Erst war es der sozialdemokratische Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin, der mit Thesen zu türkischen und arabischen Einwanderern auf scharfe Kritik stieß. Nun irritiert CSU-Chef Horst Seehofer. Da sich diese Gruppen mit der Integration besonders schwertäten, solle es keine "zusätzliche Zuwanderung" von dort geben. "Den Fachkräftemangel beheben wir nicht durch Zuwanderung aus andern Kulturkreisen", sagte er dem Focus.

Wer wandert eigentlich nach Deutschland ein?

Nicht sehr viele, meinen die Verfasser einer neuen Studie des Bundesamts für Migration, die sich mit der "Deckung des Arbeitskräftebedarfs durch Zuwanderung" beschäftigt. Immer mehr ausländische Arbeitskräfte wanderten dagegen ab. Was die Hoch- und Höchstqualifizierten angeht, kamen 2009 nur 311 aus dem Nicht-EU-Ausland. Das sei zwar mehr als 2008, bewege sich aber "insgesamt auf einem eher niedrigen Niveau". Die gute Hälfte – 54 Prozent – der Nicht-EU-Ausländer, die bereits in Deutschland arbeiten, sind qualifizierte Arbeitskräfte, 23 Prozent sogar hochqualifiziert.

Ist Deutschland also kein Einwanderungsland mehr?

Einwanderung erlebte Deutschland immer, im Nachkriegsboom stiegen die Zahlen jedoch rasant. Auf dem Höhepunkt der Anwerbung von "Gastarbeitern" 1970 lag der Zuzug bei einer Million, heute – die jüngsten Zahlen sind die für 2009 – hat ein knappes Fünftel oder 16 Millionen der in Deutschland lebenden Menschen einen "Migrationshintergrund". Das heißt, sie selbst, ihre Eltern oder Großeltern sind oder waren Einwanderer. Sieht man sich allerdings die letzten Jahre an, dann ist Deutschland inzwischen ein Auswanderungsland. Nachdem die Tendenz zur Netto-Abwanderung von Deutschen bis vor wenigen Jahren durch Zuwanderung von Ausländern mehr als ausgeglichen wurde, gab es 2008 eine Trendumkehr: Erstmals wanderten auch insgesamt mehr Menschen ab als ein. Dieser Trend scheint sich zu stabilisieren.

Welche Ideen gibt es, wie Zuwanderung gesteuert werden kann?

Ein Punktesystem, wie es andere Länder praktizieren, schlug schon vor neun Jahren die Zuwanderungskommission der Bundesregierung unter der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth vor. Die Experten um die CDU-Politikerin empfahlen, Einwanderer ins Land zu lassen, die zumindest 65 bis 70 Prozent einer Höchstpunktzahl erreichten, etwa für Berufsqualifikation, Alter – die Bewerber sollten nicht älter als 45 Jahre alt sein – und für die Sprachkenntnisse der Kandidaten. Obwohl die Kommission vorsichtig vorschlug, das Ganze in einer Testphase zu erproben und das Schlupfloch kontrollierter Einwanderung vorerst für 20 000 Ausländer zu öffnen, hatte der Vorschlag keine Chance: Ein Jahr vor der Bundestagswahl fürchtete Innenminister Otto Schily (SPD) schon die Möglichkeit, dafür zur Zielscheibe im Wahlkampf zu werden – zumal Süssmuths Leute darauf hinwiesen, dass nicht die gesamte Einwanderung nach Wunsch zu gestalten sei und etwa Flüchtlinge oder Familiennachzug weiter möglich sein würden.