Friedensnobelpreis Liu Xiaobo – Intellektueller, Vermittler, Häftling
Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist kein radikaler Kritiker des chinesischen Regimes. Er will langsame Reformen, Bonhoeffer ist sein Vorbild.
Während die Welt ihn als Friedensnobelpreisträger feiert, sitzt Liu Xiaobo, Literaturwissenschaftler und Publizist, in einer rund 30 Quadratmeter großen Gefängniszelle in China. Vielleicht, so schrieb ein chinesischer Twitter-Nutzer, vielleicht hat es ja jemand geschafft, vor den Mauern des Gefängnisses ein Banner mit der Nachricht zu entrollen, und Liu hat sie gesehen.
Vermutlich aber hat Liu stattdessen ein Buch gelesen, mit seinen fünf Zellengenossen gesprochen, oder er war auf dem Weg zum abendlichen, einstündigen Hofausgang, als das Komitee in Oslo die Entscheidung verkündete. Wahrscheinlich werden ihm seine Frau Liu Xia und sein Anwalt Shang Baojun beim nächsten Besuch davon berichten können. Die chinesische Regierung jedenfalls tobt schon jetzt: Sie bezeichnete die Auszeichnung Lius als "Blasphemie" gegen das Dekret des Friedensnobelpreises.
Liu ist nach Carl von Ossietzky der zweite Nobelpreisträger, der ausgezeichnet wird, während er im Gefängnis sitzt. Am 26. Dezember letzten Jahres war er wegen "Anstiftung zum Umsturz der Staatsmacht" zu elf Jahren Haft verurteilt worden.
Das damalige Urteil nahm Bezug auf neun seiner politischen Schriften: alles Aufrufe zu graduellen, friedlichen, politischen Reformen. Doch auch seine Autorenschaft und noch mehr seine Koordinationsrolle beim Verfassen des politischen Pamphlets "Charta 2008" haben ihn in den Augen des chinesischen Regimes zu einem Staatsfeind gemacht. Mehr als 11.700 Menschen haben den am 8. Dezember im Internet veröffentlichen Aufruf zu demokratischen Reformen bislang unterzeichnet.
Liu setzt sich seit mehr als 20 Jahren für politische Rechte und Demokratie in China ein. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident des unabhängigen chinesischen P.E.N-Zentrums gilt er als einflussreichster Dissident der Volksrepublik. Als einer der ganz wenigen wird er in China sowohl von älteren und jüngeren kritischen Intellektuellen gleichermaßen geschätzt. Liu gilt auch als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen. Kritisiert wurde er allerdings von einigen chinesischen Oppositionellen im Ausland. Sie warfen ihm vor, gegenüber der kommunistischen Führung zu kompromissbereit zu sein und Anhänger der in China verbotenen Falun-Gong-Bewegung nicht zu unterstützen.
Einen Namen hatte sich der 1955 in der Stadt Changchun geborenen Liu lange vor seinem politischen Engagement gemacht – als Literaturkritiker und Dozent der Philosophie und Kultur. Treibende Kraft dafür war die Erfahrung des "versklavten Individuums" während einer dreijährigen Landverschickung Anfang der siebziger Jahre in die Innere Mongolei zusammen mit seinem Vater. 1982 kam Liu als Magisterstudent an die Pädagogische Hochschule in Peking. Dort unterrichtete er Philosophie, Literatur und Kultur und erwarb 1988 seinen Doktor der Philosophie.
Politisch aktiv wurde Liu, als die Studentenproteste 1989 begannen. Zu jener Zeit befand er sich gerade auf einer Forschungsreise in den USA und kehrte im April vorzeitig nach Peking zurück. Als damals 33-jähriger Dozent mischte er sich unter seine Studenten auf den Tiananmen-Platz. Sie sahen den mutigen und kritisch-rationalen Liu als wichtigen Ratgeber. Als die Bewegung an Faktionskämpfen zu zerbrechen drohte, initiierte Liu mit anderen Intellektuellen Ende Mai und Anfang Juni den letzten Hungerstreik auf dem Tiananmen-Platz. Um größeres Blutvergießen zu verhindern, verhandelte er in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni mit anderen Dozenten bei der Militärführung um einen friedlichen Abzug der Studenten vom Platz.
- Datum 08.10.2010 - 16:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Je dikatatorischer das Regime desto absurder die angebliche Straftat.
Tränen sind in meine Augen gestiegen. Zwar müsste ich mich schämen, an dieser Stelle ihn zu gratulieren. Die erste Frage taucht automatisch auf: Was hast Du getan? - Nichts.. Ja, ich habe nichts getan.
Aber in diesem moment möchte ich einfach das schöne Gefühl genießen, indem ich laut schreie: Liu Xiaobo, wir sind alle so stolz auf Dich! Dein Charta 08 trägt genau so viel Bedeutung als die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" vor 62 Jahre. Nein, viel mehr als das! Im Chinesisch sagen wir zu einem Helden (mit einer englischen Übersetzung):
"Neither riches nor honours can corrupt him; neither poverty nor humbleness can make him swerve from principle; and neither threats nor forces can subdue him."
Und so ein Mann bist Du, Liu Xiaobo, Stolz unserer Nation!
bei der Vorstellung es könnte Kohl werden, konnte ich nicht mehr schlafen! Und nach dem Preis für Obama der nun wirklich überhaupt nichts dafür geleistet hatte musste man ja mit allem rechnen!
Ich habe leider keine Bücher von Xiaobo gelesen. Jedoch frage ich mich, was sein Beitrag zum Frieden ist.
Sicherlich es gab Demonstrationen gegen das Chinesische System. Aber ist der gescheiterte Versuch einer Demokratisierung gleichzusetzen mit Einsatz für den Weltfrieden.
Man hätte Ihm eher einen Demokratiepreis verleihen sollen.
Vielleicht sind diejenigen, die die langsame Öffnung Chinas vorantreiben, viel bedeutender für den Frieden.
Oder man sollte den Friedensnobelpreis in Demokratienobelpreis umbenennen.
Man sollte den Friedensnobelpreis nicht so sehr an dem Wort "Frieden" messen. Dieser Preis ist vor allem die höchste Ehrung, die global und öffentlichwirksam verliehen wird.
Bis jetzt ist noch keinem der Nobelpreisträger ein wirklicher Frieden gelungen, von einem Weltfrieden braucht man erst gar nicht anfangen. Es ging und geht vielmehr Bemühungen um den Frieden, Demokratie und Menschenrechte.
Und in diesem Sinne ist die Verleihung an Liu Xiaobo sehr gelungen. Und auch wenn ich weiß, dass dieser Mann in Haft sitzt und an Freude eigentlich nicht zu denken ist, so berührt mich diese Wahl doch sehr.
PS: Man bedenke, dass einst ein wirklicher Verbrecher diesen Preis verliehen bekommen hat. Henry Kissinger war u.a. maßgeblich am Pinochet-Putsch beteiligt, der Hunderten Chilenen das Leben kostete.
Soviel also zum Zusammenhang von Friedensnobelpreis und "Beitrag zum Frieden".
Man sollte den Friedensnobelpreis nicht so sehr an dem Wort "Frieden" messen. Dieser Preis ist vor allem die höchste Ehrung, die global und öffentlichwirksam verliehen wird.
Bis jetzt ist noch keinem der Nobelpreisträger ein wirklicher Frieden gelungen, von einem Weltfrieden braucht man erst gar nicht anfangen. Es ging und geht vielmehr Bemühungen um den Frieden, Demokratie und Menschenrechte.
Und in diesem Sinne ist die Verleihung an Liu Xiaobo sehr gelungen. Und auch wenn ich weiß, dass dieser Mann in Haft sitzt und an Freude eigentlich nicht zu denken ist, so berührt mich diese Wahl doch sehr.
PS: Man bedenke, dass einst ein wirklicher Verbrecher diesen Preis verliehen bekommen hat. Henry Kissinger war u.a. maßgeblich am Pinochet-Putsch beteiligt, der Hunderten Chilenen das Leben kostete.
Soviel also zum Zusammenhang von Friedensnobelpreis und "Beitrag zum Frieden".
Man sollte den Friedensnobelpreis nicht so sehr an dem Wort "Frieden" messen. Dieser Preis ist vor allem die höchste Ehrung, die global und öffentlichwirksam verliehen wird.
Bis jetzt ist noch keinem der Nobelpreisträger ein wirklicher Frieden gelungen, von einem Weltfrieden braucht man erst gar nicht anfangen. Es ging und geht vielmehr Bemühungen um den Frieden, Demokratie und Menschenrechte.
Und in diesem Sinne ist die Verleihung an Liu Xiaobo sehr gelungen. Und auch wenn ich weiß, dass dieser Mann in Haft sitzt und an Freude eigentlich nicht zu denken ist, so berührt mich diese Wahl doch sehr.
PS: Man bedenke, dass einst ein wirklicher Verbrecher diesen Preis verliehen bekommen hat. Henry Kissinger war u.a. maßgeblich am Pinochet-Putsch beteiligt, der Hunderten Chilenen das Leben kostete.
Soviel also zum Zusammenhang von Friedensnobelpreis und "Beitrag zum Frieden".
Es gibt schon einige Persönlichkeiten, die sich tatsächlich um den Frieden verdient gemacht haben.
Da war Gorbaschow, der das Ende des Kalten Krieges und daraus resultierende Abrüstung möglich gemacht hat.
Oder Kohl und Mitterand, die durch die Deutsch-Französische Freundschaft und den Europäischen Einigungsprozess, die Wahrscheinlichkeit von Kriegen in Europa sehr verringert haben.
Oder Peres, der sterben musste, weil er ernsthaft Frieden zwischen Israel und Palestina wollte.
Dass Menschen, wie Obama als den Preis bekommen, sagt viel darüber aus, dass es nicht um Frieden und auch nicht um Menschenrechte bei diesem Preis geht.
Insofern kann ich den Protest der Chinesen sehr gut verstehen.
Der Protest richtet sich wohl nicht gegen die leichte Schieflage dieser Verleihung, sondern die Regierung in Peking ärgert sich über den Fehlschlag, einen Demokraten zu kriminalisieren!
Der Protest richtet sich wohl nicht gegen die leichte Schieflage dieser Verleihung, sondern die Regierung in Peking ärgert sich über den Fehlschlag, einen Demokraten zu kriminalisieren!
Der Protest richtet sich wohl nicht gegen die leichte Schieflage dieser Verleihung, sondern die Regierung in Peking ärgert sich über den Fehlschlag, einen Demokraten zu kriminalisieren!
Schade nur, dass alle zu vehementen Menschenrechtlern werden, sobald es gegen China geht.
Ich finde, dass Liu Xiaobo den Preis verdient hat, nicht weil er gegen die chinesische Regierung agitiert, sondern wegen der Art und Weise, wie er es tut. Und dass er sich nicht mit den irren Falun Gong Heinis solidarisiert.
Hoffentlich führt die Verleihung des Preises nicht dazu, dass er länger im Gefängnis sitzen muss.
Im Gegensatz zu so einigen anderen Preisträgern ein wirklich großer Mann!
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