Landtagswahlen Die Linkspartei fürchtet die Katastrophe

Sinkende Umfragewerte, eine anhaltende Debatte über die Parteichefin Lötzsch – das Superwahljahr droht für die Linke ein Desaster zu werden.

In der Linkspartei wächst die Gefahr, dass es nach mehreren Niederlagen bei den Landtagswahlen im Frühjahr zu einer neuen heftigen Debatte um die Führung kommt. Diskutiert wird, ob die im Mai vergangenen Jahres gewählten Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch ihre volle Amtszeit bis 2012 im Amt bleiben oder vorzeitig abgelöst werden sollen. Zuletzt hatte Fraktionschef Gregor Gysi von der Partei gefordert, Debatten über die Führung bis ins Frühjahr kommenden Jahres zurückzustellen und sich nach Monaten der Selbstbeschäftigung auf die Sacharbeit zu konzentrieren. Die von Lötzsch angezettelte Kommunismus-Debatte, aber auch Diskussionen über den Lebensstil von Ernst werfen die Linke offenbar in der Wählergunst zurück.

Jüngsten Anlass für die Spekulationen gab eine Umfrage zur Wahl am 20. März in Sachsen-Anhalt. Im Auftrag des MDR ermittelte Infratest Dimap, dass die im Herbst noch gleichauf mit der CDU an der Spitze liegende Linke – damals je 30 Prozent – um zwei Punkte abrutscht. Gleichzeitig verbessern sich die Christdemokraten auf 32 Prozent, die SPD bleibt mit 22 Prozent abgeschlagen auf Rang drei. Das Ziel "Platz eins" bleibe dennoch realistisch, betonte der Linken-Landeschef Matthias Höhn am Donnerstag.

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Umfragen aus Hamburg, wo am 20. Februar gewählt wird, sowie aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, wo die Bürger am 27. März an die Urnen gehen, hatten die Führung zuvor schon alarmiert. In Hamburg sank die Linke, die bei der Wahl im Februar 2008 noch auf 6,4 Prozent gekommen war, in der Vorhersage auf fünf Prozent. Bei den Wahlen zu den Landtagen in Stuttgart und Mainz gilt ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde als wahrscheinlich – ermittelt wurde zuletzt ein Wert von jeweils vier Prozent. Zuletzt war dort die Vorgängerpartei WASG angetreten und gescheitert. Aus der Spitze der Partei heißt es, würde die Linke bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg – und damit der ersten von sieben Landtagswahlen im Jahr 2011 – keine Sitze erringen, wäre das "eine Katastrophe". Gar nicht mehr zu verhindern wäre eine Personaldiskussion nach weiteren Niederlagen im März. Ohnedies gilt eine Wiederwahl von Lötzsch und Ernst 2012 gegenwärtig als ausgeschlossen.

Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow – einer der potenziellen Nachfolger für die Führung – griff Lötzsch am Donnerstag im Deutschlandradio wegen ihres Aufsatzes über "Wege zum Kommunismus" erneut an. Sie habe sich "in einer nicht ganz glücklichen Art" geäußert und hätte "von Anfang an" deutlicher sagen müssen, "dass im Namen des Kommunismus eine Blutspur auch hinterlassen worden ist". Neben Ramelow werden für die Neubesetzung der Spitze die beiden Vize-Fraktionschefs Dietmar Bartsch und Jan van Aken sowie die bisherige Vize-Vorsitzende Katja Kipping genannt.

Ramelow nahm zugleich Lötzschs Büroleiter Klaus Singer gegen eine "hysterische Kampagne" in Schutz. Singer hatte drei Jahre lang im Stasi-Wachregiment "Feliks Dzierzynski" seinen Grundwehrdienst abgeleistet. Die CSU will deshalb Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Ältestenrat auffordern, alle Linken-Mitarbeiter auf Stasi-Vergangenheit zu überprüfen. Fraktionschef Gysi bezeichnete die Diskussion um Lötzschs Mitarbeiter als "albern". Das Wachregiment des MfS habe "mit Spionage und Spitzelei nichts zu tun" gehabt.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Mit der Wahlkampfparole "Raus aus dem Euro"!
    verdoppeln die LINKEN ihr bestes Ergebnis.

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    Wenn die statt der glücklosen Lötzsch und dem instinktlosen Ernst den Dietmar Bartsch bringen, kriegt die SPD Existenzprobleme.

    Wenn die statt der glücklosen Lötzsch und dem instinktlosen Ernst den Dietmar Bartsch bringen, kriegt die SPD Existenzprobleme.

  2. Wenn die statt der glücklosen Lötzsch und dem instinktlosen Ernst den Dietmar Bartsch bringen, kriegt die SPD Existenzprobleme.

  3. Der real existierende Kapitalismus wird sich wohl auch nicht mehr lange halten. Ach ja, die real existierende Demokratie wohl auch nicht.

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    Den Kapitalismus wird es leider warscheinlich ewig geben.
    Die Gewinner werden immer den Kappitalismus schützen, weil er ihre Macht erhält und ihre Macht ist das Kapital. Das trotz der Instabilität der Märkte, den irgendwer gewinnt immer.
    Demokratie wirds auch ewig geben, sie verliert nur ihre Funktion.

    Den Kapitalismus wird es leider warscheinlich ewig geben.
    Die Gewinner werden immer den Kappitalismus schützen, weil er ihre Macht erhält und ihre Macht ist das Kapital. Das trotz der Instabilität der Märkte, den irgendwer gewinnt immer.
    Demokratie wirds auch ewig geben, sie verliert nur ihre Funktion.

    • -Ziet-
    • 21.01.2011 um 18:55 Uhr
    4. [....]

    ... hat sie doch einleitend deutlichst darauf hingewiesen, wie sie den Begriff "Kommunismus" (vom lat. communis ‚gemeinsam‘) definiert und abholt.

    Gesine Lötsch zu verstehen, dazu muß man einfach nur deren Artikel gelesen haben - alle die darüber schreiben, als ob sie was falsches gesagt hätte, sind Verleumder. Schade, daß sich die bürgerliche Presse wie Zeit.de auf solch einem Niveau arbeitet.

    [...]

    Wer es immer noch nicht geschnallt hat, daß "Kommunismus" etwas Ähnliches wie "Christentum" darstellt ... ein heeres Ziel, für Menschen unerreichbar, ein Ideal im Positivsten Sinne ... der möge doch erstmal seine Bildungslücken schließen. Hilfreich ist dabei sicherlich Wikipedia oder jedes andere Lexikon. z.B.:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Den entwickelten Kommunismus (my comment: lange nach den anfänglichen Aufbau- & Entwicklungsschritten) skizziert Marx mit gesellschaftlichem Reichtum, und dem Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

    Teile entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke. Die Redaktion/wg

    • Elite7
    • 21.01.2011 um 18:56 Uhr

    Also da kann ich nur sagen, dass ich an Ernst Stelle genauso leben würde, weil ichs mir einfach leisten könnte. Er ist doch kein Verbrecher! Er setzt sich ja wenigstens für unsere Belange ein. Gucken Sie sich doch mal andererleuts Lebensstil an. Denken Sie die seien besser? Denken Sie manl darüber nach, was Sie tun würden, wenn Sie das Geld hätten.
    Und auf Frau Lötzsch wird jetzt rumgehackt, obwohl Westerwelle, Merkel, Schäuble und Co schon ganz ganz andere Dinge gebracht haben, hat auch keinen gejuckt.

    • Joscht
    • 21.01.2011 um 19:02 Uhr

    Liebe ZEIT, so lange ists doch noch nicht her. Und dann bei Feliks, sicherlich eine Jugendsünde. Jaja.

  4. Kommunisten braucht kein Mensch ! Statt dessen eine anti Euro Partei ! Schliesslich ist die EU genau so eine illusion wie der Kommunismus !
    Fertig aus !

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    Zur Bildzeitung geht es hier lang: -> www.bild.de

    Mal im Ernst, mit Polemik kann man jeden politischen Gegner ausschalten. Überall wird der Kommunismus schlecht geredet, obwohl es den noch nie auf der Welt gab. Weder in der SU noch in der DDR und auch nicht auf Kuba. Dort gab es übrigens auch keinen Sozialismus. Denn im Kern bezeichnet der Sozialismus EINEN demokratisch legitimierten Anführer. Wem das zu hoch, der darf sich das frühmittelalterliche England ansehen, dort wurden Könige lange gewählt.

    Abgesehen davon will die Linke weder eine DDR noch eine SU, sondern nur einen demokratischen Sozialisms, der sogar im Grundsatzprogramm der SPD als Ziel angegeben ist!

    Und nun, liebe Redaktion, löscht meinen kritischen Kommentar. Business as usual.

    Zur Bildzeitung geht es hier lang: -> www.bild.de

    Mal im Ernst, mit Polemik kann man jeden politischen Gegner ausschalten. Überall wird der Kommunismus schlecht geredet, obwohl es den noch nie auf der Welt gab. Weder in der SU noch in der DDR und auch nicht auf Kuba. Dort gab es übrigens auch keinen Sozialismus. Denn im Kern bezeichnet der Sozialismus EINEN demokratisch legitimierten Anführer. Wem das zu hoch, der darf sich das frühmittelalterliche England ansehen, dort wurden Könige lange gewählt.

    Abgesehen davon will die Linke weder eine DDR noch eine SU, sondern nur einen demokratischen Sozialisms, der sogar im Grundsatzprogramm der SPD als Ziel angegeben ist!

    Und nun, liebe Redaktion, löscht meinen kritischen Kommentar. Business as usual.

    • politz
    • 21.01.2011 um 19:14 Uhr

    Die Wahlbürger wählen weiterhin CDU, CSU, FDP, SPD und die Grünen. Damit wählen die Bürgerinnen und Bürgern die nächste Finanzkrise. Kollektive Unvernunft ist die Regel, die Mehrheit hatte immer Unrecht. Die Menschen in Deutschland scheinen sich dem Leid entgegenzusehnen. Sie machen alles mit, ob Kommunismus, Faschismus, (Welt)Krieg oder ungehemmten Kapitalismus.

    Jeder Wähler der nicht systemkritischen Parteien ist selbst schuld gewesen. Die Leute gehen einem kolossalen Desaster entgegen.

    Die einzige Hoffnung ist, dass dann der Lerneffekt größer ausfällt als im Falle einer rechtzeitigen Besinnung. Ideologien scheitern an der Realität, nicht an der Logik. Leider. Einzige Lösung des Problems ist eine vollständige Entideologisierung und Entpolitisierung des Landes.

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