Euro-Krise Wie Rösler Griechenland unterstützen will

Wenn es nach Rösler geht, sollen deutsche Unternehmen Griechenland helfen und stärker in das Land investieren. Doch richtig attraktiv sind die Bedingungen nicht.

Wenn Wirtschaftsminister ankündigen, dass sie bei Gipfeltreffen die Wirtschaft treffen werden, dann sind die Erwartungen meist sehr hoch. Zumal wenn es dabei, wie im aktuellen Fall, um die Rettung eines ganzen Landes, nämlich Griechenland, geht. Angesichts der großen Probleme im Süden Europas wurden im Vorfeld bereits überdimensionale Rettungspläne an die Wand gemalt und mit Begriffen wie einem Marshallplan hantiert, die milliardenschwere Investitionsprogramme suggerieren. Oft kommt bei solchen Gipfeltreffen jedoch nicht viel mehr als eine gemeinsame Bemühenszusage heraus.

Auch an diesem Mittwoch war das so. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte kurzfristig Vertreter der deutschen Wirtschaftsverbände zusammengerufen, um darüber zu beraten, wie man der am Boden liegenden griechischen Wirtschaft unter die Arme greifen kann. Schließlich wisse ja jeder, sagte Rösler, "dass nur die Gesundung der griechischen Wirtschaft zum Abbau der Staatsschulden führen wird". Weil aber die Spitzenvertreter der Verbände – urlaubsbedingt – Röslers Einladung nicht folgen konnten, daher meist nur ihre Vertreter am Ministertisch saßen und Verbände in Deutschland ohnehin keinerlei Zusagen über eventuelle Investitionen ihrer Mitgliedsunternehmen in Griechenland abgeben können, geriet das Treffen, wie es ein Teilnehmer hinterher zusammenfasste, "eher zu einem Austausch von Gruselgeschichten über Investitionshemmnisse in Athen". Womit die erste Erwartung, nämlich die nach Milliardeninvestitionen, die die deutsche Wirtschaft nun in Griechenland vornehmen wird, enttäuscht werden muss: Niemand hat am Mittwoch irgendwelche Zusagen gemacht, weder der Wirtschaftsminister noch die deutsche Wirtschaft.

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Zweites Rettungspaket

Niedrigere Zinsen, Anleihenrückkauf und die Beteiligung privater Gläubiger. Mit diesen Maßnahmen soll Griechenland aus der Krise kommen. Der Wortlaut der Erklärung, mit dem die Staats- und Regierungschefs das Paket verabschiedeten, ist als .pdf-Datei hier abrufbar.

Kredite

Neue Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF soll Griechenland leichter zurückzahlen können. Die Zinssätze werden von 4,5 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt. Anstatt wie bisher siebeneinhalb Jahre soll Athen mindestens 15 Jahre Zeit bekommen, um das Geld zurückzuzahlen.

Die noch nicht ausgezahlten Gelder aus dem ersten Hilfspaket werden in das neue Programm übertragen. Auch der Internationale Währungsfonds wird aufgefordert, sich wieder zu beteiligen.
 

Gläubiger

Banken, Versicherungen und anderen privaten Gläubigern sollen mehrere Modelle angeboten werden, unter denen sie eins für einen Umtausch ihrer griechischen Staatsanleihen in neue Anleihen wählen können. Aber keiner soll dazu gezwungen werden. Die Hoffnung ist, dass Investoren die neuen Laufzeiten als sicherer ansehen und ihre Anleihen deswegen umtauschen. So soll Griechenland mehr Zeit bekommen, um seine Schulden zu verringern. Die internationalen Bankenlobby IIF hat vorgeschlagen, dass die privaten Gläubiger über einen Schuldentausch 17 Milliarden Euro beitragen würden.

Rückkauf

Über den Euro-Rettungsfonds sollen künftig Schulden von Euro-Ländern bei privaten Gläubigern aufgekauft werden können, wenn diese Länder Hilfen aus dem Fonds beantragt haben. Der Rückkauf von griechischen Staatsanleihen zeichnet sich als ein Modell der Rettung ab. Derzeit werden Anleihen mit einer Laufzeit ab fünf Jahren an der Börse nur noch zur Hälfte ihres ursprünglichen Wertes gehandelt. Nimmt man diese Kurse zum Maßstab, reichen Griechenland 50 Milliarden Euro aus, um 100 Milliarden seiner 340 Milliarden Euro Schulden zurückzukaufen.

Sicherheiten

Die Rating-Agenturen könnten auch bei einem freiwilligen Beitrag privater Gläubiger eine Verschlechterung für die Investoren feststellen. Dann würden sie Athen einen teilweisen Zahlungsausfall bescheinigen. Dadurch könnten die griechischen Banken in Schwierigkeiten geraten, weil sie die Staatsanleihen Athens nicht mehr als Sicherheiten bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen können. Die Hoffnung ist, dass durch einen raschen Tausch der Anleihen diese Bewertung nur wenige Tage gilt. In diesem Zeitraum wollen die Euro-Länder demnach mit rund 20 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds entstehende Sicherheitslücken etwa bei der EZB abdecken.

Wiederaufbau

Griechenlands Wirtschaft ist marode und kaum wettbewerbsfähig. Die Euro-Länder wollen einen Wiederaufbauplan für das Land initiieren, um Wachstum und Investitionen zu fördern. Auch die EU-Kommission soll das Land bei seinen Wirtschaftsreformen unterstützen. Diese hatte bereits vor dem Gipfel eine Expertengruppe beauftragt, den griechischen Behörden dabei zu helfen, etwa bereitstehende Gelder aus EU-Töpfen zur Förderung unterentwickelter Regionen zu beantragen.

Das gemeinsame "Projekt Griechenland" hat nach dem zweistündigen Treffen trotzdem einen Schritt nach vorne gemacht: Man ahnt nun zumindest, wie groß die Aufgabe ist und welche Schritte zunächst folgen müssen. Rösler umriss den Zustand der griechischen Wirtschaft in einem Vergleich mit Polen – allerdings mit dem Polen vor zwanzig Jahren. Monopolartige Strukturen in wichtigen Industriezweigen, mangelhafte Infrastruktur, Rechtsunsicherheit, hohe Löhne bei schlechter Ausbildung, Bürokratie, Korruption und fehlende Finanzierungsstrukturen für Unternehmen: "Der Strukturwandel in Griechenland", sagte Rösler, "wird nicht von heute auf morgen funktionieren."

Glaubt man Rösler, dann ist die griechische Regierung durchaus bereit, sich mit Rat und Tat aus Deutschland helfen zu lassen, auf dass am Ende deutsche Unternehmen ausreichend interessante Investitionsbedingungen vorfinden werden. Schon im August soll es dazu erste Gespräche in Athen geben. Unter anderem soll es um Rechts- und Vertragssicherheit gehen, aber auch um ganz profane Angelegenheiten der Verwaltung: nämlich das Ausfüllen von Förderanträgen. Um Geld aus den vielen bereits existierenden Förderprogrammen der EU bekommen zu können, muss man offenbar clever sein und die staatlichen Strukturen kennen. Rösler behauptete am Mittwoch, als Wirtschaftsminister in Niedersachsen habe er einst die meiste Zeit auf Ausfüllen und Durchsetzen solcher Anträge verwandt, weshalb er nun den griechischen Kollegen "Amtshilfe" in dieser Disziplin geben wolle.

Und weil deutsche Unternehmen schon längst in Griechenland investiert hätten, wenn es sich dort mehr lohnen würde als etwa in Mecklenburg-Vorpommern, will Rösler unter anderem die Finanzierung von Investitionen, vor allem bei Mittelständlern, erleichtern. Am Mittwoch wies er darauf hin, dass die Bundes-Förderbank KfW bereits jetzt Programme anbiete, die den Weg nach Athen erleichtern würden. Mit den griechischen Kollegen wolle er jedoch auch darüber sprechen, in Athen eine eigene Förderbank zu installieren. Offenbar ist die Verbilligung von Geld der meistversprechende Weg zur Ankurbelung von ausländischen Investition in die griechische Wirtschaft. Weshalb es am Ende wohl doch darauf hinauslaufen könnte, dass die Europäer nicht nur die Schulden der Griechen von gestern absichern, sondern auch einen neuen Marshallplan zum ökonomischen Aufbau finanzieren müssen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. dann sollte er ganz schnell nach Griechenland auswandern, dort werden immer so fähige Politiker gesucht.

    ( Beitrag kann kleine Mengen von Satire enthalten )

    11 Leser-Empfehlungen
  2. kommt Hr. Rössler hier aber von oben herab. Als ob die griechischen Politiker keinen Antrag ausfüllen könnten. weia, bitte schnell aufhören mit den Peinlichkeiten!

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    ... im Durchsetzen von EU-Förderungsanträgen könnten die Griechen dem Yuppie-Minister Nachhilfestunden geben.

    ... im Durchsetzen von EU-Förderungsanträgen könnten die Griechen dem Yuppie-Minister Nachhilfestunden geben.

  3. Ich verstehe nicht, wie man diese sinnlose Werbeveranstaltung für die FDP ernst nehmen und auch nur einen Gedanken an die verzweifelten Aktionen dieser Clowns verschwenden kann.

    11 Leser-Empfehlungen
  4. 4. F-P-D

    Rösler, Rösler .... habe ich schon mal gehört den Namen.

    Ist der nicht Gesundheitsminister? Nee ...?

    Ach Wirtschaft macht er jetzt?!

    Pfiffiges Kerlchen, der kann alles, was?!

    Welche Partei? FP ... Ö? Nee, moment FPD, ja, F-P-D.

    Die gibt es noch? Was machen die eigentlich?

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    ... und amtierender Wirtschaftsminister; der Mann ist daneben sogar noch Parteivorsitzender der FDP.
    Irgendwann wird er vielleicht Leonardo Da Vinci noch den Rang als Top-Universalgenie ablaufen.
    Ich denke dieser Punkt wird ca. 2013 erreicht sein, wenn wir erstaunt betrachten können, welchen gut dotierten Managerposten Herr Rösler nach Beendigung seiner politischen Karriere aufgrund "überragender Qualifikation" bekleiden darf.

    ... und amtierender Wirtschaftsminister; der Mann ist daneben sogar noch Parteivorsitzender der FDP.
    Irgendwann wird er vielleicht Leonardo Da Vinci noch den Rang als Top-Universalgenie ablaufen.
    Ich denke dieser Punkt wird ca. 2013 erreicht sein, wenn wir erstaunt betrachten können, welchen gut dotierten Managerposten Herr Rösler nach Beendigung seiner politischen Karriere aufgrund "überragender Qualifikation" bekleiden darf.

  5. richtig beschrieben: hohe Löhne bei schlechter Ausbildung ! Was will man dagegen machen in einem Land mit so hoher Gewerkschaftsdichte und Streikbereitschaft?
    Richtig : nicht investieren!
    Und dann ist die 'Regierung durchaus bereit, sich mit Rat und Tat aus Deutschland helfen zu lassen' - aber die Opposition sicher nicht, und die könnte schneller an der Macht sein als erwartet!
    Das waere dann auch ein guter Grund nicht zu investieren!
    Der allerbeste Grund für ein Investment in Griechenland waere natürlich : Austritt aus dem Euro!

    • GMNW
    • 28.07.2011 um 12:32 Uhr

    Rösleins Aktionismus ist nur vordergründig zur Stabilisierung Griechenlands angelegt. In Kern geht es um die Rettung der famosen Interessengemeinschaft FDP um jeden Preis.
    Röslein wollte hier Leadership, Kompetenz und Weitsicht beweisen. Jedoch ist auch hier wie so oft bei der famosen Interessengemeinschaft FDP außer Spesen nichts gewesen da fast alle Entscheidungsträger der Wirtschaft / Unternehmen sich im Urlaub befinden.
    Klassischer Fall eines "Rohrkrepierers"!
    Soll man über diese Plastiktypen der famosen FDP Interessengemeinschaft lachen oder weinen?
    Alles Amateure!

  6. Nachdem der EURO auf dem Krisengipfel gerettet wurde, können wir uns jetzt an den Wiederaufbau Griechenlands wagen. Wer wäre da besser geeignet als das Land der Ideen?

  7. vielleicht meint Herr Rösler ja ,dass die Investitionen in die Rüstungsindustrie ,die vom Steuerzahler aufgebracht werden , in Griechenland gut angelegt sind....

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