Frank-Walter Steinmeier "Freiheit braucht den Mut, zu sagen, was ist"

Frank-Walter Steinmeier blickt auf das bevorstehende Wahljahr. Im Interview spricht er über die Wirtschaftskompetenz der SPD und die Vertrauenskrise der EU.

Frage: Herr Steinmeier, wie wär’s mit einem kleinen Gedankenspiel?

Frank-Walter Steinmeier: Denken hilft immer.

Frage: Dann nehmen wir einmal an, Sie hätten die Wahl vor eineinhalb Jahren nicht verloren, sondern gewonnen. Stünde Deutschland mit einem Kanzler Steinmeier heute besser da?

Steinmeier: Es ist wirklich nicht schwer, es besser zu machen als diese Regierung. Sozialdemokraten haben elf Jahre lang gezeigt, wie man regieren kann, ohne dass sich die Leute täglich an den Kopf fassen. Der Unterschied ist: Wir haben Verantwortung angenommen und Entscheidungen getroffen, die notwendig waren für das Land. Auch wenn manche uns nicht leicht gefallen sind. Diese Regierung erschöpft sich an sich selbst, im täglichen Kleinkrieg mit- und gegeneinander. Sie ist in ihrer Verantwortung auch nach einem Jahr nicht angekommen.

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Frage: Die harten Zahlen sprechen aber nicht gegen die Regierung: Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht mehr, die Wirtschaft boomt. Geht es den Menschen wirklich schlechter als zur Zeit der großen Koalition?

Sozialdemokrat

Erst vor fünf Jahren trat Frank-Walter Steinmeier voll ins politische Rampenlicht, als er in der großen Koalition das Amt des Außenministers übernahm. Zuvor hat der heute 55-jährige Jurist politische Entscheidungen vor allem hinter den Kulissen vorbereitet – als Kanzleramtschef. Für Gerhard Schröder hatte Steinmeier schon in Niedersachsen gearbeitet.

Kandidat

Steinmeier war 2009 Kanzlerkandidat der SPD. Nach dem Verlust der Wahl wurde er zum Fraktionschef gewählt, Sigmar Gabriel übernahm die Parteiführung. Sollte Gabriel die Zweifel an seiner Seriosität nicht ausräumen, könnte die SPD Steinmeier 2013 erneut die Kandidatur antragen.

Organspender

Im vergangenen Herbst spendete Steinmeier seiner schwerkranken Frau Elke eine Niere. Die Operation gelang, Komplikationen blieben aus. Die Berliner Richterin hat inzwischen ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

Steinmeier: Erfreulicherweise geht es den Deutschen heute nicht schlechter. Nur beruht das nicht auf der Leistung der heutigen Bundesregierung. Sie erntet Früchte, die andere gesät haben. Ohne unsere Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen ständen wir doch nicht da, wo wir stehen! Nicht weniger wichtig war das mutige Krisenmanagement in der großen Koalition. Aber auch da haben SPD-Minister wie Olaf Scholz und Peer Steinbrück die entscheidende Rolle gespielt. Das Problem ist doch, dass diese Regierung nicht die Weichen dafür stellt, dass es Deutschland auch am Ende des nächsten Jahrzehnts noch gut geht.

Frage: Ihre Partei profitiert nur in geringem Ausmaß vom Dauerstreit in der schwarz-gelben Koalition. Offenbar glauben die Wähler nicht daran, dass die SPD es wesentlich besser machen würde.

Steinmeier: Wir haben uns von unserem Bundestagswahlergebnis nach oben bewegt und liegen nun zwischen 26 und 29 Prozent. Die Richtung stimmt, aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Aber ich stelle fest, dass die Menschen die Politik der SPD neu bewerten. Nach und nach wird erkannt, dass die SPD nicht nur für erfolgreiche gesellschaftliche Modernisierung steht, sondern insbesondere in der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik die Weichen richtig gestellt hat. Und das ist gut so. Aber gewählt wird man nicht für eine Bilanz, sondern dafür, dass man eine Vorstellung für die Entwicklung dieser Gesellschaft im nächsten Jahrzehnt entwickelt. Eine neue Balance von Fortschritt und Gerechtigkeit – darum wird es gehen in den Jahresauftaktklausuren von Partei und Fraktion.

Leser-Kommentare
  1. "... Die SPD wird genau hinsehen, ob die Altkader in der Linkspartei sich durchsetzen ... Sollte das Führungspersonal der Linkspartei 2013 den Kommunismus als Ziel ihrer Politik ausgeben, wird sie in der deutschen Politik keine Koalitionspartner finden ..."
    1.: Genossin Lötzsch IST Altkader UND Parteivorsitzende (hat sich somit durchgesetzt).
    2.: Das Führungspersonal der Linkspartei gibt BEREITS 2011 den Kommunismus als Ziel ihrer Politik aus ("Überholen ohne einzuholen"?).
    ==> Also, wo bleibt das klare und unmissverständliche "Nein, auf keinen Fall!" zur K(oalitions)-Frage, Herr Steinmeier. So lange Sie sich ein Hintertürchen offen halten, sind weder die SPD noch die Grünen für mich wählbar, weil immer die Gefahr einer Koalition mit einer Partei im Raum steht, die m. E. NICHT verboten WERDEN MÜSSTE, sondern es - durch das KPD-Urteil von 1956 - BEREITS IST, und dieses Verbot leider nicht durchgesetzt wird.

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    Zur SPD?

    Da muß man fragen, wer sind denn in dessen Augen die Deutschen!
    Der ist doch zeitlich weit weg!

    Sie haben die Reaktion von Herrn Gabriel nicht mitbekommen? Oder gemerkt, dass sich in fast drei Jahren auch Parteien entwickeln können? Schön, dass Sie sich trotz Informationsdefizit nicht zu schade sind, einfach mal draufloszuplappern :)

    Zur SPD?

    Da muß man fragen, wer sind denn in dessen Augen die Deutschen!
    Der ist doch zeitlich weit weg!

    Sie haben die Reaktion von Herrn Gabriel nicht mitbekommen? Oder gemerkt, dass sich in fast drei Jahren auch Parteien entwickeln können? Schön, dass Sie sich trotz Informationsdefizit nicht zu schade sind, einfach mal draufloszuplappern :)

  2. und TINA faselt.

    Wann begreifen diese Herren eigendlich, dass wirtschaftkompetent eben NICHT heißt:

    - Lobbyvereinigungen die Gesetze schreiben zu lassen,
    - große Teile der Bevölkerung zu prekarisieren;

    ...

    Und DIE wollen regieren?

    12 Leser-Empfehlungen
    • oooo
    • 09.01.2011 um 17:38 Uhr

    wenn seine Partei nicht so zu kämpfen hätte. Das Gerede über den Zustand der SPD erscheint überflüssig, aber was er über Ungarn sagt ist richtig und präzise. Er ist vielleicht nicht der beste Kandidat, aber sicherlich kein schlechter. Man kann ihn wählen.

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    Denn letztlich ist er ebenso ein Relikt der Schröder-Ära unter der die SPD schlichtweg den Verrat am Sozialstaat begangen hat.

    Und es ist ja nicht einmal das. Die SPD ist dafür verantwortlich, dass die Linke so stark ist. Niemand sonst.
    Alle Stimmen die der SPD fehlen finden sie entweder bei den Grünen oder der Linken.

    Und wenn wir schon nach dem Zitat in der Überschrift gehen: Steinmeier hat ebenso wenig wie der Rest der altvorderen SPD den Mut zu sagen, dass sie in ihrer Politik schlichtweg scheiße gebaut haben.

    Denn letztlich ist er ebenso ein Relikt der Schröder-Ära unter der die SPD schlichtweg den Verrat am Sozialstaat begangen hat.

    Und es ist ja nicht einmal das. Die SPD ist dafür verantwortlich, dass die Linke so stark ist. Niemand sonst.
    Alle Stimmen die der SPD fehlen finden sie entweder bei den Grünen oder der Linken.

    Und wenn wir schon nach dem Zitat in der Überschrift gehen: Steinmeier hat ebenso wenig wie der Rest der altvorderen SPD den Mut zu sagen, dass sie in ihrer Politik schlichtweg scheiße gebaut haben.

  3. mal weiter. Noch 20 Jahre bis zur nächsten SPD-Regierung.

    • NoG
    • 09.01.2011 um 18:03 Uhr

    "Freiheit braucht den Mut, zu sagen, was ist"

    wenn er ueber die spd spricht, sieht die sache etwas anders aus und frank w. steinmeier wirkt wie ein verkaeufer von nicht unbedingt benoetigter ware.

  4. hat man heute den Mut die SPD nicht zu wählen!
    Was für ein Fortschritt in 20 Jahren sich nach der Wahl knebeln und knechten zu lassen!

  5. Antwort auf "Wieso Konjunktiv?"
  6. "Sozialdemokraten haben elf Jahre lang gezeigt, wie man regieren kann, ohne dass sich die Leute täglich an den Kopf fassen."
    Steinmeier zeigt sich weiter als sturer Betonkopf. Die Wähler sind in hellen Scharen von der Fahne der SPD gegangen. Wie häufig gesagt sind Schröder und seine Heloten, zu denen Steinmeier gehört, für das Desaster der SPD verantwortlich. Und nicht zu vergessen - den geistlosen Spruch, "es gibt keine Alternative" haben Schröder und seine Spießgesellen in die Welt gesetzt!!
    [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke. Die Redaktion/ew

    11 Leser-Empfehlungen
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    Ich weiß ja nicht, aber Helmut Schmidt sind die Wähler auch weggelaufen und heute mit Abstand kann seine Kompetenz gewürdigt.
    Ich bin froh über die Reformen durch die SPD, den Grünen und der CDU. Sonst ginge es uns jetzt wie den Griechen oder den Spaniern. Deutschland kann sich von der Globalisierung nicht abkapseln. Nur ein geeinigtes Europa wäre stark genug etwas zu verändern. Ohne Europa bleibt uns nur die Anpassung an wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

    Ich weiß ja nicht, aber Helmut Schmidt sind die Wähler auch weggelaufen und heute mit Abstand kann seine Kompetenz gewürdigt.
    Ich bin froh über die Reformen durch die SPD, den Grünen und der CDU. Sonst ginge es uns jetzt wie den Griechen oder den Spaniern. Deutschland kann sich von der Globalisierung nicht abkapseln. Nur ein geeinigtes Europa wäre stark genug etwas zu verändern. Ohne Europa bleibt uns nur die Anpassung an wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

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