SchuldenDie USA riskieren eine neue Finanzkrise

Die USA müssen ihre Schuldenobergrenze anheben, um weiter Rechnungen zu begleichen. Doch Republikaner und Demokraten sind zerstritten. Ist Obama bald zahlungsunfähig? von 

Die "Nationale Schuldenuhr" der USA

Die "Nationale Schuldenuhr" der USA  |  © Mario Tama/Getty Images

Die Uhr tickt unerbittlich. Wenn das Parlament nicht handelt, dürfen die USA in drei Wochen nicht mehr alle Rechnungen bezahlen . Die Regierung muss dann entscheiden, ob sie Zinsen und Tilgung für ihre Schulden verweigert oder die Renten nicht mehr auszahlt oder Bedienstete in den Zwangsurlaub schickt. Die Börsen würden wohl mit einem Schock reagieren. Die ganze Welt bekäme die Folgen zu spüren. Noch nie hat die größte Volkswirtschaft der Erde ihre Zahlungsunfähigkeit erklären müssen.

Der Kongress kann das verhindern. Demokraten und Republikaner müssten sich einigen , die Schuldenobergrenze anzuheben und der Regierung zu erlauben, weitere Kredite aufzunehmen. Doch beide Lager stellen dafür Bedingungen. Die Republikaner fordern: sparen, sparen, sparen und keine Steuererhöhungen. Die Demokraten sagen : keine Kürzung der Sozialleistungen und höhere Steuern für die Reichen. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht. Was am Freitag besprochen war, galt am Sonntag nicht mehr.

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Das ist das Erschreckende am Sommertheater 2011 in den USA. Man kann nicht mehr wie selbstverständlich erwarten, dass die Politiker das Selbstverständliche tun. Sehen sie nicht, welches Unheil sie heraufbeschwören? Vom Ausland gesehen wirkt das rücksichtslos. Republikaner und Demokraten beharren auf ideologischen Maximalpositionen und riskieren damit, die halbe Welt in eine neue Finanzkrise zu stürzen.

Bei näherem Hinsehen haben freilich beide Seiten auch gute Argumente für ihre harte Haltung. Vor der Mitverantwortung für die Welt rangiert die Verantwortung für das eigene Land. Die USA müssen sparen – nicht ein bisschen, sondern richtig viel. Da haben die Republikaner recht. Ein Drittel der laufenden Ausgaben wird jetzt aus neuen Krediten finanziert. Die Gesamtverschuldung hat 14,3 Billionen Dollar erreicht, das sind hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Hauptgrund: Die Steuereinnahmen sind in der Finanzkrise dramatisch eingebrochen.

Es wäre jedoch eine Illusion, dass man nur auf den Aufschwung warten müsse und dann laufe alles wie zuvor. Amerika wird Jahre brauchen, um aus der Krise zu kommen. Deshalb sind neben dem Sparen höhere Einnahmen nötig, um das Budget auszugleichen – die Streichung von Abschreibungsmöglichkeiten und höhere Steuersätze für die Reichsten. Da haben die Demokraten recht.

Höchstwahrscheinlich werden sich Republikaner und Demokraten am Ende einigen. Aber sicher ist das nicht. Es bleibt ein Restrisiko, dass die Ideologie über die Verantwortung triumphiert.

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Leserkommentare
  1. Die USA sind so pleite, da ist Griechenland ein Witz dagegen.

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    • a.flex
    • 10. Juli 2011 20:32 Uhr

    @limdaepl

    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten! Die USA sind nicht mal ansatzweise so schlecht dran wie Griechenland:

    http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/07/06/all-greek-to-him/

    ...Griechenland waren die USA nicht so dumm ihre Währungshoheit abzugeben. Falls sie nicht aus alberner Polittaktik ihr Land ruinieren, können sie defakto nicht pleite gehen.

    • joG
    • 11. Juli 2011 18:30 Uhr

    ...anerkennende Stimmen sich für eine so uninformierte Meinung finden. Ich vermute Mal, die Zustimmung ist emotionale Ejakulat und weniger intellektuell gegrundet.

  2. Dass diese Krise zur Profilierung der Parteien missbraucht wird ist wenig überraschend, dass allerdings die Rating-Agenturen noch nicht mit einer Abwertung reagiert haben gleicht einem Skandal!

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    ...das Theater sicher gewohnt und gehen von einer politischen Einigung aus.

    Drohungen und Aktionen gab es aber sehr wohl:
    http://www.google.com/search?q=USA+herabgestuft&hl=de

    Dass die nicht so arg sind wie in G, liegt daran, dass es ein wiederholtes und rein politisches Problem ist. Ist die Grenze angehoben, kann es weitergehen wie immer.

    • Talor
    • 10. Juli 2011 20:05 Uhr

    ..respektive Amerika, bald zahlungsunfähig sei? Nein, das ist schon 10000000000000$ her.

    Wann es wohl Auswirkungen hat, dass so gut wie JEDES Land schlicht und einfach pleite ist? Man darf gespannt sein.

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    ...was in der dümmeren Presse gern als *Schulden* bezeichnet wird, ist nichts weiteres als gedrucktes Geld, bzw. könnte es sein. USA könnten sich in jeder beliebigen Höhe bei der FED verschulden.

    Deshalb sind sie auch bei den Ratings so hoch, die können nicht pleite gehen. Probleme bekommen sie schlimmstenfalls, wenn sie diese alberne Verschuldungsschranke aus politischer Taktik nicht anheben.

    Wenn Herr Marschall schreibt "Die USA müssen sparen – nicht ein bisschen, sondern richtig viel" beweist er damit nur, dass er keine Ahnung von der Materie hat, ja noch nichtmal in der Lage ist, aus dem Griechenland-spar-desaster die richtigen Schlüsse ziehen kann.

  3. Auf User-Wunsch entfernt. Die Redaktion/se

  4. Hat letztlich gezeigt, dass das gesamte kapitalistische System wie es vorher geherrscht hat so keinen dauerhaften Bestand haben kann, und nun zeigt sich auch wieso.

    Selbst wenn Amerika Pleite gehen sollte ist das immer noch bei weitem keine derartige Katastrophe, da die größten Probleme so oder so schon im Kommen sind, eine "kurzfristige" Rettung der USA würde das Problem nur aufschieben aber bei weitem nicht beheben.

    Auch diese ideologischen Kleinigkeiten wie etwa Steuererhöhungen vs. Sparen oder wie auch immer beheben letztlich keine der Probleme, die gesamte Struktur ist das Problem. Der Tertiärsektor hat vor allem im Zuge der extrem fortschreitenden Globalisierung und Vernetzung der Welt eine viel zu große Macht wobei er ja letztlich nicht produziert.

    Das Problem ist doch der Umstieg von eigentlicher Produktion auf Verwaltung (in dem Falle: Finanzsektor), und so lange Diskrepanzen bestehen wie dass z.B. ein Bankenmanager das 100fache oder 1000fache eines eigentlichen Arbeiters verdient so lange kann das System nicht stimmen.

    Die einzigen Möglichkeiten sind erstens ein radikaler Umbau des Finanzsystems und des Tertiärsektors und zweitens eine Wiederkehr zur eigentlichen Produktion anstatt zur Verwaltung.

    Marx Theorie beweist leider wieder einmal ihre Gültigkeit...der Kommunismus aber nicht.

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    ...ist eine Rückkehr zum Primat der Politik und damit das funktioniert, brauchen wir eine Abkehr vom bedingungslosen Freihandel und internationalen Finanzmärkten, hin zu einer differenzierten und verantwortungsbewussten Politik und Wirtschaft.

    Gestaltung statt naivem Marktglauben. Re-Domestizierung der Finanzströme und Geldpolitik, demokratische Kontrolle über Marktzugang und Grenzen.

    Gelingt uns das nicht, werden wir weiter Getriebene bleiben, Sklaven der Renditeure und Reichen, ihrer Steueroasen und selbstverliebten Vorstellungen. Eingesperrt in pseudodemokratische Systeme mit gekauften Politikern und Medien...

    ...dass der Kapitalismus sich noch nie selbstständig aus einer Krise selbst geheilt hat. DeR Kommunismus konnte friedlich abdanken - der Kapitalismus braucht Weltkriege.

    Die USA waren in den 90 er Jahren Schuldenfrei, auch Deutschland mal, trotz Kapitalismus. Das Problem ist, dass die Politiker in guten Zeiten Geschenke machen, in schlechten dies aber nicht zurücknehmen wollen. Allein, was die USA in den absurden Kampf gegen den Terror gesteckt haben, ist eingroßer Teil des Defizits. Griechenland übrigens ist weniger durch den Kapitalismus als vielmehr durch fast sozialistische Verhältnisse pleite gegangen, wenn bald 1/4 im Staatsdienst ist und gut bezahlt wird. Ständig den Grundgedanken des Kapitalismus hier für die Krise verantwortlich zu machen, ist zu einfach. Kuba ist ein sozialistisches Land, hat ebenfalls Schulden und dazu miese Lebensbedingungen. Also, die USA müssen ihren Haushalt extrem sanieren, es können aber nur Steuern erhöht werden, wenn man gleichzeitig spart und fast alles zur Diskussion stellt.

    • Dok06
    • 11. Juli 2011 2:07 Uhr

    Der tertiäre Sektor besteht aus weeit mehr als nur aus Banken. Und auch wenn er nichts "produziert"; Dienstleistungen tragen ebenso zum Wohlstand bei wie Güter. Nur eben nicht so greifbar.

  5. ob es gewissenloser ist die Schuldengrenze anzuheben oder die nächste Krise in Kauf zu nehmen.

    Mein Kommentar #5 sollte wenn möglich gelöscht werden, der sollte so nicht raus.

  6. ich möchte wirklich drum bitten, keine oder nur möglichst wenige Artikel aus dem Tagesspiegel zu übernehmen. Wie andere Artikel auch ist dieser mal wieder viel zu kurz gefaßt und strotzt vor Plattheit. Die Frage, die man sich nach dem Lesen des Artikels stellt, ist die, was einem das Lesen nun gebracht hat - nämlich nichts. Man ist genauso schlau wie zuvor. Amerika hat Schulden, die Republikaner wollen dies, die Demokraten wollen das, Einigung ist nicht in Sicht; das ist aber nun nichts wirklich Neues. Die ZEIT hat Reporter, die die ganze Situation wesentlich besser aufbereiten und mehr Informationen liefern könnten; ich erinnere nur an die (später ausgezeichneten) Reportagen über die Immobilieneigentümer in Amerika während der Krise und den Verbleib des Geldes. Beides waren Reportagen, die Wissen lieferten und komplexe Zusammenhänge gut und einleuchtend darstellten und von allen Seiten beleuchteten.
    Wenn es also die ZEIT-Reporter besser können und das haben sie ja schon unter Beweis gestellt, dann sollten solche Artikel wie der obige nicht eingekauft werden; um es mal ganz salopp auszudrücken: getretener Quark wird breit, nicht stark.

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    ...seit ich hautnah an einem Konflikt (Elfenbeinküste (Ivoireleaks)) erlebt habe wie die Staaten und Diplomaten die Presse missbrauchen, und die Presse sich missbrauchen lässt, lese ich nur noch die Kommentare. Die Artikel lese ich nur quer.
    Dabei ist es immer wieder wichtig aus welcher Quelle, aus welcher Feder, aus welchem Propagandaorgan ein Text stammt.

    verflechtungen.

    eigentümer von ZEIT, Tagesspiegel, Handelsblatt (uva)
    ist die familie holtzbrinck.

    eine vollständige aufstellung ihrer medialen macht ist selbst auf deren eigenen webseite NICHT zu finden > http://www.holtzbrinck.com/artikel/778427&s=de

    zum thema:

    "Ein Drittel der laufenden Ausgaben wird jetzt aus neuen Krediten finanziert. Die Gesamtverschuldung hat 14,3 Billionen Dollar erreicht, das sind hundert Prozent des Bruttoinlandsprodukts."

    das ist die kern- und EINZIGE aussage des artikels.

    in seinem kurzportrait > http://community.zeit.de/user/christoph-von-marschall rühmt sich der autor zwar der persönlichen bekanntschaft mit herrn obama und des guten zugangs zum weissen haus, weiterführende, mitteilenswerte informationen scheint er dadurch aber nicht zu erlangen.

    ein drittel der ausgaben mit "frischem" pyramidengeld "bezahlt": Chapeau!

    das sind rund 150 mrd dollar, die sie der restlichen welt leistungslos für ihren konsum und für die weitere anhäufung von multimilliardenvermögen abpressen.

    das zinseszinssystem ist unbarmherzig (mathematisch und logisch).

    was frisst der parasit, wenn der wirt tot ist?

    "..Die Frage, die man sich nach dem Lesen des Artikels stellt, ist die, was einem das Lesen nun gebracht hat - nämlich nichts. Man ist genauso schlau wie zuvor.."

    Schauen Sie mal hier: http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8172--eu-krisensitzung-wegen-i...

    Wäre das nicht viel wichtiger für uns als Europäer?

    Ich meine ja nur...

    • Danyl
    • 10. Juli 2011 22:47 Uhr

    ich möchte Ihnen hiermit für Ihr Kommentar mein Lob aussprechen. Sie haben die Sache auf den Punkt gebracht. Das schafft nicht jeder.

  7. Den Schulden des Staates stehen einerseits Vermögen der Bevölkerung entgegen. Der Staat hat genügend möglichkeiten, diese zu tilgen. Nur will man das scheinbar nicht.
    Auf der anderen Seite gibt es noch Auslandsschulden. Die stellen das größere Problem dar, da man zur nachchaltigen Tilgung seine Außenhandelsbilanz umkehren müsste. Mehr exportieren und weniger importieren. Hier liegt das Problem der USA. In den USA wird zu wenig produziert.

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    ...wenn Geld, so wie es einst erschaffen wurde, an weltliche Werte geknüpft wäre. Ist es aber schon lange nicht mehr.

    Die USA produziert mehr als genug für die reale Welt, aber nicht für die rein fiktiven Schuldenblase, die niemals beglichen werden kann.

    Wissen die Verantwortlichen sicherlich auch, u.U. machen die USA deswegen noch so richtig schön Schuld, da das Ganze zwangsläufig zerbrechen wird. Und wer will´s der USA mit Gewalt wegnehmen?

    dann beantworten müßte,
    "Den Schulden des Staates stehen einerseits Vermögen der Bevölkerung entgegen. Der Staat hat genügend möglichkeiten, diese zu tilgen. Nur will man das scheinbar nicht."
    wäre doch: wer hat die Schulden und wer hat das Vermögen?
    Ich glaube nicht, daß es gleichmäßig unter der Bevölkerung verteilt ist - da wäre ich sogar bereit, meinen Kopf drauf zu verwetten.
    Zudem wäre zu beantworten, wie man dieses Vermögen realisieren kann - davon findet sich außer platten Äußerungen im Artikel keine Aussage, von Antwort ganz zu schweigen.
    Mir ging es vorrangig um die Qualität dieses Artikels - und die finde ich miserabel.

    Vor allem der letzte Abschnitt des Artikels macht dieses Elaborat eines (Möchtegern-)Journalisten völlig lächerlich:

    "Höchstwahrscheinlich werden sich Republikaner und Demokraten am Ende einigen. Aber sicher ist das nicht."

    Ich könnte auch morgen von einem Auto überfahren werden.Sicher ist das aber nicht.

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  • Schlagworte Bruttoinlandsprodukt | Börse | Dollar | Finanzkrise | Ideologie | Kredit
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