ÖkomodeGegen das Greenwashing

Magdalena Schaffrin war die Missionarin der Ökomode. Inzwischen ist es schick, korrekte Kleidung zu tragen. Und plötzlich wollen alle auf den Öko-Zug aufspringen.

Die strenge Chefin. Magdalena Schaffrin hat sich selbst hohe Standards gesetzt, manche Qualitätssiegel sind ihr nicht konsequent genug. In ihrem Neuköllner Modelabor entsteht seit 2007 ökologisch Unbedenkliches

Die strenge Chefin. Magdalena Schaffrin hat sich selbst hohe Standards gesetzt, manche Qualitätssiegel sind ihr nicht konsequent genug. In ihrem Neuköllner Modelabor entsteht seit 2007 ökologisch Unbedenkliches

Im Prinzip ist Mode ein nonverbales Geschäft. Was soll ein Designer auch über ein Kleid erzählen, wenn er es an einem schönen Menschen zeigen kann? Aber das ändert sich jetzt. Denn in der grünen Mode muss geredet werden, und das aus Prinzip.

"Wir werden schon mal als Greenwasher bezeichnet", sagt Magdalena Schaffrin. Es geht um Etikettenschwindel, um den Kampf für moralisch einwandfreie Kleidung, und es geht um das Problem, dass nichts mehr davon zu sehen ist. Deshalb redet Magdalena Schaffrin viel.

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Vor fünf Jahren hat sie an der Universität der Künste ihren Abschluss als Designerin gemacht, aber inzwischen ist sie so etwas wie die Missionarin der Ökomode. Nicht, weil ihre eigene Firma so groß und bedeutend wäre, im Gegenteil, die ist denkbar klein. Und sie ist nicht einfach eine Designerin, die im Kämmerlein eine Kollektion pro Saison entwirft, sondern sie kann stundenlang reden, sie kennt fast jeden aus ihrer Branche, weiß, wer sich wie spezialisiert hat, nach welchen Zertifikaten arbeitet, welcher Stofffabrikant welches Material wie herstellt.

Denn längst ist Ökomode nicht mehr die ungefärbte Wolle, der man das Schaf noch ansah, und ob die Kleidung gut saß, war nicht wichtig. Es war eine Hülle für die richtige Geisteshaltung. Heute ist es nur noch eine Hülle wie jede andere, das Ökologische ist in der Mode unsichtbar geworden. Und das ist paradox, da Mode, die immer davon lebt, dass man das Besondere an ihr sehen kann, plötzlich nichts mehr für die Augen ist. Jemand muss dem Träger sagen, warum ein T-Shirt, das genauso aussieht wie ein normales, mehr ist, und es zu kaufen, besser.

Dieser Jemand ist Magdalena Schaffrin. Über ihrem Atelier leuchtet der Schriftzug "Labor" – hängen geblieben von der ehemaligen Arztpraxis, die sich in dem hochherrschaftlichen Berlin-Neuköllner Geschäftsgebäude befand. Hier arbeitet und wohnt Schaffrin. Mit ihrer strengen Kurzhaarfrisur, ihrem an diesem Tag grauweiß gemusterten Hemd wirkt sie nicht wie eine Öko-Predigerin. Und doch geht es ihr in ihrem Labor um reine Lehre. Die Kleider, die Magdalena Schaffrin macht, sind ökologisch absolut unbedenklich. Schlicht, aber edel, wie die weite Leinenhose mit den tiefen Falten am Bund, dazu das Hemd, an dem eine nicht gebundene Fliege am Kragen befestigt ist. Ein Kleid mit fein gefalteten Biesen gibt es als Wintervariante aus seidig fallender Wolle und für den Sommer aus dunkelgrünem Leinen. Schaffrin entwirft nur wenige neue Teile im Jahr. Denn auch das gehört zur grünen Philosophie: Nachhaltigkeit. Ihre Kleider sollen länger Bestand haben als eine Saison.

Die Entscheidung, so zu arbeiten, hat sie ganz am Anfang getroffen. Ein Praktikum bei Hennes & Mauritz hatte sie in Schweden absolviert, ein bisschen auch für eine Outdoor-Marke gearbeitet, als sie ihre Selbstständigkeit entdeckte. Da war niemand, der sie beraten hat, wie eine Berufsanfängerin arbeiten könne, damit alles ökologisch und ethisch korrekt ist. Sie wollte den höchsten Standard. Das Zertifikat Ökotex 100, das weltweit am meisten verwendete, das Schadstoffgrenzwerte in der Kleidung prüft, hat sie nie interessiert. Es war ihr nicht streng genug.

Stattdessen verarbeitet sie nur Materialien, die den Global Organic Textile Standard aufweisen (GOTS). Die Initiative untersucht die ganze Kette – vom Anbau der Baumwolle bis zu Verpackung und Transport der fertigen Produkte. Sie wurde 2008 gegründet, um einen einheitlichen hohen internationalen Standard zu schaffen, um ein wenig Ordnung in die vielen unterschiedlichen Ökosiegel zu bringen. Trotzdem haben Schaffrins Kleider kein GOTS-Zertifikat, weil sie als kleine Unternehmerin dafür das Geld noch nicht aufbringt. Also muss sie reden. Darf ihren Einzelhändlern sagen, dass die Materialien, die sie verwendet, einem hohen Standard entsprechen, aber die dürfen das dem Endverbraucher nicht weitersagen.

Leserkommentare
  1. Ich finde es natürlich klasse, dass Konsumenten sich Gedanken um die Herstellung oder gar Vertrieb von Kleidung und anderen Produkten machen. Aber man darf/muss dies natürlich immer wieder hinterfragen, um den Ausgangsgedanken oder das eigentliche moralisch/ökologische Ziel nicht absurdum zu führen.
    Ganz groß ist dieser Trend natürlich in urbanen Szenevierteln, dessen Bewohner dennoch über ein höheres Einkommen verfügen (als sie manchmal zugeben, denn man möchte natürlich "szenig" bleiben) so z.B. in Berlin oder Hamburg. Dort gibts natürlich auch weniger den Ottokatalog sondern natürlich Manufactum und andere..

    Satirisch "auf die Schippe" nimmt der Musiker "Blockflöte des Todes" dies mit seinem Song "Fair Trade Koks"

    http://www.youtube.com/wa...

    (Für Phantasielose: Es ist gerade kein Aufruf gegen das BtmG.)

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    • joG
    • 18.01.2011 um 12:41 Uhr

    ....was ist das schon? Wann beginnt es. Es ist doch wahr, dass ich die industrielle Tötung von Tieren unterstütze, wenn ich Lederschuhe, -Handschuhe oder -Jacken kaufe. Und ich sorge dafür, dass Kinder aus Armut nicht im Jungel ausgesetzt werden zum sterben, wenn ich Dinge kaufe, die ihnen Arbeit bringen.

    Was will man sagen?

    • joG
    • 18.01.2011 um 12:41 Uhr

    ....was ist das schon? Wann beginnt es. Es ist doch wahr, dass ich die industrielle Tötung von Tieren unterstütze, wenn ich Lederschuhe, -Handschuhe oder -Jacken kaufe. Und ich sorge dafür, dass Kinder aus Armut nicht im Jungel ausgesetzt werden zum sterben, wenn ich Dinge kaufe, die ihnen Arbeit bringen.

    Was will man sagen?

  2. So ab 10 Grad unter Zero pflege ich Bär zu tragen. Ich schwöre es war nicht Bruno!

    Das ist viel mehr Öko, denn für Ökowolle wird armen geknechteten Schafen bei lebendigen Leibe das Flies vom Leibe geschnitten. Grauenvoll!

    • joG
    • 18.01.2011 um 12:41 Uhr

    ....was ist das schon? Wann beginnt es. Es ist doch wahr, dass ich die industrielle Tötung von Tieren unterstütze, wenn ich Lederschuhe, -Handschuhe oder -Jacken kaufe. Und ich sorge dafür, dass Kinder aus Armut nicht im Jungel ausgesetzt werden zum sterben, wenn ich Dinge kaufe, die ihnen Arbeit bringen.

    Was will man sagen?

    Antwort auf "Alles Fair Trade"
  3. ...nicht gerade erst im ZEIT "ECO-Store" ein garantiert ökologische Handysocke ausgerechnet für das i-Phone? Absurder geht's manchmal nimmer, wie auch Konsumenten sich "green washen".

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  4. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

    2 Leserempfehlungen
  5. Seit ich das Gefühl von Bio-Baumwolle auf der Haut kenne,will ich nichts anderes mehr spüren. Ich glaube auch, es ist für den Körper genauso wichtig, gut atmende Stoffe zu tragen, wie wertige Nahrung zu sich zu nehmen. Ich wundere mich z.B.oft, wenn ich im Sommer Frauen in knallengen und womöglich noch schwarzen Vollsynthetik-Klamotten in der prallen Sonne sitzen sehe! Da würde mir die Luft wegbleiben!
    Aber diese weißen Blusen würd ich trotzdem nicht anziehen. Finde ich spießig und langweilig! Ich wundere mich sowieso immer über die Einfallslosigkeit im Modedesignerbereich! Entweder, es ist eben langweilig, oder es sieht an den Haaren herbeigezogen aus. Die Guten sind sehr wenige!

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