und es gibt da noch viele Beispiele von Einkommenssicherung. Mir fällt spontan Birgit Breuel Novartis) und in Deutschland, E.Steuber, G. Oettinger etc. ein.
    Da zeigt sich doch eindeutig die Nomenklatura.

  3. ...Kommentar empfohlen, der so endet: "Wenn er das Millionenhonorar tatsächlich für sich behalten will, unterstreicht er das noch einmal dick.", wenn im letzten Absatz des Artikels klar steht, dass Blair "den Vorschuss für das Buch in Höhe von 4,6 Millionen Pfund sowie alle weiteren Tantiemen" spenden will?
    Sollte ein empfohlener Kommentar nicht zur Voraussetzung haben, dass der Verfasser den Artikel, auf den er Bezug nimmt, zumindest gelesen hat?

    Antwort auf "Sein letzter Egotrip?"

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