Schweiz Warum ein Ex-Banker für ein Bürgergeld kämpft
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Die Gewerkschaften haben es nicht so mit Utopien

2008 ging er weg von der UBS, wurde Unternehmensberater. Er beschäftigt sich mit Dingen wie der Büroflächenentwicklung in Japan, begann, über Wirtschaft zu schreiben. Er habe einmal etwas anderes machen wollen, sagt er. Vielleicht liegt es auch an der Krise. Wenn über Nacht Banken und Staaten zusammenbrechen, ein ganzes System in Frage gestellt werden muss, dann ist auch Zeit für Utopien.

Auf das Grundeinkommen hat ihn ein Jugendfreund gebracht. Wellershoff war mit ihm bei der Marine, auf dem Schulschiff Deutschland. Er leistete normalen Dienst, eine Karriere beim Militär kam nicht in Frage, der Vater war Admiral, "da konnte ich nicht in der gleichen Organisation arbeiten". Mit dem Jugendfreund diskutierte Wellershoff über eine negative Einkommenssteuer, also Geld, das der Staat den Bürgern gibt, statt es ihnen zu nehmen. "Der Gedanke ist so bestechend einfach, dass man nicht lange nachdenken muss." Auch er würde den Staatsetat durch eine höhere Mehrwertsteuer ausgleichen.

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Seit jeher beschäftigen sich Denker damit, was den Menschen zusteht. Ob nicht jeder einen Anteil an der Erde haben solle, was viele Namen hat: Basic Income Guarantee, "Sozialdividende oder Bürgergeld. Oder eben bedingungsloses Grundeinkommen, BGE. Kurioserweise setzten sich dafür sowohl Visionäre des 18. Jahrhunderts ein, die selbst Marx "utopische Sozialisten" nannte, als auch neoliberale Theoretiker wie Milton Friedman, der den Sozialstaat abbauen wollte. Alaska hat seit 1982 eine Art Grundeinkommen. Alle, die sechs Monate im Land sind, bekommen eine jährliche Dividende, das Geld stammt aus Erdölgewinnen. 2000 Dollar waren das im Jahr 2000. Und Brasilien beschloss 2004 ein "Grundeinkommen für alle" und arbeitet daran, es umzusetzen.

Anruf bei Ralf Krämer. Krämer ist ein brummiger Gewerkschafter aus dem Bundesvorstand von Verdi und arbeitet in Berlin. In Berlin wird das Altpapier nicht versorgt, und auch sonst ist hier vieles anders als auf dem Zürichberg. Krämer kann gar nicht alle Argumente gegen das Grundeinkommen aufzählen, so viele sind es. Es würde den Wert der Arbeit mindern, die Löhne kaputt machen, Leute würden entlassen, da alle ja abgesichert seien. Das BGE sei "Aufstocken für alle", sagt Krämer. Die Gewerkschaften haben es nicht so mit Utopien.

Und Klaus Wellershoff? Ihn reize an der Idee, was ihn an seinem Fach reize, "das Hinterfragen von allgemein anerkannten Weisheiten". Wobei das Grundeinkommen unter Ökonomen viel weniger umstritten sei als in der Öffentlichkeit, sagt Wellershoff. Die Bundesgrünen haben sich inzwischen davon verabschiedet. "Das bedeutet, dass die Grünen eine etablierte bürgerliche Partei geworden sind", sagt Wellershoff. Und das finde er eigentlich schade.

Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
  1. Entweder ist der Mann ein schlauer Kerl, oder ein kann es sich einfach nicht anders vorstellen: Warum sollen wir nur für Geld etwas bekommen, daß uns zu steht?
    Z.B. werden wir auf die Erde geboren. Und dort in ein Land. Da liegt es doch nahe, jedem Bürger 1-2 ha Fläche auf Lebenszeit zur Verfügung und Verantwortung zu stellen. Unverfügbar. Das ist kaum zuviel verlangt: Eigenes Land erlaubt selbständige Ernährung, Behausung, Sinnstiftung, Verantwortung, Unabhängigkeit. Demokratie ist ohne solche Unabhängigkeit gar nicht zu realisieren. Was man gerade sieht: Alle rennen nach dem Geld. Droht einer, es werde bald keines mehr da sein, wird alles getan zu seinen Bedingungen. Bürgergeld ändert gar nichts an dieser Situation. Am Ende zählen nur Boden und Fressen, weshalb sich die Kapitalisten weltweit damit eindecken. Damit sie uns besser erpressen können.

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    • tom310
    • 17.08.2011 um 7:22 Uhr

    es findet sich sonst keiner:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Lieber kuckenderkauz,

    Zinsverbot, Spekulationsverbote für Land und Nahrungsmittel sind sicherlich eine gute Sache, aber Land für Jeden halte ich für genau das Gleiche wie uns die jetzige Situation bietet. Was wir brauchen ist Land für Niemanden, so wie das zu Urzeiten einmal war. Das wäre eine grundlegende Veränderung. Jeder Mensch auf der Welt bekommt den gleichen Anteil der weltweiten Wirtschaftsleistung. Und zwar nicht in Dollar oder Euro, sondern in einer Weltwährung.Das Grundeinkommen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn so kann sich jeder mit einer gewissen Würde frei bewegen und sich in die Gesellschaft einbringen. Aber das zu Fordern kann nur ein Scherz sein. Und dass die beschriebene Erkenntnis von Herrn Klaus Wellershoff ernst gemeint ist wage ich zu bezweifeln. Das Grundeinkommen ist für viele Kapitalisten nicht nur ansatzweise denkenswert. Ein Machtinstrument zur Versklavung der Vielen würde fallen. Die Gesellschaft würde sich hin zu einer großen Schwarmintelligenz mausern und nicht mehr steuerbar sein. Der Gedanke an ein Grundeinkommen würde höchstens dann gesellschaftsfähig, wenn keine andere Lösung mehr möglich wäre. Das würde genau dann eintreten, wenn selbst die Arme im Innern nicht mehr fähig ist den aufgebrachten Mob zu beherrschen. Doch eine Arme im Innern und ein randalierender Mob wären Armutszeugnisse am Ende einer Gesellschaft, nach Auflösung des Gesellschaftsvertrags. Dann ist es aber ohnehin schon zu spät. Schade eigentlich.

    • tom310
    • 17.08.2011 um 7:22 Uhr

    es findet sich sonst keiner:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Lieber kuckenderkauz,

    Zinsverbot, Spekulationsverbote für Land und Nahrungsmittel sind sicherlich eine gute Sache, aber Land für Jeden halte ich für genau das Gleiche wie uns die jetzige Situation bietet. Was wir brauchen ist Land für Niemanden, so wie das zu Urzeiten einmal war. Das wäre eine grundlegende Veränderung. Jeder Mensch auf der Welt bekommt den gleichen Anteil der weltweiten Wirtschaftsleistung. Und zwar nicht in Dollar oder Euro, sondern in einer Weltwährung.Das Grundeinkommen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn so kann sich jeder mit einer gewissen Würde frei bewegen und sich in die Gesellschaft einbringen. Aber das zu Fordern kann nur ein Scherz sein. Und dass die beschriebene Erkenntnis von Herrn Klaus Wellershoff ernst gemeint ist wage ich zu bezweifeln. Das Grundeinkommen ist für viele Kapitalisten nicht nur ansatzweise denkenswert. Ein Machtinstrument zur Versklavung der Vielen würde fallen. Die Gesellschaft würde sich hin zu einer großen Schwarmintelligenz mausern und nicht mehr steuerbar sein. Der Gedanke an ein Grundeinkommen würde höchstens dann gesellschaftsfähig, wenn keine andere Lösung mehr möglich wäre. Das würde genau dann eintreten, wenn selbst die Arme im Innern nicht mehr fähig ist den aufgebrachten Mob zu beherrschen. Doch eine Arme im Innern und ein randalierender Mob wären Armutszeugnisse am Ende einer Gesellschaft, nach Auflösung des Gesellschaftsvertrags. Dann ist es aber ohnehin schon zu spät. Schade eigentlich.

  2. ...dagegen sein soll. Die Idee ist bestechend, gleichwohl bleibt ein Gefühl von "Kann das wirklich funktionieren?".

    Gesetzt den Fall, es würde ausnahmslos jeder zu Hause bleiben, wer würde das BGE finanzieren? Käme über Mehrwertsteuer, bzw. Einfuhrumsatzsteuer so viel Geld in die Kassen, um das BGE zahlen zu können? Die Tendenz könnte dahin gehen, dass ein Staat mit BGE das Ausland quasi für sich produzieren lässt (in der Heimat tut`s ja niemand). Andererseits dürfte es völlig lebensfremd sein, eine solche Extrembetrachtung zu machen.
    Ich fände es sehr reizvoll, es einfach auszuprobieren.

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    Wie wäre denn unser Rentensystem zu bezahlen, gesetzt des Falles, alle wären auf einmal arbeitslos? Oder zumindest ein Großteil.

    Sie sehen, das Argument des schlimmstmöglichen Härtefall ist kein ausschließendes in unserem schon heute üblichen System.

    Wie wäre denn unser Rentensystem zu bezahlen, gesetzt des Falles, alle wären auf einmal arbeitslos? Oder zumindest ein Großteil.

    Sie sehen, das Argument des schlimmstmöglichen Härtefall ist kein ausschließendes in unserem schon heute üblichen System.

  3. Alle Industriestaaten kommen um das Grundeinkommen nicht herum! Englische Verhältnisse werden sich überall ausbreiten und auch die Wohlhabenden Bevölkerungsschichten bedrohen. Polizei, Armee und größere Gefängnisse werden sinnlos, da die Menschen ohne Perspektive und vor allem ohne Würde immer mehr werden. Das nützt aber wirklich Niemanden. Es wäre ein schlimmer Zustand, wenn man sich nicht mehr frei bewegen kann. Sein teures Fahrzeug nur noch in Gettos bestaunen lassen kann. Was nutzt denn Reichtum, wenn er nur von Wenigen gelebt und genossen werden kann. Und dies nur an bestimmten Orten in der Welt, die als Hochsicherheitstrakt bezeichnet werden können. Ich persönlich hoffe, dass ein Grundeinkommen eingeführt wird, da andere Systeme keinen Sinn mehr machen. Jeder hat das Recht auf ein erfülltes Leben! Ich frage mich schon lange, wo die schlauen Köpfe wohl sind? Oder denkt jemand mit einem Vermögen von einer Milliarde aufwärts wirklich noch daran mehr zu wollen?

    10 Leser-Empfehlungen
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    Irgendwie nehme ich Ihnen ihren Beitrag nicht ab. Was soll das für ein anderes 'System' sein wenn sie Konsumgutscheine in Form von Blüten verteilen? Für die Reichen bleibt alles beim alten, wenn der Mob sie nicht auf der Strasse angreift? Darum gehts doch gar nicht. Sie wollen blos mehr Geld drucken, damit sich die Leute noch mehr abkämpfen dafür. Das Bürgergeld ist ein vergiftetes Geschenk. Wir brauchen: Land für jeden, Zinsverbot, Spekulationsverbote für Land und Nahrungsmittel.

    Irgendwie nehme ich Ihnen ihren Beitrag nicht ab. Was soll das für ein anderes 'System' sein wenn sie Konsumgutscheine in Form von Blüten verteilen? Für die Reichen bleibt alles beim alten, wenn der Mob sie nicht auf der Strasse angreift? Darum gehts doch gar nicht. Sie wollen blos mehr Geld drucken, damit sich die Leute noch mehr abkämpfen dafür. Das Bürgergeld ist ein vergiftetes Geschenk. Wir brauchen: Land für jeden, Zinsverbot, Spekulationsverbote für Land und Nahrungsmittel.

  4. ... denn wer wird schon fuer das gleiche Geld, oder fuer einen geringfuegig hoeheren Lohn arbeiten gehen.

    Die Zahl der Unbeschaeftigten, die dieses Buergergeld in Anspruch nehmen, wird sicherlich deutlich hoeher sein als die der heute offiziell Arbeitslosen.

    Wenn es in der Schweiz schon eine gewaltige Anstrengung bedeutet, dann ist es in anderen Laendern kaum vorstellbar.

    Na ja, wenigstens die FDP haette dann wieder eine Daseins-Berechtigung.

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    Och, dann müssten sich Arbeitgeber endlich mal wieder überlegen, wie sie attraktive Bedingungen schaffen. Ja, vermutlich würden sich viele erst einmal eine Auszeit nehmen und nicht für andere arbeiten. Aaaber mir geht es z.B. so, dass ich gern völlig auf Ehrenamt umschwenkte, wenn ich davon leben könnte. Man stelle sich vor: z.B. kein Pflegenotstand mehr, weil die, die es können und wollen, nicht in finanziellen Notstand laufen, wenn sie sich lieber familiär oder sozial engagieren wollen.

    Och, dann müssten sich Arbeitgeber endlich mal wieder überlegen, wie sie attraktive Bedingungen schaffen. Ja, vermutlich würden sich viele erst einmal eine Auszeit nehmen und nicht für andere arbeiten. Aaaber mir geht es z.B. so, dass ich gern völlig auf Ehrenamt umschwenkte, wenn ich davon leben könnte. Man stelle sich vor: z.B. kein Pflegenotstand mehr, weil die, die es können und wollen, nicht in finanziellen Notstand laufen, wenn sie sich lieber familiär oder sozial engagieren wollen.

  5. Irgendwie nehme ich Ihnen ihren Beitrag nicht ab. Was soll das für ein anderes 'System' sein wenn sie Konsumgutscheine in Form von Blüten verteilen? Für die Reichen bleibt alles beim alten, wenn der Mob sie nicht auf der Strasse angreift? Darum gehts doch gar nicht. Sie wollen blos mehr Geld drucken, damit sich die Leute noch mehr abkämpfen dafür. Das Bürgergeld ist ein vergiftetes Geschenk. Wir brauchen: Land für jeden, Zinsverbot, Spekulationsverbote für Land und Nahrungsmittel.

    • Harzer
    • 16.08.2011 um 19:18 Uhr

    ... dass die Grünen eine etablierte bürgerliche Partei geworden sind", sagt Wellershoff. Und das finde er eigentlich schade. !!!!

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Sie fragen:
    "Oder denkt jemand mit einem Vermögen von einer Milliarde aufwärts wirklich noch daran mehr zu wollen?"

    Ja, das tut er. Ansonsten wär er zu der Milliarde gar nicht erst gekommen. Diese Gier definiert sich ja gerade durch ihre Grenzenlosigkeit.

    Das Problem ist, daß sie als gut und wünschenswert dargestellt wird. Und daß gierige Leute es geschafft haben, Andere unter unwürdigen Bedingungen für sich arbeiten zu lassen, weil sie diese überzeugen konnten, daß Lohnarbeit erstrebenswert, da notwendig sei.

    Und diese Gierigen gelten auch noch als Wohltäter der Gesellschaft, die uns allen erst unseren Lebensunterhalt sichern. Was für eine Perversion der Natur!

    "kuckenderkauz" hat es im ersten Kommentar auf den Punkt gebracht: Jedem seine Scholle! Nur so wär es gerecht. Und so war es mal. Bevor "sie" Eigentum und Grundbücher erfunden haben.

    Zum Thema Arbeit empfehle ich Paul Lafargue unter folgendem Link:

    http://www.wildcat-www.de...

    Zum Thema des Artikels:

    https://www.grundeinkomme...

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    Danke für den Link zu Paul Lafargues "Das Recht auf Faulheit". Sie - und vielleicht auch andere - dürften gerne Erich Ribolits lesen "Die Arbeit hoch?" http://www.streifzuege.or...

    Danke für den Link zu Paul Lafargues "Das Recht auf Faulheit". Sie - und vielleicht auch andere - dürften gerne Erich Ribolits lesen "Die Arbeit hoch?" http://www.streifzuege.or...

  7. Die naheliegende Frage "wer geht dann noch arbeiten?" beantwotrtet sich bei intelligentem Einsatz von selbst: Je weniger die Leute arbeiten, desto weniger wird produziert, desto höher steigen 1. die Preise (Nachfrage größer als Angebot) und 2. die Steuern - der Staat muss ja das Grundeinkommen finanzieren - im theoretischen Extremfall durch Steuern, die das Grundeinkommen völlig auffressen, so dass es zum Nullsummenspiel wird.

    GERADE DESHALB ABER wird es immer einen Anreiz geben, zu arbeiten und mehr zu verdienen als das bloße Grundeinkommen. THEORETISCH: Wenn alle nur davon leben wollten, könnte keiner davon leben. PRAKTISCH: Arbeit wird besser bezahlt werden (geringer besteuert, im Gegenzug wertvoller, weil Arbeitgeber mehr bieten müssen), so dass sie sich wirklich LOHNT.

    AUSSERDEM: In einer solchen Gesellschaft wird es legitim sein, Leistung anzuerkennen und Faulheit zu verachten. In ihr wird es auf Basis freierer Entfaltungsmöglichkeiten zu verstärkter und nun hoffentlich produktiver Konkurrenz kommen...

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