US-Wahlen Kampf um die regionale Vorherrschaft

In 37 Bundesstaaten der USA werden auch die Gouverneure neu gewählt. Sie haben viel Einfluss auf die Präsidentenwahl 2012. Kalifornien könnte an die Demokraten gehen.

Der Demokrat Jerry Brown hat gute Chancen, Arnold Schwarzenegger als Gouverneur Kaliforniens abzulösen. Doch mindestens sieben andere Staaten werden die Demokraten verlieren

Der Demokrat Jerry Brown hat gute Chancen, Arnold Schwarzenegger als Gouverneur Kaliforniens abzulösen. Doch mindestens sieben andere Staaten werden die Demokraten verlieren

Dieser Dienstag ist ein Superwahltag in den USA . Zur Halbzeit der vier Amtsjahre des Präsidenten wird das komplette Abgeordnetenhaus neu gewählt: 435 Sitze. Es entspricht dem deutschen Bundestag. In der zweiten Kongresskammer, dem Senat, das Äquivalent zum Bundesrat, stehen 37 der 100 Mitglieder zur Wahl. Dort beträgt die Amtszeit sechs Jahre, alle zwei Jahre wird rund ein Drittel ausgetauscht.

Daneben bestimmen 37 der 50 Bundesstaaten ihren Gouverneur (Ministerpräsidenten) neu. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt der Machtkampf um die Regionen oft zu kurz gegenüber dem Ringen um die Mehrheit im nationalen Parlament in Washington . Zu Unrecht: Die Wahl der Gouverneure bereitet das Terrain für die Präsidentschaftswahl 2012 vor. Jeder US-Staat hat sein eigenes Wahlrecht. Regional ist jeweils die Partei im Vorteil, die den Gouverneur stellt. Erstens, weil er dem Präsidentschaftskandidaten seines Lagers bei der Organisation des Wahlkampfs hilft. Zweitens, wenn es zu Auseinandersetzungen um Auszählungsverfahren und Endergebnis kommt. Eklatant zeigte sich das im Jahr 2000: Damals entschied sich in Florida im Streit um unzuverlässige Auszählungsmaschinen, ob George W. Bush oder Al Gore Präsident wird. Am Ende siegte Bush. Sein Bruder Jeb war Gouverneur in Florida. Dessen Regionalregierung gab die Richtung im juristischen Streit vor. Das Verfassungsgericht schloss sich der Linie an.

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2010 ist ein schlechtes Jahr für die Demokraten. Sie werden Niederlagen erleiden, bei der Kongresswahl und bei den 37 Gouverneurswahlen. Hoffnungslos ist die Lage aber nicht. Vielerorts werden sie Brandmauern halten können, die den Republikanern den Durchmarsch zur Rückeroberung des Weißen Hauses 2012 erschweren oder gar verhindern werden.

Kongress

Der Kongress besteht aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat. Er ist gemäß Artikel I der US-Verfassung zuständig für Gesetzgebung, Haushalt und Kontrolle von Präsident und Regierung. Sein Sitz ist das Kapitol in Washington. Gesetzesvorlagen werden in den Ausschüssen beider Kammern beraten und bedürfen ihrer Zustimmung. Bei gegensätzlichen Auffassungen wird oft ein Kompromiss im Vermittlungsausschuss gefunden. Bundesbehörden werden daraufhin überprüft, wie sie die Gesetze umsetzen. Jeder Ausschuss des Kongresses kann als Untersuchungsausschuss eingesetzt werden. Der Senat muss zudem bei der Besetzung von Regierungs- und anderen Bundesämtern die vom Präsidenten vorgeschlagenen Kandidaten genehmigen. Die Macht des US-Präsidenten kann der Kongress durch sein Recht der Haushaltsberatung und -beschlussfassung einschränken. Nach der Verfassung kann nur der Kongress einen Krieg erklären, obwohl der Präsident Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist.

Repräsentantenhaus

Gewählt werden am 2. November im Repräsentantenhaus sämtliche 435 Mitglieder. Im Repräsentantenhaus sind die Bundesstaaten gemäß ihrer Bevölkerungszahl vertreten. Seit der Kongresswahl haben die Republikaner hier die Mehrheit .

Senat

Gewählt werden 37 der 100 Senatoren. Jeder der 50 Bundesstaaten stellt zwei Senatoren, die auf sechs Jahre gewählt werden.  Damit ist der Einfluss auch kleinerer Bundesstaaten in Washington gesichert. Alle zwei Jahre wird ein Drittel der Senatoren neu gewählt. Im Senat haben Obamas Demokraten ihre Mehrheit knapp behauptet.

Gouverneure

Es werden zusätzlich in 37 Staaten die Gouverneure neu gewählt.  Gouverneure sind die Ministerpräsidenten der Bundesstaaten. In zahlreichen Staaten haben Kandidaten der Republikaner am 2. November die Amtsinhaber der Demokraten abgelöst. Nationale Bedeutung hat der Wahlausgang beispielsweise auf die Präsidentschaftswahlen, denn die Bundesstaaten haben jeweils ein eigenes Wahlrecht, auf das die Gouverneure Einfluss nehmen können.
 

Plebiszite

Amerikas Wähler entscheiden in vielen Regionen über Volksabstimmungen. Die Initiativen auf Staats- und Kommunalebene betreffen Themen wie die Legalisierung von Marihuana, eine Limonadesteuer oder Budgeteinsparungen. Fast 160 Vorschläge stehen allein auf Bundesstaats-Ebene zur Abstimmung.
 

Im Abgeordnetenhaus hatten Obamas Demokraten bisher eine Mehrheit von 39 Sitzen. Sie werden bis zu 70 oder gar 80 Mandate an die Republikaner verlieren. Künftig stellen die Konservativen die Mehrheit und auch den Parlamentspräsidenten. Im Senat kontrollieren die Demokraten bisher 59 der 100 Mandate. Auch da sind Verluste sicher. Wahrscheinlich werden sie aber eine knappe Mehrheit von 51 oder 52 Mandaten bewahren.

In den 50 Einzelstaaten regieren derzeit 26 Demokraten und 24 Republikaner. Obamas Partei wird sieben bis neun dieser Posten an die Konservativen abgeben. Mehrere strategisch wichtige Staaten werden die Parteifreunde des Präsidenten aber gegen den Trend halten oder erobern. Bei Gouverneurswahlen zählt, wer den überzeugenderen Kandidaten aufstellt. Florida war bisher republikanisch; auch bei der Abgeordneten- und Senatorenwahl 2010 liegen die Konservativen dort vorn. In den Umfragen für die Gouverneurswahl in Florida führt jedoch die Demokratin Alex Sink knapp, aber stabil.

In Kalifornien, dem größten Staat, regierte bisher der Republikaner Arnold Schwarzenegger. Seine Parteifreundin Meg Whitman, Ex-Managerin des Internetauktionshauses Ebay, hat weit über hundert Million Dollar aus ihrem Privatvermögen in den Wahlkampf gesteckt, ein neuer Rekord für die USA. Dennoch liegt der Demokrat Jerry Brown in den Umfragen sechs Prozentpunkte vor ihr.

Umgekehrt ist die Lage im Industriestaat Ohio , ein ähnlich berühmt-berüchtigter „Swing State“ wie Florida, der mal demokratisch, mal republikanisch wählt und so entscheidend zu Machtwechseln in den USA beiträgt. Dort regierten seit 2006 die Demokraten, nun schlägt das Pendel zurück, bei der Kongresswahl wie bei der Gouverneurswahl. Die gewinnt vermutlich der Republikaner John Kasich gegen den Amtsinhaber Ted Strickland.

Die Demokraten werden auch die Gouverneursposten in Obamas Heimatstaat Illinois, in Iowa, Maine, Michigan, New Mexiko, Pennsylvania und Wisconsin verlieren. Weitere Staaten stehen auf der Kippe. Umgekehrt werden sie den Republikanern wohl neben Florida und Kalifornien nur Hawaii und Minnesota abjagen.

 
Leser-Kommentare
  1. Einfach in Ruhe abwarten, bis die Ergebnisse der Wahlen vorliegen.

    Gerade dies gestatten uns die hysterisch gewordenen Medien nicht. Kaum ist irgendein Teilergebnis vorhanden (egal ob Bundestagswahl, US-Wahlen, sonstige Wahlen), wird dem Leser/Zuhörer/Zuschauer kaum die Möglichkeit gelassen, sich zu informieren, sich eine eigene Meinung zu bilden. Es wird gleich kommentiert. Je nach Teiergebnis fallen die Kommentare alle Viertelstunde anders aus.
    Dies kommt einer Bevormundung gleich. Lassen Sie doch bitte diesen Unsinn.

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    gehört es zum seriösen Journalismus, die Entwicklung der Wahlergebnisse bis zu einem tatsächlichen Trend abzuwarten und dann zu bewerten.
    Da kann ich mich EsbenAMK nur anschließen.

    • Ranjit
    • 02.11.2010 um 16:42 Uhr

    Ich verstehe Ihren Standpunkt, EsbenAMK. Ich finde jedoch, dass es durchaus akzeptabel ist, bereits vor sicheren Ergebnissen zu berichten. Es gibt sicher auch Personen, die in ihren Interessengebieten auf dem Laufenden gehalten werden möchten. Wer dass nicht will, muss es ja nicht lesen.
    Das schöne am Internet ist ja, dass man filtern kann.

    Wichtig ist jedoch, dass klar wird, wie sicher der jeweilige Kentnisstand ist.

    gehört es zum seriösen Journalismus, die Entwicklung der Wahlergebnisse bis zu einem tatsächlichen Trend abzuwarten und dann zu bewerten.
    Da kann ich mich EsbenAMK nur anschließen.

    • Ranjit
    • 02.11.2010 um 16:42 Uhr

    Ich verstehe Ihren Standpunkt, EsbenAMK. Ich finde jedoch, dass es durchaus akzeptabel ist, bereits vor sicheren Ergebnissen zu berichten. Es gibt sicher auch Personen, die in ihren Interessengebieten auf dem Laufenden gehalten werden möchten. Wer dass nicht will, muss es ja nicht lesen.
    Das schöne am Internet ist ja, dass man filtern kann.

    Wichtig ist jedoch, dass klar wird, wie sicher der jeweilige Kentnisstand ist.

  2. gehört es zum seriösen Journalismus, die Entwicklung der Wahlergebnisse bis zu einem tatsächlichen Trend abzuwarten und dann zu bewerten.
    Da kann ich mich EsbenAMK nur anschließen.

    • Ranjit
    • 02.11.2010 um 16:42 Uhr

    Ich verstehe Ihren Standpunkt, EsbenAMK. Ich finde jedoch, dass es durchaus akzeptabel ist, bereits vor sicheren Ergebnissen zu berichten. Es gibt sicher auch Personen, die in ihren Interessengebieten auf dem Laufenden gehalten werden möchten. Wer dass nicht will, muss es ja nicht lesen.
    Das schöne am Internet ist ja, dass man filtern kann.

    Wichtig ist jedoch, dass klar wird, wie sicher der jeweilige Kentnisstand ist.

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